Tage wie diese

Saison 2011/2012: 34. Spieltag - Mainz 0:3 Gladbach

Gerade nach einer Saison wie dieser ist das Bedürfnis riesig, völlig mit ihr im Reinen zu sein. Der letzte Eindruck bleibt – egal, wie schwer es auch sein mag, am Ende noch einmal ein Ausrufezeichen zu setzen. Mit dem Abpfiff in Mainz verschmolzen die einzelnen Mosaiksteinchen zu einem großen Ganzen, das es einfach nur zu feiern gilt. Gewisse Ereignisse auf gewissen anderen Plätzen sorgten obendrein noch für Genugtuung.

Die letzte Auswärtsreise der Saison begann bereits am 5. April um 9 Uhr morgens, genau einen Monat vor dem Anpfiff in Mainz. Wieder einmal waren zehn Prozent der Tickets nicht genug, um den Durst aller Borussen zu stillen. Alle Vereinsmitglieder, ansonsten ziemlich weit oben in der Bestellhierarchie angesiedelt, waren zunächst leer ausgegangen. Alternativen mussten her.

Nur noch gut 5000 Tickets dürften wenige Tage vor dem Start des freien Verkaufs für alle Mainz-Mitglieder freigeschaltet worden sein. Hinzu kommt, dass tatsächlich zig Gladbacher in den Verein eingetreten waren, weil sie die Kartenknappheit frühzeitig erahnten. Wer konnte denn wissen, dass es am 34. Spieltag um nichts mehr gehen würde? Ich wette, dass es sogar mindestens einen Verrückten gegeben hat, der im Februar den Mitgliedsantrag mit dem Hintergedanken ausfüllte, es könnte um die Meisterschaft gehen. Die Hoffnung, es als Nicht-Mitglied am 5. April überhaupt noch probieren zu dürfen, war dementsprechend klein.

Doch in den Foren gaben Fans, die übergangsweise zu Mainzern konvertiert waren, am Vorabend regelmäßig Wasserstandsmeldungen ab. Irgendwann aber war die Zahl so klein, dass auf dem Rhein bald die Schifffahrt eingestellt werden würde, wenn es sich dabei um seinen Pegel in Zentimetern handeln würde.

Zwei aus 59
Um kurz vor neun legte ich mich am Gründonnerstag also auf die Lauer, mit der F5-Taste als vertrautem Partner, wann immer es im Internet schnell gehen muss. Atomuhrverdächtig erschien exakt zur vollen Stunde die Paarung – mit einem Tortendiagramm daneben, dessen grünes Stück leider kaum noch zu erkennen war. Online sind es 59 Tickets gewesen, die in den freien Verkauf gingen. Keine Sekunde blieb, um zu überlegen, ob ein Nachmittag in der gegnerischen Kurve erstrebenswert ist. Für nur 13,50 Euro kann man es sich erlauben, erst zu handeln und dann nachzudenken. Zweimal Block P landete im Warenkorb, es war geschafft.

Kurz wurden Meldungen verbreitet, es hätten sich so viele Gladbacher Karten in der Mainzer Kurve besorgt, dass der Gastgeber nun überlege, sie alle gemeinsam in einem Block unterzubringen. Davon waren die Mainzer Fans wiederum so wenig begeistert, dass man danach nie mehr etwas Ähnliches hörte. Niemand duldet gerne eine Invasion der heimischen Tribünenstufen, verständlich. Aber es kann auch nicht so schwer sein, das letzte Heimspiel einer Saison ohne Hilfe des Gegners auszuverkaufen.

Ohne dieses Glück wäre die beste Saison meines Fanlebens vielleicht vor einem Fernseher zu Ende gegangen. Wahrscheinlicher wäre es aber gewesen, dass ich mich auch ohne Eintrittskarte nach Mainz aufgemacht hätte, um dort vor Ort alles zu versuchen. Schließlich ist die Hauptstadt von Rheinland-Pfalz von der Hauptstadt des Saarlandes nicht annähernd so weit entfernt wie die Fußball-Hauptstadt des Niederrheins.

Den Fluch brechen
In einer Kneipe am Mainzer Hauptbahnhof endet am Samstag um 13 Uhr eine erneute Sternfahrt. Nils, aus der Heimat gekommen, und Alexander, aus Würzburg angereist, sitzen bereits seit zwei Stunden an der Theke. Letzteren wollte ich an Spieltagen eigentlich gar nicht mehr sehen, weil in dieser Saison ein einminütiges Sich-über-den-Weg-Laufen stets gereicht hat, um anschließend auf keinen Fall drei Punkte zu holen. Am Abend nach dem 0:0 gegen Augsburg haben wir jedoch entschieden, dass wir einfach auf Teufel komm’ raus versuchen werden, den Fluch zu brechen. Wenn nicht in einem Spiel, in dem es offiziell um nichts mehr geht, wann dann?

In den Tagen zuvor haben Nils und ich lange ausgeklügelt, wie wir uns am besten anziehen, um in der gegnerischen Kurve nicht aufzufallen. Es fällt schon schwer, auf Schwarz-Weiß-Grün zu verzichten. Wie soll es dann möglich sein, Gladbacher Tore regungslos zu feiern, im besten Fall mit einem High Five auf Kniehöhe? Als wir am Acker vor der Coface-Arena aus dem Bus steigen, kann ich es mir immer noch nicht richtig vorstellen. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion haben uns zwei Gladbacher für völlig bekloppt gehalten und waren ziemlich irritiert. Erst Recht, als wir auch noch erzählten, dass wir im Sommer bei den Olympischen Spielen in London Karten fürs Gewichtheben der Frauen haben (Klasse ab 48 kg) und drei Wochen später auf jeden Fall mit dem Zug zum ersten Europacup-Auswärtsspiel unseres Lebens fahren.

In meinem T-Shirt und in meiner Lederjacke fühle ich mich unter Trikot-, Schal- und Kuttenträgern wie der letzte Eventfan. Wahrscheinlich wird man mich in der Mainzer Kurve auch für einen solchen halten, wenn ich kein Lied kenne und immer im falschen Moment überhaupt eine Regung in meinem Gesicht zeige. Aus der Ferne sieht die neue Arena aus wie ein riesiger Möbeldiscounter in einem Gewerbegebiet am Arsch der Welt. Aber wer einen Zweitwohnsitz im Borussia-Park hat, darf sich nicht beschweren. Zumal sowohl der als auch das Mainzer Stadion von innen erste Sahne sind.

Nicht nachdenken, machen
Im strömenden Regen zieht es uns zuerst zum Gästeblock. Wie schnell dann alles geht, hätten wir selbst nicht gedacht. Ein Mann hält zwei Karten hoch. Es würde alles noch schneller gehen, wenn wir nicht 18 Sekunden benötigten, um die Chance zu ergreifen. Block H, Sitzplatzkarten, Reihe 1, für den Normalpreis. Es ist wie bei der ersten Bestellung der Karten im Ticketshop des FSV Mainz 05 – nicht nachdenken, machen. Fast würde unser Portemonnaie uns einen Strich durch die Rechnung machen. 41 von 56 Euro kratzen wir zusammen, für den Rest bürge ich mich meiner Handynummer und meinem Namen. Danke für das Vertrauen in zwei Jungspunde mit zu wenig Geld in der Tasche und ohne Devotionalien am Körper!

Binnen drei Minuten sind wir anschließend eines unserer beiden Stehplatztickets los, wir bekommen sogar die Versandkosten erstattet. Nils rennt mit den 15 Euro zu unserer Kartenquelle für den Gästeblock. Falls sie das liest, kann die Quelle meine Nummer jetzt ja wieder löschen. Angefixt von den ersten Gehversuchen auf dem Schwarzmarkt (Fair Trade), spaziere ich zur gegenüberliegenden Kurve.

Anscheinend war der Markt jedoch genau mit der einen Karte gesättigt. Nach 30 Minuten stehe ich noch immer mit gerecktem Arm in der Gegend, nachdem ich bereits dreimal vom linken auf rechten und wieder zurück gewechselt habe. So eine Thrombose würde mir gerade noch fehlen. “Was ein Scheißjob”, sagt eine Frau im Vorbeigehen zu ihrem Mann. Ich fühle mich sozial geächtet. Verzweifelt schwimmen Nils und ich gegen den Strom der Fans auf dem Weg zur Arena. Keiner will, nicht einmal für “zehn Euro, Sonderpreis”. Erst nach weiteren zehn Minuten erbarmt sich ein Jugendlicher – die jungen Leute wissen Schnäppchen wenigstens noch zu schätzen.

Rückblick auf JHV
Der würdige Abschluss der Saison ist damit gesichert. Vergangenes Jahr hatte alles endgültig mit der legendären Mitgliederversammlung am 29. Mai geendet. Vier Tage nach dem Klassenerhalt in Bochum war es damals in ein weiteres Endspiel gegangen: Alle gegen die “Initiative Borussia”. Endstand: 4434:335. Die Versammlung in dieser Saison konnte damit nicht ganz mithalten.

Rolf Königs musste sich wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Präsidentschaft keine Fragen anhören, wann er denn endlich abtritt. Im Grunde hatte in vielen Jahren ja schon niemand mehr höflich gefragt, sondern es war in den Wortmeldungen offen gefordert worden. Jetzt setzte Königs bei seiner Selbstbeweihräucherung in Form einer Powerpoint-Präsentation sogar gelungene Pointen. Beim Blick auf das Einzugsgebiet der Fanshop-Kunden ragte neben dem Postleitzahlenbereich 4 vor allem der 5er-Bereich heraus, also auch der Raum Köln. “Dort wird offensichtlich gerne in Borussia-Bettwäsche geschlafen”, sagte Königs und heimste einige Lacher ein.

Die Aussprache mit dem Präsidium und der sportlichen Leitung fiel kurz aus. Selbst die wirklichen Missstände, wie die Zahl der Mülleimer rund ums Stadion oder die Abholzung des “Pinkel-Waldes”, blieben unberührt. Und auch 3,5 Millionen Euro Verlust sorgten nicht für Furore. Dafür genügte allein der glaubwürdige Hinweis, dass 2012 beim Umsatz womöglich die 100-Millionen-Euro-Marke fällt. Zu guter Letzt glich die Wahl des Aufsichtsrates bei sechs Bewerbern für fünf Plätze reiner Willkür. Welchen Mann kreuzt man nicht an, wenn man nicht einen von ihnen richtig kennt? Eine Woche später weiß ich selbst nicht mehr, wen ich ausgelassen habe und was der Grund dafür war. “Die Seele brennt” beendete die Veranstaltung nach vier Stunden. Wenn schon die ganze Spielzeit in die Vereinsgeschichte eingehen muss, dürfte für die Mitgliederversammlung 2012 in einer Neuauflage der Vereinschronik kein Platz sein.

Ab und an doch mal nachdenken
Warum wird man überhaupt Mitglied seines Vereins? Hamburg, Schalke und die Bayern haben mehr als die FDP. Vielleicht wird sogar Gladbach mit seinen derzeit 52.000 Mitgliedern bald die Liberalen überholen. Früher waren die 60 Euro im Jahr gut angelegt, um sicher an Karten zu kommen. Jetzt wird auch dieses System reformiert, die Lebenslang-Dauerkarte macht es für Heimspiele sowieso überflüssig. Bedeutet es einem wirklich so viel, einmal im Jahr zwei Freigetränke sowie einen Imbiss zu bekommen und dabei für Leute die Hand zu heben, die nur dann einen guten Job machen, wenn man sie gar nicht kennt? Es ist, wie so vieles im Fußball, nicht endgültig zu klären. Aber es ist gut, wenn das Reflexionsvermögen noch ausreicht, um sich diese Fragen zu stellen und am Ende trotzdem alles beim Alten zu belassen.

Denn was ist ein Mitgliedsausweis schon wert, wenn man am letzten Spieltag einer Saison im Gästeblock steht, es aus Eimern gießt und die Welt dennoch in Ordnung ist? Kurz vor dem Anpfiff machen sich die Ultras am Fangnetz zu schaffen. Nach wenigen Minuten segnet das Ding unter tosendem Beifall das Zeitliche. Vandalismus ist nie gut, aber er ist zumindest nicht so zu verachten, wenn er annähernd eine Bewandtnis hat. Den Grund für die Fangnetz-Zerstörung erfahren alle Uneingeweihten um 15:30 Uhr: Unzählige schwarz-weiße Wasserbälle fliegen auf den Rasen. Gegen aufgeblasene Pyrotechnik aus Gummi ist nun wirklich nichts einzuwenden, wenn stattdessen kein Feuer abgefackelt wird.

Für Nils und mich hat die Aktion in der ersten Reihe den Vorteil, dass sich vor unserer körpereigenen Netzhaut nun keine weitere mehr befindet. Bereits bei der ersten Strafraumszene vor unseren Augen will ich am liebsten selbst eingreifen, weil das Geschehen so nah ist. Wenn 34.000 kurz den Mund halten würden, könnte man Marc-André ter Stegen beim Schluck aus der Wasserflasche nicht nur sehen, sondern ihn sogar hören. Die Möbelhausoptik der Außenfassade ist allemal kein Grund, etwas gegen ein Stadion zu sagen, wenn der Architekt es geschafft hat, in seinen Planungen auch an den Gästeblock zu denken.

Seltener Daems, häufiger Reus
Was gibt es noch für sportliche Ziele unter diesen Voraussetzungen? Die 60-Punkte-Marke, ein Abschiedstor von Marco Reus, den ersten Auswärtssieg in Mainz, einen Sieg des FC Schalke in Bremen (um den Ärger über das 0:0 gegen Augsburg nicht wieder aufkeimen zu lassen), den Abstieg des 1. FC Köln, die 15. weiße Weste der Saison, Platz drei in der Auswärtstabelle – fast alles würde ein Sieg ohne Gegentor bringen, zu dem Reus einen Treffer beisteuert.

Lediglich die Hertha sorgt mit dem 1:0 gegen Hoffenheim für Fortschritte. Währenddessen verweigern sich Gladbach und Mainz keineswegs, es passiert nur nicht viel Nennenswertes. Vielleicht wären beide sogar noch abwartender und würden sich noch mehr Fehler leisten, wenn es um etwas gehen würde. Tolga Cigerci und Alexander Ring feiern ihr Startelf-Debüt. Fünf Borussen sind jünger als 23 Jahre, im weiteren Verlauf wird Lucien Favre mit Julian Korb und Patrick Herrmann noch zwei weitere einwechseln. Insgesamt vier kommen aus dem eigenen Nachwuchs, ein Fünfter sitzt mit Amin Younes auf der Bank.

Nach 31 Minuten lupft Cigerci sehenswert in den Lauf von Filip Daems. 3240 Pflichtspielminuten mit so vielen Vorstößen wie nie zuvor in seinem Borussenleben hat der Belgier für das benötigt, was ihm nun gelingt: Er legt zurück auf Reus, der mit einem wuchtigen Schuss sein 20. Saisontor in Liga und Pokal erzielt – und für Daems ist es die erste Torvorlage seit dem 07. März 2009, seine zweite erst im 149. Bundesligaspiel.

Müller trifft “doppelt”
Einen Vorteil haben Spiele ohne großen sportlichen Wert: Die Stadionregie darf auf der Anzeigetafel so viele Tore zeigen, wie sie will. Erst sorgt Julian Draxler mit dem Schalker 1:0 für Erleichterung. Dann lässt Thomas Müller das 1:0 für die Bayern fallen – und im Gästeblock von Mainz zumindest akustisch das 2:0 für Gladbach. Nach 34 Minuten ist der 1. FC Köln noch abgestiegener. Die Borussen wollen den rheinischen Rivalen für mindestens ein Jahr loswerden und verzichten sogar selbstlos auf sechs sichere Punkte.

Der Halbzeitpfiff könnte in allen Stadien jetzt gerne der letzte der Saison sein. Die Borussia hätte sich zwar nicht mit einer Galavorstellung verabschiedet, aber alle gesteckten Ziele an diesem Nachmittag wären erreicht. Dass es von allen Seiten regnet, kann da beinahe vernachlässigt werden. Doch es geht am Saisonende nicht nur um Fakten, sondern um Gefühle. Ein dicker Hals wie nach dem 0:0 gegen Augsburg wäre dem zweiten Wunder innerhalb von einem Jahr nicht würdig gewesen. Aber nicht allein das Spezielle an der Gladbacher Geschichte haucht dem letzten Auftritt mehr Bedeutung ein, als man zunächst vermutet. Wer am 34. Spieltag verliert, bleibt drei Monate ohne Sieg. Mannschaften aus der Abstiegsregion haben gleichzeitig die Möglichkeit, eine Serie zu starten, wie sie ihnen im Laufe einer Spielzeit nie gelingen wird.

Kurz nach der Pause ist sich Marco Reus offenbar nicht sicher, mit was für einem Tor er sich verabschieden will. In der 53. Minute wäre ein würdiger Moment da, nachdem Juan Arango noch einmal die Lust gefunden hat, sich kreativ einzubringen. Aber Reus ist gegen Noveski einen Schritt zu langsam, was nur damit zu erklären wäre, dass er den Rahmen für sein Abschiedstor noch nicht würdig genug findet. Mit einem schnelleren Abschluss hätte er womöglich aus 25 Metern voll in den Winkel getroffen, was 37 Minuten vor dem Ende die Gefahr geborgen hätte, anschließend noch ein weniger schönes Tor zu erzielen. Zwei Minuten später ist Ring schon einen Schritt weiter. Um so protokollarische Zwänge wie einen möglichst sehenswerten Treffer muss sich der Finne ja auch keine Gedanken machen. Die Abseitsregel gilt aber auch für ihn.

Der Kreis schließt sich
Allerdings ist Reus mit seiner Geduld bereits am Ende, als 62 Minuten gespielt sind. Wieder ist der Vorlagengeber einer, der sich nur selten die Ehre gibt. Roman Neustädter hat sogar 3361 Minuten für seine erste Torvorlage der Saison benötigt. Immerhin hat er sie sich für seinen Kumpel aufgehoben, mit dem er als Schalker auf dem Platz bald nicht mehr befreundet sein darf. Schade, dass es nicht Keeper Christian Wetklo ist, an dem Reus nach einem Pass in die Schnittstelle den Ball vorbeischiebt, sondern Heinz Müller. 981 Tage zuvor war es nämlich Wetklo, der als erster Bundesligatorwart keine Chance hatte gegen den Youngster. 35 Mal passierte es daraufhin noch in der Bundesliga. Mehr als seine insgesamt fünf Tore gegen Mainz hat Reus gegen keinen anderen Verein erzielt, nicht einmal gegen den 1. FC Köln.

Der liegt unterdessen 0:3 hinten gegen die Bayern. In Mainz können sich alle Gladbacher ganz auf sich konzentrieren und mit einem Ohr wachsam in Berlin bleiben. Nach 69 Minuten sorgt Igor de Camargo für die Entscheidung. Der wunderschöne Außenristpass kommt natürlich von Reus, dessen 24 Assists in drei Jahren auch nicht vergessen werden sollten. Allein elf hat er in dieser Saison gegeben. Zieht man die Tore ab, die daraus resultierten, hat der VfL neun Punkte weniger. Ebenso viele sind es, wenn man die 18 selbst geschossenen Tore des 22-Jährigen abzieht.

Für eines muss man ihn deshalb verfluchen: Mit diesem Auftritt zum Abschied hat er es keinen Deut leichter gemacht, ihn gehen zu lassen. Mittlerweile zweifle ich daran, ob 17,1 Millionen Euro überhaupt genug sind. Sechsmal eine glatte 1 vom Kicker, viermal eine 1,5, mit 2,58 der beste Notenschnitt der Liga – sollte er jetzt auch noch bei der EM eine Rolle spielen, könnte erstmals seit Uwe Rahn 1987 ein Gladbacher “Fußballer des Jahres” werden.

Wir Sandstrand, ihr Sandhausen
Spätestens, als Hertha das 2:0 gegen Hoffenheim erzielt, ist einer der besten Tage der Saison perfekt. Und das, obwohl es doch um gar nichts mehr geht. Was sagt einem das? Kann die Borussia nur um ihre Existenz oder um gar nichts kämpfen? In den letzten Minuten der Saison spielt das keine Rolle. Sie sind da, um völlig unreflektiert das große Ganze zu feiern – Gladbach Sandstrand, Köln Sandhausen. In Bremen führt Schalke weiterhin. Zumindest dem Unentschieden gegen Augsburg muss man keine Träne mehr nachweinen.

Auf zehn Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen folgten in der Rückrunde sieben Siege, sechs Unentschieden und erneut nur vier Niederlagen. Mit Blick auf die vier torlosen Remis – in der Hinrunde gab es kein einziges – lässt sich resümieren, dass am Ende für Platz drei die 1:0-Siege wie gegen Hamburg oder Nürnberg gefehlt haben. Die Borussia war am Ende nicht mehr so effektiv. Mit der Kraft schwand das Hurra, woran auch die Gegner ihren Anteil hatten, die sich das Spektakel nicht mehr tatenlos aus der ersten Reihe ansahen. Seit dem Wiederaufstieg holte Gladbach im Schnitt einen Punkt pro Spiel. Wenn es sonst aus vier Partien nur vier Punkte gab, waren es diese Saison gleich sieben. Effektiv hat die Mannschaft sieben Mal ein Spiel gewonnen, das sie in den anderen Jahren verloren hätte.

Aber helfen diese Zahlen überhaupt, um die Saison 2011/2012 zu begreifen? “Erste Runde Bukarest”, schallt es vom Gästeblock aufs Spielfeld, “zweite Runde Rom.” Ich habe in diesem Jahr Texte von Liedern gelernt, von denen ich vorher lediglich die Melodie kannte. Mir hat ein gegnerischer Fan auf die Schulter geklopft und versichert, dass Gladbach dieses Jahr Meister wird. Ich habe im Januar Tickets fürs Pokalfinale bestellt, um auf Nummer sicher zu gehen. Ich habe mich nach manch einem Tor, wie nach dem 3:0 gegen Schalke im Februar, kaum noch freuen können, weil ich gar nicht glaubte, was da vor sich ging. Diese Gefühle sind es, die die Erinnerung prägen werden. 58 Punkte, 59 Punkte, 60 Punkte – das ist unterm Strich doch nur wichtig, weil in die Abschlusstabelle nun einmal irgendeine Zahl eingetragen werden muss.

Kamps vor Neustädter
Nach fast genau 90 Minuten beendet Schiedsrichter Wolfgang Stark die Saison. Im Pulk der Mannschaft bewegt sich Marco Reus mit einem Mainz-Trikot auf der Schulter in Richtung Gästeblock. Wahrscheinlich ahnt er, dass es Tumulte auslösen würde, wenn er das mit der Raute auf der Brust in die Zuschauer wirft. Alle stehen sie da in einer Reihe, machen die Welle und es fehlt tatsächlich keiner der Hauptdarsteller, die noch bei den letzten Feierlichkeiten am Ende einer Spielzeit mitjubelten. Wo ist dieses Jahr hin? “Wir waren doch gerade erst in Hamburg und in Bochum”, sage ich ungläubig zu Nils.

Fast jeder wird nach vorne beordert, um gefeiert zu werden. Zuerst ist Reus dran, der sich verbeugt und mit der Hand aufs Herz schlägt. Im August nach einem Tor gegen Wolfsburg hat er diese Stelle noch geküsst. Dann kommt Dante. Neustädter muss ein paar Lieblingen den Vortritt lassen, bis auch er sich verabschieden darf. Selbst Uwe Kamps ist eher an der Reihe. Aber der ist auch seit 30 Jahren im Verein und schlug einst ein Angebot von Real Madrid aus. Da kann keiner der drei in Sachen Treue mithalten.

So ganz ohne Pyrotechnik ging es offensichtlich doch nicht. Ein paar tausend Euro wird diese Art des Saisonabschlusses gekostet haben. Im Vergleich zu dem, was sich zur selben Zeit in Köln abspielt, muss man fast sagen: Die Argumente für Pyrotechnik erschließen sich mir zwar in keiner Situation. Aber ein bisschen fröhliches, wenn auch gefährliches Licht, ist immer noch besser, als das eigene Stadion wie nach einem Flugzeugabsturz in schwarzen Rauch zu hüllen. In Paderborn werden sie kommende Saison schon sorgfältig abtasten.

Kindliche Heldenverehrung
Bevor sich die Mannschaft, auf dem nassen Rasen sitzend, geschlossen eine Blasenentzündung holt, geht es ab in die Kurve. Spätestens jetzt sind 28 Euro für den Platz in der ersten Reihe das am besten angelegte Geld der Saison – auch wenn Christofer Heimeroth seine Trainingsjacke nicht hergeben will. 2011 endete alles mit Haaren von Dante, jetzt mit 20 verschiedenen Sorten Schweiß – man gönnt sich ja sonst keine kindliche Heldenverehrung.

Als Lucien Favre den Rufen mehr als 20 Minuten nach dem Abpfiff nachgibt, umweht den Schweizer eine rätselhafte Aura. Im vergangenen Jahr beendete er auf der Mitgliederversammlung seine Ansprache mit den Worten “Isch freue misch”. Jetzt fehlt nun einmal dieses Bekenntnis, um die letzten Zweifel zu nehmen, dass er sich auch auf die kommende Saison freut. An allen Ecken kennt jemand eine Quelle, die natürlich nicht genannt werden darf. Die Meldungen reichen von Abschied bis zu einer baldigen Vertragsverlängerung bis 2015. Auch das hat dieses Jahr gelehrt: Wer nicht explizit Lust auf Verwirrung und Zukunftsangst hat, der sollte nur noch den Meldungen glauben, die der Verein herausgibt. Ansonsten: Viel Spaß beim Kopfzerbrechen!

Im ICE nach Köln (sic!) bekommen Nils und ich uns gar nicht mehr ein, weil der FC abgestiegen ist. Alle reden immer von den zwei sicheren Siegen im Derby. Aber mal ganz ehrlich: Was ist ein Derby noch wert, das einen unter einem 3:0 nicht mehr vom Hocker reißt? Was ist es noch wert, wenn man in Gladbach-Montur Züge über Köln-Ehrenfeld meidet? Ist es dieser 1. FC Köln überhaupt wert, so viel Energie in die Rivalität zu stecken, wenn doch nur eine Niederlage in Ingolstadt noch so richtig Genugtuung bringt? Dieser Klub könnte sich aus dem Vereinsregister streichen lassen – ich würde schöne Derbysiege in Erinnerung behalten, dem FC aber keine Träne nachweinen. Am Kölner Hauptbahnhof wartet sogar der ICE, der uns nach Düsseldorf bringt. Na klar, die Deutsche Bahn ist Hauptsponsor von Hertha BSC. Neun Schritte machen wir auf dem Zweitligaboden zwischen Gleis 4 und 5. Ein kurzes “Ihr könnt nach Aalen fahr’n!” – und ab nach Hause.

Sie haben Recht
Im “MaNaMaNa” am Alten Markt in Mönchengladbach schließt sich ein Jahr nach der Relegation endgültig der Kreis. Dass ich damals, als das Wunder erst wenige Stunden perfekt war, noch kein Altbier getrunken habe, ist wohl der geringste Unterschied zu 2011. Gerade die Jüngeren liegen sich in den Armen, weil sie so etwas Großes noch nie erlebt haben. Und die Alten könnten heulen vor Freude, weil sie schon nicht mehr daran geglaubt hatten, noch einmal so etwas Großes zu erleben.

Natürlich ist der ständige Begleiter wieder dabei – “Die Seele brennt”. Gleich das achte Wort lautet “magisch”. Diese Saison hat ihm erstmals Leben eingehaucht, Bilder, Erinnerungen, die bleiben. Anders als Borussias Hausband B. O. kommen Die Toten Hosen zwar aus Düsseldorf. Aber wegen ihrer genialen Musik dürfen sie auch in einer Gladbacher Fankneipe laufen. Und was bleibt einem anderes übrig, als ihnen mit Blick auf die Saison 2011/2012 mit einem entschlossenen Kopfnicken zuzustimmen: “An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit.”

07. Mai 2012 von Jannik Sorgatz
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Anruf in Abwesenheit

Saison 2011/2012: 33. Spieltag - Gladbach 0:0 Augsburg

Die Borussia macht den größten sportlichen Erfolg seit dem Pokalsieg 1995 perfekt. Und was mache ich? Ich bin wütend. Zwar nur 37 Minuten lang, aber wirklich wütend. Im Nachhinein ist es mir furchtbar peinlich. Nur verdeutlicht gerade dieser kurzfristige Frust über das Verpassen von Platz drei, wie hoch diese Saison einzuordnen ist. Denn Platz vier ist so viel größer als alles andere, was zigtausend junge Borussia in ihrem Leben erlebt haben, dass es einen schlichtweg überfordert.

Ich bekomme es einfach nicht auf die Reihe, echt nicht. Und vor dem 21. oder 22. August werde ich dieses Problem auch nicht los. Vielleicht kann ich nicht einmal dann vernünftig damit umgehen, sondern erst wenn das ganze Europacup-Brimbourium wieder vorbei und die Borussia ausgeschieden ist. Wann immer das sein mag.

Als Schiedsrichter Michael Weiner das Spiel gegen Augsburg nach wahnsinnigen null Minuten Nachspielzeit abpfiff, war ich – wütend. Es ist bescheuert und unnötig, ich weiß. Aber ich kann ja nicht so tun, als sei ich eine menschgewordene Humba, eine La Ola aus Fleisch und Blut gewesen, wenn es nicht stimmt. Mit der Wut ist es wie früher als Kind, wenn man nachts aufwachte und vor lauter Schmerzen im Bein dachte, es sei gebrochen: War der Schmerz nach 37 Minuten wieder weg, war das Bein natürlich nicht gebrochen. War der Schmerz zwei Tage später noch da, dann vielleicht doch.

Da ich mir als Kind nie im Schlaf das Bein gebrochen habe, war die Wut auch am Samstag bald verflogen. Und damit wären wir bei der letzten Parallele zwischen kurzfristiger Wut über Platz vier und Kinderschmerzen im Bein. Beides geht nicht nur schnell vorbei, sondern ist ein klares Indiz für – Wachstum. Ich bin längst ausgewachsen, aber die Borussia ist erst in dieser Saison in derart schwindelerregende Sphären vorgestoßen, dass es einem leicht die Wahrnehmung vernebelt. Zumindest der Post-Pokalsieg-Generation, die sich an Europacupabende nur ganz grau erinnern kann. Eltern können einem ja viel erzählen.

Mutter lernt dazu
Apropos Pokalsieg, apropos Eltern. 1995 musste ich als Fünfjahriger noch um mein erstes Gladbach-Trikot kämpfen. 2012 war das Europapokal-T-Shirt schon bestellt, bevor ich überhaupt wusste, dass es welche gibt. Meine Mutter lernt dazu. Doch auch wenn es am Samstag vor dem Spiel schon nur noch nach einem lustigen Fußballnachmittag der Selbstbeweihräucherung aussah, ging es um verdammt viel – egal, ob man es jetzt in Millionen Euro bemisst oder in Darbietungen der Champions-League-Hymne.

Ein Sieg hätte zumindest alle Optionen offen gehalten, es direkt in die Königsklasse zu schaffen. Damit würde die Mannschaft meinem Traditionsbewusstsein entsprechen, nach dem es am letzten Spieltag immer noch wenigstens um eine Platzierung geht. Denn das war allenfalls anders, wenn die Borussia bereits vor dem 34. Spieltag als Tabellenletzter feststand oder schon Zweitligameister war. Also zum Glück: nicht so häufig. Wie gesagt, so ganz verstehe ich das immer noch nicht. Europapokal. Oder auch: Europapokaal. Ich sehe diese Tabelle, ich sehe den vierten Platz, aber Tabellen können einem ja viel erzählen.

Als zum letzten Mal in dieser Saison die “Elf vom Niederrhein” gespielt wurde, nahm die Wehmut zum ersten Mal überhand. Vielleicht bedeutet Marco Reus, Roman Neustädter und Dante dieses Lied nicht annähernd so viel. Aber in jenem Moment erfüllte es mich selbst mit Trauer, dass sie die “Elf vom Niederrhein” nur noch als Gäste hören werden. Doch sie haben es so gewollt. Das ist in einem Fall mittlerweile nachvollziehbar, bei den anderen beiden fehlt nach wie vor das Verständnis.

34 Reus-Tore in der Bundesliga
Deshalb zuerst zu dem Mann, der dem Verein sportlich so sehr fehlen wird, dass 17,1 Millionen Euro keine Ablösesumme sind, sondern im wortwörtlichen Sinne eine Transferentschädigung. Ich wünsche mir beinahe, dass Marco Reus gegen Mainz kein Tor mehr erzielt, weil sein Schaffen am Niederrhein so perfekt in einen Rahmen gepresst wird. Am 28. August 2009 erzielte er nach einem 50-Meter-Solo gegen Mainz sein erstes Bundesligator. Am 15. April 2012 könnte ihm sein letztes für den VfL gelungen sein. Diesmal waren es keine 50 Meter, sondern nur fünf, auf denen er die gesamte Kölner Abwehr ausspielte. Aber es war nicht minder schön. (Wobei mir gerade auffällt: Ein Abschiedstor gegen Mainz – da würde sich der Kreis erst recht schließen.)

Dazwischen hat Reus allein 32 andere Bundesligatore für Gladbach erzielt: Ein paar Abstauber, fulminante Distanzschüsse in den Winkel wie gegen Hannover 2011, überlebenswichtige Tore wie das 1:1 in Bochum in der Relegation, kuriose wie sein 1:0 gegen die Bayern im Januar, Konter wie in Stuttgart dieses Jahr oder gegen Freiburg vor zwölf Monaten, als er auf und davon war, von niemandem aufzuhalten.

Noch ein Spiel im Trikot mit der Raute und Reus ist endgültig auf und davon. Abseits der Platzes hat er keine großen Reden geschwungen. Selbst als Jermaine Jones ihm auf den Fuß trat und für einen handfesten Skandal sorgte, sah der 23-Jährige keinen Anlass, öffentlich nachzutreten. Insgesamt hatte er auch immer etwas Unnahbares, aber weil er auf dem Platz so brillierte, konnte man getrost einen Spruch bringen, der sonst häufig nervt: Der Junge verdient sein Geld fürs Fußballspielen, nicht fürs Reden!

Haare für die Ewigkeit
Wir werden niemals erfahren, wie eine Europapokalsaison mit Marco Reus ausgesehen hätte. Aber vielleicht ist der Zeitpunkt für seinen Weggang schon jetzt der richtige. Max Eberl wird jeden Cent von 17,1 Millionen Euro benötigen, um eine Mannschaft zusammenzustellen, die hoffentlich jahrelang nicht nach unten schauen muss. Es wird, da bin ich mir ziemlich sicher, in der kommenden Saison einen Tag geben, an dem die Borussia nicht unter den ersten sieben Teams der Liga steht, so wie es dieses Jahr durchgehend der Fall war. Das Ziel muss sein, dass selbst zart besaitete Super-Pessimisten zu keinem Zeitpunkt Angst vor dem Absturz haben. Was so viel heißt wie: Die Latte liegt hoch.

Nun sorgen Roman Neustädter und Dante dafür, dass man den Übergang von dieser zur neuen Saison als “Umbruch” bezeichnen muss. Neustädter hat sich nie etwas zu schulden kommen lassen, er war ein netter, sympathischer Kerl. Aber er war nie ein unersetzliches Mosaiksteinchen im perfekt eingespielten Gladbacher Kollektiv. Sein Weggang ist nicht nur zu verkraften, er beschert vielleicht sogar die Chance, sich auf der Sechserposition effektiv zu verbessern.

Dantes Wechsel zu den Bayern sollte eigentlich mit demselben Herzschmerz verbunden sein wie bei Marco Reus. Nur fällt diese Herangehensweise nach den vergangenen Monaten äußerst schwer. Es wird niemand gezwungen, die Raute durch Europa zu tragen. Nur muss Dante gleichzeitig damit leben, dass alle, denen es anscheinend keinen Deut wichtig ist, automatisch weniger Tränen verursachen. Er hätte einem historischen Erfolg ein Gesicht geben können. So aber macht er sich aus dem Staub, weil der eigene Karriereplan über allem steht. Das ist nicht weiter zu verurteilen, in der heutigen Zeit eher der Regelfall. Aber Dante hat über drei Jahre etwas anderes vermittelt und muss sich nun – bei aller Dankbarkeit für seine Leistungen – auch daran messen lassen. Er wird fehlen, aber wie Neustädter wird auch er sportlich zu ersetzen sein.

Unter dem Tribünendach der Herzen
Und so standen sie also da, als die “Elf vom Niederrhein” vorbei war. Der Verein hatte Collagen gebastelt, die aus Angst vor Regen – und vielleicht auch vor Tränen – in Folie eingepackt waren. Das ist schöner als Blumensträuße (die es dennoch gab) und nicht so pathetisch wie ein Trikot im Bilderrahmen. Die 11, die 13 und die 31 (verwunderlich, dass die 1 und 3 nicht auch den Verein verlassen) werden auch in Zukunft vergeben werden und nicht unter das Tribünendach gehängt. Aber mit Reus und Dante verlassen die beiden prägenden Gesichter der Jahre nach dem Wiederaufstieg 2008 den Verein. Deswegen werden ihre Trikots zumindest unter dem Tribünendach des Herzens hängen. Immerhin ist Dante der einzige Fußballer, von dessen Haarpracht ich eine Locke besitze. So etwas verbindet dann doch ungemein.

Bei so viel Abschiedsschmerz kommt es beinahe gelegen, dass 90 Minuten Fußball im Anschluss zwar eine Entscheidung gebracht haben, diese aber nicht in Mönchengladbach fiel. Im Februar konnte ich es gar nicht glauben, dass die Borussia zwei Jahre lang nicht 0:0 gespielt hatte. Jetzt folgten auf Wolfsburg noch torlose Unentschieden gegen Freiburg, Hertha und eben eins gegen Augsburg. Zudem fiel im Pokal-Viertelfinale in Berlin erst nach mehr als 100 Minuten ein Tor, im Halbfinale gegen die Bayern sogar erst im Elfmeterschießen. Falls sich jemand in der Rückrunde ausschließlich diese sechs Spiele angesehen haben sollte, kann er sich gerne melden. Wenn alle zusammenschmeißen, sollten ein paar Basketball- oder Handballkarten als therapeutische Maßnahme drin sein.

Selbst aus reiner Chronistenpflicht gibt es zum Spiel an sich wenig zu sagen. Wäre die Borussia ein vom Europapokal verwöhnter Verein, müsste einem das zu denken geben. Denn wer gegen Augsburg erstmals ein Spiel der Borussia gesehen hat und vorher nur die Tabelle, nicht die Geschichte des vergangenen Jahres kannte, der wird seinen Augen kaum getraut haben. Selbst wenn die Rollen vertauscht gewesen wären, hätte die Leistung kaum einer Mannschaft entsprochen, die um alles in der Welt vorzeitig den Klassenerhalt perfekt machen will. Es kann immer sein, dass an einem Tag wenig hinhaut. Nur sollte die Mannschaft wenigstens den Eindruck erwecken, dass es sie ärgert und sie es nicht einfach so über sich ergehen lassen will.

Verordnete Freude
So aber war es eine Portion Sommerfußball zwischen “Konnte nicht” und “Musste nicht mehr”. Wobei aus “Konnte nicht” leicht “Geht doch” hätte werden können, weil “Musste nicht mehr” eben “Musste nicht mehr” war. Dass aus “Konnte nicht” nicht “Darf aber trotzdem” wurde, verhinderten am Ende Mike Hanke und der Schiedsrichter. Der eine verwechselte seinen linken Fuß mit dem rechten und staubte nicht zum 1:0 ab. Der andere, Michael Weiner, verweigerte der Borussia eineinhalb klare Elfmeter, was nach dem Daems’schen Gesetz drei Punkte bedeutet hätte.

Nun kann ich mit verordneter Freude wenig anfangen. Diesen vierten Platz hat die Borussia nicht durch ein 0:0 gegen Augsburg gewonnen, sondern an vielen anderen Tagen in der Saison 2011/2012. Am greifbarsten war die Freude womöglich nach dem 2:1 in Leverkusen. Überhaupt ist Lucien Favre – trotz seiner manchmal übertriebenen Schwarzmalerei – ein guter Anhaltspunkt für die richtige Dosierung der Freude. Als er in der BayArena den Platz stürmte, hatte Igor de Camargo mit seinem Tor gerade die Champions-League-Qualifikation klar gemacht. Favre spürte es und spurtete los.

Und so sollte man vielleicht auch nicht zu schnell darüber hinwegsehen, wie Favre gegen Augsburg den größten sportlichen Erfolg seit 1995 feierte. Der Schweizer hatte offenbar zuerst gar keine Lust, gute Miene zum nicht ganz so guten Spiel zu machen. Es war ein wenig wie in Hamburg, als Gladbach in die Relegation einzog, zuvor aber eine halbe Stunde lang direkt gerettet war. Auch damals fiel es schwer, diesen Erfolg gleich richtig einzuordnen, weil es sich absurd anfühlte, auch nur eine Sekunde lang enttäuscht zu sein – zumindest unterschwellig war man es trotzdem.

Vielleicht nach Mailand
Ähnlich ist es jetzt. Nach dem Spiel in Kaiserslautern stand Gladbach noch auf Platz zwei. Danach hat die Borussia aber nur noch elf Punkte aus elf Spielen geholt und Platz drei trotzdem erst am 27. Spieltag an Schalke abgegeben. Gleichzeitig vergisst man aber schnell, dass Hannover 96 im vergangenen Jahr auch Vierter war, nachdem zumindest die Champions-League-Quali lange Zeit möglich schien. Dieses Jahr reicht Platz vier genau dafür. Das hat die Borussia dem FC Bayern zu verdanken, Werder Bremen und ein bisschen dem FC Schalke. Ein Dank kann auch nach Mailand, Turin oder Rom gehen, wo es in den vergangenen Jahren aus verschiedensten Gründen in Europa nicht mehr so lief.

Meine 37-Minuten-Wut über das 0:0 gegen Augsburg wird mir von Zeile zu Zeile immer peinlicher. In Kopenhagen schellt das Telefon und ich gehe nicht dran, Anruf in Abwesenheit. Ich bin einfach zu unbedarft, um diesen Erfolg richtig einzuordnen, weil mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Vor dem 10. August wird es mir auf keinen Fall gelingen. An diesem Tag werden in Zürich die Play-off-Spiele zur Champions League ausgelost. Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben sehen, wie solch ein Loszettel aussieht, auf dem “Borussia Mönchengladbach” steht. Im DFB-Pokal gibt es ja seit Jahren nur die Kugeln mit Vereinslogo drin. Danach werde ich endlich meinen einwöchigen Sommerurlaub planen, der in England, Spanien, Italien, Frankreich, Portugal, der Ukraine, Griechenland, Schottland, der Türkei, Belgien, den Niederlanden, Russland, Rumänien oder Dänemark stattfindet. Ich bin da ganz flexibel.

Und eins verspreche ich: Solange die Borussia sich nicht bis auf die Knochen blamiert in Europa, werde ich jede Sekunde einfach nur genießen. Denn falls es wieder so lange dauern sollte bis zum nächsten Auftritt in Europa, will ich mir nicht 16 Jahre lang Vorwürfe machen.

30. April 2012 von Jannik Sorgatz
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Gott geht es gut

Der FC Chelsea setzt sich gegen den FC Barcelona durch: Der Fußballgott muss durchgedreht sein – oder aber er lebt nicht mehr. Dabei zeigt dieses Spiel, dass es ihm – ganz im Gegenteil – unvermindert gut geht. So war das Weiterkommen von Chelsea wider Erwarten ein Sieg für den Fußball. Das kann man zwar anders sehen, aber man kann es nicht ändern.

Der Fußballgott duldet keine anderen Götter neben sich. Nur so ist das Scheitern des FC Barcelona auf den ersten Blick zu erklären. Matthias Sammer schüttelte bei Sky den Kopf wie eine Oma, die die Marotten ihrer Enkel nicht mehr versteht. Das Böse hatte das Gute besiegt, ohne gewonnen zu haben.

Hätte sich Barca doch noch irgendwie durchgesetzt, wäre von einem “Sieg für den Fußball” gesprochen worden. Ein “Sieg für den Fußball” war es jedoch auch so – zwar nicht für den Sport im eigentlichen Sinne, ganz sicher aber für diesen Kosmos im Kosmos, der mit seinen Mythen und Geschichten Milliarden von Menschen in seinen Bann zieht.

Die Einspurigkeit von Barca
Der Fußball, wie er geliebt wird, lebt von seiner Unberechenbarkeit. Und er lebt von den Reibungen, die diese Momente verursachen, in denen er allen, die an das Gute glauben, rücksichtslos den Mittelfinger zeigt. Terry, Drogba und Co. haben den Sport zwar in Sachen Fair Play nicht vorangebracht. Womöglich wird man ihnen aber irgendwann noch dankbar sein, weil der FC Chelsea dem FC Barcelona gnadenlos die Einspurigkeit seines Systems vor Augen geführt hat.

Sollte diese Mannschaft in 100 Jahren als beste aller Zeiten gelten wollen, muss sie die richtigen Lehren aus ihrem Scheitern ziehen – wovon der Fußball an sich nur profitieren kann. Der Himmel ist hoch, weshalb Barca feststellen musste, dass man tief fallen kann, ohne auf den Boden aufzuprallen.

Spiele wie am Dienstag sind nötig, um die Faszination für den Fußball in dieser Form aufrechtzuerhalten. Denn Vereine wie Bayern oder Chelsea müssen jedes Jahr den Antrieb verspüren, das Optimum erreichen zu können. Die Unschlagbaren wie Barca müssen schlagbar bleiben. Egal ob ein Jahr, ein Monat, ein Spiel oder nur eine Sekunde Ruhm – wenn nicht jede Mannschaft dieser Welt permanent das Gefühl hat, nach ihren Maßstäben etwas Großes erreichen zu können, ist der Fußballgott wirklich tot.

Mythos Titelverteidigung
Überhaupt hat diese breite Bestürzung über Chelseas Weiterkommen auch etwas Scheinheiliges. 90 Prozent aller Bayern-Fans, die das Finale im eigenen Stadion nicht nur erreichen, sondern auch gewinnen wollen, dürften auf Barcelonas Ausscheiden gehofft haben. Und jedem Fan von Fußballmythen geht das Herz auf, weil es nun beinahe bewiesen ist, dass der Champions-League-Pokal verflucht ist. Zwei Titel in Folge – das hat selbst der FC Barcelona noch nicht geschafft.

Nun ist Chelsea als Barca-Bezwinger zwar genauso unsympathisch wie Inter Mailand vor zwei Jahren. Aber es hat auch etwas Faszinierendes, dass nach all den Jahren unter Abramowitsch ausgerechnet die schwächsten Blues seit Ewigkeiten diesen Erfolg erringen. Zudem sollten alle Vereinstrainer und Sportlehrer, die nun wieder fürchten, ihren Schützlingen so Schweinereien wie Zeitspiel und versteckte Fouls austreiben zu müssen, Chelseas später Rache für 2009 auch etwas Positives abgewinnen können: Es gleicht sich verdammt nochmal alles aus. Wer weiß, wie die vergangenen drei Jahre für Barca gelaufen wären, wenn Iniesta nicht in letzter Sekunde getroffen oder Schiedsrichter Överbrö nur eine Fehlentscheidung weniger gefällt hätte? Vielleicht wird sich Chelseas Freude über den Coup von Camp Nou ohnehin schon am 19. Mai in Luft auflösen.

Eine Pleite als Sieg
Große Mannschaften und große Spieler brauchen diese Erlebnisse, wenn sich scheinbar alles gegen sie verschwört. Ein finaler Punkt wird Lionel Messi und Co. kaum trösten und er bringt vor allem keine Marktanteile in China: Aber die Art und Weise, wie sie sich im Moment des Scheiterns präsentiert haben, zeugte von wahrer Größe in allen Belangen. Das war fair, ehrlich und auch selbstkritisch. Und nur wer so reagiert, kann mit Niederlagen noch gewinnen.

25. April 2012 von Jannik Sorgatz
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War was?

Saison 2011/2012: 32. Spieltag - Dortmund 2:0 Gladbach

Es gab in der Bundesliga-Geschichte nicht viele Gelegenheiten, einer Meisterwerdung beizuwohnen. Der 21. April 2012 war erst die 49. seit 1963. Nach vielen Jahren war Borussia Mönchengladbach wieder einmal dabei. Dass ich gerne darauf verzichtet hätte, liegt auch daran, dass der VfL in diesem Fall wichtige Punkte im Kampf um Platz drei geholt hätte. Aber es gibt noch andere Gründe.

HEF, VIE und SLS. BRB, LDS und NOH. Die “Fantastischen Vier” fänden auf dem Busparkplatz am Dortmunder Stadion genügend Stoff für ein ganzes Lied nur über Kfz-Kennzeichen. Nachdem es diese Saison wieder nichts mit einer Sonderzugfahrt geworden ist, hat es wenigstens mit einer anderen Premiere geklappt. Um 11:45 Uhr bin ich 350 Kilometer südlich von Dortmund erstmals in meinem Leben mit einem Fanbus aufgebrochen. Kennzeichen: SB für den Regionalverband Saarbrücken.

Die CD von “B.O.” läuft in Endlosschleife. “Die Seele brennt”, “Elf vom Niederrhein” und “Es gibt nur eine Borussia” – da müssen die fünf BVB-Fans durch, die sich unter die 35 Reisenden gemischt haben. Beim ersten Halt holen wir die Kiste Diebels aus dem Bauch des Busses. Michael, der 1. Vorsitzende der Saar-Blies Borussen, hatte in einer Mail eine Woche vor dem Spiel eigens darauf hingewiesen, dass in Sachen Bier für Heimatgefühle gesorgt sei – zumindest für mich, den Exil-Niederrheiner im Saarland.

Auf einem Rastplatz in der Eifel sind wir schon zwei Busse, was mal wieder die Theorie vom seichten Bachlauf der Fans auf Reisen untermauert, der in Nähe des Zielortes zum reißenden Fluss wird. SLS, HEF und NOH eben. Es gibt Rohesser vom saarländischen Metzger im halben Doppelweck. Was wäre das niederrheinische Pendant? Friko im Brötchen?

Entscheidende Fragen
Kurz vor Köln hat “B.O.” vorerst ausgedient. Auf WDR 2 beginnt die Bundesligakonferenz, in der für diesen Tag nicht ganz unerhebliche Fragen geklärt werden. Erstens: Gewinnt Köln gegen Stuttgart und sichert Gladbach einen Platz in der Champions-League-Quali? Zweitens: Patzen die Bayern in Bremen und machen den BVB damit schon vor dem Anpfiff in Dortmund zum Meister?

Eine leise Vorahnung am Himmel in Sachen Meisterschale?

Eine leise Vorahnung am Himmel in Sachen Meisterschale?

In der ersten Halbzeit wird lediglich die Antwort gegeben, dass Kaiserslautern tatsächlich noch Tore schießen und unter Umständen sogar gewinnen kann. Dass der Gegner Hertha heißt, macht die Nachricht schon nicht mehr so unglaubwürdig. Wir fahren gerade auf den Parkplatz am Westfalenstadion, als im Radio der erste wichtige Torschrei des Nachmittages ertönt. Sabine Töpperwien überbringt aus Köln die Botschaft, dass der FC führt und Gladbach zu diesem Zeitpunkt sicher Vierter ist. Jubel im Bus, verständlicherweise.

Dann passiert Sekunden später genau das, was aus meiner Sicht am besten nicht passieren sollte: Bremen erzielt gegen die Bayern den Führungstreffer. In der Autoschlange hinter uns bricht die schwarz-gelbe Ekstase aus. Während der Großteil des Busses ebenfalls jubelt und sich aus irgendeinem Grund auf die Meisterfeier freut, klebe ich mit dem Gesicht an der Heckscheibe wie der Grimassen schneidende, dicke Junge aus der McDonald’s-Werbung.

“Schlechte Laune, oder was?”
Als ich zum ersten Mal in meinem Leben für 90 Minuten überzeugter Bayern-Fan in der Bundesliga war, stieß mich der Rekordmeister vor zwei Wochen gleich mit der 0:1-Niederlage beim BVB vor den Kopf. Muss ich nach dieser Schmach nun auch noch aus nächster Nähe miterleben, wie Dortmund die Meisterschaft holt? Es sieht ganz danach aus. Auf dem Parkplatz liegen sich die ersten Schwarz-Gelben nun in den Armen. Der einzige positive Aspekt, den in ich aus dieser Ausgangslage ziehen kann: Vielleicht wird Jürgen Klopp auf allen elf Positionen einen meistertrunkenen Kevin Großkreutz bringen.

Auf dem Fußweg zum Signal-Iduna-Park kommen uns unzählige Menschen entgegen, die nicht so aussehen, als würde sie das schwarz-gelbe Treiben auch nur ansatzweise interessieren. In den Westfalenhallen findet zur gleichen Zeit die internationale Modellbaumesse statt. Ich liebäugele kurz mit einem Besuch von 18:30 bis 20:15 Uhr. Aber nein, die Veranstaltung schließt bereits um 18 Uhr.

Im Biergarten am Stadion Rote Erde brandet um kurz nach fünf Jubel auf. Was soll das bedeuten? Führt Bremen jetzt mit 2:0? Gibt es gleich Freibier? So richtig weiß anscheinend niemand Bescheid, weil die Handynetze überlastet sind. Da lobt man sich doch das gute, alte Transistorradio. Ob Werder noch vorne liegt, will ein BVB-Fan von mir wissen. “Woher soll ich das wissen?”, antworte ich, zugegebenermaßen, etwas patzig. “Schlechte Laune, oder was?”, fragt der Schwarz-Gelbe zurück.

2:1?
So richtig kann ich es mir nicht erklären, warum sich in dieser Situation nicht jeder ein Mini-Radio in den Gehörgang einpflanzt. Wenigstens Sarah, Dortmund-Fan aus meinem Uni-Jahrgang, sitzt zitternd mit ihrem Bruder im Auto und will sich nicht vom Fleck bewegen. Wir sind mittlerweile im Gästeblock angekommen, als gegen 17:20 Uhr eine Durchsage von Norbert Dickel kommt: “Bayern hat soeben das 2:1 erzielt.” 2:1? Anschlusstreffer, oder was? Wir haben noch nicht einmal etwas vom Ausgleich mitbekommen.

"Bleib' sportlich" – Ist ja schon gut.

"Bleib' sportlich" – Ist ja schon gut.

Erst um kurz vor halb sechs können wir uns wenigstens so viel zusammenreimen, dass die Stimmung im Stadion ein bisschen ausgelassener wäre, wenn die Meisterschaft feststünde. Kurz darauf bittet mich Sarah per SMS, sie heute nicht unglücklich zu machen. Sieht ganz so aus, als sei die Titelfrage tatsächlich um ein paar Stunden vertagt worden.

Doch schon jetzt – Marc-André ter Stegen ist gerade zum Warmmachen gekommen – hat es den Anschein, als sei die einzig wahrste Borussia nur ein beliebiger Gast bei der längst eingeplanten Meisterfeier der nicht ganz so wahren Borussia. Dabei ist die Konstellation zumindest ähnlich wie vor fast genau einem Jahr. Da lag Dortmund-Verfolger Leverkusen genau zwölf Minuten lang gegen Hoffenheim zurück, womit der BVB am Abend gegen Gladbach die Titelchance gehabt hätte. Daraus wurde nichts, weil Bayer das Spiel noch drehte und der VfL im Borussenduell ohnehin gewann. Jetzt ist die Chance definitiv da und erneut kann Gladbach nur als Meistervertager agieren, nicht aber als -verhinderer.

Jantschke für Neustädter
“Leuchte auf, mein Stern Borussia!”, singt ein Chor kurz vor dem Anpfiff. Genau das würde den ärgerlichsten Nebenaspekt der Dortmunder Meisterschaft aus Sicht des VfL bedeuten: Borussia Mönchengladbach wäre nach Bayern München nicht mehr das einzige Team der Liga, das mit mindestens zwei Sternen auf der Brust auflaufen dürfte. Dann beginnt endlich der “Krieg der Sterne”, in den Lucien Favre fast dieselbe Mannschaft wie beim Derbysieg geschickt hat. Lediglich Tony Jantschke ersetzt den verletzten Roman Neustädter auf der Sechserposition.

Wäre vielleicht im Laufe des Spiels eine Maßnahme gewesen – sich nochmal beraten.

Wäre vielleicht im Laufe des Spiels eine Maßnahme gewesen – sich nochmal beraten.

Die Anfangsphase manifestiert den Eindruck, Gladbach sei nur ein gern gesehener Gast auf der geplanten Meisterfeier. Von Verkrampfen ist beim BVB keine Spur. Auf Gladbacher Seite hingegen machen Marco Reus und Co. den Eindruck, als wüssten sie nicht richtig, wie sie mit der Situation umgehen sollen, dass in den Katakomben bereits Kartons mit Meister-T-Shirts bereitstehen. In der ersten Viertelstunde passiert so gut wie nichts.

Der einzige Pulstreiber aus Sicht des VfL ist eine Szene, die vom Linienrichter mit seiner Fahne im Keim erstickt wird. Reus wäre nach einer ersten guten Kombination und Pass von Mike Hanke alleine aufs Tor zugelaufen. Hätten sie ihn mal laufen lassen. Innerhalb von 30 Sekunden bekomme ich zwei SMS von Fernsehguckern mit der eindeutigen Botschaft: kein Abseits. Meine Mitfahrer sind begeistert und wollen wissen, was das denn für eine App sei.

“Ordentliche” Quote bei Standard-Gegentoren
Noch am Samstagmittag war nicht endgültig klar, ob Reus überhaupt laufen und auflaufen könnte. Am Donnerstag hatte er das Training mit Schmerzen im Fuß abgebrochen – just an dem Tag, als Nils mit seinem Woody-Woodpecker-Doppelhalter gekommen war, um ihn vom Bald-Dortmunder unterschreiben zu lassen.

Blick aus dem Gästeblock.

Blick aus dem Gästeblock.

Echte Aufregung gibt es nach 20 Minuten zum ersten Mal, als Shinji Kagawa einen Ball in Richtung Tor kullern lässt. Ter Stegen wirft sich dem Ding scheinbar in Zeitlupe hinterher wie einer Maus im Hausflur. Pfosten! Noch ist die Szene nicht geklärt, Robert Lewandowski kratzt den Ball von der Grundlinie, während Dante und Roel Brouwers gelassen die Hand heben, als würden sie im New Yorker Großstadttrubel ein Taxi rufen. Erst als ter Stegen mit einer Klasse-Parade Lewandowski die Mitfahrt verweigert, herrscht Ruhe im Strafraum.

Drei Minuten später bekommt Dortmund einen Freistoß in halbrechter Position. Dass sie mit leichtfertigen Fouls zu viele Situationen dieser Art heraufbeschwört, kann man der Mannschaft von Lucien Favre nicht vorwerfen. Nur sieben Fouls wird sie sich im Laufe der 90 Minuten leisten. Wer die Statistik dieser Saison jedoch einigermaßen kennt, der weiß, dass es am besten jeden Freistoß und jede Ecke zu vermeiden gilt. Bis Marcel Schmelzer sich den Ball hinlegt, hat Gladbach neun von 22 Gegentoren nach Standardsituationen kassiert. Die Quote ist ganz ordentlich – wenn man “ordentlich” als Synonym von “ausbaufähig” durchgehen lässt.

Respekt vor der Süd
Die Angst vor Freistößen und Ecken des Gegners ist bei mir anscheinend schon so ausgeprägt, dass ich in den Sekunden vor der Ausführung Bilder vor Augen habe, wie ein Dortmunder mit dem Kopf an den Ball kommt und locker das 1:0 erzielt. Ich hatte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zwar auch geträumt, dass Marco Reus nicht spielen kann. Aber irgendwann müssen diese kassandrischen Vorhersehungen ja nach hinten losgehen. Schmelzer flankt, Hanke hüpft, Perisic köpft – und schon ist Standard-Gegentor Nummer zehn gefallen.

Bislang habe ich im Signal-Iduna-Park immer im Oberrang gesessen, von wo das Stadion nicht ganz so imposant ist, wie manch eine Gänsehaut-Rangliste vermuten ließe. Die Dachkonstruktion schluckt dort oben einen Großteil der Atmosphäre. Jetzt stehe ich lediglich 30 Stufen über der Erde und in gut 100 Metern Entfernung baut sich die schwarz-gelbe Wand auf. Der menschliche Körper kann gar nicht anders, als bei diesem Anblick und der Akustik – gelinde gesagt – etwas zu empfinden.

Spiele gegen die Bayern helfen einem nach einer Phase der Neutralität immer, sich wieder auf einem vernünftigen Anti-Niveau einzufinden. Beim BVB ist es wahrscheinlich umgekehrt. Man kann ihm wochenlang nur das Schlechteste wünschen, wird dann aber vom eigenen Organismus kurz überwältigt – ob man will oder nicht. Auch auf dem Platz machen beide Mannschaften den Eindruck, als würden sie eher die Kulisse als den ballführenden Spieler beachten – selbst dann, wenn sie es gerade selbst sind.

Gefangen im Zyklus
Nach ein paar Minuten lassen sich die Borussia und die Borussia wieder auf ein Fußballspiel ein. Zum ersten Mal gelingt es Gladbach, einen Angriff hinzuzaubern, der dem Corporate Design des VfL in der Saison 2011/12 entspricht. Es geht schnell, es geht direkt, es geht in die Spitze. Filip Daems legt schließlich quer und am langen Pfosten rutscht Hanke in den Ball – der Ausgleich! Aber nein, es ist nur ein Moment des Sich-zu-früh-Freuens, nach dem Tausende bloßgestellt sind. Ihr im Keim erstickter Torschrei wurde zum Krächzen und sie haben sich mit ihrem Nachbarn umsonst umarmt wie zwei sentimentale Besoffene am Freitagabend in der Kneipe. “Kniescheibenabseits” sollen die Experten bei Sky diagnostiziert haben. Na dann, ein Arzt kann ja auch aus dem Flugzeug einen Patellasehnenriss erkennen.

Einst war Jürgen Klopp "Brillenträger des Jahres", vielleicht wird er irgendwann "Hände-in-den-Hosentaschen-Träger des Jahres".

Einst war Jürgen Klopp "Brillenträger des Jahres", vielleicht wird er irgendwann "Hände-in-den-Hosentaschen-Träger des Jahres".

Zur Halbzeit ist der BVB also Deutscher Meister. Da fällt mir wieder der Lautern-Fan ein, der mir im Februar nach dem Sieg auf dem Betzenberg die Hand auf die Schulter legte und meinte, der Titel sei Gladbach diesmal nicht zu nehmen. Leicht daneben. Dafür spielt der VfL aber seine beste Saison seit Einführung der Drei-Punkte-Regel, das war 1995/96. Damals wurde Dortmund auch Meister. Seitdem hat es keine Mannschaft mehr geschafft, dem FC Bayern zweimal hintereinander den Titel zu klauen. Seitdem hat Gladbach nicht mehr international gespielt. Es hat ganz den Anschein, als habe sich die kleine Welt in der großen Welt nun einmal um sich selbst gedreht. Das ist spätestens dann Fakt, wenn Deutschland im Sommer, genau wie 1996, Europameister wird.

Um diesen Zyklus des deutschen Fußballs zu untermauern, müsste Gladbach leider unbedingt Vierter werden und Schalke Dritter. In den ersten Minuten nach der Pause macht der VfL obendrein nicht den Eindruck, als sei er daran interessiert, vom Drehbuch abzuweichen. Roman Weidenfellers Torwarthandschuhe liegen auf einmal sogar vor dem Strafraum, wobei nicht klar ist, ob das unter Beschäftigungstherapie oder unter Überheblichkeit zu verbuchen ist.

Keine Meistersuppe
Erst in der 54. Minute wird Reus endlich einmal in die Spitze geschickt. Mit dem Kopf legt er den Ball an Weidenfeller vorbei, mittlerweile wieder mit Handschuhen unterwegs. Doch auch so kann der Dortmunder Keeper nicht verhindern, dass Reus aus spitzem Winkel zum Abschluss kommt. Auf der Linie bringt Schmelzer alles an den Ball, nur seine Hände nicht. Gladbachs beste Chance, die nicht von einer vermeintlichen Abseitsstellung zerstört wurde, macht Hoffnung, dass der VfL die Meistersuppe zum Hineinspucken wenigstens noch einmal zu Gesicht bekommt.

Dann liegt der Ball wenig später genau dort, wo er vor dem Dortmunder 1:0 lag. Viermal hat Gladbach aus einer solchen Situation ein Tor gemacht in dieser Saison, nur einmal nach einer Ecke, gleich dreimal hat es Juan Arango direkt gemacht, dreimal Filip Daems vom Elfmeterpunkt. In der 59. Minute ist also die Chance da, die eigene Standard-Bilanz aufzubessern. Doch stattdessen rollt plötzlich der Konter in die entgegengesetzte Richtung.

Schmelzer spielt einen Zuckerpass auf Lewandowski, der vom verzweifelt zurückeilenden Martin Stranzl erst abgeräumt wird, als der Pole den Ball schon auf Kagawa durchgesteckt hat. Ich könnte schwören, Schiedsrichter Florian Meyer hätte gepfiffen und entsprechend gestikuliert. Wahrscheinlich hat er aber nur den Vorteil angezeigt, den Kagawa am Ende zu einem Tor nutzt, das aus Sicht beider Borussias ein besonderes ist – es ist Gladbachs erstes Konter-Gegentor der Saison. Es ist bezeichnend, dass die eine Borussia an diesem Abend auf dieselbe Weise Tore kassiert, wie die andere sie schießt.

Nur Nebenrollen
Ein paar Minuten war der VfL noch drin gewesen im Spiel, aber nun ist alles gelaufen – zu Gast beim Meister. Es wäre eine ziemlich bittere halbe Stunde, wenn Gladbach es nach dieser Saison nicht so gut verkraften könnte, ausnahmsweise nur schmückendes Beiwerk zu sein. Inmitten von La Ola und Bengalos stürmt Reus einmal noch aufs Tor zu. Er wirkt jedoch etwas gehemmt. Als würde er sich Gedanken machen, wie er im Falle eines Torerfolgs zu jubeln hätte. Man kann auch zu viel hineininterpretieren, aber Reus fügt sich wie seine Kollegen ins Gesamtbild, das für die Elf vom Niederrhein heute nur Nebenrollen vorgesehen hat.

Die Party läuft, das Spiel auch noch.

Die Party läuft, das Spiel auch noch.

Da Schalke und Gladbach anscheinend eine Saison im versetzten Gleichschritt absolvieren, ist nach dem königsblauen 1:1 in Augsburg immer noch alles drin. Die beiden Konkurrenten um Platz drei haben: je ein Spiel im direkten Vergleich gewonnen, sowohl in Freiburg als auch in Nürnberg und Dortmund verloren, haben beide nicht in Augsburg und Hoffenheim gewonnen, haben Bremen im eigenen Stadion abgeschossen, 3:0 in Stuttgart gewonnen, Köln zweimal deutlich geschlagen. Jetzt wird es ganz darauf ankommen, ob Schalke zu Hause gegen Hertha und in Bremen damit weitermacht. Denn aus beiden Spielen, ebenfalls hintereinander, hat Gladbach rund um Ostern nur zwei Punkte geholt.

Es gibt gar nicht so viele Menschen, die sagen können, dass sie ein Meisterspiel in der Fußball-Bundesliga besucht haben. Dieser 21. April 2012 bietet erst die 49. Gelegenheit. Und dennoch habe ich nach 88 Minuten nichts übrig für vermeintlich historische Momente. Ich verlasse den Gästeblock vorzeitig, weil es sich für mich falsch anfühlen würde, gut 70.000 Dortmundern beim Feiern zuzusehen. Ja, ich bin auch ein Stückchen neidisch darauf, dass ich bislang mit Gladbach noch nicht in den Genuss gekommen bin. Wobei ich ja noch nicht einmal nah dran war. Wenn der Fußballgott mir wohlgesinnt ist, bin ich irgendwann in meinem Leben an einem Tag im Mai an der Reihe – und lege dann erst meine Jungfräulichkeit in Sachen Meisterfeiern ab. Man hat doch sonst keine Prinzipien mehr im Leben.

3. Runde Salzburg, 4. Runde Wien
Bis dahin beobachte ich meinetwegen gegnerische Fans, die im Rausch das eigene Stadion stürmen. Zumindest vier Plätze sind ja frei geworden, denn vor dem Gästeblock treffe ich auch meine Eltern und meinen Bruder. Der Schlusspfiff geht natürlich in einem einzigen Freudenschrei unter. Es ist ein bisschen wie der Blick durchs Schlüsselloch zu Weihnachten, als ich durch einen Tribüneneingang die Südtribüne hüpfen sehe. Ein paar Hundert Dortmunder strömen sofort aus dem Stadion. Da frage ich mich, wie viel es bei einer einzigen Tante zu erben geben kann, wenn man sich für ihre Geburtstagsfeier auch nur einen Augenblick der Meisterfeier entgehen lässt.

Innen wird gefeiert, draußen – liegt Müll.

Innen wird gefeiert, draußen – liegt Müll.

Nach der vierten Auswärtsniederlage, die ich diese Saison im Stadion gesehen habe, ist die Stimmung zunächst etwas down. Dabei gleicht meine Quote mit 1,44 Punkten im Schnitt exakt der gesamten Auswärtsbilanz. Und wann gab es schon einmal Jahre, in denen man sich über verdiente Niederlagen beim Deutschen Meister geärgert hat?

Bereits nach 30 Spielen stand die Rückkehr nach Europa fest. In den vergangenen 16 Jahren hat die Borussia überhaupt nur einmal so früh den Klassenerhalt perfekt gemacht. Dementsprechend ist der Ärger über das 0:2 in Dortmund auf der Rückfahrt schnell verflogen. Fanclub-Präsident Michael singt das Europapokallied mit all seinen drei Strophen. Ich frage mich nur, was das für Zeiten waren, als man noch in Salzburg und Wien spielte. Ein schlafender Dortmund-Fan ist erst durch ein gesungenes “Und ihr wollt Deutscher Meister sein?” zu einer Runde Bier zu bewegen. Als der Busfahrer in der Eifel geblitzt wird, singt der Bus “Schatzi, schenk’ mir ein Foto”.

“Die Seele pennt”
An einem guten Tag wäre in Dortmund vielleicht etwas zu holen gewesen. So aber fehlten in allen Belangen ein paar Prozent. Noch in den Spielen gegen Hoffenheim oder Hannover hieß das: 90 statt 100. Wenn gegen den BVB nicht die nötige Klasse abgerufen wird, kann das auch bedeuten: 100 statt 110.

In der kommenden Woche wird das Heimspiel gegen Augsburg also nicht nur ein ganz besonderes, weil Marco Reus zum letzten Mal mit der Raute auf der Brust im Borussia-Park aufläuft. Es geht – und das wird Reus selbst nicht abstreiten – in erster Linie darum, den Traum von Platz drei mit einem Sieg am Leben zu halten.

Um kurz nach halb zwei markiert das Ende der A1 auch das Ende der Busreise. Zu später Stunde heißt es bei den ersten Mitfahrern schon “Die Seele pennt”. In der letzten Reihe stimmen wir ein letztes Mal das Original an – “ganz egal, wohin die Raute dich auch trägt”.

22. April 2012 von Jannik Sorgatz
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Every little thing they do is magic

Saison 2011/2012: 31. Spieltag - Gladbach 3:0 Köln

4:0, 5:1, 3:0, 3:0 – mittlerweile könnten Gladbachs Derbyresultate den Etiketten von “Fohlenmilch”-Flaschen entstammen. Am Ende war der FC mit dem Ergebnis noch gut bedient. Dass nur Kölner Fans es waren, die mal wieder über die Stränge schlugen, spricht auch abseits des Platzes gegen diesen Verein und für die Borussia. Ansonsten war es ein rundum gelungener Sonntag voller Magie.

Der 10. August 2012 könnte ein merkwürdiger Tag werden. An jenem Freitag werden um die Mittagszeit die Paarungen der letzten Quali-Runde zur Champions League ausgelost – und damit unter Umständen auch das Ziel meines diesjährigen Sommerurlaubs. Stand jetzt wäre die Borussia im Topf. Es wäre der erste Moment, in dem der größte Erfolg der vergangenen 15 Jahre auch visuell greifbar würde.

Natürlich ist der VfL schon so lange ein Mitglied der “Fantastischen Vier”, dass es eine herbe Enttäuschung wäre, wenn die Champions-League-Hymne nun doch nicht in den CD-Player im Borussia-Park gelegt würde. Aber Demut war jahrelang ein so zuverlässiger Begleiter, unabhängig von der jeweiligen sportlichen Lage, dass es falsch wäre, jetzt völlig von dieser Route abzuweichen. Also: Die Ziele feiern, wie sie erreicht werden!

Dementsprechend ist der Freitagabend vor dem Derby nicht irgendein Freitagabend. Um 22:19 Uhr ist es gewiss: Borussia Mönchengladbach wird in der kommenden Saison international spielen. Egal in welchem Wettbewerb, egal wie lange es sich anbahnte – das ist ein Erfolg von historischer Tragweite. Dem werden sicherlich nicht nur diejenigen zustimmen, die schon so lange auf Europa warten, dass sie sich in der jüngeren Vergangenheit nicht einmal mehr getraut haben, diesen Traum zu träumen. Auch für alle, die Inter Mailand einst 7:1 und Real Madrid 5:1 geschlagen haben, wird es ein großartiges Gefühl sein. Fragt sich nur, was das für ein Monster-Zettel sein muss, auf dem Borussia VfL 1900 Mönchengladbach e. V. steht.

Parodoxer Europacup: Sechs Auftritte besser als acht
Da Leverkusen am Tag darauf eine 2:0-Führung gegen Hertha BSC in Überzahl aus der Hand gibt und Dortmund auf Schalke seine Arbeit erledigt, geht es am Sonntag gegen Köln also nicht nur um die Fortsetzung eines berauschenden Derby-Laufs mit zuletzt 12:1 Toren in drei Spielen. Es geht darum, die Kalenderwochen 38, 40, 43, 45, 47 und 49 im Kalender schwarz-weiß-grün anzustreichen. Denn bei einem Sieg gegen den FC wird Gladbach um diese Zeit sechs Europacupspiele absolvieren. Und da es allen am liebsten wäre, bis Weihnachten exakt sechs Spiele zu absolvieren, bekommt ein Derbyerfolg eine noch größere Bedeutung – ein Sieg und die Borussia wäre wieder dran an Schalke und Platz drei.

Um 9:50 Uhr stehe ich bei Nils vor der Tür, nach einem langen Abend und einer kurzen Nacht mit nicht einmal zwei Stunden Schlaf in diversen Zügen von Münster an den Niederrhein. Mein Kumpel mit der größten Raute im Herzen hat zum Derbygrillen geladen, das sich diesmal jedoch auf Hähnchenschenkel aus dem Backofen beschränkt. Man könnte meinen, der Termin für das Rückspiel gegen Köln sei in den Februar gelegt worden. “Wat enne driet”, sagt der Niederrheiner bei diesem Wetter.

Leider ist der 1. FC Köln doch noch darauf gekommen, dass ein Trainerwechsel – allein um des Wechsels Willen – die letzte Möglichkeit sein könnte, der Relegation zu entgehen, wenn nicht gar dem direkten Abstieg. Zwar bewegt sich der rheinische Rivale derzeit in denselben Sphären wie die Borussia in der vergangenen Saison. Nur ist die Vorgeschichte eine ganz andere, eine voller Selbstzerfleischung und Personaleskapaden.

Der FC verhöhnt sich selbst
In Gladbach brauchte es schon die “Initiative Borussia” um Stefan Effenberg, damit Unruhe in den Laden kam. Gut, in der Stadt Mönchengladbach gibt es keine Straßenbahn, in deren Gleisbett man im Suff mit dem Auto landen könnte. Aber es gibt immerhin Taxis, auf die man mit 1,5 Promille einschlagen könnte. Somit sind diesmal also weder Spontaneität noch Kreativität vonnöten, um den FC zu verhöhnen. Es genügt eine Zeitungscollage mit den Schlagzeilen der vergangenen Wochen.

Um 12:18 Uhr nehmen wir den Zug. Um 13 Uhr sind wir am Borussia-Park, was für mich die Premiere bedeutet, noch vor Öffnen der Stadiontore anzukommen. Es ist verdammt still, zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn. Nur die Flaschencontainer am Bus-Shuttle zeugen davon, dass dies doch kein Spieltag wie jeder andere ist. Die Polizei hat für die Innenstädte von Mönchengladbach und Rheydt ein mehrstündiges Glasflaschen- und Dosenverbot erlassen.

Am Samstag habe ich bei Sky einen Bericht gesehen, in dem die Ereignisse der vergangenen Wochen rund um die Attacke auf einen Gladbacher Fanbus noch einmal rekapituliert wurden. Darin wurde fast schon der Eindruck vermittelt, die Borussia und ihre Anhänger seien Schuld daran, dass nach mehreren ruhigen Derbys wieder mit Krawallen gerechnet wird. Kölner Busfahrer sollen die Polizei sogar verängstigt um Routenempfehlungen gebeten haben, weil sie Racheaktionen fürchten.

Aus A wird B wird C?
All das war unter anderem in einem Amtsblatt der Stadt Mönchengladbach zusammengefasst worden. Die sechs Seiten lasen sich beinahe wie ein Dossier mit der Überschrift “Was sonst noch wichtig ist”. Darin wird “mit einer nahezu vollständigen Mobilisierung der Mönchengladbacher Problemfanszene und entsprechender Gewaltbereitschaft gerechnet”. Es wimmelt von Begriffen wie “Betretungsverbot”, “Gefährderansprache” und “Drittort”. Und immer wieder der Hinweis, dass “durch die hohe Emotionalisierung auch normale A-Fans ultra- und hooligantypische Verhaltensweisen annehmen und zeigen werden”.

Ein Schüler, der einen Aufsatz zum Thema Fußball genau so geschrieben hätte, wäre vermutlich gleich um eine Klasse zurückversetzt worden – Thema verfehlt! Aber die Stadt Mönchengladbach hat in “Amtsblatt Nr. 10 Sonderdruck” lediglich die teils traurigen Realitäten zusammengefasst, die das Duell Gladbach gegen Köln in den vergangenen Jahren begleitet haben. Neben drei Punkten hoffe ich an diesem Nachmittag auch auf ein Zeichen der “Problemfanszene”, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten.

Die Jungs suchen zwei Stunden, bevor es losgeht, noch nach einer Lokalität, die auch “Bier mit Umdrehungen” ausschenkt. Im und ums Stadion gleichen die sonst alkoholischen Getränke bei Hochsicherheitsspielen schließlich seit Jahren einer qualitativ hochwertigen Urinprobe. Während ich freiwillig verzichte, werden meine Borussenfreunde in der Sportsbar im Hockey-Park fündig. Nils ist so begeistert, dass er, an seinem Alt nippend, gefühlte 76 Mal beteuert, “hier demnächst öfter zu sein”. Na dann, Prost!

Der Gladbacher Kreisel
Wenigstens schlagen wir dort so viel Zeit tot, dass die Mannschaft sich bereits warm läuft, als ich endlich in den Block komme. Es ist immer ein Moment, um katholisch zu werden, um sich zu bekreuzigen, wenn auf den Stufen, die zum Block führen, der Ausschnitt vom Stadion immer größer wird und man schließlich den gesamten Borussia-Park vor Augen hat. Es ist mein 101. Besuch von 141 möglichen, seit Gladbach hier seine Heimspiele austrägt. Wenigstens habe ich vor dem 0:0 gegen Hertha vor zwei Wochen nicht nachgezählt, sonst wäre es auch noch ein trauriges Jubiläum gewesen.

Seit dem 2:2 in Bremen ist die Borussia zumindest spielerisch wieder in der Spur. Vor dem Köln-Spiel haben Marco Reus, Patrick Herrmann, Juan Arango und Mike Hanke in der Rückrunde nur sieben Mal mindestens eine halbe Stunde lang zusammengespielt. Ihre gemeinsame Quote in dieser Zeit liegt bei 11:4 Toren. Gladbachs Kreisel gegen Köln Klüngel – das muss doch einfach den ersten Heimsieg seit dem 11. Februar bringen.

Lucien Favre setzt auf dieselbe Mannschaft, die in Bremen begonnen hat. Tony Jantschke könnte, darf aber noch nicht wieder. Für ihn verteidigt weiter Martin Stranzl auf rechts. Ansonsten hofft besonders Dante, dass sich die Aufstellung zumindest insofern verändert hat, als wieder der alte Dante auf dem Platz stehen wird, nicht der desorientierte von unter der Woche. Der Mann hat noch nie ein Derby verloren, lediglich eines nicht gewonnen. Vielleicht kommt die Form also von ganz alleine zurück. Et hätt noch immer jot jejange.

Lücken der Resignation
Fantechnisch begibt sich der 1. FC Köln durch dieses Spiel in eine Liga mit Hoffenheim, Freiburg oder Augsburg, die es auch nicht schaffen, ihr gesamtes Gästekontigent zu verkaufen. 1200 Tickets sind an die Borussia zurückgegangen. Vielleicht hätte man sie an Menschen verkaufen können, die beteuern, neutral zu sein. Vielleicht hätte ein ausgiebiger Test geholfen, der ergibt, dass die Platzfüller noch nie etwas von der Borussia gehört haben. Wobei auch in dieser Hinsicht von Solidarisierungseffekten auszugehen wäre, wie die Polizei sie eigentlich in Gewalt- und nicht in fußballerischen Sympathiefragen fürchtet.

Die erste gefährliche Aktion des Spiel ist gleich so eine, die neutrale Fans auf die Seite der Borussia ziehen müsste. Filip Daems erteilt seinem Gegner eine Lektion in Sachen “Modernes Offensivspiel von Linksverteidigern”. Seine Hereingabe landet auf der anderen Seite des Strafraums bei Hanke, der Kölns Torwart Michael Rensing bei dessen Bewerbungsschreiben für eine Weiterbeschäftigung in der Bundesliga hilft. Hobbys? Wunderschöne Direktabnahmen von Mike Hanke noch irgendwie aus der Ecke kratzen!

Nach zehn Minuten hat Marc-André ter Stegen erstmals den Ball. Selbst unnötige Rückpässe haben bis dahin nicht den Weg zu Gladbachs Torwart gefunden. Köln scheint davon auszugehen, hinter der Tatsache, dass der VfL mit mehr als 60 Prozent Ballbesitz selten Spiele gewinnt, stecke ein ungeschriebenes Gesetz. Außer dieser Hoffnung setzen die Domstädter anscheinend auf nichts anderes.

Arangos Methoden
In der 19. Minute wird Reus ziemlich ungeschickt von Martin Lanig von den Beinen geholt. 20 Meter Torentfernung – für Arango ist das viel zu nah. Deshalb stellt sich nun die Frage, ob der Schiedsrichter den Freistoßschützen theoretisch zurückpfeifen kann, wenn dieser den Ball freiwillig weiter vom Tor entfernt. Sky hat nachgerechnet: Arango hat sich 2,35 Meter gegönnt. Der Mann scheint die Flugkurve seiner Freistöße so gut zu kennen wie ein Air-Berlin-Pilot die Route nach Palma de Mallorca.

Und fast ist man geneigt, Arango zu verzeihen, dass er die Dinger neuerdings nicht mehr in den Winkel, sondern beinahe flach in die Ecke setzt – im Prinzip ist das sogar noch viel schöner, noch viel unmöglicher. Sobald Rensing beginnt, Freistöße von Arango zu halten, wäre er einer für höhere Aufgaben. Bis dahin bleibt er ein fast schon zu bemitleidender Keeper, der sie regelmäßig aus dem Netz holt. Denn alles, was zum zweiten Mal passiert, hat schließlich Tradition. Gladbach führt mit 1:0!

Bereits zu diesem Zeitpunkt hätten die Ultras das riesige “Derbysieger”-Banner enthüllen können. Allerdings hätten sie daneben ein kleineres mit dem Zusatz “Es sei denn, wir fangen uns wieder ein dummes Standard-Gegentor” aufhängen sollen. Das wäre völlig in Ordnung gewesen, denn Köln sieht bereits nach 20 Minuten mächtig geschlagen aus. Lediglich eine Ecke, an der alle vorbeisegeln, ruft den Zweck eines Zusatzbanners in Erinnerung. Ansonsten steht der Derbysieger früh fest.

Neustädters vorzeitiger Abschied?
Wahrscheinlich werde ich bis zu seinem Weggang nicht mehr herausfinden, ob Reus nur in einer starken Mannschaft brillieren kann oder ob ein schwacher Reus den Rest der Mannschaft gleich mit ins Formtief reißt. Auf jeden Fall ist der 22-Jährige endlich wieder der Alte, sofern man überhaupt innerhalb weniger Wochen im negativen Sinne “ein Neuer” werden kann. Einmal setzt er Sereno im Pressing so unter Druck, dass der Kölner Verteidiger kurz davor ist, die Arme zu heben und die weiße Fahne zu schwenken. Reus spitzelt den Ball zu Arango, bekommt ihn sofort zurück, um in der Mitte Hanke zu suchen. Dessen Privatduell mit Rensing geht in die zweite Runde – wieder nicht drin. Falls es mit der Bewerbung für die Bundesliga nichts wird, dürfte Hanke eine Auffanggesellschaft für den Kölner Keeper gründen.

Dass die Highlights in der Halbzeitpause endlich mal wieder ein Potpourri der Fußballkunst offenbaren, ist durch und durch dem überragenden Offensivquartett zu verdanken. Da Herrmann blass bleibt, ist das “Magische gleichschenkliche Trapez” diesmal jedoch ein ganz normales. Dass Schönheit nicht immer zwei gleichlange Schenkel haben muss, gilt definitiv für Fußball-Geometrie. Die letzte Großchance vor der Pause resultiert aus einem Schuss von Reus, der den Ball blilliant mit der Brust annimmt und Rensing mit einer Bogenlampe alles abfordert. Köln kann zur Pause froh sein, dass das nächste Derbydebakel noch nicht auf dem Weg ist.

Auch beim Stand von 1:0 (gefühlt “nur 1:0″) ist die Stimmung blendend. Dafür sorgt die Derby-Playlist im Alleingang. Einzig das ständige Rumgehüpfe trägt nicht gerade zum Abbau meiner Kopfschmerzen bei. Auch Roman Neustädter müsste bei allen Sprung-Choreografien passen. In der 44. Minute ist der Bald-Schalker vom Platz gehumpelt – Außenbandriss. Ob damit 75 Tage vor Ende seines Vertrages Neustädters Zeit bei Gladbach abrupt zu Ende gegangen ist, steht noch nicht fest. So wenig warm ich mit den fußballerischen Fähigkeiten des Sechsers geworden bin und bei allen bösen Worten, die ich verloren habe, wünsche ich niemandem einen solchen Abschied.

Mit Jantschke im Liquor Store
Wenige Minuten nach der Pause mischt sich Milivoje Novakovic vor lauter Unterbeschäftigung in die Abwehrarbeit seiner Mannschaft ein. Prompt läuft er Arango so ungeschickt in die Hacken wie ein übereiliger Mann auf dem Bahnhof, der nicht daran denkt, dass Menschen am Fuß einer Rolltreppe abstoppen. Reus bringt den Ball in die Mitte und der eingewechselte Tony Jantschke löst mit dem Kopf das Standardproblem, das schon ein Standard-Problem war. Als Jantschke seinen bis dahin einzigen Treffer im November 2008 erzielte, war es sein zweites Bundesligaspiel. Ich machte damals meinen Zivildienst. Jetzt sind wir beide 22 und dürfen längst in den USA Alkohol kaufen. Eine ganz schöne Durststrecke, die da zu Ende gegangen ist.

Magie, Magie, Magie – das steht in dieser Saison stellvertretend für die Momente, in denen man voller Ekstase jubelt, obwohl man eigentlich vor Ungläubigkeit gelähmt ist. Arango passt 90 Sekunden nach dem 2:0 auf Reus. Der tunnelt Geromel, spielt einen Doppelpass mit Serenos Unterschenkel. Rensing scheint sich ihm nur noch entgegenzuwerfen, weil dieses Tor 30 Prozent an Schönheit verlieren würde, wenn der Kasten leer wäre. Diesmal ist die Gefühlsmischung eine andere: In die Ekstase tröpfelt jede Menge Wehmut, weil Reus nicht mehr viele, vielleicht gar kein Tor von dieser Schönheit mehr im weißen Gladbach-Trikot erzielen wird. Und das ist nichts anderes als verdammt traurig.

Ich weiß nicht, ob die Mannschaft von alleine erkannt hat, dass es am Ende im Duell mit Schalke auch aufs Torverhältnis ankommen könnte. Nach dem 3:0 in der 55. Minute beträgt der Rückstand auf Königsblau neben einem Punkt auch nur noch ein Tor. Da wäre es doch fatal, wenn es am 5. Mai in Bremen und Mainz auf ein Fernduell im Kantersiegen hinauslaufen würde. Vielleicht ist es aber auch nur der unterirdisch schwache FC aus Köln, der sich wie eine Brausetablette über der Wasseroberfläche am Rande von Auflösungserscheinungen bewegt.

Gefühlswelten
Die Fans der Rot-Weißen scheinen so entsetzt zu sein über die Leistung ihrer Mannschaft, dass die schwarz-weiß-grüne Kurve ihnen selbst bei den wütenden Gesängen helfen muss. “Schaefer raus!”, fordert die Nordkurve, um nur wenig später zu singen: ”Außer Lukas könnt ihr alle geh’n!” Wie unterschiedlich die Gefühlswelten der rheinischen Rivalen in dieser Saison sind, zeigt eine Szene in der Schlussphase: Podolski sieht Gelb, weil er den Ball vor lauter Wut über einen Einwurf, der fünf Meter weiter hinten ausgeführt werden soll, wütend auf den Boden schmettert – Arango legt sich einen Freistoß freiwillig zwei Meter weiter vom Tor zurecht, um seine Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Wie locker der VfL das 3:0 über die Runden bringt, beweist im Nachhinein Stimmungsbarometer Hanke. In einem Interview regt er sich augenzwinkernd über Arango auf, weil der zwei große Möglichkeiten nicht verwertet hat und Hanke zwei Torvorlagen verwehrt geblieben sind. Dem 4:0 am nächsten ist Roel Brouwers nach einer Flanke von Arango. Doch Rensing verlässt als erster Torwart in dieser Saison mit Bestnoten den Borussia-Park, ohne dass Gladbach wirklich an ihm verzweifelt sei. Immerhin noch dreimal hatte er schließlich keine Chance. Und so darf sich sein Trainer Frank Schaefer freuen, dass er seine Derbybilanz nach einem 0:4 und einem 1:5 in der vergangenen Saison mächtig aufpoliert hat.

Als die Mannschaft nach dem Spiel mit der Nordkurve feiert, hängt das “Derbysieger”-Banner bereits seit einer halben Stunde. Erst wird die Kurzhaarfrisur von Brouwers besungen, anschließend schellt in Kopenhagen das Telefon. Und zum Schluss hüpft das ganze Stadion zu einem langgezogenen “Boooruuussiaaa!”. Patrick Herrmann hat im FohlenEcho gesagt, dass ihm dieses Lied am besten gefalle. Unter fast 50.000 Glücklichen, die sich über mindestens drei Heimspiele im Europacup freuen, dürfte der 21-Jährige damit der glücklichste sein. Worüber man noch glücklich sein sollte: dass es zumindest von Borussenseite sowohl im Stadion als auch im Umfeld ein ziemlich friedlicher Sonntag war. Dass nicht alle Fans des 1. FC Köln da mitspielen würden, war ja irgendwie klar.

Besonderes Geschenk von Reus?
Fest steht, dass es der Borussia – egal, wie schwach der Gegner auch war – noch einmal gelungen ist, die Magie zurückzuholen. Ein Mann, auf dessen Konto die meisten dieser magischen Momente gehen, wird nächste Saison nicht mehr dabei sein. Doch Marco Reus kann allen Anhängern der einzig wahrsten Borussia am kommenden Samstag ein vorgezogenes Abschiedsgeschenk machen: Er kann ihnen den Anblick ersparen, mehr als 70.000 Dortmundern bei der Meisterfeier zuzusehen. Danke, Woody Woodpecker!

16. April 2012 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , | 13 Kommentare

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