Er ist ein Retter im Ferienloch, eine Brücke im Werbeblock. Jeder Fußballfan weiß mit den Seiten 251 und 253 etwas anzufangen. Und das vielleicht noch sehr, sehr lange. Denn der Videotext ist nicht klein zu kriegen.
Nicht wenige von uns werden mit violetter Schrift auf schwarzem Grund ein paar nervenaufreibende Nachmittage verbinden. 2-5-1, 2-5-1. Immer wieder. Der ARD-Videotext kennt keine F5-Taste zum Aktualisieren und Malträtieren. So ein Durchlauf kann lang sein. Und wenn im entlegensten Fischerdorf von Griechenland die Sonne vom Himmel brennt, weit und breit keine Fußball-Kneipe zu sehen ist und die hellenische Gastfreundlichkeit gegenüber Deutschen sich auf den Empfang des ARD-Fernsehprogramms beschränkt, dann darf man durchaus verzweifeln. 2-5-1, 2-5-1.
Die neuesten Fernseher ersparen zwar größtenteils den elendig langen Suchlauf, Klappseiten können manuell umgeblättert werden. Doch in Zeiten des Internets ist der Videotext, gerne auch Teletext genannt, eigentlich ein Medium von gestern. Wer es will, der wird heutzutage fast minütlich mit neuen Feeds aus der Welt des Fußballs gemästet. Wer dafür nicht einmal vor dem PC sitzen, sondern am liebsten auch in der U-Bahn gefüttert werden möchte, der trägt ein iPhone mit sich herum.
100 Videotext-Seiten haben jedoch noch immer nicht ihren Reiz verloren. Vier Seiten genügen, um die wichtigsten Meldungen übersichtlich zu präsentieren. Zweideutige Angebote von „reifen Hausfrauen“ bleiben dem treuen VT-Nutzer auf den Öffentlich-Rechtlichen zudem erspart. Der Videotext schöpft seine Schönheit aus seiner Bescheidenheit. Dennoch kann man sich sicher sein, dass das, was sich auf meist nur 30 Seiten findet, wirklich am wichtigsten ist im Sport. Und weil das Fernsehprogramm selten für eine Eilmeldung unterbrochen wird, wenn Jan Simak nun doch nicht nach Bielefeld geht, ist der „Text“ meist schneller als das Medium, ohne das er gar nicht existieren würde. Paradox, aber wahr.
Während im Internet der Klick näher ist als das Eintippen dreier Zahlen auf der Fernbedienung, während Radio und Fernsehen einer Schlagzeile meist sofort die Nachricht folgen lassen, besitzt der Videotext ein Monopol auf ein kleines Spiel mit unserer Fantasie. Denn bei wem wecken Überschriften wie „Mutti trainiert Bergamo“ oder „Schalke: Spielabsage wegen Dachschadens“ keine Assoziationen? Außer bei Coach Bortolo Mutti und allen königsblauen Anhängern vielleicht.
Der Videotext ist eine Brücke im Werbeblock, ein Retter im Ferienloch – nicht der aber immerhin ein Nabel der Welt. „Teletext – ein Masseninformationsmedium mit Zukunft“ hieß eine Vorlesung an der Universität des Saarlandes. Im Wintersemester 1999/2000. Zehn Jahre später gibt es ihn immer noch, sogar im Internet. Der nächste Sommerurlaub am Arsch der Welt kann kommen. Solange Griechen, Portugiesen, Finnen mitspielen – und ihre Satellitenschüssel richtig justieren.



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