Monthly Archive for Dezember, 2007

Elf des Jahres (11)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Schluss, aus und vorbei! Aus einer 7 wird in 10 Stunden eine 8 und wir begrüßen das neue Jahr. Wenn ein altes geht und ein neues kommt, dann geschieht das nie ohne das “Tor des Jahres”. Seit 37 Jahren wird von der Sportschau der beste Treffer des Jahres gekürt, die Siegeskriterien sind schwer zu definieren. Ein sensationeller Weitschuss, ein technisch hochwertiger Hackentreffer, der allseits beliebte Fallrückzieher oder gar ein weniger sehenswertes Tor, das jedoch der deutschen Nationalelf einen Titel bescherte. Aufgrund des letzten Kriteriums darf sich Simone Laudehr einiges ausrechnen, wenn Fußball-Deutschland im Januar aufgefordert wird, zum Hörer zu greifen oder am PC in die Tasten zu hauen. Ansonsten wird Diego mit seinem Lupfer aus 62,5 Metern kaum zu schlagen sein.

Damit nimmt die eindrucksvolle Serie von zwei Gladbacher Fohlen in Serie, die freudig die Sportschau-Medaille entgegennehmen durften, definitiv ein Ende. Die Web-Revolution hatte Kaspar Bögelund und Oliver Neuville zuletzt die prestigeträchtige Auszeichnung beschert. Eben die ganze Familie per E-Mail abstimmen lassen, der Oma einen Account einrichten, der Tante einen Laptop schenken und schon ist der Sieg unter Dach und Fach.

Dass kein Borusse ein Tor des Monats in Jahr 2007 erzielt hat, grenzt nicht gerade an ein Wunder – denn, wir erinnern uns grau, Tore waren rar bis zum Sommer. Roel Brouwers’ 360-Grad-Flugkopball gegen Aue hat es nicht geschafft, genauso wenig Marcen Ndjengs Schuss aus 37 Metern gegen die Bayern, den er zwei Stunden vor Ablauf des Monats Oktober gerade noch rechtzeitig eingereicht hatte. Stellvertretend für 36 Treffer in der Hinrunde ist das 5:0 in Koblenz der 11. und letzte Vertreter in der Elf des Jahres.

Guten Rutsch ins neue Jahr! Auf den Aufstieg im Mai und den anschließenden Titelgewinn bei der EM 2008! Prost!

Elf des Jahres (10)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Es gibt diese Tage, an denen die schillernde Fußballwelt von der Realität eingeholt wird. An denen Tore, Titel und Triumphe zur Nebensache verkommen. Im Alltagstrott von Bundesliga, Champions League und Länderspielen würdigt man jene Spieler, die tragisch auf dem Feld zu Tode gekommen sind, nur mit spärlichen Gedanken.
Marc-Vivien Foé, Miklos Feher, Antonio Puerta und heute Phil O’Donnell sackten allesamt leblos auf dem Platz zusammen, wie aus dem Nichts, ohne Vorwarnung. Eine Herzattacke riss sie aus dem Leben. In Motherwell, wo O’Donnell eine Legende ist, herrscht Trauerstimmung zum Jahreswechsel. Und deshalb ist der 10. und vorletzte Vertreter der Elf des Jahres auch ein ruhiger – stellvertretend in Gedanken an alle Menschen, die 2007 von uns gegangen sind.

Elf des Jahres (9)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

30. Juli 1966: England besiegt Deutschland im WM-Finale mit 4:2 nach Verlängerung. Das 3:2 durch Geoff Hurst geht als Wembley-Tor in die Geschichte ein und lässt Torwart Hans Tilkowski bis heute nicht in Ruhe. Tofik Bachramow geht ebenfalls in die Annalen ein als “russischer Linienrichter”, der mit seinem geschulten Auge auf Tor entschied. Als Dank hat man in Aserbaidschan das Nationalstadion nach ihm benannt – was soll man dem hinzufügen?

29. April 1972: In einem legendären Spiel besiegt Deutschland das Mutterland des Fußballs in dessen Kathedrale Wembley mit 3:1 durch Treffer mit Hoeneß, Netzer und Müller. Viele wollen damals die beste deutsche Elf aller Zeiten gesehen haben, die mit Traumfußball später ihren ersten EM-Titel errang.

26. Juni 1996: EM-Halbfinale England-Deutschland. Und wieder behält die DFB-Elf im altehrwürdigen Wembley-Stadion die Oberhand. Im Elfmeterschießen versagen Gareth Southgate die Nerven, Köpke hält. Im Anschluss bucht Andy Möller das Ticket fürs Finale.

7. Oktober 2000: Vierte Episode des Evergreens
“Deutschland und das Wembley-Stadion”. Es ist der letzte Auftritt der alten Arena, bevor die Bagger anrücken und den Neubau einleiten, der 2007 fertiggestellt werden soll. Im EM-Qualifikationsspiel gegen England erzielt Didi Hamann aus 32 Metern per Freistoß den Siegtreffer zum 1:0. David Seaman sieht – wie immer – nicht gut aus. Johannes B. Kerner konstatiert zum Abschluss: “Und wenn Wembley die Kathedrale des Fußballs ist, dann haben die Deutschen hier heute einen kräftigen Schluck Weihwasser gesoffen, das Gesangbuch geklaut und die Kerzen ausgepustet.”
Dida Hamann wird demokratisch zum Namensgeber der neuen Brücke vor dem Stadion gewählt. Rein demokratisch natürlich, das sei nochmal gesagt. Am Ende erhält ein schnödes weißes Pferd den Vorzug.

22. August 2007: Wembley ist zurück und Deutschland lässt nicht lange auf sich warten. Im August dieses Jahres wird den Three Lions die Freude über Europas modernstes Stadion mächtig vermiest. Kuranyi und Pander mit einem fulminanten “Brandfackel”-Schuss drehen die frühe Führung der Engländer durch Frank Lampard. Keeper Robinson gräbt sich mit einem weiteren Bock sein eigenes Grab im Hinblick auf seine Karriere im englischen Tor. Philipp Lahm verdient sich als Abräumer vor der Abwehr Bestnoten. Die Wortneuschöpfung “Rumpfelf” wird – wie gesagt – neu geschaffen. Die deutschen Fans singen “Wir ham ein Heimspiel in Wembley” und zum gefühlten ersten Mal feiert eine deutsche Nationalelf einen Sieg mit der in unseren Gefilden inzwischen obligatorischen “Humba”. Ein weiterer legendärer Fußball-Abend in London, der geradezu nach einer Fortsetzung schreit.

Elf des Jahres (8)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Scott McDonald hat Celtic gerade in letzter Sekunde in Führung geschossen. Die Anhänger reißen vor Freude fast das Stadion ab. Die Spieler stürmen auf die Tribüne zu. Die alten Männer aus Mailand sind geschlagen. Nach der letzten Tor- und Jubelzeitlupe liegt plötzlich deren Keeper Dida am Boden.
Ein Mann wie ein Baum, der die Regenwälder des Amazonas mit einer Hand roden könnte, ist von einem Fan zu Fall gebracht worden. Oder besser gesagt: Der freudentrunkene Celtic-Fan hat den Brasilianer beinahe zu Tode “gekitzelt”. Dida will ihm noch hinterher stürmen. Doch seine alten Beine tragen ihn nicht mehr weit, schwer getroffen sackt der Hüne zusammen und wird Minuten später auf einer Bahre vom Feld getragen.
Dida hat es auch nicht leicht. Erst schießt man ihn vor ein paar Jahren im Derby gegen Inter mit einer Leuchtrakete ab und dann diese böse, hinterhältige Backpfeife. Seine Verletzung durfte der 34-jährige in Ruhe auskurieren. Die UEFA sperrte ihn nachträglich für zwei Partien in der Königsklasse. Absitzen musste er nur eine – die Kitzelattacke hat eben doch ein bisschen “Aua” gemacht, was vom Verband gnädig ins Strafmaß einbezogen wurde.

Elf des Jahres (7)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Diego Armando Maradona hat schon viele Klone seiner eigenen Genialität kommen und gehen sehen. Kaum erblickt ein kleiner, technisch versierter und pfeilschneller Spieler die Fußball-Welt, da wird ihm der Titel um den Hals gehängt. Vorzugsweise einem Argentinier. Somit beherbergt jedes halbstarke Gebiet, jedes mickrige Gebirge dieser Welt mittlerweile seinen eigenen Maradona.
Im Buch “Fußball Unser” (sehr genial, nur so nebenbei erwähnt) sind sie allesamt aufgeführt – vom Alpen- bis zum Bosporus-Maradona.
Wenn es seit dem fußballerischen Ableben des Mannes, der auf dem Platz stets auf die Unterstützung Gottes zählen konnte, überhaupt einen Spieler gegeben hat bzw. gibt, der seinen Namen am würdigsten als Bürde trägt, dann bleibt kaum ein anderer als Lionel Messi.
Am 18.April setzt der fast kleine Lionel ausgerechnet in der eigenen Hälfte zum Sprint an und lässt den Ball erst kurz vor der Torlinie wieder vom Fuß. Wenn da nicht mal ein Hauch Göttlichkeit im Spiel gewesen ist.
Im folgenden Video, das die Geniestreiche Maradonas und Messis nebeneinander blendet, erscheint nur die Bildqualität anders. Immerhin werden beide Tore von 21 Jahren getrennt. Selbst die hinterherhechelnden und verzweifelt grätschenden Abwehrspieler könnten dieselben sein.

Elf des Jahres (6)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Michael Ballacks persönliches Fußballjahr 2007 gibt wenig Anlass, sich über seine Leistungen auf dem Feld auszulassen. Zu selten durfte der “Capitano” der deutschen Nationalelf seine Klasse unter Beweis stellen. Für Deutschland trug er in diesem Jahr nur zweimal den Adler auf der Brust – gegen die Schweiz und Tschechien. Die Angst vorm Karriereende ist passé. Seit heute ist Ballack zurück. Mit einem perfekten Freistoß brachte er seine Blues am Boxing Day kurz vor dem Ende gegen Aston Villa in Front. Zum Sieg reichte es dennoch nicht.
Aber der ehemalige Chemnitzer, Lauterer, Leverkusener und Münchener ist zurück. Allein das zählt – vor allem im Hinblick auf die EM 2008.

Elf des Jahres (5)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Wenn sich die ZEIT dem Thema Fußball widmet, dann muss die Thematik schon weit hinausgehen über wetzende Stollen, stramme Waden und schweißgenässte Trikots. Als Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern seine inzwischen in die Annalen eingegangen Wutrede mit dem Titel “Populistische Scheiße” gehalten hatte, kam auch das wuchtige Wochenblatt nicht um eine Story herum. Fußballerischer Klassenkampf à la Marx, Scampis gegen Fangesänge, 7000 Euro gegen 7 Euro – die Diskrepanz zwischen arm und reich hat den Fußball spätestens in diesem Jahr erreicht. Und wenn’s bei den Deutschen ihre liebste Sportart um gesellschaftliche Themen geht, dreht man sich eben auch bei der ZEIT um’s Leder.

Schmackhafte Scampis, garniert mit Limonensauce à la Chelsea – dazu roter Weinheim 90er Jahrgang. Als Nachspeise “populistische Scheiße” mit Sauce “Was glaubt ihr, wer ihr seid?”:

Elf des Jahres (4)

Nein, die Elf des Jahres besteht hier nicht aus einem Torwart, einer Viererkette, einer Mittelfeldraute und zwei Mittelstürmern. Elf Videos zeigen, was die Fußballwelt im letzten Kalenderjahr bewegt hat – egal ob im großen Stile oder als kleine Randnotiz.

Teil 3 der Sportschau-Konferenz vom 12.05.2007, da Teil 2 bei YouTube nicht aufzufinden ist