Monthly Archive for Februar, 2008

Love Is In The Air

„Fuck you and stand up“, „Arschloch“, Keilereien mit den eigenen Fans, höhnischer Beifall, beinahe erstickende Spieler – es qualmt im deutschen Profifußball. Versuchen wir die Geschehnisse des Wochenendes mal etwas anders zu umschreiben, so dass es etwas besser zum heranpreschenden Frühling passt.

Fußballer sind weder physische Übermenschen, noch charakterliche Vorzeigeexemplare und erst recht nicht bilden sie die geistige Elite dieses Landes. Das ist alles andere als eine Neuigkeit, aber auch keineswegs eine Schande. Wenn 9% der Bevölkerung einen IQ über 120 besitzen, dann wird es unter Fußballern nicht anders sein. Wenn jeder achte zum Cholerikerdasein neige und ein Drittel anfällig für Provokationen sei, dann werden selbst unsere geliebten Kicker sich hüten, einen anderen Eindruck zu vermitteln.

Der Eindruck, dass die Mehrheit der Profis am Ball keineswegs als Paradebeispiel an Anstand und Fairness durchgeht, hat sich an diesem Wochenende mehr in unseren Köpfen zementiert denn je.

In Frankfurt bittet der Grieche Kyrgiakos den Brasilianer Diego auf Englisch, er möge doch den Coitus mit sich selbst vollführen und schleunigst aufstehen. Daraufhin erwidert der kleine Mann vom Zuckerhut die freundliche Geste mit einem tätlichen Ganzkörpereinsatz Zidanesischer Art.

Mario Gomez, ein „wirklich sehr guter Fußballer“, dankt seinem Gegenspieler Maik Franz für dessen faires Zweikampfverhalten, indem er den Karlsruher in aller Öffentlichkeit mit einer Gesäßöffnung vergleicht. Und daraufhin wird ihm selbst bescheinigt, er müsse außerhalb des Platzes noch einiges lernen. Wir wollen gar nichts anderes unterstellen, als dass Maik Franz es doch nur gut gemeint hat mit dem „sehr guten Fußballer“ (sein O-Ton).

Nürnbergs Keeper Blazek quittiert die Pfiffe der Anhänger seines Arbeitsgebers mit einer Bewegung des Zeigefingers vor seine Lippen. Harmonische Szenen, die sie in Frankfurt und Stuttgart nur allzu gut kennen.

Zu guter letzt ist „Agressive Leader“ Mark van Bommel so angetan von der Leistung des Schiedsrichters Lutz Wagner, dass er ihm geschlagene vier Sekunden stehende Ovationen widmet, die erst von einem plötzlichen Juckreiz am eigenen Ellbogen jäh unterbrochen werden.

Liebkosungen und groß geschriebenes Fairplay allerorten – so wünscht man sich die Fußball-Bundesliga, oder etwa nicht?

Ach ja, auch in Liga Zwei ging es äußerst tolerant harmonisch zu. In Mainz bleibt Jenas Kapitän Omodiagbe nach einem schweren Zusammenprall benommen liegen. Er hatte seine Zunge verschluckt. Bevor die lästigen Sanitäter wieder anrücken sollten, werden dem Spieler von der gegnerischen Mannschaft einige Momente gewährt, sich selbst aus seiner Misslage zu befreien. Wenn das mal kein Aufbautraining ist.

Kinder, hängt Euch die Starschnitte dieser Jungs in Euer Zimmer! Ach was, tapeziert Euer ganzes Haus damit!
Eigentlich ging es am 21.Spieltag nur an einem Ort vergleichsweise ruhig und gesittet zu – auf der Anzeigetafel (ok, und in Wolfsburg). Nur 16 mal in neun Partien änderte sich dort das Bild. “Vorbildlich”, möchte man es fast erleichtert aus sich heraus schreien, wenn nicht selbst das einen Grund zur Sorge darstellen würde.

Fohlengeflüster (16): Wie so oft

Die Borussia hat eine dumme Angewohnheit. Fehler derselben Art macht sie stets häufiger als nur einmal, weshalb gewisse Züge des Spiels in Osnabrück dem genauen Betrachter relativ bekannt vorkommen dürften. Doch zum Glück macht sie einige Dinge auch häufiger richtig. Sonst würde sie nicht trotz anhaltender Sieglosigkeit erneut den Platz an der Sonne behalten.

Wir schreiben den 3.September 2007. Gladbach empfängt nach der Offenbarung von Mainz, dem kläglichen und Angst erregenden 1:4, den VfL Osnabrück im eigenen Stadion. Die Fohlen sind noch ohne Sieg. Nach einem 1:1 zum Auftakt in Kaiserslautern hatte man gegen Hoffenheim nur ein torloses Remis erreicht und war anschließend, wie gesagt, in Mainz untergegangen. Es unkte aus allen Ecken. Die Laubsäge, mit der der Trainerstuhl gekappt werden sollte, war provisorisch schon einmal auf Hochglanz poliert worden, falls auch im zweiten Heimspiel gegen den zweiten Aufsteiger kein Dreier herausspringen sollte.

An diesem Sonntagmorgen im Spätsommer letzten Jahres (12:30 Uhr ist im Alter von 18 Jahren am Wochenende auf jeden Fall noch in die Morgenstunden zu schieben) trug ein Fan der Borussia in Block 17A eine Jeans der Marke BlueRidge, einen braunen Ledergürtel und auf seinen Schultern ruhten, frisch gewaschen, gleich zwei Trikots – ein weißes aus dem Jahr 2004 und die neue Ausgabe von 2007 in der anderen Vereinsfarbe grün. Gladbach siegte dank zweier Tore von Oliver Neuville und viel Dusel mit 2:1. Es war der Beginn einer sechs Spiele andauernden Siegesserie, eines Sturms an die Spitze und einer Periode von 170 Tagen ohne Niederlage im Unterhaus.

Zwei Wochen nach Ablauf dieser 170 Tage besinnt sich derselbe 18-jährige auf die Anfänge einer bisher doch recht erfreulichen Saison, die derzeit einen merkwürdigen und beunruhigenden Verlauf nimmt. Er packt dieselbe Hose aus, spannt denselben Gürtel ein, holt die erneut frisch gewaschenen Trikots aus dem Schrank, packt sogar sein inzwischen defektes Handy von damals in die Hosentasche und setzt sich erwartungsvoll vor den Fernseher. Denn erneut heißt der Gegner Osnabrück.

Erneut hatte Gladbach gegen Lautern nur 1:1 gespielt. Nach einem 2:4 in Hoffenheim, das im Vergleich zur Hinrunde (selbstverständlich) auf deren fortwährende Einkaufstour à la Monopoly zurückzuführen ist, und einer knappen Niederlage gegen Mainz, stehen die Sterne ähnlich schlecht für den Rekordmeister der Jahre 1970-1977 wie Anfang September des Vorjahres. Ein Sieg sollte es an der Bremer Brücke trotz lila-weißer Heimstärke schon sein. Das Stadion der Niedersachsen trägt mittlerweile übrigens den merkwürdigen Namen Osnatel-Arena. Da fragt sich der überzeugte Stadionnamenverkaufsgegner, ob die Bremer Brücke – die es sicherlich wirklich irgendwo auf dieser Welt gibt – nicht sogar einen Tick mehr gezahlt hätte als eine Firma, die sich außerhalb der Stadtgrenzen von Osnabrück weniger Bekanntheit erfreuen dürfte als die Hauptstadt von Tadschikistan (Duschanbe – für alle Geografie-Freaks unter uns).

Nun gut, dann dennoch zurück zum Spiel, auch wenn es letztendlich schwer fällt. Im Prinzip ist um 13:59 Uhr also alles geebnet für den Start einer erneuten Traumserie – „Hinrunde Reloaded“ sozusagen.

Das enge Stadion ist gut gefüllt, die Stimmung prächtig und irgendwie kommen in mir Erinnerungen an alte Bökelberg-Zeiten hoch: Bratwurstgeruch an den Eingängen, Moos auf den steilen Stehplatztribünen, eine hitzige Atmosphäre und ein Publikum, das seine Mannschaft bedingungslos nach vorne peitscht. Ich wehre mich eigentlich immer dagegen, von „guten alten Zeiten“ zu sprechen, aber wer mir weiß machen will, dass das Erlebnis Live-Fußball im Borussia-Park mehr zu bieten hat als seinerzeit der Bökelberg, kann nur finanzielle Aspekte dafür verantwortlich machen. Denn schließlich konnte eine damit verbundene Etatsteigerung um zig Millionen Euro auch nicht verhindern, dass der Gegner in lila-weiß heute Nachmittag nicht AC Florenz, sondern VfL Osnabrück heißt.

Und jener VfL in lila beginnt weitaus engagierter als sein Namensvetter in tannengrün. Christofer Heimeroth sorgt für erste Unruhe, indem er einen Befreiungsschlag vor die Füße eines Osnabrückers setzt. Doch Gladbach kommt wie so oft in der Fremde schnell in Fahrt, ohne sich kontinuierlich warm zu spielen, sondern schlägt sofort eiskalt zu. Gohouri, mit dem wieder genesenen Brouwers in der Innenverteidigung, passt zielgenau und mit Gefühl über 50 Meter in den Strafraum. Rob Friend nimmt den Ball elegant mit der Brust an und setzt den Ball aus spitzem Winkel knallhart ins lange Eck. Zum sechsten Mal trifft der Kanadier in einem Auswärtsspiel, die bisherigen fünf Partien resultierten jeweils in einem von bisher genau fünf Gladbacher Siegen auf fremdem Platz.

Doch wie so oft („wie so oft“ ist heute übrigens der Ausdruck des Tages) beherrscht der Tabellenführer keineswegs das Spiel. Der Gastgeber Osnabrück ackert, was das Zeug hält, und erarbeitet sich Torchance um Torchance. Keeper Heimeroth wandelt dabei stets zwischen erfüllter Pflicht und Wahnsinn. Erst klärt er den Ball in der Manier eines Pinguins mit einer Hand aus dem Strafraum, eine Sekunde später ist er auf dem Posten und pariert den Versuch des heranrutschenden Manno.

Der Ausgleich nach einer halben Stunde fällt also alles andere als aus heiterem Himmel, jedoch zweifellos unglücklich aus Gladbacher Sicht. Cichon passt einen Freistoß 30 Meter vor dem Tor quer. Schuon nimmt Maß und irgendwie landet der Ball nach einer kuriosen Flugbahn im linken Eck. Daems hatte sich klein gemacht, anstatt sich dem Schuss entgegen zu werfen, den Ball somit abgefälscht und Heimeroth steht einen Tick zu weit rechts. Schon fehlt ihm der ominöse Schritt, um das Gegentor zu vermeiden. Der oft geschmähte Keeper der Borussia sieht schlecht aus, ist jedoch weitestgehend von jeder Schuld freizusprechen.

Und ohnehin dauert es nicht lange, bis das 1:1 schon wieder der Vergangenheit angehört. Nach einem Freistoß von Coulibaly gibt es zwar unberechtigterweise einen Eckball, worüber sich Osnabrücks Coach Pele Wollitz berechtigterweise echauffiert. Doch das hindert Rob Friend nicht daran, mit dem Kopf nach der Hereingabe von Ndjeng die erneute Gladbacher Führung zu erzielen. Im Duell mit Schanda hatte er sich robust, aber wohl im Rahmen der Legalität, den Weg frei gemacht, um dann jeden seiner 194 cm Körpergröße in der Luft auszuspielen. Dabei trifft er das Leder exakt mit der Stelle seiner Stirn, die am Montag nach der Partie gegen Mainz noch mit 13 Stichen genäht worden war. Wenn die Borussia doch nur mehr Kämpfer dieses Kalibers hätte, die dennoch fußballerische Klasse besitzen. Denn im Anschluss bietet sich dasselbe Bild wie zuvor: Osnabrück drückt weiter, Gladbach wehrt sich nur so gut es kann. Heimeroth pariert vor der Pause zweimal gut. Im Übrigen war Schuons Treffer zum 1:1 erst Gladbachs sechstes Gegentor in den ersten 45 Minuten.

Der Unterhaltungswert der zweiten Hälfte kann sich mit dem der ersten jedoch kaum messen. Gladbach hält den Gegner in Schach und verwaltet die Führung so gut es geht. Friend hat das im Falle eines Falles wohl vorentscheidende 3:1 erst auf dem Kopf, als er sich aber mit einem Foul in Position gebracht hatte. Dann hat er es auf dem Fuß, nachdem Neuville gut in die Gasse auf Paauwe gepasst hatte, der den Ball in die Mitte brachte. Doch der herausstürmende Osnabrücker Keeper Gößling hält sein Team blendend im Spiel.

Nach 66 Minuten ist der Arbeitstag für Gladbachs Doppeltorschützen beendet. Jos Luhukay kann sich die Auswechslung seines Topstürmers zu diesem Zeitpunkt scheinbar leisten. Alles sieht nach dem ersten Sieg im Jahr 2008 aus. Bisher hatte immer ein Dreier zu Buche gestanden, wenn Friend erfolgreich gewesen war. Der Gebrauch der Vergangenheit kommt hier nicht zufällig zustande. Denn nach der 76.Minute lässt sich wahrhaftig sagen, dass Gladbach immer gewonnen hatte, wenn Friend getroffen hatte.

Im Zweikampf mit Voigt schnürt Reichenberger geschickt seine Beine um das rechte seines Gegenspielers, so dass er gar nicht mehr anders kann, als zu fallen, sobald sich Voigt aktiv gegen den Klammergriff um sein Standbein wehrt. Auch nach mehrmaligem Nachstellen dieser Szene auf dem Wohnzimmerteppich bleibt der Entschluss: Den Elfmeter muss man nicht geben. Doch wie so oft (da wär’ es wieder) siegt Cleverness gegen Stümperhaftigkeit. Cichon nimmt die Mischung aus Geschenk und Berechtigung dankend an und erzielt aus 11 Metern den letztlich verdienten Ausgleich – verdient, weil bekanntlich 90 Minuten zu einem Fußballspiel gehören.

Es hätte solch eine perfekte Inszenierung sein können. Der endgültige Triumph des Aberglaubens über die Realität. Doch letztere hat uns (wie so oft) auf den rauen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Und dann fällt es mir nach Abpfiff wie Schuppen von den Augen. Seit September 2007 habe ich doch tatsächlich zwei Handys verschlissen. In meiner Hosentasche ruhte also nicht dasselbe Modell wie einst vor fast einem halben Jahr, sondern lediglich dessen Nachfolger. Ich hatte es persönlich verbockt.

Wenn die Borussia zum vierten Mal in den letzten fünf Partien eine Führung noch aus der Hand gibt, sich erneut vor lauter Verwaltungsfußball das Genick bricht und die Tabellenführung schon wieder nicht los geworden ist, dann schiebt der am Rande des Wahnsinns befindliche Fan zwangsläufig die Schuld auf sich selbst und vergisst, dass nicht er es war, der versäumt hat, das 3:1 zu erzielen, sondern die elf Mann auf dem Platz, die ihm ein weiteres Mal den Sonntag versaut haben. Zum dritten Mal in Folge stagniert der Vorsprung auf den Tabellenzweiten bei zwei Zählern. St.Pauli zeigte sich zu gnädig, spielte unentschieden gegen Fürth und zementiert somit erneut das eigentliche Bild der Freude, welches nunmehr seit dem 7.Oktober letzten Jahres Bestand hat.

Nur allzu gerne würde ich zur Abwechslung etwas anderes resümieren, aber es geht einfach nicht. Zum vierten Mal in diesem Kalenderjahr ist die Borussia trotz fragwürdiger Entscheidungen nicht am Schiedsrichter, sondern allein an sich selbst gescheitert. Und zum vierten Mal bleibt mir zum Schluss nichts anderes übrig, als zu sagen: Am Ende werden die drei Vereine die Nase vorn haben, die sich am wenigsten dumm anstellen. Und nach derzeitigem Stand in der “Tabelle der Dummen” bekommt die Borussia dies trotz anhaltender Sieglosigkeit immer noch am besten hin.

Mannschaft der Stunde (9)

VfL Osnabrück: Heute wollen wir mal austesten, wie weit die Einflussnahme dieser eigentlich wohlwollend eingerichteten Kategorie tatsächlich reicht. Bei RTL würde man diesem Versuch mit Sicherheit das Prädikat “ultimativ” verleihen.
Bis morgen um 15:51 Uhr wird der VfL Osnabrück provisorisch zur “Mannschaft der Stunde” ernannt. Und das haben sich die Lila-Weißen auch redlich verdient, wie folgende Fakten eindrucksvoll unter Beweis stellen: Sie liegen sensationell auf Platz 13 der Zweitligatabelle, stellen mit Thomas Reichenberger den zweitgefährlichsten Torjäger der Liga, hatten bis vor zwei Wochen seit dem 06.05.2006 kein Heimspiel mehr verloren und vor Wochenfrist gab es dann sogar endlich den ersten Auswärtserfolg für den letztjährigen Lastminute-Aufsteiger aus der Regionalliga. Demnach ist der VfL seit nunmehr einem (!!!) Spiel unbesiegt.
Einweisungen in die “Rheinische Anstalt für die Bekämpfung des Aberglaubens” nehme ich gerne entgegen. Denn hinter dieser Auszeichnung steckt nichts anderes als ein tief verwurzelter Aberglaube und der verzweifelte Versuch, die Borussia aus Mönchengladbach irgendwie aus ihrer Midseason-Crisis zu befördern. Der Tabellenführer des Unterhaus gastiert morgen übrigens in… Osnabrück. Und bekanntlich geht jede Erfolgsserie einer “Mannschaft der Stunde” auf diesem Blog postwendend den Bach herunter. Bestätigt Osnabrück dieses Phänomen, dann darf Gladbach morgen um kurz vor vier den ersten Sieg seit dem 10.Dezember, seit 77 Tagen feiern. Auf dass der Fußballgott morgen das richtige Trikot trägt…

Fohlengeflüster (15): Midseason-Crisis

Die Tabellenführung im Unterhaus ist wie eine heiße Kartoffel – jeder will sie, aber keiner kann sie festhalten. Bis auf die Borussia. Denn die scheint so etwas wie schützende Handschuhe zu haben, die sie trotz Krise Woche für Woche auf dem Platz an der Sonne halten. Egal was kommen mag.

Nicht nur im Mathe-LK verfolgen mich Tief- und Wendepunkte mittlerweile Tag und Nacht. Inzwischen befürchte ich, dass sie mich nicht einmal mehr in Ruhe lassen, wenn ich 90 Minuten einfach abschalten möchte – und die einzigen Zahlen weit und breit auf der Anzeigetafel und den Rücken der Spieler zu lesen sind. Nach dem vierten Spiel in Folge ohne Sieg halten zwei Dinge meine Hoffnung auf ein baldiges Ende der Gladbacher Erstligaabstinenz dennoch krampfhaft am Leben.

Zuerst wäre da die offizielle Definition eines Wende- und eines Tiefpunktes in der Mathematik. An ihrem Tiefpunkt angekommen strebt eine (Form-)Kurve immer wieder den Weg nach oben an, meist in absehbarer Zeit. Der Wendepunkt ist letztendlich nur eine Station auf dem Weg zu einem Tiefpunkt und da dieser längst stattgefunden hat, ist er zu vernachlässigen. Und dann wäre da noch ein Aspekt, der etwas mehr mit Fußball zutun hat und aus diesem Grund auch einen ganzen Tick relevanter sein dürfte: Als Schiri Kircher am Montag gegen 22:00 Uhr in seine Pfeife bläst und damit die Niederlage im Spitzenspiel gegen Mainz 05 besiegelt, kann man der Borussia eigentlich keinen Vorwurf machen. Sie hat gekämpft, sie hat hinten gegen eine offensiv starke Mannschaft sicher gestanden und sie hat sich Chancen erarbeitet bzw. erspielt. Wenn das Wörtchen „eigentlich“ bloß nur keine Einschränkung beinhalten würde. Denn das Wichtigste hat der (Immer-Noch-)Tabellenführer versäumt: Tore zu erzielen. Und somit ist ihm nach 90 (eigentlich) unterhaltsamen Minuten eben doch ein Vorwurf zu machen.
Da ist es schon wieder, dieses verdammte „eigentlich“.

Für alle Diplom-Abergläubigen geht der Abend im Borussia-Park schon unheilvoll los. Eine der beiden großen Videoleinwände versagt ihren Dienst. Ver.di oder die GDL sollen ihre Finger aber bei diesem Streik ausnahmsweise nicht im Spiel gehabt haben. Und so ist die Anzeigetafel auch nicht in der Lage, nach nur 123 Sekunden den neuen Spielstand anzuzeigen. Das 1:0 für den FSV Mainz 05 könnte man als Kopie des Gladbacher Tores vor zwei Wochen gegen den FCK beschreiben. Aus ähnlicher Position wie damals (ach, wie lang ist’s her, dass wir zumindest noch einen Punkt holten) wird der Ball in die Mitte gebracht, findet jedoch nicht gleich einen Abnehmer. Den geklärten Ball nimmt Karhan an der Strafraumgrenze an und befördert ihn ohne Gegenwehr gefühlvoll in den 16er. Borja nutzt die Schläfrigkeit der Gladbacher Hintermannschaft und spitzelt das Runde sehenswert in den Südwesten des Eckigen. Vermutlich steht er dabei hauchdünn im Abseits, doch wer will es dem Linienrichter ernsthaft verdenken?

Außer der Feststellung, dass ein 0:1 in der 89.Minute weitaus schlimmere Folgen gehabt hätte und dass immerhin noch 88 Minuten bleiben, um den frühen Fauxpas auszumerzen, bleibt dem einst erwartungsvollen und nun vollkommen überrumpelten Fan nichts anderes übrig.
„Vau-Eff-Ell“ hallt es in Heck’scher „Zett-Dee-Eff“-Manier durch den Borussia-Park. Wenn schon nicht die drei Punkte, dann wenigstens die Contenance und den Optimismus bewahren.

Die folgenden knapp eineinhalb Stunden bis zum Spielende lassen sich relativ einfach umschreiben. Der VfL findet nach ein paar Minuten der kalten Dusche schnell wieder den Faden und steigt so langsam ein in die Partie, wozu er auch schon fünfzehn Minuten zuvor herzlich eingeladen war. Mainz stellt sich erst einmal genügsam hinten rein oder wie der Optimist sagen würde: Gladbach schnürt die Rheinhessen mit druckvollem Angriffsfußball in der eigenen Hälfte ein. Bis auf gelegentliche Mainzer Konter, die alle nach dem Schema Befreiungsschlag–Boakye–Ballverlust ablaufen, findet das Spiel meist vor dem Tor von Keeper Ischdonat statt oder eben vierzig Meter davor. Denn viel zu häufig probiert es die Borussia statisch durch die Mitte, anstatt das Spiel gekonnt nach außen zu verlagern.

Dicke Torchancen sind trotz der enormen Feldüberlegenheit Mangelware. Paauwe verfehlt nach einer Flankenverlängerung von Gohouri das Tor. Ebenso wie Friend, der bei einem Kopfball die Orientierung verliert. Bei seiner guten Gelegenheit hat Paauwe sich verletzt und muss daraufhin ausgewechselt werden. Zuvor war er bereits von Sascha Rösler, also vom eigenen Mann, umgesenst worden. Allmählich macht sich eine „erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu“–Stimmung breit. Eugen Polanski erhält indes einmal mehr die Gelegenheit, zu beweisen, warum er einst als Kandidat für die Nationalelf gehandelt wurde.

Der Vorwurf der Überheblichkeit passt heute gar nicht mehr ins Bild. Anders als gegen Paderborn, Lautern und Hoffenheim scheitert die Borussia vielmehr an der eigenen Chancenauswertung, dem mangelnden Einfallsreichtum in der Offensive und an einem gut aufgelegten Mainzer Torhüter Ischdonat, der sich seinen Klops des Jahres leider bereist eine Woche zuvor im Spiel gegen Fürth geleistet hatte.

Die zweite Hälfte geht ähnlich weiter wie ihr Vorgänger. Gladbach spielt, Mainz verlegt sich aufs Kontern. Die Borussia hat ihre besten Möglichkeiten im zweiten Durchgang bei Distanzschüssen. Levels, Coulibaly und Polanski scheitern jedoch an ihrer Zielgenauigkeit oder am Mainzer Keeper. Zwanzig Minuten vor dem Ende setzt Daems einen Kopfball an die Latte. Spätestens hier wird klar: Es soll wohl einfach nicht sein. Zwei Tore mehr, ein 2:1 Sieg, und jeder hätte von einem grandiosen Fußballabend sprechen dürfen. Von einer hervorragenden Zweitligapartie und von einem starken Tabellenführer, der verdient an der Spitze steht.
Doch wie hat einer der größten Philosophen unserer Zeit festgestellt? „So ist Fußball – manchmal gewinnt der Bessere“. Ok, es war Lukas Podolski. Und diesmal behält der Bessere nicht die Oberhand. Vielmehr ist es der Cleverere, der Effektivere.

Einmal mehr hat sich gezeigt, dass die Borussia meist zum Scheitern verurteilt ist, wenn ihr Gegner partout keine Lust hat, aktiv etwas zum Spielgeschehen beizutragen, wenn Mauern über Stürmen geht. In Freiburg und in Fürth hat die Borussia ihre besten Spiele hingelegt – gegen bärenstarke Heimteams, deren Konzept daraus besteht, selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Wenn jedes der vergangenen vier Spiele ohne Sieg so viel Erkenntnis gebracht hat, müssten wir mittlerweile so weise sein, dass die (hoffentlich funktionierende) Anzeigetafel in den verbleibenden Partien bis zum Saisonende stets ein 5:0 vermeldet. Wenn es doch nur so einfach wäre.

Nach den vergangenen Spielen stellt sich die Frage, was unterm Strich schlimmer ist: Gegen das Schlusslicht zuhause nur einen Punkt zu holen, in doppelter Überzahl noch einen Sieg aus der Hand zu geben, eine 2:0 Führung zu verspielen oder 88 Minuten auf ein Tor zu stürmen und kein einziges zu erzielen? Wahrscheinlich ist es die Tatsache, dass all diese Hochleistungen aus dem Kuriositätenkabinett hintereinander auf die Beine gestellt worden sind. Der Tabellenführung hat man sich trotz allem immer noch nicht entledigt. In der „härtesten Zweiten Liga aller Zeiten“ werden im Mai wohl nicht die besten Teams die Nase vorn haben, sondern das Trio, das sich am wenigstens dumm anstellt.
Die Borussia steckt in einer Midseason-Crisis. Doch jede Krise nimmt bekanntlich irgendwann ein Ende. Fragt sich nur, wann genau?

Mannschaft der Stunde (8)

Celtic Glasgow: Der Fluch weitet sich aus. Als Celtic zur Halbzeit mit 2:1 gegen Barca führte, habe ich es gewagt, einen Blick – wirklich nur einen kurzen, winzigen Blick – auf die aktuelle Form der Schotten zu werfen. Erstaunliche acht Siege in Serie hatte Glasgow zuletzt in Liga und Pokal eingefahren, wie mir kicker-online offenbarte. Ebenso beachtlich ist zweifelsohne die Marke von sechs gegentorlosen Spielen in dieser Zeit.
Sollte Celtic die (wenn auch unverdiente) Führung gegen Barca bis zum Ende halten, schwor ich mir, hätten sie sich die Würdigung als „Mannschaft der Stunde“ redlich verdient. An dieser Stelle möchte ich mich aufrichtig bei allen Celtic-Fans entschuldigen. Denn ihr Team gab die Führung in der zweiten Hälfte noch aus der Hand und unterlag mit 2:3.
Sonst rissen die beeindruckenden Serie erst nach der Auszeichnung als „Mannschaft der Stunde“. Inzwischen scheint dieser Blog unmittelbaren Einfluss auf das laufende Spielgeschehen ausüben zu können. Unheimlich. Geradezu, hoyzeresk. Sorry, Celtic.
Als Trost dürfen sich die Kleeblätter trotz der Pleite wenigstens für ein paar Tage (nachträglich) als „Mannschaft der Stunde“ feiern lassen. Hoffe, das genügt als Wiedergutmachung.

Mire se vini, Kosovo!

Ein herzliches “Willkommen in Europa”, liebe Kosoveten, Kosovenen, Kosovianer – wie auch immer ihr euch nennen mögt. Wir sehen uns – in der nächsten EM-Quali.


Der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo stehe ich, politisch gesehen, ehrlich gesagt neutral gegenüber, keineswegs gleichgültig, neutral eben. Aus fußballerischer Sicht – und die “is’” hier nun einmal “entscheidend” – kommt das unaufhaltsame Aufspalten des ehemaligen Jugoslawiens einem Dilemma gleich. Der Kosovo könnte bald das 54. Mitglied der UEFA werden, es sind inzwischen gefühlte 128.

Wir können uns noch immer nicht mit Georgien abfinden, fragen uns, was Kasachstan eigentlich in der UEFA zu suchen hat und Montenegro klingt derzeit mehr nach einer Eissorte von Mövenpick, als nach einem unabhängigen Staat. Vor dem Zerfall des Ostblocks zu Beginn der 90er zählte die UEFA schlappe 35 Mitgliedsverbände. Im Vergleich zu heute war jede Qualifikationsgruppe eine dankbare Aufgabe, geradezu ein Klacks. Ein Sieg bei der EM erhält derweil langsam, aber sicher, den Stellenwert eines WM-Titels, denn als Deutschland 1954 Weltmeister wurde wird die FIFA kaum mehr Mitglieder unter ihren Dach beheimatet haben, als heute ihr europäisches Pendant.

Es bleibt uns nur übrig, inständig an Kroatien zu appellieren, damit sich die Balkanrepublik nicht in Kroa und Tien aufteilt. Heute habe ich jedoch schon gehört, dass Maze die Unabhängigkeit von Donien anstrebt und nächsten Donnerstag deklarieren will. Na Prost Mahlzeit!

Kleiner Nachtrag: Die Bewohner des Kosovo heißen Kosovaren und mit mehr als 2 Millionen Einwohnern ist er mehr als drei mal so groß wie Montenegro.
“Mire se vini” ist albanisch für “Herzlich Willkommen”.

Die Quintessenz im Meisterkampf

Der Rekordmeister grüßt nach 20 Spieltagen von ganz oben – alles andere als eine Überraschung. Dass sich auf den ersten Plätzen sechs Klubs innerhalb von zehn Punkten tummeln, dagegen schon eher. Doch welcher Faktor gibt am Ende den Ausschlag, wenn es ernst wird, wenn die Trauben der Schufterei verteilt werden? Gipfeltreffen oder Pflichtaufgabe?

Die Bundesliga im Februar 2007: Schalke 04 führt die Tabelle drei Punkte vor Werder Bremen an, vier Punkte dahinter ist der VfB Stuttgart höchstens noch in Lauerstellung. Drei Monate später feiern die Schwaben dennoch den Meistertitel. Mit weiteren vier Zählern weniger auf dem Konto weilt der FC Bayern weit abgeschlagen auf Platz vier. Die Hertha befindet sich noch auf Tuchfühlung zum Rekordmeister, dahinter wird es allmählich eng. Bis zum Schlusslicht Hamburg liegen nie mehr als drei Punkte zwischen zwei Tabellennachbarn. Allein das Bild an der Spitze gestaltet sich einigermaßen übersichtlich.

Die Bundesliga im Februar 2008: Die Bayern liegen drei Punkte vor Werder Bremen an der Tabellenspitze. Drei Punkte hinter dem Rivalen aus dem Norden lauert der HSV mit 37 Punkten, Leverkusen und Schalke weilen derzeit punktgleich auf den Plätzen vier und fünf. Mit 33 Zählern befindet sich der Aufsteiger aus Karlsruhe noch in Reichweite der UEFA-Cup-Ränge auf der 6. Im Fall der Fälle könnte das sogar für den UEFA-Cup reichen – nämlich, wenn sich Hamburg und Bayern im DFB-Pokalfinale gegenüber stehen. Auf jeden Fall ist es vergleichsweise eng in den höheren Gefilden der Bundesliga.

Dann folgt ein kleiner Sprung, ein Lücke von vier Punkten, die größte in der gesamten Tabelle. Seit langer Zeit formieren sich erstmals wieder eine klar abgegrenzte Spitzengruppe und ein echtes Mittelfeld – in den letzten Jahren eigentlich ein Fremdwort –, das von Wolfsburg bis zum BVB auf Platz 12 reicht. Bochum und Rostock wähnen sich trotz des scheinbar beruhigenden Polsters auf die rote Zone lange nicht in Sicherheit.

Am Tabellenende stecken derzeit nur vier Teams bis zum Hals im Schlamassel. Man könnte meinen, die einstige Spannung und enorme Anzahl der bedrohten Vereine im Abstiegskampf hat ebenfalls den Weg ins Unterhaus angetreten und bringt nun den ein oder anderen Zweitligafan an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Denn das Rennen um die Aufstiegsränge war dort seit Jahren nicht so eng, offen und voller Überraschungen.

Die aktuelle Tabelle der Bundesliga nach dem 20.Spieltag:


Doch um Abstiegsängste, Mittelfeldgeplänkel und vermeintlich dicke Polster soll es jetzt gar nicht gehen, sondern der Blick schweift nach ganz oben. Es geht vielmehr um blanke Zahlen, um die Frage, welche Faktoren im Rennen um die Meisterschaft letztendlich den Ausschlag geben. Wer steht oben? Ein Klub, der fleißig gegen Teams aus den unteren zwei Tabellendritteln seine Punkte einheimst? Oder doch der Verein, der im direkten Vergleich mit den Konkurrenten aus der Spitzengruppe häufiger die Oberhand behält?

Wie die Tabelle, in der nur Partien gegen Teams von Platz 7-18 berücksichtigt werden, zeigt, sind die Unterschiede zwischen den fünf Großen plus Karlsruhe eigentlich zu vernachlässigen, was die Spielen gegen die “Kleinen” angeht.


Anhand der durchschnittlichen Punkteausbeute wird deutlich, dass Leverkusen geringfügig vorne liegt. Aber wie gesagt – geringfügig. Denn im Schnitt holen die Teams von Bayern bis Karlsruhe mindestens zwei Punkte, wenn der Gegner aus unteren Gefilden der Tabelle stammt. Alle bis auf Karlsruhe haben genau neun Siege auf dem Konto. Nur Bremen hat bisher drei Niederlagen einstecken müssen. Die „einfachen“ Spiele machen also keineswegs den Unterschied im Rennen um die vorderen Plätze.

Die Tabelle der Top-Klubs unter sich besitzt dagegen schon ein ganzes Stück mehr Aussagekraft:


Der Rekordmeister und sein ärgster Verfolger Bremen liegen hier deutlich vorne. Der HSV, Bayer und der KSC haben bis dato erst einen Sieg in einem Spitzenspiel eingefahren. Schalke ist sogar noch sieglos. Der Viererbande bleibt im bisherigen Saisonverlauf also nichts anderes übrig, als hoffnungsvoll den leichteren Partien entgegenzublicken, denn gegen die direkten Konkurrenten gibt es meist nichts zu holen.

Bemerkenswert ist die hohe Zahl der Unentschieden – jedes zweite Gipfeltreffen endet remis, bei den anderen Partien ist es nur jedes vierte. Dabei drosseln die Top6 untereinander keineswegs die Risikobereitschaft. Durchschnittlich fallen in Topspielen überraschenderweise ein wenig mehr Tore, als sonst.

Die Bayern haben ihre Spitzenposition demnach den direkten Duell mit Rivale Werder zu verdanken. Nimmt man das 4:0 im Weserstadion und das 1:1 letzte Wochen einmal außer Acht, lägen die beiden Vereine punktgleich mit 39 Punkten auf Platz eins und das Torverhältnis wäre mit 32:9 gegenüber 45:22 ausgeglichen, Werder aufgrund der höheren Anzahl geschossener Tore sogar Tabellenführer. Um den Meistertraum am Leben zu halten, muss Werder also möglichst viele Punkte aus den verbleibenden Spielen gegen Hamburg, Schalke, Karlsruhe und Leverkusen holen. In der Hinrunde waren es deren zehn – eine mehr als ordentliche Ausbeute, die es zu wiederholen gilt.

Den Verfolgern auf den Plätzen drei bis sechs bleibt allem Anschein nach nur der Kampf um die Champions-League-Quali. Für mehr reicht es einfach nicht. Hamburg trifft zu selten, zehrt von seiner starken Defensive. Leverkusen fehlt die Konstanz und ein Erfolgserlebnis gegen die Mitstreiter. Schalke mangelt es entweder an der Risikobereitschaft oder – das Spiel gegen Wolfsburg spricht Bände – die mangelhafte Chancenverwertung bricht den Königsblauen das Genick. Karlsruhe ist meist gut aufgelegt, wenn es drauf ankommt gegen die Klubs, die vor der Saison eher als Konkurrenten erwartet wurden. Nur gegen die Großen sieht die Bilanz der Badener dürftig aus.

Der Titelkampf entwickelt sich mehr und mehr zum Nord-Süd-Gipfel, zum Duell Bremen gegen Bayern. Denn die Gipfeltreffen der Top6 unter sich stellen dieses Jahr eindeutig die Quintessenz im Kampf um die Schale dar. Und diese zwei an der Spitze haben schlichtweg häufiger die Nase vorne, wenn sich alle Welt auf ein „Topspiel“ freut.

PS: Ich bitte die kleinen Grafiken zu entschuldigen und stattdessen deren hohe inhaltliche und strukturelle Qualität zu würdigen ;-). Aber der Blog gibt leider nicht als mehr 400px her in der Breite.

Frohe Ostern im Visier

Die Hinspiele im Sechzehntelfinale des UEFA-Cups sind gelaufen. Und wenn es so weiter geht, heißt es für die Bundesliga im internationalen Vergleich nach „Frohe Weihnachten“ auch „Frohe Ostern“.

Allem Anschein nach darf sich die Bundesliga in dieser Saison mit dem besten Abschneiden auf europäischer Ebene seit Jahren rühmen. Dabei befindet sich der UEFA-Cup gerade erst in der Runde der letzten 32 und das Achtelfinale in der Champions League steht noch in den Startlöchern. Dennoch haben Bayer, Bayern, Bremen, Hamburg und der „Club“ die Punktzahl des Vorjahres aus der UEFA-Fünfjahreswertung bereits eliminiert. Schon nach den Rückspielen nächste Woche könnte das beste Ergebnis seit 2002 erreicht werden.

Obwohl vier der fünf Vertreter im „Cup der Verlierer“ zuerst auswärts in den Kampf um ein Ticket fürs Achtelfinale eingestiegen sind, gab es am Mittwoch und Donnerstag zwei Siege, zwei Remis zu bejubeln und nur eine Niederlage zu vermelden. Werder und der HSV können sich eigentlich nur noch selbst aus dem Wettbewerb kegeln. Leverkusen und den Bayern genügt im eigenen Stadion ein Sieg – die Höhe spielt keine Rolle. Und selbst die Ausgangslage des 1.FC Nürnberg könnte sich nach dem 0:1 bei Benfica Lissabon schlimmer gestalten. Doch im Frankenland hat man momentan eigentlich ganz andere Sorgen.

Sieben Vertreter hat die Bundesliga zu Saisonbeginn ins Rennen geschickt. Allein der VfB Stuttgart musste bis dato die Segel streichen. Nur England und Schottland dürfen ebenfalls von sich behaupten, auf dem steinigen Weg ins Jahr 2008 nicht mehr als ein Team „verloren“ zu haben. Und überhaupt manifestiert sich der deutsche Fußball in dieser Saison als Nummer drei im europäischen Vergleich hinter der Primera División und der Premier League. Obwohl die reinen Zahlen in der Fünfjahreswertung lange nicht die gefühlte Klasse der Bundesliga repräsentieren, steht es um die höchste deutsche Spielklasse nicht halb so schlimm, wie viele behaupten.

Vor sechs Jahren kämpften mit Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund letztmals deutsche Mannschaften im Finale um einen Titel auf europäischem Parkett. Der letzte Erfolg datiert aus dem Jahr 2001, als die Bayern im Elfmeterschießen gegen den FC Valencia die Oberhand behielten und die Königsklasse für sich entschieden. Angenommen die Bundesliga verzeichnet pro Runde nur einen Verlust im UEFA-Cup, dann stünde ein Team zumindest im Finale.

Die größten Ambitionen findet man zweifelsohne in München vor, wo der FC Bayern aus dem „Cup der Verlierer“ wenigstens als Gewinner hervorgehen möchte. Die Bilanz aus bisher sieben Partien ist dabei nicht überragend. Gegen die alles andere als namhaften Gegner Belenenses, Belgrad, Braga, Bolton, Saloniki und Aberdeen gab es vier Siege und drei Unentschieden. Besser liest sich dagegen die Bilanz des HSV, der in derselben Anzahl an Spielen nur einmal Punkte liegen ließ. Und wenn die Hanseaten so weiterspielen, ist ihnen der erste große Wurf seit 1987, als man den DFB-Pokal in den hohen Norden holte, durchaus zuzutrauen. In der nächsten Runde könnte es zum deutsch-deutschen Duell mit Bayer Leverkusen kommen.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich langsam wiederhole und mir mein verwurzelter Optimismus irgendwann ein böses Erwachen bereitet: Bundesliga und Europacup – das impliziert keineswegs Verderben und Schwarzmalerei.