Monthly Archive for Mai, 2008

EM-Tagebuch (3) – Seltener Dank

8,50€ für 95 Minuten EM-Nostalgie. Notizen zum EM-Finale 1996.

Es fällt mir von Natur aus schwer, der Bild-Zeitung für irgendeine ihrer Taten zu danken. Deswegen schicke ich erst einmal Negatives vorneweg, dann fällt es mir nachher leichter: 8,50€ sind zuviel für eine Ausgabe der „Klassikersammlung“, die die BamS nun herausgebracht hat. Zweimal, vielleicht auch dreimal kann man sich das gönnen, aber wer blättert diesen Preis bitte schön jeweils für 40 Ausgaben hin?

Ohnehin interessieren mich so richtig nur das Halbfinale gegen England von vor zwölf Jahren und eben jenes Endspiel gegen Tschechien – weil ich weiß, dass ich es gesehen habe und mich dennoch freilich nicht an jede Einzelheit erinnern kann. Deshalb jetzt ein ehrliches „danke“ für die 90+5-minütige Rückversetzung ins Jahr 1996. Auch wenn es im Vergleich zu den wirklich alten Klassikern, wie dem 3:1-Sieg in Wembley ’72 oder das 4:2 gegen Jugoslawien im Halbfinale vier Jahre später, noch nicht so richtig lange zurückliegt, kommt der „moderne Fußball“, den wir heute mit all seinen Facetten kennen, noch nicht so recht zur Geltung.

Ein paar Beobachtungen:

- Ich denke zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte dürften vor einem großen Finale drei Hymnen gespielt worden sein. Vor der deutschen und tschechischen ertönte zuerst „God save the Queen“. Während die englische Hymne noch feierlich angekündigt wurde, ging es danach schnurstracks mit der deutschen weiter.

- Meinem Bruder musste ich erst einmal erklären, dass die Nummer 18, die uns aufs Feld führte, nicht Tim Borowski, sondern Jürgen Klinsmann ist.

- Die Hymnen wurden von Gesang begleitet. Anna-Maria Kaufmann mag vielleicht eine herausragende Opernsängerin sein. Auf dem Fußballplatz hat sie dennoch nichts zu suchen. Mittlerweile haben es der DFB, die UEFA und die FIFA Gott sei Dank ebenfalls kapiert.

- Miroslav Kadlec präsentierte der Queen seine Mitspieler mit einer seltsamen Handbewegung vor: als wolle er seiner Mutter im Schaufenster eine Jeans zeigen, von der er genau weiß, dass sie den Kauf derselbigen empört ablehnen wird.

- Deutschland spielt in einem 3-5-2 mit Libero, was aus heutiger Sicht fast das Prädikat „antik“ verdient.

- Der tschechische Coach heißt U(h)rin, was mir als Kind bei jeder Verkündung seines Namens einen großen Spaß bereitete.

- Das Tempo ist lange Zeit sehr hoch, bis die deutsche Elf sich wieder aufs Vogts’sche Rumgeschiebe auf der Höhe der Mittellinie besinnt.

- Man hört bei jeder Ballberührung das Klatschen des Balles. Die Astronauten-Bälle von heute sind dagegen weitestgehend stumm.

- Zu den beliebtesten Fanutensilien unter den 15.000 mitgereisten Deutschen gehört ein hässlicher Anglerhut in schwarz-rot-gold. Trikots in der Kurve sind so selten wie englische Siege im Elfmeterschießen (der musste sein, sorry).

- Masseur Katzenmeier ist seitdem nicht wirklich gealtert.

- Als Dieter Eilts sich verletzt, steht René Schneider (!) kurz vor einer Einwechslung. Der Mann ist mit einem Länderspiel (wohlgemerkt vor der EM) Europameister geworden. Zudem hat er die Champions-League mit Dortmund gewonnen, ohne jemals wirklich gespielt zu haben.

- Als dann doch Bode für Eilts ins Spiel kam, waren Bierhoff und Schneider die einzigen beiden verbliebenen Feldspieler auf der Bank.

- Fortuna Düsseldorf (!) ist vor der EM an Pavel Nedved (!) dran gewesen. Nedved trug damals mit 23 Jahren übrigens eine interessante Fönfrisur.

- Nach 56 Minuten, kurz bevor Tschechien durch einen unberechtigten Elfer mit 1:0 in Führung gehen sollte, hatte Deutschland 58% Ballbesitz – weil sich die Abwehr permanent den Ball hin und her schiebt.

- Das Publikum quittierte dies mit einem lauten Pfeifkonzert.

- Die sandige Laufbahn des Wembley-Stadion erinnert an eine Mischung aus Weitsprunggrube, Trabrennbahn und dem Platz bei den Horse Guards.

- Taktische Fouls wurden damals scheinbar noch offensichtlicher vorgenommen als heute. In einer Szene zieht Matthias Sammer Jiri Nemec fast die Hose aus, um ihn zu stoppen.

- „One touch“ hat seine Geburt wohl erst nach ’96 erlebt.

- „4. Tor im 9. Länderspiel – was für eine Bilanz“, schwärmt Bela Réthy nach Bierhoffs Ausgleich (per Kopf, wie auch sonst). Was würde er wohl zu Gomez’ Quote von 6 in 9 sagen?

- Heute würde der Reporter nach jedem unglücklichen Zusammenstoß, jedem blöden Ellbogencheck usw. sofort klarstellen: „Wir wollen XY keine Absicht unterstellen“. Damals nahm man den Vorfall einfach zur Kenntnis und weiter ging’s.

- Petr Kouba sah beim Golden Goal verdammt scheiße aus.

- Stefan Kuntz stand im passiven Abseits bei Bierhoffs Schuss.

- Bela Réthy laberte wirres und unnötiges Zeug in den Minuten nach dem Abpfiff bzw. dem Golden Goal.

- Ich muss jetzt aufhören. Gleich geht’s los auf Schalke gegen Serbien.

EM-Tagebuch (2) -Sieglose Kindheit

Zwölf Jahre liegt der letzte Sieg der Nationalelf bei einer Europameisterschaft zurück. Warum ich eine Mitschuld trage und wir am 8.6. bereits wissen, wie wir den Finaltag verbringen werden.

„Nein, danke, ich hör’ auf. Ich will nicht mehr“. Wäre mir dieser Satz vor zwölf Jahren über die Lippen gegangen, hätte ich mir viel Leid in meiner Karriere als hauptberuflicher Fußballfan ersparen können. 1995 holte Gladbach den DFB-Pokal, ich fuhr mit der Fahne in den Gepäckträger geklemmt durch die Nachbarschaft, klingelte was das Zeug hielt, damit auch jeder von diesem großen Triumph Wind bekam. Es ist bis heute der letzte Glücksmoment dieser Art gewesen, was die Borussia angeht.

Ein Jahr später, kurz nach der Entlassung aus dem Kindergarten begann die EM in England. Deutschland gewann zum Auftakt gegen Tschechien, schlug Russland mit 3:0. Das torlose Remis gegen Italien und Andi Köpkes erste Sternstunde als Elfmeterkiller erlebte ich auf dem Teppich vor dem Fernseher kniend. Es ging so weiter. Vom Viertelfinale gegen die Kroaten habe ich nur noch Klinsmanns Elfer und das 2:1 durch Matthias Sammer in Erinnerung.

Ich denke, es dürfte das Halbfinale gegen England gewesen sein, vor allen Dingen das Elfmeterschießen, das mich erstmals in meinem Leben durch diese Achterbahn der Gefühle jagte, die wir alle kennen, wenn uns ein Spiel – egal ob zuhause oder vor dem Fernseher – so fesselt, dass es besser wäre, wir verließen den Raum. Southgate verschoss, Möller vollendete 20 Jahre deutsche Ungeschlagenheit beim Elfmeterschießen. Zwölf weitere haben sich mittlerweile dazu gesellt, wobei wir seitdem nur noch ein weiteres Mal das Glück derart auf die Probe stellten. Es ging bekanntlich alles seinen gewohnten Weg im Viertelfinale 2006 gegen Argentinien.

Der Grund für unsere weitestgehende Elfer-Abstinenz der letzten zwölf Jahre, liegt vor allem in unserem bitteren Versagen bei den Turnieren 2000 und 2004 verankert. Es klingt fast nach niederländischer Turniertristesse, wenn von zwölf Jahren ohne Sieg bei Europameisterschaften die Rede ist.

Dabei sind es unterm Strich „nur“ sechs Spiele: Ein 1:1 gegen Rumänien (Mehmet Scholl erzielte unseren einzigen Treffer), die 0:1-Pleite gegen England (mit dem illustren Sturmduo Jancker-Rink), das historische 0:3 gegen Portugal (durch drei Tore eines gewissen Sérgio Conceição, der nach einem Abstecher in Saudi-Arabien mittlerweile in Saloniki sein Geld verdient).

Vier Jahre später ging es mit einem 1:1 gehen Holland los (in Porto hätte es gereicht, Frings’ Führungstreffer über die Runden zu bringen, doch Wörns stellte sich gemeinsam mit Fabian Ernst einfach zu dämlich gegen Ruud van Nistelrooy an), das zweite Spiel gegen Lettland endete 0:0, im letzten Gruppenspiel bedeutete das 1:2 gegen Tschechien das Aus (ein Sieg hätte genügt, Rudi Völler nahm daraufhin seinen Hut).

Ohne jetzt Mitleid zu heucheln: Ich bin ein ziemlich gebranntes Kind, was die Europameisterschaft angeht. Deutschland hat seit der Zeit zwischen 1954 und 1972 nie eine längere Durststrecke ohne Titel erlebt, nie lagen mehr als sechs Jahre zwischen zwei Finalteilnahmen. Es ist also an der Zeit.

1996 wurde ich eingeschult, erlebte den Titelgewinn in England also als Kindergartenkind. Jetzt ist meine Schulzeit vorbei. Statistisch gesehen, haben wir immer das Finale erreicht, wenn ich nicht die Schulbank drückte (z.B. während der EM 1992). Seit 1980 wird ein EM-Endrundenturnier mit Gruppenspielen eingeläutet. In dieser Zeit haben wir bei sieben Endrunden fünfmal zum Auftakt remis gespielt, viermal davon 1:1. Nur 1980 und 1996 gab es in der ersten Partie einen Sieg – es folgte erst der zweite, dann der dritte EM-Titel. Theoretisch wissen wir am 8. Juni also schon, ob wir am 29. einen Autokorso veranstalten. Ein Sieg gegen Polen ist alles, was wir brauchen. Wenn es doch nur so einfach wär’.

Trainer Baade hat uns vor ein paar Tagen zwölf Jahre zurückversetzt (wenn auch eher als Mahnmal gedacht). Jetzt auch hier das Video von Bierhoffs Golden Goal gegen Tschechien (das in dieser Art auf keinen Fall seine Wiederholung erleben wird).

EM-Tagebuch (1) -Das richtige Näschen

Die 23 Glücklichen stehen fest. 23 Spieler, die der Reihe Brüssel, Rom, London eine vierte europäische Metropole hinzufügen sollen: Wien. Anpfiff für’s EM-Tagebuch.

Ich muss sagen, dass es sich die EM erst seit heute so richtig bequem in meinem Kopf machen kann. Zwischen Abizeitungsstress und Notenverkündung stand hier sechs Tage lang alles still und so manches bei mir zuhause Kopf.

Das Spiel gegen Weißrussland lief irgendwie nebenbei, während ich auf dem Laptop versuchte 208 Seiten Abizeitung ins PDF-Format zu bringen und dabei einem Nervenzusammenbruch nahe war. Scheint auch nicht so schlimm gewesen zu sein, irgendein Spiel über das man in ein paar Jahren nochmal in der Länderspielchronik stolpern wird. Es war nicht gut, aber kein Weltuntergang.

Es sei denn, der dürftige Auftritt in Lautern ist die viertletzte Partie vor der Sommerpause gewesen – sprich, Jogis Jungs verabschieden sich bereits nach der Vorrunde. Die Euro 2008 (selbst in meiner Kindheit hieß das noch nicht so) würde sich dann nahtlos in meine persönliche EM-Historie einfügen, die mit dem Titel begann. Es folgten bekanntlich zwei Turniere ohne jeden Sieg. Morgen mehr dazu.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals solch ein Bohei um eine Kaderzusammenstellung gemacht worden ist wie in diesem Jahr. Die metaphorische Bekanntgabe der vorläufigen 26 Helden (naja, ok, nicht alle verdienen sich diesen Titel, egal was noch kommt) wird sich direkt nach Mariä Verkündigung auf Platz zwei in der “Rangliste der weltbewegendsten Verkündigungen der Geschichte” einreihen. Falls RTL irgendwann die Themen bei “Die 10…blablabla” ausgehen sollten…

Man konnte sich kaum dagegen schützen, mit “exklusiven” Kadernominierungsspielchen bombardiert zu werden. Zufällig bin ich in einem meiner viel zu zahlreichen E-Mail-Postfächer auf die 23 Spieler gestoßen, die ich vor ein paar Wochen auf sport1.de aufgestellt habe. Und jetzt, wo die endgültigen Entscheidungen gefallen und drei der 26 im Recall gescheitert sind, kann ich vermelden, dass 22 meiner 23 damals angeklickten Spieler am Samstag im Team stehen werden. Einen einzigen habe ich verbockt: Ich hätte Robert Enke für Timo Hildebrand zuhause gelassen, wobei mir Löws Wahl letztendlich doch sinnvoller erscheint.

Unerklärlich, wie ich auf David Odonkor kam. Schließlich stand noch nie ein schlechterer Spieler im Aufgebot für ein großes Turnier (lasse mich gerne eines Besseren belehren). Marko Marin bleibt dafür zuhause. Hätte Löw den Jungen gleich außen vor gelassen, könnten wir ganz anders über diese Entscheidung reden. Jetzt kann ich es nicht nachvollziehen. Erst der Hype, dann das erste Länderspiel und am Ende schmeißt er ihn auf einmal raus. Naja, vertrauen wir unserem Bundestrainer einfach mal.

Jedenfalls kann es jetzt los gehen. Wenn es nach mir geht. Samstag schnell das Spiel gegen Serbien mitnehmen, hoffentlich die Wogen etwas glätten und dann frohen Mutes in die Schweiz fahren. Wenn es doch nur so einfach wär’.

Vorzeigetrainervernichtungsanlage

Besser bekannt unter dem Namen Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund.

Vorab erst einmal ein Dankeschön an die deutsche Sprache, dass sie vierfach zusammengesetzte Nomen mit 33 Buchstaben ermöglicht. Danach zur Sache:

Jürgen Klopp trainiert ab dem 1. Juli, sprich ab der nächsten Saison, den BVB. Klopp kommt von Mainz 05. Die sind letzte Saison Vierter in der 2. Bundesliga geworden, Dortmund beendete die Spielzeit im Oberhaus auf Rang 13. Anschaulich, aber absolut unrealistisch, ausgedrückt verbessert er sich also um neun Plätze. Sportlich ein Karrierehopps, prestigetechnisch – um es mit Neil Armstrong zu sagen – “a giant leap”.

Das Ende der Ehe Klopp-Mainz machte Sinn. Irgendwann hätte ich auch die Schnauze voll von Karnevalsverein und ZDF. Ob es bei ihm nach 18 Jahren ganz so schlimm gewesen ist, bleibt unklar, doch der Drang nach Veränderung wird ihn letztendlich zu seiner Entscheidung getrieben haben. Zumal er nun seit Jahren durchweg gelobt wurde, sich keinerlei Kritik stellen musste. Irgendwann entsteht dann zuviel positive Routine, so dass der berüchtigte Tapetenwechsel lautstark ruft. Klingt komisch, dass ein Dasein als Vorzeigetrainer irgendwann stört, aber der Mensch lechzt nach Herausforderungen.

Um seine Wahl pro Dortmund zu beschreiben, entscheide ich mich – womit ich einem “falsch” oder “richtig” aus dem Weg gehe – für ein nüchternes “mutig”. Entweder sie jagen ihn spätestens nach der nächsten Saison aus dem Verein – Watzke und Zorc tragen die Mistgabeln, die Fans werden ihnen folgen – oder Dortmund qualifiziert sich diesmal richtig für den UEFA-Cup und gilt im Sommer 2009 als Meisterschaftskandidat. Für mich ist das Unternehmen Klopp eine “hopp”- oder “top”-Geschichte.

Es ist wichtig, dass es Jürgen Klopp jetzt endlich mit 40 Jahren in die weite Fußballwelt hinauszieht und er einen neuen Schritt wagt. Entweder er beweist, dass sein Konzept und seine Trainerideologie überall ankommen und Erfolg kein Mainzer Phänomen war, oder – was wir ihm nicht wünschen wollen – seine Zeit in Dortmund ist schneller vorbei als sie begonnen hat.

Man spricht besonders in den Medien gerne vom “Trainertyp Doll/Klopp”. Das umschreibt einen jungen und dynamischen Coach, der “die Sprache der Spieler” spricht und in diesen Fähigkeiten den Schlüssel zum Erfolg sieht. Ein Mitglied des Duos ist vor Wochenfrist zum zweiten Mal gescheitert. In Hamburg ging es von 18 auf 3 und wieder zurück auf 18. Dann war Schluss. Den BVB übernahm Doll mitten im Abstiegskampf der Saison 06/07. Nach dem 5. Spieltag der abgelaufenen Spielzeit stand Dortmund auf Rang 4, es ging runter auf 13. Trotz Pokalfinale und UEFA-Cup-Quali gingen dann für Doll die Lichter aus. Er drückte den Schalter freiwillig, weg ist er trotzdem.

Entweder Klopp wirft seinen “Partner”, den er nie zu seinem “Partner” gemacht hat, über Bord und hat in Dortmund Erfolg, oder der “Trainertyp Doll/Klopp” gilt in einem Jahr als gescheitert. Da war es schon wieder: Ein “entweder, oder”.

Vielleicht muss sich Klopp auch ärgern, dass er die Verhandlungen mit dem BVB wohl bereits nach Dolls Rücktritt am Montag aufgenommen hat, spätestens am Dienstag. Vor zwei Tagen, am Mittwoch, hat Bayer Leverkusen Michael Skibbe geschasst. Wäre ich Trainer, ich würde lieber in Leverkusen als in Dortmund arbeiten. Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich hier über den “Typ Slomka” sprechen kann und mich frage, ob der Ex-Schalker in Leverkusen bestehen kann.

Weltklasse, die

Kai Dittmann bekam gestern gar nicht genug davon, Cristiano Ronaldo als “derzeit besten Fußballer der Welt” in den Himmel zu loben. Dabei ist Weltklasse nicht gleich Weltklasse.

Der gestrige Abend hat einmal mehr gezeigt, dass der beste Fußballer der Welt und der beste Spieler der Welt zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Genauso wie die Oscar-Kategorien “Bester Song” und “Beste Filmmusik”.

Cristiano Ronaldo ist unumstritten der beste Fußballer, weil er Dinge mit dem Ball kann, die nur eine handverlesene Anzahl von Fußballern dieser Welt auf die Reihe kriegt, ohne sich sämtliche Bänder zu reißen. Er ist zudem schnell, athletisch und schießt, obwohl er nicht gerade den bulligen Typ Mittelstürmer verkörpert, unzählig viele Tore. Deswegen gibt es keinen anderen Menschen, der das Handwerk selbst so gut beherrscht.

Doch Fußball besteht nicht nur aus Toren, Übersteigern und Tempodribblings. Teamgeist, Disziplin und charakterliche Fähigkeiten machen aus einem guten Fußballer erst einen ebenso guten Spieler. Michael Ballack spielt fußballerisch trotz seiner momentan überragenden Verfassung mit Sicherheit eine ganze Liga unter Cristiano Ronaldo. Aber allein sein verwandelter Elfer, seine Position als Teamleader und seine von enormem Willen zeugende Tränen nach dem Elfmeterschießen lassen den Abstand zum Portugiesen um einiges schrumpfen. Der spielt am Elfmeterpunkt den Kasper, leistet sich das No-Go des Abstoppens und bringt es dann nicht einmal fertig, seinen Schuss zu versenken. Trainer, Fans und Funktionäre verzweifeln daran. Ihn selbst schien das nicht sonderlich zu kümmern. Wie selbstverständlich stolzierte er als Erster die Treppen hoch, um seine Medaille entgegen zu nehmen.

Cristiano Ronaldo wird nie einer für die Kapitänsbinde sein – und wenn, dann trägt er sie nach dem Der-Beste-nimmt-die-Binde-Prinzip. So einem Menschen nach dem Spiel auch noch beim Jubeln zusehen zu müssen, bringt mich zur Weißglut und Verzweiflung. Es gibt eben keine Gerechtigkeit. Ein Ergebnis berechnet sich nicht nach der größeren Anzahl der Torchancen, oder den Sympathiewerten der einzelnen Spieler. Zumal Chelsea ein Pendant zu Cristiano Ronaldo in seinen Reihen hat – Didier Drogba. Weltklasse mit dem Ball und vor dem Tor – unterirdisch in allen anderen Belangen.

Nicht immer wird berücksichtigt, was ein Spieler außerhalb des Strafraums, fernab der Torlinie auf die Beine stellt. Was er sagt, wie er sich gibt, das fließt viel zu selten in die Bewertung ein, wenn der “beste Fußballer der Welt” gekürt wird. Ich prophezeie an dieser Stelle kühn, dass Ronaldo seine Mannschaft weder zum EM-Titel führen noch mehr als drei Treffer erzielen wird.

Denn bei einem großen Turnier sind Kabinettstückchen soviel Wert wie der Rasen im Moskauer Stadion.

Fußball-Klaustrophobie

Der gestrige Blick in den Videotext hat mich geschockt. Grund waren die neuen Spielpläne der 1. und 2. Bundesliga: 15 Stunden Fußball am Wochenende, ist das meine Berufung? Nein, ich will nicht. Oder doch?

Man sollte den guten, alten Videotext definitiv nicht unterschätzen. Einmal am Tag, meist zur Mittagszeit, gönne ich mir die Seiten 200-230 auf ARD und ZDF. Man könnte jetzt eigentlich davon ausgehen, dass das Internet den Videotext genauso wie Rundfunk und TV längst abgehängt hat, was die Schnelligkeit angeht, mit der wichtige Nachrichten zum Otto-Normal-Fußballfan durchsickern. Doch das ist – wie ich gestern mal wieder feststellen musste – bei weitem nicht der Fall.

Während die Schlagzeilen online zwar unterm Strich schneller abrufbar sind, gehen sie jedoch in ihrer Fülle und aufgrund der Schwemme von relevanten Anbietern mittlerweile regelmäßig unter. Im Videotext sind die gleichen Nachrichten – häufig sogar textidentisch, weil vom sid verbreitet – fast zeitgleich abrufbar, jedoch fiel schneller zu finden. Und so war es gestern am frühen Abend eben einmal mehr der Videotext, der an meiner Tür klingelte und eine der ungeliebten Hiobsbotschaften überbrachte: die Spieltagszusammensetzung der 1. und 2. Bundesliga ab der Saison 2009/2010.

Ok, die BILD fiel schon morgens mit der Tür ins Haus. Aber in China könnte der berühmte Reissack umfallen, davon würde ich unter Umständen früher Wind bekommen, weil ich eher Annoncen auf Klopapierrollen in öffentlichen Toiletten lese als die Bild-Zeitung.

Am liebsten hätte ich auf der Stelle ein Beschwerdeschreiben an die DFL aufgesetzt, das parallel mit einer Klage adressiert ans Kriegsverbrechertribunal in Den Haag im Briefkasten gelandet wäre. Doch nachdem mir im ersten Augenblick keinerlei Argumente für die neue Regelung eingefallen waren, sondern nur niederschmetternde Tatsachen à la „wir armen Fans“, lichtete sich der Ärger nach ein paar Stunden, so dass ich inzwischen – steinigt mich, oder stimmt mir zu – den Plänen zumindest 50:50 gegenüber stehe.

Fassen wir erst einmal zusammen, was neu ist:

Bundesliga

alt:
1 Spiel am Freitag um 20:30, 6 Spiele am Samstag um 15:30, 2 Spiele am Sonntag um 17:00

neu:
1 Spiel am Freitag um 20:30 (achtmal pro Saison – jeweils nach Länderspielen – samstags um 20:30), 5 Spiele am Samstag um 15:30, 2 Spiele am Sonntag um 14:45, 1 Spiel am Sonntag um 17:00 (bis zu achtmal pro Saison sonntags um 20:30)

2. Bundesliga

alt:
3 Spiele am Freitag um 20:30, 5 Spiele am Sonntag um 14:00, 1 Spiel am Montag um 20:15

neu:
3 Spiele am Freitag um 18:00, 1 Spiel am Samstag um 13:00, 4 Spiele am Sonntag um 12:30, 1 Spiel am Montag um 20:15 (wenn kein Freitagsspiel in der 1. Liga, dann achtmal freitags um 20:30 – so wie ich es verstanden habe)

Wer schon immer davon geträumt hat, nicht nur 24/7 an Fußball denken zu dürfen, sondern sich ab Freitagabend um 18 Uhr bis sonntags um sieben gerne in sein Wohnzimmer sperren will, ohne dazwischen einen Fuß vor die Tür zu setzen, der wird gestern jubelnd von seinem durchgesessenen Sessel aufgesprungen sein. Ich gehöre übrigens nicht dazu, denke zwar – wenn ich nicht gerade an etwas anderes denken muss – gerne an Fußball. Aber eigentlich hatte ich vor, mein Wochenende bis auf den Samstag- und Sonntagnachmittag wenigstens halbwegs ohne Fußball zu verbringen.

Vorher gab es sechs Termine (Fr. 18:00, Fr. 20:30, Sa. 15:30, So. 14:00, So. 17:00, Mo. 20:15), die man sich merken musste. Ab 2009 werden es mindestens acht sein. Theoretisch wird es in Zukunft durch das glorreiche „Topspiel des Monats“ zehn verschiedene Kombinationen von Tagen und Uhrzeiten geben. Das bedeutet, dass man sich anstatt 6 x 90 = 540 Minuten (wenn man sich die Vor-, Halbzeit- und Nachberichte spart) nun bis zu 720 Minuten am Wochenende mit Live-Fußball aus Liga 1 und 2 vertreiben kann. Von Freitag um 18 Uhr bis Montag um 22 Uhr verbrächte man somit – abzüglich acht Stunden Schlaf pro Nacht und einen ebenso langen Arbeitstag am Montag – 16 von 60 Minuten vor dem Fernseher. Ich spare es mir jetzt die Sportschau, das Aktuelle Sportstudio und sämtliche Hattrick-Sendungen dazuzurechnen.

Vom 1. Februar bis zum 7. Mai dieses Jahres fanden an 83 von 97 Tagen entweder Bundesliga-, Zweitliga-, DFB-Pokal-, UEFA-Cup-, Champions-League- oder Länderspiele statt. Es ist also nicht so, dass der berüchtigte Rahmenterminkalendar derzeit irgendjemanden fußballerisch dehydrieren ließe. Es ist ebenfalls nicht der Fall, dass mich diese Fülle an Fußball erdrückt. Mich beschleicht schlichtweg die Angst, dass es irgendwann den Tag geben könnte, an dem ich den Fernseher samstags um halb vier genervt ausschalte und die Düsseldorfer Rheinauen aufsuche, um dort ein Picknick mit Freunden zu veranstalten (ohne Nutella, um bloß nicht in das Gesicht eines Fußballers blicken zu müssen).

Man kann also sagen, dass die Pläne der DFL mich beängstigen, weil sie mich irgendwann dazu bringen werden, einer Sucht ins Gesicht zu sehen, zu realisieren, dass ich nicht anders kann. Obwohl mir das irgendwie auch so längst klar ist.

Diese Sucht hat einen eigentlich wunderschönen Nebeneffekt namens Dauerkarte, der ab der nächsten Saison zudem noch den Zusatz „Auswärts-“ bekommen soll. Das bedeutet, ich werde mich im nächsten Jahr (Jahre beginnen stets im August und enden im Juni, den Juli gibt bekanntlich nicht) theoretisch an 32 Wochenenden – die im Schnitt zwei Englischen Wochen abgezogen – auf dem Weg in den Borussia-Park oder in eines von 17 anderen Bundesliga-Stadien befinden.

Darauf freue ich mich und bin froh, dass ich mir geschworen habe nur die Zivildienst-Saison vor dem Studium für dieses Sisyphos-Programm zu nutzen. Doch wie ich mich kenne, werde ich auch im Jahr danach alle Hebel in Gang setzen, um meiner Borussia hinterher zu reisen. Denn wenn einmal die nächste Stufe der Verrücktheit erklommen ist, gibt es selten ein zurück. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Früher konnte man als Arbeitnehmer davon ausgehen, dass man sich einfach den Freitagabend frei hält (Samstagsarbeiter müssen bei Heimspielen um zwei Uhr Feierabend machen) und schon eine Kollision von Job und Fußball ausgeschlossen ist. Vor allen Dingen gebeutelte Zweitliga-Fans werden nun vor eine harte Probe gestellt, da sie sich erstens nicht mehr auf den fußballfreien Samstag verlassen können und zweitens direkt nach dem Frühstück ins Stadion aufbrechen müssen/dürfen – es sei denn sie sind Platzwart desselbigen.

Vor lauter Frust über die Zwangsjacke Live-Übertragung bin ich jetzt immer noch nicht dazu gekommen, die wenigen – aber, so viel Ehrlichkeit sei angebracht, dennoch vorhandenen – Argumente für einen derartigen Spielplan zu erwähnen, wie ihn sich die DFL zusammengezimmert hat. Eigentlich beeinflussen sie mein Fandasein auch nur marginal. Denn was habe ich schließlich von ein paar Milliönchen mehr für meinen Verein, wenn sie jeder Klub abbekommt?

Die verlängerte Ruhezeit sei den im Europacup aktiven Spielern gegönnt. Ich wäre ohnehin dankbar, wenn ich mich in absehbarer Zeit einmal darüber echauffieren dürfte, dass die Borussia nach einem UEFA-Cup-Spiel in Zagreb nur 39 Stunden Regenerationszeit zur Verfügung hat, bis sie als Tabellenführer den FC Bayern München in der Bundesliga empfängt. Von daher ist das meiner Ansicht nach sowieso ein Luxusproblem. Das verschobene Samstagsspiel auf den Sonntag ist damit verziehen. Nicht so die kannibalische Zerstückelung des Sonntages.

12:30 Uhr, 14:45 Uhr, 17:00 Uhr – zwischen den Spielen der 2. und 1. Liga bleibt je eine halbe Stunde, die gerade einmal dazu reicht, den Backofen vorzuwärmen und eine Pizza zu backen. Zum Glück hat sich die Borussia aus der Zweiten Liga wegrationalisiert, so dass mich Spiele wie Sandhausen gegen Wehen nicht unbedingt interessieren müssen. Es sei denn, Gladbach plant den Wiederwiederabstieg und ich habe die Aufgabe, die Gegner für die nächste Zweitligasaison zu scouten.

Insgesamt 18 Live-Spiele pro Saison gönne ich der ganzen Welt genauso, wie den Spielern ihre Ruhepause. Aber ich gehe davon aus, dass jeder, dem so viel daran liegt, entweder eine Dauerkarten besitzt, samstags um 15:30 Uhr eine Kneipe aufsucht, oder ein Premiere-Abo besitzt. Somit werden größtenteils die sporadischen Gucker belohnt, die “Neutralen” und all jene, die “ihrem” Verein, wenn es hoch kommt, 30 Euro pro Jahr in die Taschen spülen.

Und während ich mir hier meinen Frust über die DFL, meine Sucht und den UEFA-Cup von der Seele geschrieben habe, fällt mir auf, dass das mit der 50:50-Einstellung vollkommener Blödsinn war. 90:10 – darüber können wir uns unterhalten. Vielleicht auch noch über 89:11 – aber dann ist Sense.

Wie die Faust aufs Auge (9)

“Meine Freundin kann leider nicht mit, denn sie geht ja noch zur Schule.”

- O-Ton von Marko Marin in der Rheinischen Post von heute.

Wie putzig. Meine Eltern haben mir übrigens als Belohnung fürs Abitur versprochen, dass ich in diesem Jahr die EM-Spiele am Abend ganz zu Ende gucken darf. Endlich, vorbei die Betteleien um “wenigstens eine Halbzeit, am liebsten die zweite”.

Jogi Löw kann ja froh sein, dass die EM nicht schon letztes Jahr stattfand. Dann hätte sich Marin möglicherweise selbst abmelden müssen: “Schuldigung Herr Löw, aber wir schreiben Dienstag Mathe und ich muss bis Donnerstag noch die Deutsch-Lektüre auslesen. Ich kann leider nicht mit zur EM fahren”. Lukas Podolski und – ohne in blinde Abschätzigkeit zu verfallen – wohl auch Kevin Kuranyi wären nie und nimmer vor dieses Problem gestellt worden. Schließlich haben sie die Schule bereits zu C-Jugend-Zeiten abgeschlossen.

Wobei ich sagen muss, dass ich schon schockiert bin: “Mein” Jahrgang spielt in diesem Jahr erstmals ein großes Turnier. Ich werde alt.

Zwischen Glücksgriffen und Vollrausch

Wie die Zeit verrinnt: Scheinbar gestern noch den Kader zusammengestellt, heute ist schon alles vorbei. Ein Überblick über meine Ergebnisse aus zwei Ligen und zwei Spielvarianten beim Kicker-Managerspiel.

Vorneweg sei noch gesagt, dass ich alle Teams zusammen mit meiner Mutter erstellt habe, wobei sie sich jeden Freitag meist fürsorglicher um die Aufstellungen gekümmert hat als ich. Dafür sei ihr an dieser Stelle gedankt.

Classic Bundesliga:

Gesamt: -2 Pkt./Platz 120420
Top-Platzierung Spieltag: 7226 (31.)
Flop-Platzierung Spieltag: 200856 (34.)

Kader: Drobny – Pander, Tarnat, Kleine, Gledson – Hilbert, Munteanu, Meier, de Jong, Gentner, Rydlewicz – Ishiaku, Charisteas, Sand

Fazit: Drobny ein totaler Flop, Pander so gut wie nur verletzt. Alex Meier hat nach gutem Beginn seit dem 11. Spieltag keine Partie mehr absolviert, Sand im Laufe der Saison keine einzige für Bochum, Rydlewicz ganze fünf. Gledson hat erst gespielt, als er von Stuttgart zurück nach Rostock ging. Kleine und Munteanu sind in der Winterpause in andere Ligen gewechselt. Hilbert konnte nicht annähernd an seine starke letzte Spielzeit anknüpfen. Gentner und de Jong waren noch ganz ordentlich, Ishiaku hat immerhin zehnmal getroffen, während Charisteas als größter Chancentod der Saison in die Annalen eingeht. Unterm Strich bleibt nur ein Urteil: Entweder war es schon sehr spät damals im August oder ich selbst war hackestrunzedicht.

Classic 2. Bundesliga:

Gesamt: 121 Pkt./Platz 25340
Top-Platzierung Spieltag: 519 (21.)
Flop-Platzierung Spieltag: 62289 (13.)

Kader: Neuhaus, Tschauner – Schönheim, Brouwers, Khizaneishvili, Schuon – Marin, Epstein, O. Mokhtari, Lagerblom, Simak, Grüter – di Salvo, Maierhofer, Friend

Fazit: Die Aufsteiger Friend und Marin retteten zusammen mit Jan Simak eine einigermaßen respektable Platzierung und mussten wett machen, was Lagerblom und di Salvo verbockt haben. Khizaneishvili wurde ganz zwei Male eingesetzt, Maierhofer ging nach Wien und traf dort plötzlich am laufenden Band. Der Rest spielte eine Saison im absoluten Niemandsland. Die Endplatzierung unter den besten 40% stimmt mich relativ zufrieden aufgrund der Anzahl von je drei Spielern, die entweder abgestiegen oder dem Gang in Liga Drei nur knapp entronnen sind.

Interactive Bundesliga:

Gesamt: 791 Pkt./Platz 65302
Top-Platzierung Spieltag: 4824 (9.)
Flop-Platzierung Spieltag: 245930 (31.)

Kader: Adler, Langer, Hahnel – Gledson, Kyrgiakos, Franz, Haggui, Tarnat, Rodenberg – Hilbert, Diego, Hajnal, Misimovic, de Jong, Ebert, Ben-Hatira, Meißner – Sestak, Sanogo, Pagenburg, Lavric, Lauth

Fazit: Langer, Hahnel, Rodenberg, Ben-Hatira, Meißner, Pagenburg waren allesamt Notlösungen, die den Kader preiswert komplettierten. Geld steht eben leider nur begrenzt zur Verfügung. Sieben Mann sind höchstens zweimal eingesetzt worden, was vor allen Dingen in der Abwehr von Zeit zu Zeit für Personalengpässe sorgte. Adler und Hajnal erwischten als einzige eine überragende Saison, wobei letzterer zum Schluss wie seine ganze Mannschaft merklich nachließ. Diego ist erst in der Winterpause dazugestoßen – hat nach circa 150 Zählern in der Hinrunde danach nur noch 28 für mich erspielt. Gledson, Tarnat und Hilbert waren dieselben Fehlgriffe wie in der Classic-Variante. Vorne überraschte Sanogo zwar mit seinen Toren, am Ende waren es jedoch nicht genug. Sestak traf nach einer Gekas-Hinrunde zwar noch regelmäßig, büßte notentechnisch aber ziemlich ein. Es war mehr drin, denn das Verletzungs- und Transferpech hielt sich in Grenzen. Doch vor allem am Ende ging’s bergab – 20000 Ränge innerhalb von drei Wochen.

Interactive 2. Bundesliga:

Gesamt: 1033 Pkt./Platz 2698
Top-Platzierung Spieltag: 108 (28.)
Flop-Platzierung Spieltag: 71043 (33.)

Kader: Sippel, Haas, Eilhoff – Subotic, Nilsson, Butscher, Brouwers, Janker, Jeknic – Lanig, Marin, Thorandt, Simak, Schultz, Traut, Schüßler, M. Vrancic – Friend, Reichenberger, Bogavac, di Salvo, Ruman

Fazit: Die drei Torhüter waren echte Punktegaranten. Sippel ersetzte in der Winterpause Haas als Stammkeeper – für 0,1 Mio. natürlich ein echtes Schnäppchen. Auch auf die Abwehr war stets Verlass. Subotic überraschte als junger Mainzer Neuzugang, machte alle Spiele mit. Brouwers ebenso mit konstant guten Noten. Butscher fuhr als Wintertransfer zwar weniger Punkte als in der Hinrunde ein, dennoch waren es immer noch genug. Im Mittelfeld enteilten Marin und Simak dem Rest. Lanig wie Butscher ein guter Neueinkauf, dennoch nicht so gewinnbringend wie in der Hinserie. Ansonsten viele mittelmäßige Spieler, die mal überzeugten und häufig auch einen schlechten Tag erwischten (Schultz, Thorandt, Schüßler). Im Angriff holte Friend genügend Punkte für zwei Spielzeiten, wahrer Glücksgriff. Di Salvo und Ruman sind normal sichere Torschützen. Der 60er fing stark an, ließ noch stärker nach. Ruman war lange verletzt, nur sechs Einsätze in 07/08. Reichenberger war nach zwölf Toren in der Hinrunde nur noch viermal erfolgreich, kleiner Flop. Ansonsten eine klasse Saison, die beste meiner vier Mannschaften: Sechs Aufsteiger, der zweitbeste Torjäger, Neulinge, die gut einschlugen und nur drei Absteiger, von denen einer der drittbeste Punktesammler nach Friend und Subotic gewesen ist. Eine Platzierung unter den besten 2000 ist erst am Ende verspielt worden, lag nie schlechter als Rang 6300 im Rennen, zwischenzeitlich schien die Top1000 sogar in Reichweite.