Monthly Archive for September, 2008

Die Ost-Karte spielen

8+1 Spielorte für die Frauen-WM 2011 stehen fest. „Bunt gemischt” lautet die Devise.

Hauptstadt: Berlin

DFB-Stadt: Frankfurt

Traditionsverein: Mönchengladbach, Frankfurt

Wir-sind-2006-leer-ausgegangen-und-die-ärmsten-Schweine: Leverkusen, Mönchengladbach

Werksklubs: Leverkusen, Wolfsburg

Quoten-Ruhrpötter: Bochum

Fußball-Romantik: Bochum

Mäzenklub: Sinsheim

Quoten-Ossi: Dresden

Hey-wir-haben-zwei-Weltklassespieler-herausgebracht-Stadt: Augsburg

Die Entscheidung kann man also relativ schnell abhaken. Allein zu Dresden bzw. zu Nicht-Magdeburg kann man noch ein paar Worte verlieren. Klar, es kommt die Frage auf, warum mit Sinsheim eine Kleinstadt ohne Fußball-Erfahrung oder mit Bochum ein altes Stadion ohne internationales Flair dabei ist, während in Magdeburg ein nicht zu verachtender Neubau steht.
Der Oberbürgermeister des geschassten Magdeburgs äußerte sich folgendermaßen:

“Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir haben alle Bedingungen erfüllt. Ich bin darüber enttäuscht – und da kann man sich abrackern wie man will, dass man im Osten keinerlei Chance hat, wahrgenommen zu werden.”

Der Engländer würde das „to play the east card“ nennen, auf gut Deutsch „die Ost-Karte spielen“, die immer dann rausgeholt wird, wenn eine Entscheidung vermeintlich mit Absicht zu Ungunsten einer beleidigten Leberwurst getroffen wurde. Dabei kann sich der Osten glücklich schätzen, überhaupt mit von der Partie zu sein. Bekanntlich ist Cottbus der einzige Bundesligaklub aus den „Neuen Ländern“. Traurig genug, dass wir dieses Thema überhaupt immer wieder anreißen müssen, nach 18 bzw. 19 Jahren noch immer von „neuen Ländern“, von Ost-West sprechen. Wer daran mehrheitlich die Schuld trägt, zeigt das Statement von Magdeburgs Stadtoberhaupt.

Bei der Stadion-Entscheidung im Vorfeld der WM 2006 gingen beispielsweise drei von sechs Bewerbern aus NRW leer aus – Gladbach, Leverkusen und Düsseldorf. Der Osten war dabei, die Quote 1 aus 12 absolut gerechtfertigt. Auch wenn Leipzig fußballerisch längst nur noch die Tatsache zu bieten hat, dass der heimische VfB erster Deutscher Meister war. Rein quotenmäßig also sogar eine Verbesserung – von 8,3 auf 11,1%. Bei der FDP köpft man da ‘ne Flasche Sekt.

Everyone’s a winner!

Der Putz der vielzitierten Weisheit von den “Kleinen”, die es “nicht mehr gibt” bekommt einen frischen Anstrich: Das Teilnehmerfeld der Europameisterschaft wird aufgestockt. “Aus 16 mach 24″ oder auch “24 aus 53″ heißt die neue Formel. Hoffentlich ist sie keine Ungleichung, die den Reiz einer EM gegen Null laufen lässt.

Im Licht der Weltöffentlichkeit genießen die Amerikaner häufig den Ruf eines engstirnigen, rücksichtlosen und erfolgsorientierten Volkes. Dabei tragen viele in sich eine gewisse Mentalität, die besagt: “Everyone’s a winner!”.

Da werden auf der High School solange Awards für teils große teils weniger große Leistungen vergeben, bis am Jahresende jeder Schüler wenigstens eine Urkunde an der Wand hängen hat. Oder eine hässliche Plastiktrophäe, die in der elterlichen Vitrine gleich neben der Windel einen Ehrenplatz erhält, in die das Kind die erste Wurst seines Lebens gesetzt hat. Irgendeine ehrbare Fähigkeit muss schließlich jeder besitzen. Und sei es nur das Talent, verdammt untalentiert zu sein.

Eine neuartige Mentalität, vergleichbar mit dem Everyone’s-a-winner-Prinzip, grassiert scheinbar in der UEFA. Das Teilnehmerfeld wird ab 2016 auf 24 Mannschaften aufgestockt. Eigentlich eine logische Konsequenz aus der Geschichte dieses Turnier. Aber dennoch großer Humbug. Einst begann es mit vier Teilnehmern, die die offizielle Endrunde spielten. Es wurden acht, dann schließlich im Jahr 1996 sechzehn Teams.

Geht es in Zukunft munter so weiter, werden in 30 Jahren alle UEFA-Mitglieder Fixstarter sein. Kurz darauf wird sich der Kontinentalverband dann in diplomatische Geschicke einmischen, um neue Mitglieder zu werben. Südossetien und Abchasien gehören derweil längst zu den Etablierten. Die Unabhängigkeitsbewegung der Katalanen und Basken hat endlich ein schlagkräftiges Argument. Bayern erhält großzügig die Freigabe, während Liechtenstein sich gar in die Landesteile Oberland und Unterland aufspaltet.

Ok, mal Spaß beiseite. Ganz so krass wird es mit Sicherheit nicht kommen, dennoch ist die aktuelle Entwicklung möglicherweise schon ein Schritt zu weit, unter dem die Qualität der Europameisterschaft leiden kann und – da bin ich mir sicher – leiden wird. Bislang lag der Schlüssel zum Erfolg in der Kompaktheit des Turniers mit seinen 16 Teilnehmern, von denen stets die Hälfte auf der Favoritenliste stand. Das Niveau war dementsprechend hoch, die Anzahl der Spiele noch überschaubar.

Die UEFA zählt momentan 53 Mitglieder, von denen erst 28 mindestens einmal die Quali für eine EM gepackt haben. Noch nie bei einem großen Turnier dabei waren folgende 21 Länder:
Albanien, Andorra, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Estland, Färöer, Finnland, Georgien, Kasachstan, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, San Marino, Slowakei, Weißrussland, Zypern.

Zumindest an einer WM teilgenommen haben Israel, Nordirland, die Ukraine und Wales.

Nächstenliebe, Kreativität und Rücksicht auf die Kleinen können durchaus nützliche Tugenden sein. Wenn sie einen gewissen Punkt jedoch überschreiten und unter anderem dazu dienen, auf Stimmenfang zu gehen, geht der Schuss gnadenlos in die falsche Richtung: Mitten ins Herz des europäischen Fußballs, dessen liebstes Kind ab 2016 wohl zur endgültigen Kommerz- und Marathonveranstaltung verkommt.

Wenn Wolfsburg sich Weltmeister gönnt

Cristian Zaccardo ist Weltmeister. Günter Hermann wohlgemerkt auch. Mit dem Unterschied, dass für den niemand sieben Millionen Euro bezahlt hat. Geschweige denn sieben Millionen Mark.

Gott sei Dank hat Felix Magath zur Sicherheit gleich zwei Italiener ins Boot geholt. Backup-Weltmeister Barzagli schlägt sich bislang weitaus besser, zumindest spielt er.

Pokal-Protokoll vom Mittwoch

Der DFB-Pokal auf Entscheidend is auf’m Platz: In der Konferenz, von Strafraum zu Strafraum, von Anpfiff bis Abpfiff, von Favorit bis Pokalschreck, von Oberneuland bis München, von Dortmund bis Jena.

19:00 Uhr:

Kickers Offenbach – Karlsruher SC 0:2 (0:1)
FC Oberneuland – VfL Wolfsburg 0:7 (0:3)
SV Wehen Wiesbaden – Alemannia Aachen 1:0 (0:0)
Hamburger SV- VfL Bochum 2:0 (1:0)
Borussia Dortmund – Hertha BSC Berlin 2:1 n.V., 1:1 (1:1)

20:30 Uhr:

FC Carl-Zeiss Jena – FSV Frankfurt 1:0 (1:0)
VfB Stuttgart – Arminia Bielefeld 2:0 (1:0)
SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 3:1 (0:1)
Bayern München – 1. FC Nürnberg 2:0 (1:0)
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LIVE-TICKER

18:51: Nabend zusammen!
Könnte jetzt sagen: Premiere auf Entscheidend is auf’m Platz. Wollen wir aber jetzt mal nicht an die große Glocke hängen – ist schließlich nur Pokal. Kommen, wie gestern gezeigt hat, ja nicht mal mehr Zuschauer (gut 5000 in München).

Hamburg rotiert fleißig, Effenberg findet’s verfrüht. Klopp beweint derweil, dass dem BVB “beide Flügel weggebrochen” seien. Kein Wunder, bei der Bruchlandung in Hoffenheim.

18:55: Auf dem Programm stehen zwei Bundesligaduelle, ein Zweitligaduell, ein Aufeinandertreffen 1.Liga-3.Liga und der Auftritt von Wolfsburg in Oberneuland, beim unterklassigsten Team dieser 2. Runde.

18:58: Eine Frage, die heute morgen beim Redaktionsmeeting aufkam, ist nun auch geklärt: Oberneuland hat weder Flutlicht noch spielt Oberneuland in Oberneuland. Die Partie gegen die Wölfe wird auf dem Nebenplatz des Weserstadions ausgetragen. Sind ja auch nur die Wolfsburger, da lohnt sich der Umzug ins große Weserstadion nicht.

19:01: Gut 40.000 in Dortmund – so viele hätten die 60er in 10 Pokaljahren nicht zusammengekriegt. Dennoch eher enttäuschend für den BVB.

19:03: Der BVB spielt in den Negativen der traditionellen River Plate-Trikots: Schwarz mit gelbem Diagonalstreifen, der an die bunte Scherpe erinnert, die I-Dötzchen auf dem Schulweg tragen.

19:07: ELFMETER IN DORTMUND – für Dortmund.
Valdez wird von Kaká – naja, wie soll man’s nennen? Wie auch immer- Elfmeter.

19:08: Dortmund – Hertha 1:0
Frei setzt den Ball wuchtig nach links unten, Drobny verladen, 1:0.

19:11: Tor in Hamburg!
Freistoß Trochowski von rechts, mit Schnitt auf Petric’ Kopf, der Ball schlägt rechts oben ein. 1:0. Hamburg führt – wo ist der Fehler?

19:14: Bei Oberneuland stürmt ein DFB-Rekordspieler – Erdal Kilicaslan. Keiner hat mehr Tore für diverse Jugendnationalmannschaften erzielt. Merken, der nächste Stammtisch kommt bestimmt.

19:16: Tor in Bremen/Oberneuland!
Die Wölfe führen. Dzeko trifft mit Turban. Premiere hätte sich die Schaltung eigentlich sparen können – der lethargische TOR-Schrei konnte nur für Wolfsburg sein.

19:21: Tor in Bremen/Oberneuland!
2:0 für Wolfsburg nach einem Konter. Schäfer legt quer, Dzeko trifft erneut. Herr Seidler am Mikro muss an seiner Motivation arbeiten. Na gut, könnte mir auch Schöneres vorstellen.

19:23: Tor in Dortmund!
Pantelic gleicht aus, Cicero haut den Ball einfach vorne, da steht Pantelic und netzt mit dem ersten Torschuss ein. Subotic kämpfte mit dem Metzelder-Syndrom, im Innenministerium hat Wolfgang Schäuble gerade den Einbürgerungsantrag des Bosniers zerrissen.

19:26: Tor in Bremen/Oberneuland!
3:0 Wolfsburg, ich warte gar nicht erst ab. Torschütze kommt gleich.

19:27: Marcel Schäfer war’s.

19:32: Offenbach soll hier auch mal auftauchen – erst dicke Chance für den KSC, im Gegenzug läuft Baier allein aufs Tor zu. Miller nimmt ihm den Ball wie ein Schäferhund vom Fuß.

19:36: In Hamburg dreht sich langsam das Blatt. Bochum wird besser. Der HSV wird sein eigenes Erfolgskonzept doch wohl nicht an den VfL verkauft haben?

19:37: Wehen spielt übrigens gegen Aachen.

19:39: Voronin trifft die Latte, Subotic fährt weiterhin Geisterbahn. Was ist los mit dem Westermann von Dortmund?

19:41: In Dortmund beschwert sich Kommentator Marco Hagemann über das Niveau des Spiels. Der war wohl gestern von 19:00 bis 20:45 Uhr mit seiner Freundin beim Italiener. Werd’ ihm mal ein Band von Cottbus-Gladbach zusenden.

19:43: “Das ist eine Großchance gewesen”, konstatiert Matthias Stach in Hamburg nüchtern-realistisch. War’s auch – für Bochum. Mieciel und Konsorten verpassen eine scharfe Freistoßflanke.

19:46: Tor in Offenbach!
Iashvili bringt den KSC in Front. Schöner Doppelpass mit Da Silva, dann eiskalt eingeschlagen. Und das auch noch zum “psychologisch wichtigen Zeitpunkt vor der Halbzeit”.

19:48: Ende der ersten Halbzeit, in 15 Minuten geht’s weiter. Wenn man bei Werder nachfragt, heißt es demnächst “bis in 20 Minuten”.

19:59: Dann wollen wir mal wieder. Mir fiel gerade auf: Jetzt heißt es 75 Minuten Dauerbloggen. Kein Problem, bei 90elf.de labern die 90 Minuten am Stück.

20:01: Wolfsburg packt zur zweiten Hälfte sogar schon die Reserve der Reserve aus. Daniel Adlung kommt rein. Für die, die sich fragen, wer’s’n das? Ist aus Fürth gekommen. Für die, die das wussten und beim Wolfsburger Transferbohei nicht den Überblick verloren haben: Er feiert Pflichtspielpremiere.

20:05: Wir erfahren, dass die Hertha nur zwei der letzten 29 Pokalspiele zuhause bestritten hat. Gefühlte 80% aller Pokalspiele, die das Olympiastadion gesehen hat, waren demnach Endspiele.

20:08: Auch Wehen-Aachen läuft wieder. Tut schon weh, wenn man weiß, dass einer der beiden ins Achtelfinale einziehen wird.

20:12: Der Gästeblock am Bieberer Berg ist nahezu leer. Meine Fußabdrücke sind deutlich im Moos auf der Tribüne zu erkennen.

20:16: Hamburg läuft einen gefährlichen Konter, dann heißt es “Tor in Bremen!” Guerrero stoppt ab, Oliver Seidler darf uns Wolfsburgs 4:0 verkünden – Dzeko zum dritten. Die gähnende Langeweile treibt den Kommentattor mittlerweile zum Reimen: “Der Stach der ist vom Fach”.

20:17: Ein “Tor in Offenbach” beendet Seidlers Poesievortrag. Der KSC erhöht auf 2:0. Nach Eichner-Flanke hat Porcello viel Zeit und Platz. Das zweite Tor reine Formsache.

20:20: Hertha verpasst die Führung nur knapp. Ein Tor wäre ein ernstzunehmender Schritt in Richtung Heimspiel im DFB-Pokal – zumindest die Fahrkarte zur Auslosung, der Rest ist Schicksal.

20:24: Tor in Bremen/Oberneuland!
Oliver Seidlers Stimme versprüht Euphorie. Dejagah ignoriert Dzeko, erzielt das 5:0. Ende der Ansage.

20:31: Tor in Wehen – für Wehen!
Diakité flankt, Aachens Keeper Stuckmann schaut sich den Ball von unten an und König ist derselbige unter den Blinden – 1:0.

20:33:
Tor in Bremen/Oberneuland!
6:0, Dzeko erzielt Nummer vier des Abend. Ende der Ansage.

20:34: Die restlichen vier Partien sind angepfiffen. Bei der ersten Einblendung einer kleinen Zuschauergruppe waren mit Sicherheit mehr Leute im Bild als gestern in der gesamten Allianz-Arena.
Derweil kann man schonmal auf eine etwaige Verlängerung linsen. Derzeit steht’s nur in Dortmund unentschieden.

20:37: In der Allianz-Arena scheint man die Führungskamera in der Tat ein paar Etagen nach oben verfrachtet zu haben. Vorbei das Fußballgucken auf Grasnarbenhöhe, zurück das Bild der WM 2006. “Philipp Lahm… *potsch* Tooooor für Deutschland!!!” – Sorry, falscher Film.

20:39:
Tor in München!
Die Premiere-Kommentatoren müssen an ihrem Torschrei arbeiten – das ist so spannend wie die Bahnstrecke Bitterfeld-Muldenstein bei Nacht. Schließlich hat Miro Klose getroffen, das hat ein paar Dezibel mehr verdient. Zumal seine Annahme und der anschließende “Löffler” in den Winkel ziemlich ansehnlich gewesen sind.

20:43:
Hamburg scheint sich ins Achtelfinale zu verwalten. Petric’ Führungstor hat noch immer Bestand. Dabei ist Bochum mindestens gleichwertig.

20:46: Tor in Bremen/Oberneuland!
Herr Seidler meldet sich wohl zum letzten Mal. 7:0 für Wolfsburg, Cauiby war’s. Egal, denn kurz darauf heißt es “Tor in Stuttgart!”. Cacau erzielt die VfB-Führung.

20:48: Tor in Hamburg!
Der HSV schließt die Akte mit dem 2:0 durch Petric, der langsam warm wird. Bochum raus, Hamburg weiter. Ende in der HSH-Nordbank-Arena.

20:54: Die ersten Würfel sind also gefallen – Wehen, Karlsruhe, Hamburg und Wolfsburg weiter; Aachen, Offenbach, Bochum und Oberneuland draußen. Keine Überraschungen.

20:55: Jena meldet sich direkt mit einem Tor zu Wort in der Konferenz. Carl-Zeiss führt durch Petersens Tor mit 1:0 gegen den FSV Frankfurt und ist ein heißer Kanditat, den Amateurfußball als letzter Vertreter im Achtelfinale zu repräsentieren. Wobei das mit dem Amateurstatus seit Einführung der 3.Liga ja so eine Sache ist.

21:00: Mal eben durchgezählt. 7 Bundesligisten und 4 Zweitligisten haben bisher das Ticket für die nächste Runde gelöst. Überraschungen hielten sich dabei in Grenzen.

21:05: Toooor in Dortmund!!!
Nuri Sahin mit einem Freistoß aus der Mitte in die Mitte, Edeljoker Klimowicz macht das lange Bein, der Ball geht Drobny durch die Beine. Dortmund geht in der 103. Minute in Führung.

21:07: Elfmeter in Freiburg!
Obasi wird gelegt, Salihovic in Ballack-Manier mit dem Wumms in die Mitte. 1:0 für Hoffenheim.

21:11: Nur 13.000 Zuschauer in Stuttgart. Da bekommt dieses Niersbach-Interview bei FAZ.net langsam einen peinlichen Anstrich – es geht um den vermeintlichen “Popularitätsschub” des DFB-Pokals.

21:14: In München gibt der Club aus Nürnberg ein Lebenszeichen von sich. Ein Konter über Pinola bringt keinen Ertrag, aber immerhin verpasst Mintal den Querpass des Argentiniers nur knapp.

21:24: Alle Spiele, die um 20:30 Uhr angepfiffen wurden stehen 1:0 bzw. 0:1. Dort ist Halbzeit. Währenddessen geht Dortmund gegen Hertha zu Ende – der BVB gewinnt. Weder gücklich noch verdient. Zwei Joker entscheiden das Spiel. Sahins Freistoß fand den Fuß von Klimowicz. So einfach kann das sein.

21:31: Ich gönne mir zwei Penny-Schokowaffeln aus Holland – verdammt billig, aber verdammt gut. Ansonsten keine nennenswerten Vorkommnisse in der Pause. Auf geht’s in die letzten 45+x Minuten.

21:35: Kleiner Geografie-Exkurs zur Abwechslung – in Freiburg ist heute Bade(n)tag. Die Südbaden aus dem Breisgau empfangen die Nordbaden aus dem Kraichgau.

21:46: Boy George ist heute mit Culture Club zu Gast in Jena – von den Rängen schallt “Karma Chameleon”. Es sind die Jena-Fans, die ihren “Eeef, zeh, zeeeh” besingen.

21:51: Nix los in der Konferenz. Ich schrecke hoch, als ich höre, wie eine Stimme sagt: “Ellbogen ins Gesicht – und das im Rücken des Schiedsrichters”. War gerade dabei, die Sitzschalen in Block C4 der Mercedes-Benz-Arena zu zählen. Bei 124 kam die Unterbrechung. Jetzt sind wird in Jena, da sieht man dank Laufbahn gar nichts von der Gegentribüne.

21:52: Muss man denn immer erst patzig werden? Stuttgart erhöht auf 2:0. “Da fliegt erstmal Cacau”, observiert Kommentator Hindelang leicht beeindruckt. Die Bielefelder Abwehr hat augenscheinlich eine dicke Prise vom Pulver in die Augen bekommen. Magnin flankt mit so viel Platz wie in der Area 51. Marica schiebt ein.

21:54: Kein Tor in München, aber – Ribéry is back. Ohne Lederjacke.

21:56: Freiburg und Hoffenheim machen heute einen auf Cottbus. Diesmal Elfer auf der anderen Seite. Schwaab trifft zum Ausgleich. Mir schwant Böses. Verlängerung?

21:58: Ribéry hat derweil den PlayStation-Controller in die Hand genommen und steuert Ottl sicher durch den Nürnberger Sechzehner. Der Gegenpol von Agressive Leader van Bommel schiebt rüber zu Borowski, der momentan vor dem Tor der bessere Toni zu sein scheint. 2:0 für Bayern.

22:02: Statistisch gesehen ging heute Abend jede Partie in die Verlängerung, in der beide Mannschaften ein Tor erzielt haben. Heißt: In Freiburg wird das Flutlicht wohl noch was länger anbleiben. Und: Nürnberg braucht nur ein Tor, dann kommt das zweite von alleine. Doch das mit dem ersten Treffer gestaltet sich offenbar schwierig genug.

22:06: Michael Rensing wird diesen Tag preisen. 78 Minuten rum und noch kein Gegentor (in Sicht). Aber als meine Finger diese Worte in die Tasten hauen, wär’ es fast so weit gewesen. Doch Rensing ist eben ein Klasse-Mann.

22:11: Wollte grade schreiben, dass sich in Freiburg Überstunden anbahnen. Doch da fällt Türker der Ball auf den Kopf. Idrissou stochert herum wie ein Storch auf LSD. Trotzdem isser drin. Hoffenheim liegt hinten.
Dietmar Hopp enthüllt in diesem Moment ein Plakat, auf dem der DFB-Pokal im Fadenkreuz abgebildet ist.

22:17: Verwirrung in Freiburg
Die Breisgauer treffen – nichts da, Tor wird nicht gegeben. Meine Augen werden einen Moment vom Kiemenmuster der Raufaser-Tapete abgelenkt. Da ruft plötzlich einer “Tor”. Idrissou hatte den orangen Schnabel abgelegt und vollkommen clean das 3:1 erzielt. Natürlich vom Elfmeterpunkt – wie auch sonst. Wo der Strafstoß herkam, wird das FBI beschäftigen.

22:21: Vorbei ist der Spaß. Alle Spiele sind durch. Überstunden bleiben allen Beteiligten erspart. Die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Nachher wären mir morgen im Altenheim beim Rummikub wieder die Augen zugefallen.

Zehn Bundesligisten, fünf Zweitligisten und ein Drittligist kämpfen am 27./28. Januar um den Einzug in die Vorschlussrunde der Vorschlussrunde. Damit sind zwei direkte Bundesligaduelle in der nächsten Runde garantiert. Jena wird als Amateur natürlich Heimrecht haben. Freiburg, Mainz, Wehen, Rostock und 1860 heißen die fünf verbliebenen Teams aus dem Unterhaus.

Ich sage “Gute Nacht”. Man liest sich.

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Drei Elfer, ein Untergang

Noch vor ein paar Wochen war der Weihnachtsmann der Sündenbock. Ausgerechnet eine verheerende Pokalpleite in Cottbus, die ein Heimspiel weiterhin vertagt, sorgte jetzt für geglättete Wogen. Zu spät für den Weihnachtsmann.

Bis heute Abend ging ich davon aus, genug fußballerisches Elend gesehen zu haben. Doch so kann man sich täuschen. Es ist mit der Borussia, als ob man sich Heiligabend Jahr für Jahr in froher Erwartung ans Wohnzimmerfenster stellen würde, um einen Blick auf den vorbeifliegenden Weihnachtsmann zu erhaschen. Dann erscheint auf einmal tatsächlich sein Schlitten am Himmel, die Welt ist mit sich im Reinen, das Weinachtsfest gerettet. Doch Sekunden später rauscht ein Meteorit heran und man muss hilflos zusehen, wie 11 Rentiere und der rote Mann mit Bart in einem Feuerball ihr Leben verlieren. Und trotzdem steht man im Jahr danach erneut am Fenster – in froher Erwartung, als sei nichts geschehen.

An Tagen wie diesen – Weihnachtsgeschichte endet hier, wir sind wieder beim Fußball – möchte ich mich stets auf BILD-Niveau begeben, die Elf benoten und pauschal für alle Feldspieler die Note 6 auspacken – die Rute sozusagen. Nur der Torwart kommt mit einer 4 halbwegs ungeschoren davon. Die arme Sau kann bis auf den verschuldeten Elfer ja nichts dafür. Aber im Fall der Borussia wäre das viel zu einfach. Wer sich das Kunststück leistet, mit drei Elfern gegen sich und ohne nennenswerte Torchance in Cottbus mit 0:3 unterzugehen, der hat dieses Quäntchen Aufmerksamkeit, diese Zeilen vielleicht sogar verdient.

Auch wenn Jos Luhukay von dem Elend über 90 Minuten nicht viel gesehen haben will, gänzlich abstreiten kann er es nicht. Zumal sein Deutsch die innere Gemütslage gnadenlos offenbarte. Im Prinzip beherrscht Jos Luhukay die deutsche Sprache perfekt, was als Niederländer nicht gerade eine Kunst ist. Aber selbst die größten Tücken des Satzbaus sind für den Konjugationskönig in der Regel keine Hürden. Anders heute Abend, als der Gladbacher Coach in nahezu jedes sprachliche Fettnäpfchen trat, „kommen“ sagte, wo er „gehen“ meinte und die Sätze verdrehte, wie es nur irgendwie ohne Knoten in der Zunge möglich war. Gefühlschaos gnadenlos offenbart – ich würde es Realitätsverkennung in Tateinheit mit Hilflosigkeit nennen.

Wer den Mut hat, nach einem Spiel ohne Torchance, Biss und Überschreitung der 10-Km/h-Marke im Interview das Wort „Sieg“ in die Redewendung „auf Sieg spielen“ zu packen, dem ist ohnehin alles zuzutrauen. (Übrigens hat Luhukay nicht wortwörtlich gesagt „wir haben auf Sieg gespielt“. Ähnliches konnte ich jedoch dank meines Handwörterbuchs „Luhukay-Deutsch, Deutsch-Luhukay“ interpretieren.)

Gladbach hat kein Problem. Gladbach hat viele Probleme. Vor allen Dingen aber hatte Gladbach Glück, dass der Gegner – ohne despektierlich zu sein – „nur“ Cottbus hieß. Drei Elfertore kriegen viele nicht einmal in einem Elfmeterschießen hin. Doch da hilft der Gegner auch nicht mit. Falls Energie im Training vom Punkt geprobt hat, werden sie sich gewundert haben, dass sich die Extraschichten schon in der regulären Spielzeit bezahlt gemacht haben.

Die Parallelen zum Abstiegsjahr nehmen langsam Überhand. Damals wurde das Pokalaus in Osnabrück zum Charaktertest, den die Borussia verheerend in den Sand setzte. Heute Abend war ebenso Charakter gefragt. Die Testfragen waren diesmal andere, das Resultat dasselbe.

Das Warten auf ein Heimspiel im DFB-Pokal wird also vorerst kein Ende nehmen. Spätestens jetzt leuchtet mir ein, dass daran keineswegs die transparenten Plastikkugeln Schuld sind. Denn „entscheidend is auf’m Platz“. Nicht nur hier.

Mannschaft der Stunde (12)

Olympique Lyon: Das halbe Dutzend an Spieltagen ist gerade erst voll in Frankreich, schon scheint der Kuchen in Sachen Meisterschaft gegessen. Ein alter Bekannter führt die Tabelle bereits mit vier Punkten auf den ärgsten Verfolger an: Olympique Lyon, mit sieben Titeln in Folge der Serienmeister schlechthin. So sehr die Konkurrenz jeden Sommer auch aufrüsten mag, den Klub von der Rhône lässt das alles kalt.

Vier Siege in Serie stehen derzeit zu Buche. Zu Lyons Entschuldigung sei daran erinnert, dass erst sechs Spieltage rum sind. Mehr geht da nunmal nicht. Fünfmal blieb OL derweil ohne Gegentor, insgesamt fünf Siege und nur ein Remis zum Auftakt in Lorient. Selbst in Lyon ist man vor Schwächephasen nicht gefeit. Doch falls der Serienmeister sein Tief irgendwann in der Saison dann endlich erreicht hat, bleiben die Pleiten meist ohne Folgen. Zu weit ist man der Konkurrenz enteilt. Die sitzt in der Regel schon lange nicht mehr im Nacken, sondern gefühlt im Lendenwirbelbereich.

In den europäischen Topligen scheinen sieben Meisterschaften in Serie für mich immer noch utopisch – obwohl Lyon ja genau das Gegenteil bewiesen hat. Rosenborg Trondheim, der FC Porto und die Glasgower Vereine hatten in dieser Disziplin bislang eher zu den namhaften Beispielen gehört.

Doch so sehr Olympique die Ligue 1 Jahr für Jahr dominiert, in Europa sieht es dafür nicht allzu gut aus. Zwar gehört OL seit einigen Spielzeiten zu den Dauergästen in der K.o.-Runde. Mehr als das Viertelfinale in den Jahren 2004-2006 war bislang jedoch nicht drin. In Anbetracht der heimischen Dominanz und dieser europäischen Allergie stellt sich zwangsläufig die Frage, wie man sich dennoch immer wieder so motivieren kann, dass das Resultat am Ende dasselbe bleibt. Kein Wunder, dass in Lyon mittlerweile die Trainer reihenweise gehen mussten. Für Alain Perrin war trotz Meisterschaft und Pokalsieg bereits nach einem Jahr Dienstende.

Lyons acht Meisterschaften wurden unter vier verschiedenen Trainern eingefahren. Ebenso bezeichnend ist es, dass Lyon nicht nur allergisch gegen Erfolge in Europa ist. Auch im heimischen Pokal sieht es düster aus. 2008 holte man das erste Double überhaupt – und das, obwohl Frankreich mit dem Coupe de France und dem Coupe de la Ligue gleich zwei renommierte Wettbewerbe austrägt.

Dennoch ist und bleibt Olympique eine Macht in Frankreich. Wie lange noch, wird sich zeigen. Wer es bis zum siebten Titel in Serie geschafft hat, der wird mit Sicherheit keine Scheu haben vor zweitstelligen Zahlen.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus

Nachdem Trainer Baade sich heute bereits um diejenigen gekümmert hat, die so lautstark in den Wald hineingerufen haben, sind nun die an der Reihe, die es in der Folge laut heraus schallen ließen.

Dietmar Hopp lief laut Spox.com folgenden Konter auf die beleidigenden Dortmunder Plakate und Gesänge:

“Unfassbar, dass ausgerechnet die Dortmunder so auftreten, wo ihr Verein doch in der jüngeren Vergangenheit 100 Millionen durch Misswirtschaft verpulvert hat. Ich gönne diesen Fans von Herzen, dass sie sportlich von uns so gedemütigt wurden.”

Eines muss man dem Mann lassen: Recht hat er. Und so sehr es mich weiterhin ärgert, dass ein Verein von einem Mäzen auf die Spitzenränge der Bundesliga gepumpt, muss ich dennoch zugeben, dass das Modell Hoffenheim einfach anders ist und mich längst nicht mehr so wurmt wie noch vor ein paar Monaten.

Es gibt keinen totalen Aufkauf des Vereins wie bei Chelsea oder City, sondern ein konstruktives, durchdachtes und keineswegs größenwahnsinniges System. Bei all den Obasis, Eduardos und Gustavos sei zudem nicht außer Acht gelassen, dass derzeit ein gewisser Vedad Ibisevic die Torschützenliste anführt. Jener Ibisevic, der ein Aachen einst ein Ansehen à la Kuranyi genoss und in 24 Partien für die Alemannia exakt so oft traf wie in den ersten fünf Saisonspielen für die TSG Hoffenheim.

Na gut, selbst ihn hat nicht die Kraichgauer Landluft nach Hoffenheim gelockt. Bei seiner Verpflichtung gehörte er jedoch noch dem Kaliber “kann vielleicht was, wird es wohl nicht zeigen” an. Von solch einer Explosion war nicht auszugehen. Auf die Konten der millionenschweren Obasi und Carlos Eduardo geht je ein Tor. Die restlichen zwei hat Sejad Salihovic erzielt – bezeichnenderweise eines der zig verschmähten Hertha-Talente, das jetzt woanders für Furore sorgt.

Während die anderen beiden Aufsteiger zumindest im halben Dutzend einkauften, reichten dem Hopp-Klub gerade einmal zwei Neuzugänge. Andreas Beck gehört mit seinem Notenschnitt aus den ersten Partien zu den besten Verteidigern der Liga. Und Stürmer Wellington hat bisher nicht einmal spielen können. Hoffenheim steht demnach Wochenende für Wochenende fast mit seiner Aufstiegself auf dem Platz. Hat der Trend bestand, wird diese Elf unter Umständen schon nächste Saison „unter der Woche“ zu bestaunen sein – im Europacup.

Weiß gerade selbst nicht, was mich auf einmal dazu bewegt, eine derartige Lobeshymne anzustimmen. Es wird wohl an einer Erkenntnis liegen, die mir diese ersten Wochen back to bundesliga gebracht haben: Echte Rivalität fußt nicht auf einem Haufen Geld, sondern wird über Jahre gesät und steht dann auf ewig in voller Blüte. Danke, ihr Kölns, Dortmund, Schalkes und Bayerns, dass es euch gibt.

Äpfel mit Birnen

Nahrungskette statt Viererkette?

Leverkusen – Hannover 4:0
Hannover – Gladbach 5:1
Gladbach – Bremen 3:2
Bremen – Bayern 5:2
Bayern – Hertha 4:1

Bayern kann sich offensichtlich glücklich schätzen, nächste Woche nach Hannover zu reisen. Simpel aufaddiert setzt es dort nur ein 5:13. Nicht auszudenken, wie hoch die Klatsche in Leverkusen ausfallen würde.

Fragt sich am Ende nur, warum Gladbach am Samstag gegen die Hertha verloren hat.