Monthly Archive for März, 2009

Spiel mir das Lied vom Chancentod

Leipzig untermauert Sachsens Spitzenposition bei PISA, Béla Réthy moderiert “Was bin ich?” und Philipp Lahm versteckt fünf Prozent unter seinem Kopfkissen – welch ein Fußballabend.

Erst eine gute halbe Stunde war gespielt, als Béla Réthy innerlich die Schlüssel ans Brett hängte, die Füße hochlegte und erleichtert die erste Tüte Chips öffnete. Entschlossen legte er das „Almanach der Namenswitze” beiseite und schnappte sich das „Große Buch der Berufe-Wortspiele”. Der Liechtensteiner auf der linken Seite sei im wirklichen Leben ja Kabelmonteur. Verblüffend, dass er dennoch mit „technischen Problemen” zu kämpfen habe.

Béla Réthy war gestern Abend das Fieberthermometer der deutschen Nationalmannschaft. Ungeduldig zählte er die Sekunden bis zum ersten Tor, um dann nach neun Minuten wieder zufrieden auf seinem Kommentatorenstuhl zu sitzen. Während die DFB-Elf in den zwanzig Minuten vor der Pause die Spielfreude der Anfangsphase langsam in espritloses Gekicke verwandelte, verließ auch Réthy die Lust. Vergleichsweise genüsslich zählte er jedoch die Berufe aller Liechtensteiner Spieler auf. BWL-Studenten, Kabelmonteure, Bankangestellte, Reamateurisierte und tatsächlich ein paar Profis – die älteren Semester vor dem Fernseher wähnten sich längst bei „Was bin ich?” mit Robert Lembke.

Auch Johannes B. Kerner hatte wieder einen seiner Sahnetage erwischt. Umfragen des Forsa-Institus vom Sonntagvormittag haben ermittelt, dass 96% aller 8,43 Millionen Zuschauer nun wissen, dass Deutschland im Oktober gegen Russland auf Kunstrasen spielt. Auf Kunstrasen, meine Damen und Herren!

Einzig Oliver Kahn versprühte, umringt von lauter Lustlosen und krampfhaft Begeisterten, den Ehrgeiz alter Tage, forderte „acht, neun Tore” und gab zu, dass er Spiele wie die gegen Liechtenstein nicht richtig gehasst habe. Irgendwie aber doch.

Sorgfältige Hochrechnungen, mittels früherer Duelle gegen den Zwergstaat erstellt, schürten zwar die Hoffnung auf mindestens vier weitere Treffer nach der Pause. Schweinsteiger und Podolski brachten die DFB-Elf dann per Sommermärchen-Revival auch wieder auf den gefühlten Kurs „Zweistelligkeit”. Doch das Gefühl täuschte uns ein weiteres Mal. In Hälfte eins dauerte es neun Minuten, bis Ballack mit fulminantem Volleyschuss und Jansen mit Matthias-Sammer-Gedächtnis-Haarfarbe zwei Treffer erzielten. Im zweiten Durchgang waren gar nur fünf Minuten vonnöten. Jogis Jungs blieben damit also einmal 39 und einmal 40 Minuten am Stück ohne Tor – die zwei längsten Durststrecken aller Zeiten in bisher vier Aufeinandertreffen mit der Steueroase. Den Rekord hielten seit Juni 2000 Mehmet Scholl und Marco Bode, zwischen deren Toren zum 2:1 und 3:2 damals schier endlose 35 Spielminuten vergingen.

Und so verlief der Rest der zweiten Hälfte, nachdem das Spiel durch Podolskis 4:0 endgültig entschieden worden war, eher gemächlich. Ereignislos, möchte man fast sagen. Doch man würde Mario Gomez Unrecht tun, dessen Rolle als Chancentod zum regelrechten Event des Abends verkam. Ehrgeiz und Einsatz konnte man dem Stuttgarter nicht einmal absprechen. Doch die Art und Weise, wie er Einschussmöglichkeiten aus allerlei Position und Körperlagen vergab, ließ den Eindruck entstehen, er würde den Unmut der Zuschauer geradezu genüsslich zur Kenntnis nehmen. Gomez per Kopf, Gomez mit dem Fuß im Fünfmeterraum, Gomez mal mit links, mal mit rechts, Gomez schräg in der Luft. Eberhard Gienger wäre bisweilen stolz gewesen, Fußball-Deutschland eher nicht.

Doch es wäre jetzt falsch, einen einzigen Spieler als Sündenbock zu brandmarken. Gomez hatte gestern vor allen Dingen einen Gegner, nämlich sich selbst. Letztendlich bleibt ein nichtssagendes 4:0-Unentschieden zu konstatieren. Ein Fingerzeig in keine Richtung, weder nach links noch nach rechts, nicht nach unten und auch nicht oben. Spiele wie diese dienen als blendendes Anschauungsbeispiel für die Verfechter einer vierten Dimension.

Jetzt gilt es, für den Auftritt am Mittwoch in Wales die fehlenden fünf Prozent wiederzufinden, die Philipp Lahm nach eigenem Bekunden auch gestern wieder in der Schrankwand oder unter dem Kopfkissen versteckt hatte. Sie werden bitter nötig sein. Dahinter steckt nicht einmal Ironie, sondern allein die Erkenntnis, dass die DFB-Elf in ihrer Historie nicht erst einmal gegen die Waliser ins Stolpern geraten ist. Gegen kaum ein Land dürfte der Quotient aus gewonnenen Punkten und der Weltranglistenposition des Gegners so dürftig aussehen.

Am hartnäckigsten zeigte sich noch das Leipziger Publikum – neben Boris Büchler vom ZDF, der im Interview mit Mario Gomez nur haarscharf ein paar Backpfeifen entging. Die Sachsen teilten die gesamte Spieldauer von 90 Minuten plus Nachspielzeit in 564 astreine 10-Sekunden-Countdowns auf, scheiterten jedoch allzu oft am Versuch, La Ola durchs Zentralstadion schwappen zu lassen. Immerhin bestätigten sie den neu erlangten Vorzeige-Ruf des sächsischen Bildungssystems. Rückwärtszählen klappt schon prima. Demnächst bitte noch mehrsprachig und die Bayern können sich den Spitzenrang bei PISA solange abschminken, bis Lok Leipzig in die Bundesliga aufsteigt.

René Adler bei den Kölner Haien im Gespräch

Eine Wanderin zwischen den Elementen

Sie hat 198 Länderspiele für die Schweiz absolviert – 167 auf dem Eis, 31 auf dem Rasen. Mal war sie Stürmerin mit Schläger, mal Torhüterin mit Handschuhen. Sie hat in Schweden, den USA und Deutschland gespielt, manchmal zwei Sportarten zugleich. Eigentlich wird sie ab Ende nächster Woche bei der Eishockey-WM in Finnland gebraucht. Jetzt steht sie gerade in Lyon auf dem Platz und spielt mit dem FCR Duisburg im Halbfinale des UEFA Women’s Cup. Kathrin Lehmann wandelt eben gerne zwischen den Elementen.

Wenn die einen Kleinen groß werden und die anderen Kleinen wiederum klein bleiben

Über den Reiz der Herausforderung, Erinnerungen in Regalen und Anrather in Italien.

Der Mensch liebt die Herausforderung. Deshalb lässt er vor seinem inneren Auge nur allzu gerne einen Film ablaufen, in dem er – mit zwei Fingern und scheinbar dem Untergang geweiht – an einer Klippe hängt und sich mit letzter Kraft doch noch aus der Schlucht zieht. Wie Mufasa in „Der König der Löwen” mit Happy End sozusagen.

Triumphierend steht er dann ganz oben, blickt majestätisch ins Tal und ritzt mit einem Schweizer Taschenmesser seinen Namen ins Gipfelkreuz. Die Schulterklopfer derer, die vorsorglich als Gratulanten mit dem Heli angereist sind, genießt er in vollen Zügen. Wenn er Glück hat und die Massen von seiner Heldentat besonders angetan sind, wird ihm unten ein Denkmal gebaut, sein Körper in Bronze gegossen. Nachfolgende Generation sprechen ehrfürchtig von ihm, sehnen eine Rückversetzung in alte Zeiten herbei und archivieren die zu Papier gebrachten Erinnerungen in meterhohen und -langen Regalen.

Der Film, der heute vor dem inneren Augen unserer Nationalmannschaft ablaufen wird angesichts des bevorstehenden Länderspiels gegen Liechtenstein, dürfte um einiges bescheidener ausfallen. Keine „History in the making”, wie der Amerikaner vollmundig verkündet, wenn Geschichtsträchtiges im Anflug ist, nur zwei Pflichtaufgaben vor der Brust. Die Protagonisten haben den Gipfel – einen flachen Fünfhunderter in der Voreifel – längst erklommen und wähnen sich in Sicherheit. Jetzt gilt es einzig und allein, nicht mehr ins Torkeln zu geraten.

Unvorhergesehene Zwischenfälle sind kaum zu erwarten. Man kennt zwar die Geschichten von riesigen Eisblöcken, die Urlaubsflieger von Zeit zu Zeit aus der Atmosphäre gen Erde schicken (müssen). Ab und zu treffen sie ein parkendes Auto, vielleicht den Cocker Spaniel in Vorgarten. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür liegt im Bereich von einem Sechser im Lotto – sowohl am Mittwoch als auch am Samstag in ein- und derselben Woche. Jeweils mit Superzahl.

Fußballfans ist ein Hauch von Sadismus in die Wiege gelegt worden. Niemand reiht sich Saison für Saison im gesicherten Mittelfeld ein, ohne nach fünf Jahren das Quengeln zu beginnen. Dann doch lieber Abstiegskampf, am besten so aussichtlos wie es irgendwie geht, mit Rettung in letzter Sekunde, wenn es für den Gegner am bittersten ist. Selbst Meisterschaften, die am fünftletzten Spieltag eingefahren werden, bergen keinen wirklichen Reiz. Man will nervlich gefordert werden, den Erfolg mindestens dreimal abhaken müssen, um am Ende doch der eigenen Mannschaft zuzujubeln, die vom Rathausbalkon mit der Schale grüßt. Durch ein Tor in der 94. Minute den Titel holen, nachdem man ihn erst in der 89. verloren hat – so darf es gerne jedes Jahr sein.

Die deutsche Nationalmannschaft hat heute in Leipzig nichts zu gewinnen. Einen Unterschied mit fünf bis sieben Toren würde man kommentarlos hinnehmen, alles darunter könnte Fragen aufwerfen, ob sich der Abwärtstrend aus den Spielen gegen England und Norwegen nicht weiter fortsetzt. Doch selbst eine Demontage an der Schwelle zur Zweistelligkeit dürfte keinen Autokorso in deutschen Großstädten verursachen, im Gegenteil. Egal wie das Spiel ausgeht, in irgendeiner Weise werden Jogi Löw und Co. sich rechtfertigen müssen. Und sei es nur Lukas Podolski, dem erneut die Frage gestellt wird, mit welch einer Dreistigkeit er plötzlich gegen Liechtenstein zwei Tore erzielt - ’und gegen Bielefeld dann wieder gar keins’. Auf Seiten des DFB werden heute Abend mit Sicherheit weder Helden noch Legenden geboren. Zumindest nicht im positiven Sinne.

Die mahnenden Rufe à la „es gibt keine Kleinen mehr” sind bislang im Hintergrund geblieben. Mittlerweile ist es ja in jedes Wohnzimmer vorgedrungen, dass selbst für Liechtenstein ein Profi aus der Serie A aufläuft und der Keeper mal für Boavista Porto gespielt hat. 35.446 Menschen lebten letzten Sommer im Fürstentum zwischen Österreich und der Schweiz. Da kann es durchaus vorkommen, dass in einer Generation zwei Spieler den Sprung von den Bergen auf die renommierten europäischen Fußballplätze schaffen.

Das bekommt sogar das eine oder andere deutsche Dorf gebacken: Christian Vander ist immerhin zweiter Torwart in Bremen. Charline Hartmann stürmt für den FCR Duisburg in der Frauen-Bundesliga. Albert Brülls ging in den 60ern für 100.000 Mark nach Italien. Sowohl am Borussia-Park in Gladbach als auch in seinem Heimatdorf Anrath ist eine Straße nach ihm benannt. Wenn selbst Dörfer wie Anrath in losen Abständen Fußballer/innen zur Welt bringen, die über die Dorfgrenzen hinaus wenigstens Experten bekannt sind, dann ist es auch in Liechtenstein nicht verboten. Anrath ist übrigens immer noch klein und wird es wohl ewig bleiben. Aber Liechtenstein, das ist seit ein paar Jahren verdammt groß. Also doch eine Herausforderung, wie der Mensch sie liebt?

Fred & Bert

Bert van Marwijk und Fred Rutten sind beide Niederländer. Derzeit ist es die einzige allseits bekannte Gemeinsamkeit.

Die Chancen, dass aus der Nationalitäten-Parellele noch vor dem 23. Mai etwas mehr wird, stehen jedoch nicht schlecht. Ich wette selten um Geld - bei Schalkes Ex-Trainer in spe könnte man eine Ausnahme machen. Youri und Mike scharren schon mit den Hufen.

PS: So wie es aussieht, könnte er sogar in Rekordzeit “den van Marwijk” machen. Heute noch.

Die Unterschätzte

Die Bundesliga kämpft seit Jahren um ihren sportlichen Ruf. Bislang waren Spannung, schwarze Zahlen und Zuschauerrekorde ihr Aushängeschild. Jetzt ist sie auch sportlich wieder auf der Höhe – ohne in den anderen Punkten federn zu lassen.

Himmel, Erde, Hölle. Spitze, Mittelfeld, Keller. Die Bundesliga präsentiert sich Ende März als astreine Drei-Klassen-Gesellschaft. Vorbei die Zeiten, als neun Mannschaften ums internationale Geschäft und neun gegen den Abstieg spielten. Nach dem 25. Spieltag scheint die Saison für eine Hand voll Mannschaften so gut wie gelaufen – Leverkusen, Schalke, Dortmund, Bremen und Köln könnten die Plätze 7 bis 11 am Ende unter sich ausmachen. Ein Sprung nach oben erscheint unwahrscheinlich für das Quintett aus dem Mittelmaß, für einen Sturz in untere Gefilde ist die Krise dann doch nicht verheerend genug.

Leverkusen galt noch im Dezember als Geheimfavorit auf den Meistertitel, zumindest als Kandidat für die Champions League. Schalke ist so etwas wie die fleischgewordene Dauerkrise. In Dortmund denken sie, alles läuft nach Maß, weil dort ein Trainer arbeitet, der Anflüge von sportlichen Problemen mit einem flotten Spruch unter den Teppich lächeln kann. Bremen rettet sich die schlechteste Bundesligasaison dieses Jahrtausend mithilfe von Erfolgen in anderen Wettbewerben – nationales Mittelmaß, im (UEFA-)Pokal mit Titelchancen. Allein Köln steht derzeit dort, wo es (noch) stehen will und auch hingehört.

Anhand dieses Lageberichtes könnte man im Hinblick auf die gesamte Bundesliga mutmaßen, dass die 46. Ausgabe, 2008/2009, nicht gerade nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Doch das wird sie. Mit Sicherheit.

Das Führungsquartett wird von einem einzigen Punkt getrennt – zuletzt gab es das vor 25 Jahren. Wolfsburg spielt noch gegen Bayern, Hamburg wird die Hertha empfangen. Ansonsten haben sich die Vier an der Spitze schon jeweils zweimal untereinander gemessen. Wolfsburg hat in dieser internen Spitzentabelle mit 10 Zählern die Nase vorn, Bayern und die Hertha haben je sieben Punkte eingefahren, Hamburg dagegen nur vier. Bei noch neun verbleibenden Spielen ist es jedoch so gut wie ausgeschlossen, dass genau das eine Duell gegen einen anderen Titelanwärter über Wohl und Wehe entscheiden wird.

Anders sieht das am Tabellenende aus, wo sieben Mannschaften um einen Platz über dem Strich kämpfen. Siege gegen direkte Konkurrenten können diese mächtig in Schach halten. Während ein einziger Dreier bei einem Titelanwärter gut vier Prozent der gesamten Saisonausbeute ausmacht, ist sein Wert im Abstiegskampf doppelt so groß. Die Sechs-Punkte-Spiele haben Hochkonjunktur. Zumal die sieben Kellerkinder in der Rückrunde gehörig zugelegt haben. Noch in der Winterpause wurde gemutmaßt, ob 30 Zähler zum Klassenerhalt reichen könnten, was einen neuen Minusrekord bedeutet hätte. Mittlerweile ist die Punkteausbeute in der Abstiegsregion wieder mehr als im Rahmen.

Sowohl oben als auch unten dürfte es also zum Fotofinish kommen. Und auch in Europa sieht es gut aus für die Bundesliga. Nur die Premier League hat mehr Vereine im Rennen. Die Bayern wittern ihre Chance in der Champions League, noch bessere Karten dürften Hamburg und Bremen im UEFA-Cup haben.

Heute begehen wir den letzten fußballfreien Mittwoch bis zum 03. Juni. Zehn Wochen Hochgenuss und Bluthochdruck stehen vor der Tür: Neun Ligaspieltage, Halbfinale und Finale des DFB-Pokals, Viertel-, Halbfinale und Endspiel der Europapokale, dazu die Relegation der ersten drei Ligen und zwei Länderspiele zum Abschluss einer Saison, von der man noch lange reden könnte. Sie hat es auf dem Fuß.

Mannschaft der Stunde (16)

VfL Wolfsburg

Die meisten Tore, die wenigsten Gegentreffer, die meisten Siege – Platz eins in der Rückrundentabelle.

Die drittmeisten Tore, die drittwenigsten Gegentreffer, die meisten Siege – Platz eins in der Heimtabelle.

Das Sturmduo Grafite-Dzeko ist das beste der Liga, 31 Tore haben die beiden zusammen erzielt. In der Rückrunde waren sie je siebenmal erfolgreich und führen die Torschützenliste des Jahres 2009 an.

Es gibt inzwischen so viele Kategorien, in denen der VfL Wolfsburg jahresübergreifend oder zumindest nach der Winterpause die Nase vorn hat, dass man kaum noch mitkommt. Sieben Bundesligasiege in Folge sind letztendlich das überzeugendste Argument, um die „Wölfe” zur „Mannschaft der Stunde” zu küren.

Die Hinrunde war, wie schon ein Jahr zuvor, relativ mäßig verlaufen. 26 Punkte, Rang 9, 35 Tore auf der einen, aber auch 25 Gegentore auf der anderen Seite – viel Luft nach oben. Die Parallelen zur Saison 2007/2008 sind verblüffend. Damals: Platz 11 und 20 Zähler nach der Hinrunde, nach dem 25. Spieltag dann schon 37 Punkte und der Sprung um drei Plätze. Am Ende stand die Qualifikation fürs internationale Geschäft, Rang drei in der Rückrundentabelle.

Was letzte Saison schon besser klappte als erwartet, hat 2009 eine weitere Steigerung erfahren. Wolfsburg ist so etwas wie das Leverkusen der Gegenwart. Werksmillionen haben eine junge, schlagkräftige Mannschaft geschaffen, die sich ständig weiterentwickelt. Selbst das Stadion ist so gut gefüllt wie nie. Ein Schnitt von 26.369 bedeutet derzeit einen neuen Vereinsrekord.

Auch was den Werdegang der letzten Jahre angeht, sind die Parallelen zu Bayer Leverkusen Ende der 90er Jahre nicht von der Hand zu weisen. 2006 und 2007 belegte der VfL jeweils Platz 15, entging trotz einer ordentlichen Personaldecke nur knapp dem Abstieg. Das zwölfte Bundesligajahr scheint nun den großen Durchbruch zu bringen. Bayer Leverkusen rettete sich 1995/96 bekanntlich erst am letzten Spieltag und wurde schon in der folgenden Saison Vizemeister.

Am 26. Spieltag stehen die „Wölfe” vor einem Schicksalsspiel – die Bayern, derzeit punkt- und torgleich mit dem VfL, kommen in die Volkswagen-Arena. Ein Sieg würde Wolfsburg endgültig ins Titelrennen hieven, eine Niederlage stillen Titelträumen einen Dämpfer verpassen, sie jedoch nicht in Luft auflösen.

Bis dahin heißt es erst einmal: Genießen, nicht ausruhen.

Und der unbeteiligte Fußballfan beginnt derweil, sich damit anzufreunden, dass der Deutsche Meister tatsächlich aus Wolfsburg kommen könnte. Dann doch lieber Hertha? Gute Frage.

Mission 40/25: Change a winning team?!

Die Borussia erleidet nach zwei Siegen in Folge einen Rückschlag und unterliegt dem VfL Bochum mit 0:1. Warum den Frühlingsanfang und meine Vergesslichkeit eine Mitschuld trifft, ein Maulwurf in der Gladbacher EDV-Abteilung hockt und wie aus Rivalen von Zeit zu Zeit nützliche Helfer werden.

Tief im Westen hat es man es bisweilen „im Urin”. Damit sind jedoch keineswegs Glucose, Aminosäuren oder Elektrolyte gemeint, sondern in der Regel sich anbahnendes Unheil. Man fühlt es einfach, dass ein bestimmter Tag nicht angebrochen ist, um Gutes zu bringen. Die Ampel ist plötzlich wieder rot, die grüne Brille liegt vergessen zuhause auf dem Schreibtisch und überhaupt birgt die seltene Konstellation eines Heimspiels am Freitagabend nur einen begrenzten Nährboden für erfolgsversprechende Rituale.

Mit zwei Siegen im Gepäck und dem Sprung von den Abstiegsplätzen im Blick möchte man eigentlich meinen, dass ein Duell gegen den VfL Bochum vor heimischer Kulisse schon irgendwie so enden wird, wie es nach einem 4:1 gegen Hamburg und einem 4:2 in Köln logisch erscheint – trotz Abendkulisse und Vergesslichkeit. Doch die Logik muss sich in dieser Spielzeit schlichtweg der Ratlosigkeit unterordnen.

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Nur mühsam schleppt sich der Shuttle-Bus durch den Fußball- und verspäteten Berufsverkehr. Immer wieder lassen Fußgänger auf dem Weg zum Stadion den motorisierten Verkehr links liegen und werden bis zum Erreichen des Borussia-Parks auch nicht mehr eingeholt. Mit einem Studenten in Bochum-Montur komme ich kurzerhand ins Gespräch, weil er alle zwei Minuten wie ein entnervtes Kind am ersten Autobahnkreuz auf der Reise in den Süden wissen möchte, wann wir denn endlich da sind. Immer wieder entschuldige ich mich aufrichtig für unsere provinzielle Infrastruktur und füge hinzu, dass „wir ja im Prinzip auch nur ein großes Dorf sind”. Proportional zur zurückgelegten Fahrtstrecke wächst jedoch seine Geduld. Etwas mitleidig zeige ich Interesse am Graue-Maus-Status des VfL Bochum und wünsche im viel Glück/Spaß/Erfolg, damit er – ohne Punkte im Gepäck – zuhause wenigstens erzählen kann, dass Gladbach-Fans eigentlich ganz sympathisch sind.

Erst um zehn nach Acht stecke ich meine Dauerkarte in Drehkreuz S11 – sieben Eingänge weiter links wartet übrigens ein Exemplar namens S04, auf dessen Monitor neben „S04″ stets ein kleines Herz zu sehen ist, wenn das Gerät Bereitschaft für die nächste Eintrittskarte signalisiert. Es riecht schwer nach einem Maulwurf in der EDV-Abteilung der Borussia.

Weil der Freitagabend nicht mit dem Schlusspfiff enden soll, trage ich einen vollgepackten Rucksack bei mir. Frische Jeans, Socken, ein neues T-Shirt und eine Kulturtasche mit dem Nötigsten des Nötigen sind darin. Im Vorhinein habe ich mich bereits auf eine gründliche Leibes- und Taschenvisitation eingestellt und mir das verschmitzte Lächeln des Ordners beim Blick auf meine Gladbach-Zahnbürste ausgemalt. Doch ich schleiche unkontrolliert an den Damen und Herren in ihren Röntgenstrahlenabwehrleibchen vorbei und hätte wahrscheinlich ein Fondue-Set für acht Personen in den Block schmuggeln können, ohne entdeckt zu werden. Ich bin mir sicher, dass man im Laufe einer Saison ebenso gut die Einrichtung einer Zwei-Zimmer-Wohnung in den Borussia-Park verfrachten kann. Grübelnd, ob ich nicht vielleicht doch etwas zu lieb aussehe, nehme ich, drei Minuten vor der Mannschaftsaufstellung, im Stadion Platz.

“Never change a winning team” ad absurdum geführt 

Tatsächlich schickt Hans Meyer von Beginn an die Derbysieger-Mannschaft auf den ziemlich ramponierten Rasen. Einerseits bin ich froh, dass endlich so etwas wie personelle Kontinuität einkehrt. Andererseits schwant mir jetzt erst Recht Böses, weil eine unveränderte Startelf bislang nur einmal in der gesamten Saison vorgekommen war: Nach dem 3:2 zuhause gegen Bremen am 3. Spieltag ging es eine Woche später nach Hannover. Jos Luhukay folgte dem Rat, ein siegreiches Team niemals zu verändern. Am Ende stand es 1:5.

„Never change a winning team” kann bisweilen eine ganz nützliche Devise sein. Besonders, wenn Siege noch längst nicht zur Gewohnheit geworden sind und nur in unregelmäßigen Abständen für allgemeine Erheiterung sorgen. Die Borussia empfängt den VfL Bochum also mit dem Gefühl, derzeit einen regelrechten Lauf zu haben. Bei den Bayern sorgen zwei Pleiten in Serie für eine handfeste Krise. Am Niederrhein bewegt man sich nach zwei Siegen hintereinander am gefühlsmäßigen Gegenpol. Die ersten Hobby-Requisiteure holen da im Eifer des Erfolgs schon die Papp-Meisterschalen vom Dachboden oder plündern Mutters Alufolien-Arsenal für eine originalgetreue Nachbildung des UEFA-Cups. Goldpapier für ein DFB-Pokal-Imitat ist dann doch zu teuer.

In der Anfangsphase spiegelt sich die Einstellung von den Rängen – Kreativität gepaart mit Größenwahnsinn – auch auf dem Platz wider. Gladbach, 16., lässt dem Fünfzehnten aus Bochum kaum Luft zum Atmen und wirbelt die arg gebeutelte Gästeabwehr zunächst mächtig durcheinander. Doch Marin, Baumjohann und Co. lassen dabei stets eine klare Linie vermissen und verlieren sich in fahrlässigen Kabinettstückchen, schlampigen Kurzpässen und kopflosen Dribblings. Nur Brouwers und Friend schaffen es, Überlegenheit einmal in Torchancen umzumünzen. Gladbach wirkt dabei jedoch lange Zeit so zwingend wie eine Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr.

Ballbesitz in CSU-typischen Sphären – dennoch das 0:1

Der Ballbesitz erreicht gerade Sphären, von denen selbst die CSU in besten Tagen nur träumen konnte, als die Träume vom Sprung aufs rettende Ufer plötzlich einen Dämpfer aus dem Nichts erhalten. Zwanzig Meter vor dem Tor darf Bochum den Ball behäbig quer passen wie eine Handball-Kreisligamannschaft in Überzahl. Halblinks genießt Grote uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und sorgt mit seinem platzierten Schuss ins untere Eck kurzzeitig für größere Stille als im Laufe der Schweigeminute beim Derby in Köln. Zwölf Gegentore hat Gladbach in der Rückrunde kassiert – fünf nach Standards, vier nach Weitschüssen. Eindeutige Lehre: Den Gegner häufiger aus dem Spiel heraus in den Strafraum lassen. Nur die Hertha, gleich zweimal, und einmal der VfB Stuttgart hatten bislang nach der Winterpause auf diese Art und Weise Erfolg.

Sekunden später hallen schon wieder aufrüttelnde Vau-Eff-Ell- Rufe durch den mit 50.000 Zuschauern gut gefüllten Borussia-Park. Diesmal jedoch steht das Publikum nicht stellvertretend für die Elf auf dem Platz. Sichtlich getroffen torkelt die Borussia in die Halbzeit, ohne Bochums Fernandes in seinem Kasten merklich unter Druck zu setzen. Der Ballbesitz aus Sicht der Gastgeber pendelt sich vor der Pause gar auf dem CSU-Level der Gegenwart ein – also irgendwo unter 50 Prozent. Auf etwaige Koalitionsversuche wollen die Bochumer aber nicht eingehen.

Nach dem Seitenwechsel wird nach Wochen der fußballerischen Hochkonjunktur endgültig der Gladbacher Winterschlussverkauf eingeläutet. Zündende Ideen, Durchsetzungsvermögen, Konzentration vor dem Tor – alles muss raus! Es hat tatsächlich den Anschein, dass die Borussia getreu dem Motto „Keine Macht den Frühlingsgefühlen” auftritt. Überhaupt ist der Winter den Fohlen an für sich ziemlich gut bekommen. Zum Ende des Sommers gab es letztes Jahr nur einen Dreier. Zwölf Herbst-Partien brachten unterdurchschnittliche acht Punkte. In den Wintermonaten setzte es dafür elf Zähler in sieben Spielen. Bleibt zu hoffen, dass die Borussia – genau wie beim ersten Auftritt im Winter gegen Stuttgart – alleine den Jahreszeitenauftakt vergeigt hat.

Zum dritten Mal unter Meyer ohne eigenen Treffer

Erst zweimal ist man bis zu diesem Abend unter Hans Meyers Regie ohne eigenen Treffer geblieben. Nennenswerte Revolutionsversuche, um die ungewohnte Torlosigkeit zu beenden, bleiben jedoch Mangelware. Überhaupt zeigt ausnahmslos jeder Borusse auf dem Platz genau das eine seiner vielen Gesichter, das er in den letzten Wochen zum Glück ad acta gelegt hatte. Daems und Brouwers verfallen im Spielaufbau in alte Behäbigkeit. Die Außenverteidiger konzentrieren sich eher auf Brandschutzmaßnahmen, als selbst wie zuletzt im Angriff Feuer zu legen. Von Galasek und Bradley auf der Doppel-Sechs geht ebenfalls so gut wie keine Gefahr aus – „hoch und weit” lautet ihr einziges Mittel im zweiten Durchgang.

In der Offensive setzen Baumjohann und Marin diesmal kaum Akzente. Letzterer erregt mit seinen Ecken, die vielmehr butterweichen Steilpässen gleichen, nur wenig Aufmerksamkeit. Und ganz vorne besinnt sich der einsame „Ranger Rob” wieder auf die gute, alte Lethargie und bringt den Ball trotz einer Hand voll Torschüsse nicht im Tor unter. Neuzugang Dante feiert nach zwei Muskelfaserrissen und einem Friseurbesuch sein Bundesliga-Debüt, glänzt dabei höchstens als Lucio-Imitator. Selbst Neuville und Colautti, im Laufe der zweiten Hälfte als Joker gebracht, bieten dem leidenden Fan-Auge ungefähr soviel Abwechslung wie eine weiße Stellwand auf einem Alpengletscher.

Siebzehn Stürmer, zaghafte Bochumer und dennoch keine Wende – Friend gegen Fernandes

Hinten hat die Borussia bis zum Ende jedoch kaum etwas zu fürchten. Hans Meyer hätte noch siebzehn Stürmer einwechseln können – auf der einen Seite wäre Bochum dennoch nicht durch Konter gefährlich geworden, andererseits hätte die Borussia noch bis Karfreitag spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Spätestens in den Schlussminuten manifestiert sich der Eindruck, dass Gladbach einen ganz und gar gebrauchten Tag erwischt hat. Immerhin gibt es noch drei hochkarätige Torchancen, die jedoch von Keeper Fernandes und einem Bochumer auf der Linie vereitelt werden.

punkteentwicklung-platz-15Das Spiel des schwarz-weiß-grünen VfL erinnert insgesamt an ein altes Graubrot, das am Anfang und am Ende noch ganz knusprig schmeckt, dazwischen jedoch ziemlich trocken ist und mächtig krümelt. Noch vor drei Wochen, nach dem 1:2 in Berlin, habe ich Meyer vorgeworfen, eine insgesamt ordentliche Leistung zu kritisch zu sehen. Diesmal macht er der Mannschaft „keinen Vorwurf”. Er sei zwar „mit dem Resultat, aber nicht mit dem Spiel unzufrieden”.

Diese Sicht der Dinge mag angesichts zahlreicher Stockfehler, großer Verunsicherung nach dem Gegentor und mangelndem Durchsetzungsvermögen gegen mauernde Bochumer zu positiv daherkommen. Dennoch tut Meyer an dieser Stelle das Richtige: Er hält jegliche Kritik von der Mannschaft fern und sorgt für Ruhe nach einer bitteren und unnötigen Niederlage, die – wie die starken Spiele zuvor – noch lange keinen endgültigen Fingerzeig in irgendeine Richtung bedeutet.

Und so bleibt festzuhalten, dass wir in den verbleibenden neun Spielen womöglich noch viermal den gefühlten Abstieg und viermal den gefühlten Klassenerhalt erleben werden. Was zählt, ist und bleibt der Stand der Dinge am 23. Mai nach dem letzten Spiel gegen Dortmund. Dieses Credo mag schwer nach drei Euro fürs Phrasenschwein klingen. Aber die kleine Porzellansau ist mit Sicherheit nicht erfunden wurden, damit durch den Einwurf von ein bisschen Kleingeld hanebüchene Lügen entschuldigt werden können. Drei Euro für die Wahrheit.

Ausgerechnet Köln und Bayern leisten Schützenhilfe

Aktuelle Hochrechnungen (siehe Grafik) lassen mindestens 33 Punkte verlauten, die für Platz 15 eingefahren werden müssen. Berücksichtigt man, dass die derzeit noch sieben Abstiegskandidaten ihren Punkteschnitt von 0,82 pro Spiel aus der Hinrunde auf 1,09 in den Partien nach der Winterpause gesteigert haben, könnten am Ende sogar bis zu 36 Zähler vonnöten sein.

Nach einem Sieg gegen Bochum wäre die Länderspielpause wohl ungelegen gekommen. Jetzt, mit etwas mehr Last auf den Schultern, kommt sie womöglich gerade rechtzeitig, um Wunden zu lecken und die bislang erfolgreichen sieben Wochen nach der Winterpause Revue passieren zu lassen.

Dabei ist das Wochenende ohnehin gar nicht so schlecht verlaufen aus Borussensicht, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Von den Kellerkindern hat nur Bochum einen Dreier eingefahren. Ausgerechnet Köln und Bayern haben Schützenhilfe geleistet. Am letzten Wochenende noch Erzrivalen, sieben Tage später zuverlässige Helfer – im Abstiegskampf ist nichts unmöglich.

Eine Heimpleite gegen Bochum mag zwar ein Rückschlag sein. Wenn ein einziger Rückschlag im Tabellenkeller jedoch den automatischen Niedergang bedeuten würde, könnten gerade wir uns längst mit St. Pauli statt dem HSV und mit dem FSV anstelle der Eintracht aus Frankfurt beschäftigen. Aber dagegen würden sich selbst die größten Pessimisten wehren. Und außerdem hat der Frühling ja gerade erst begonnen.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Zwei Sachen hat uns diese Europacup-Saison aus deutscher Sicht bislang gelehrt: Bremen spielt dauernd unentschieden und kämpft sich dennoch von Runde zu Runde, der HSV gewinnt jedes Spiel auf fremdem Platz. Demnach liegt nicht nur eine erfolgreiche, sondern auch beispielhafte Woche hinter uns.

Der Norden sitzt dem Süden in der internen Bundesliga-Fünfjahreswertung im Nacken. Der Blick auf die aktualisierte Tabelle zeigt, dass der HSV nur noch zwei, Bremen nur noch drei Zähler hinter den Bayern liegt. Scheitert der Rekordmeister also am FC Barcelona, könnten sich gleich zwei Titelträume in Luft auflösen, falls die beiden Nordlichter im UEFA-Cup weiter bestehen.

Hamburg empfängt zuerst Manchester City. Die “Citizens” könnten zwar mit ein paar “Wenn-wir-wollen-kaufen-wir-euch-auf”-Plakaten in der HSH Nordbank-Arena auftauchen. Die sportliche Strahlkraft wird jedoch von den finanziellen Mitteln des aktuellen Tabellenzehnten der Premier League in den Schatten gestellt. Das Halbfinale ist für den HSV ein realistisches Ziel. Auf dem Weg nach Hamburg erlebte ManCity zuletzt dänische Wochen: Erst hieß der Gegner Kopenhagen. Gestern war der Einzug ins Viertelfinale erst nach einem Erfolg im Elfmeterschießen gegen Aalborg perfekt. Kopenhagen, Aalborg – da vervollständigt Hamburg die Reihe weitaus besser als Donezk oder Marseille es getan hätten.

Schafft auch Bremen den Sprung in die Vorschlussrunde, kommt es definitiv zum Bundesliga-Duell/Nordderby in der Vorschlussrunde. Mit Udinese Calcio hat Werder zwar ein unliebsames, aber machbares Los gezogen. Udine rangiert in der Serie A auf Platz 11 – das ringt Bremen, seines Zeichens Zehnter, natürlich nur ein müdes Lächeln ab. Die letzten Italiener auf europäischem Parkett wären in Runde eins beinahe an Borussia Dortmund, Schlusslicht der Bundesliga-Fünfjahreswertung, gescheitert. Nach dem Weiterkommen im Elfmeterschießen zogen in der Gruppenphase unter anderem die Tottenham Hotspurs und Spartak Moskau den Kürzeren. Nach Posen und St. Petersburg ist Bremen nun Udines nächster Gegner in der K.o.-Runde.

Überhaupt wirkt der UEFA-Cup wie eine Deutsch-Französisch-Ukrainische Meisterschaft, bei der je ein englischer und ein italienischer Verein aus reiner Kulanz mitmischen darf. Wer in den letzten Wochen also mitbekommen hat, wie Premier League und Primera División als Nonplusultra des europäischen Fußball angepriesen wurden, fragt sich nicht zu Unrecht, warum die beiden dann nicht auch den UEFA-Cup dominieren.

Die Antwort liegt auf der Hand: Engländer und Spanier tummeln sich lieber in gehobeneren Gefilden, in der Champions League zum Beispiel. Verhältnisse wie man sie sonst nur aus Mallorca kennt. Engländer: In den Sternehotels der Insel – betrunken, aber gut dafür bezahlt. Spanier: Gar nicht mehr da. Deutsche: Bevölkern die preiswerten Neckermann-/TUI-/Alltours-Prachtbunker – und feiern die 24/7-Happy-Hour.

Hier die Zimmeraufteilung für Champions League und UEFA-Cup:

Business Class:
FC Barcelona – Bayern München
FC Liverpool – Chelsea London
Manchester United – FC Porto
FC Villareal – Arsenal London

Economy Class:
Hamburger SV – Manchester City
Werder Bremen – Udinese Calcio
Paris St. Germain – Dynamo Kiew
Schachtjor Donezk – Olympique Marseille

Die 16 verbliebenen Teilnehmer kommen aus sieben verschiedenen Ländern, den ersten Fünf der Fünfjahreswertung, dazu gesellen sich der Neunte, die Ukraine, und der Zehnte, Portugal. Russland wird in den nächsten beiden Jahren definitiv zwei Fixstarter in die Champions League schicken. Portugal hat dagegen mächtig an Boden verloren, während die Bundesliga mittelfristig wieder auf einen zweiten Startplatz in der Quali für die Königsklasse hoffen darf. Dafür muss sie der Serie A in den nächsten beiden Jahren auf den Fersen bleiben und darf in der Addition der Spielzeiten 09/10 und 10/11 nicht mehr als 0,600 Punkte dahinter liegen.

Von hinten hat der deutsche Fußball vorerst niemanden zu fürchten. In Anbetracht dieser Tatsache wirken die ewigen Diskussionen um die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga in Europa immer unglaubwürdiger und machen langsam den Eindruck, einzig und allein ökonomischen Interessen zu überspielen. Man hat ja sonst keine Probleme.