Monthly Archive for September, 2009

Live im Ticker: Bayern München – Juventus Turin

Bayern München – Juventus Turin 0:0 (0:0)

22:45
Ich bin raus hier.

Man liest sich!

22:42
Die anderen Ergebnisse:
Real gewinnt gegen Marseille mit 3:0.
Zürich siegt sensationell in San Siro (Alliteration der Woche lässt grüßen).
Chelsea erfüllt mit einem 1:0 in Nicosia anscheinend nicht mehr als seine Pflicht.
Das andere Spiel der Gruppe gewinnt Porto mit 2:0 gegen Athlético.
Am frühen Abend hat Besiktas bereits 2:1 in Moskau verloren.

22:40
Wolfsburg hat zwar in Old Trafford verloren, rangiert punktgleich mit ZSKA Moskau jedoch weiter auf dem zweiten Platz. Auch hier wird das nächste Spiel zuhause gegen Besiktas anzeigen, wo es hingeht. Wer in Manchester führt und nur 1:2 verliert, wird aber – ohne jetzt eine Minute des Spiels gesehen zu haben – im eigenen Stadion sicher nicht chancenlos sein.

22:39
In der Tabelle liegen die Bayern jetzt gleichauf mit Bordeaux und vier Punkten an der Spitze. Juve hat zwei Zähler, Haifa keinen. Im Prinzip ist im Kampf ums Weiterkommen noch rein gar nichts passiert. Die Kandidaren Bayern, Turin und Bordeaux haben untereinander remis gespielt. Der Auftritt des FCB am 21.10. bei Girondins wird wegweisend.

22:36
Die Bayern in Hälfte eins formidabel, fulminant, wie auch immer. Ohne eigenen Treffer bleibt’s aber beim 0:0. Ribéry Geniestreich mit anschließendem Lupfer auf die Latte das Tornetz bleibt Bayerns dickste Chance. Butt musste nur einen Weitschuss von Camoranesi ernsthaft entschärfen.

22:35
Und das war’s. Endstand 0:0.

22:34
Wohl letzte Aktion, ein Eckball vin Juve.

22:33
Es gibt Stadien, da wird die Heimmannschaft noch einmal frenetisch angetrieben, wenn die Nachspielzeit angezeigt wird. In München dient es anscheinend nur dazu, dass man x Minuten nach Verlassen des Stadion weiß, wie lange man schon unterwegs ist.

22:32
Butt fängt eine Flanke sicher und routiniert ab. Da kann man Wolf Fuss ruhig zitieren: “Ein Torwartproblem haben die Bayern momentan beileibe nicht.”

22:31
Ja, mehr aber auch nicht.

22:30
Uuund… nochmal ‘ne Ecke für die Bayern.

22:29
In Porto hat ein Anagramm von Ronaldo zum 2:0 für den Gastgeber gegen Athlético Madrid getroffen. Gestatten, Rolando.

22:28
Soll ich die pinke Schrift ein paar Pixel weiter oben schonmal schwarz machen? Oder kommt noch was? Sieht derzeit nicht danach aus.

22:27
Und – um einen vermeintlich positiven Nebeneffekt auch noch auszulöschen – hat Bordeaux zum 1:0 gegen Haifa getroffen.

22:25
Nach der ersten Hälfte hab’ ich mir gedacht: ‘Gutes Händchen, Sat. 1, anstatt Wolfsburg die Bayern zu zeigen.’ Ich weiß nicht, wie es in Manchester abgesehen von der Anzeigetafel aussieht, aber es sind immerhin Tore gefallen. Sehenswerte Kombinationen und Torchancen ziehen in München schon lange nicht mehr als Argument.

22:23
Krumme Eckballentscheidungen, Tore auf anderen Plätzen – es gibt gerade genug Gründe, sich ablenken zu lassen. Hätte ich einen Hund, würde ich ihn schonmal rufen, um in 10 Minuten mit ihm raus zu gehen.

22:22
In Manchester hat der Gastgeber zum 2:1 getroffen. Carrick sorgt dafür, dass Armin Veh wieder in Erinnerungen an seinen ersten Kuss schwelgen kann, um sich abzulenken.

22:20
Es gibt (angeblich) Eckball für Juve. Entweder der Linienrichter wollte die Stimmung nur etwas auflockern, oder aber er hat ein erhebliches Sicht-/Augenproblem. Webb spielt den Webb-Master und korrigiert ihn.

22:18
Drei Punkte wären für die Bayern erst Recht wertvoll, wenn es beim 0:0 zwischen Bordeaux und Haifa bleibt. Die Schlussphase läuft, 77 Minuten sind rum.

22:17
Wenigstens mal etwas Aufregung, als Schweinsteiger nach einem Doppelpass über Legrottaglies Bein fällt, das vorher geschickterweise den Ball touchiert hat.

22:16
Trezeguet muss Amauri weichen. Was nach Catenaccio und Über-die-Runden-bringen klingt, ist ein Stürmer. Bei den Bayern kommt Gomez in der 75. für Klose. Wo ist eigentlich die Zeit geblieben? Wenig los seit einigen Minuten.

22:15
Unterhaltsam, wie Wolf Fuss sein Interesse an Oliver Pochers Statements simuliert, um sich an irgendwelche Vertragsabsprachen zu halten.

22:14
Bayerns Ideenreichtum in der Offensive steht und fällt mit Ribérys Geistesblitzen. Und eine Gewitterfront ist gerade nicht in Sicht.

22:11
Real führt mit 3:0, Ronaldo zum Zweiten. Wer Lust hat, kann die Aufwandskosten für die drei Treffer (Ronaldo x2, Kaká) ja mal schnell ausrechnen.

22:10
Im Angriff wird es etwas zu tarnat-ig. Viel aus dem Halbfeld. Van Buyten ist angeschlagen, Braafheid greift sich auch ans Bein – die Benelux-Leute heute arg gebeutelt.

22:09
Bayern nähert sich seit ein paar Minuten dem Inzaghi-Dolchstoß, der lediglich einen Vollstrecker sucht.

22:08
Trezeguet will das erste Bier voreilig aufmachen. Iaquinta steht jedoch im Weg und verhindert es.

22:07
Diego hat das Feld mittlerweile verlassen. Von Ottl so gut aus dem Spiel genommen, wie man einen Diego (Achtung, Loddar-Alarm) aus dem Spiel nehmen kann. Aber immer noch gefährlicher als seine Kollegen, die weiterhin wirken eine 10er-Abschlussfahrt, die da drauf wartet, dass der Lehrer ins Bett geht, um endlich das Bier aus den Rucksäcken holen zu können.

22:03
So, jetzt scheppert’s aber in Europa. Manchester gleicht durch Giggs nur drei Minuten später aus. In Bernabéu trifft ein Ex-ManU-Spieler zum 1:0 gegen Marseille. Guess who?
Nachtrag: 2:0, Kaká vom Punkt.

22:01
Derweil ein dickes Ding für die Bayern in München: Ribéry flach rein von der linken Seite, Klose verschmäht den Ball als halte er ihn für den Dackel seinen cholerischen Nachbarn, auf den er bloß nicht drauftreten will.

22:00
Jedoch nicht in München, sondern in Manchester. 1:0 Wolfsburg – Dzeko nach Flanke von Hasebe mit dem Kopf.

22:00
TOOOOOOR!!!

21:58
Es geht ja auch um den gesamtdeutschen, oder sagen wir besser gesamten deutschen Fußball: Sieg oder Niederlage könnten am Ende gut 0,6 Punkte im Vergleich zu Italien für die Fünfjahreswertung ausmachen.

21:56
Wären die Angriffsversuche der Bayern ein Hurrikan, hätten sie zwar schon einen Namen im Wetterbericht, würden Stufe 2 jedoch nicht überschreiten.

21:55
Robben ja mit verdrehtem Knie ausgewechselt. Da erinnere ich mich an einem Post von Probek vor ein paar Wochen.

21:54
Die Bayern immer den Schritt schneller, so dass sie selbst dann einen Freistoß bekommen, wenn es Augenblicke vorher noch schwer nach Freistoß Juve aussah.

21:52
In den ersten fünf Minuten so viel Abtasten wie bei der Brustkrebsvorsorge. Wird schon werden.

21:50
Zwei Tore in sieben Spielen sind nun wirklich nicht die Welt bislang.

21:49
Hieße der Gegner jetzt Milan, würde ich viel Geld auf ein Tor aus dem Nichts von Inzaghi wetten…

21:47
Es läuft wieder. Um mich an die Werbung anzulehnen: Bayerns “Projekt” für Hälfte zwei dürfte eindeutig umrissen sein – “Mach’ sie fertig, bevor sie Dich fertig machen!”.

21:42
Ribéry kann sich selbst in der Halbzeit nicht zurücklehnen, verschreckt unverdrossen Rehe. “Schön gewinnt kein Spiel” halte ich ja schon für eine gemeine und missverständliche Werbebotschaft.

21:40
Wir fassen mal zusammen – 13:5 Torschüsse für die Bayern, eine ganze dicke Chance für Ribéry, als er Chiellini und Legrottaglie zu Slalomstangen degradierte, dazu mehre halbdicke und dreivierteldicke Chancen. Juve nur einmal nah dran am ersten Treffer, als Butt einen Weitschuss von Camoranesi entschärfte.

21:31
Halbzeit: Bayern stark, besonders Ribéry, Müller vorne, Badstuber hinten. Bei Juve fast alles über Diego, wobei “alles” nicht gerade “viel” ist. Weiter geht’s in 14:37 Min.

21:29
So, Olic kommt für Robben rein. Luca Toni ist gerade beim ihm zu Hause eingetroffen und passt auf die Kinder, Luca und Toni, auf. Olic guckt nur etwas stutzig, weil er sich wundert, wo seine Frau hin ist, dass sie das nicht mehr übernehmen kann.

21:28
Klaue mal eine Statistik von Sat. 1: Badstuber mit 100% gewonnenen Zweikämpfen. Vielleicht reicht das für Horst Hrubesch als Begründung. Vonwegen U20-WM und so…

21:27
Tatsächlich eine Schalte zu Oliver Pocher. Der berichtet aber nicht einmal in der ihm eigenen Manier vom Spielfeldrand, sondern macht einen auf seriös. Das nicht einmal zu schlecht, aber warum macht es überhaupt?

21:26
Erster Angriff der Turiner nach minutenlanger Bayernhälften-Abstinenz: Grosso in die Mitte auf Trezeguet, der es macht wie 2000 beim EM-Finale – nur ohne Erfolg, dafür aber knapp.

21:25
Bei den Bayern fast jeder Angriff eine Chance. Ribéry stark in die Gasse auf Schweinsteiger. Der verzieht nach der anschließenden Ecke in den Oberrang.

21:23
Ribéry scheucht Juves Verteidigung über den Platz wie sonst nur Rehe in Nike-Werbespots.

21:22
Hmm, grad scheinbar etwas verbockt. Entweder die erste Gelbe von Camoranesi war wirklich für die Frisur und er hat jetzt die erste Foul-Gelbe gesehen. Oder aber die erste Verwarnung war Einbildung. Tippe auf Letzteres.

21:21
Auf den anderen Plätzen – in Nicosia, Manchester, Mailand, Madrid, Bordeaux und Porto – hat sich auf der Anzeigetafel nichts getan.

21:20
Müller, Robben und Ribéry bislang am auffälligsten und besten bei den Bayern. Bezeichnend, denn der Rekordmeister macht weiter Druck. Erneut sorgt ein Ich-renk-mir-den-Hals-aus-Kopfball von Klose für Gefahr, dem die exponierte Mittelstürmer-Position sichtlich gut tut.

21:18
Juves Trainer, Ciro Ferrara, ist 1996 Champions-League-Sieger geworden gegen Ajax, deren Trainer damals Louis van Gaal hieß. Bei mindestens 6 CL-Spielen pro Jahr kann sich auch nur schwer aus dem Weg gehen.

21:17
Camoranesi sieht die zweite Gelbe – überraschenderweise für ein Foul an Ribéry, nicht für seine Frisur.

21:16
Müller hat viel Platz, ist durchgebrochen. Diego muss im eigenen Strafraum klären, um Schlimmeres zu verwindern. Kur darauf sehenswerter Kopfball von Klose nach Halbfeld-Flanke von Klose. Da hätte er sich schon zwei Halswirbel ausrenken müssen, um den reinzumachen.

21:14
Es ist immer mühselig, eine Mannschaft besonders in die Pflicht zu nehmen, weil sie zuhause spielt. Die Bayern nehmen sich in der ersten halben Stunde selbst in die Pflicht und treten stark auf. Bei Juve geht meist nur etwas über Billiard und Pingpong.

21:12
Die Bayern-Fans bislang ziemlich sangesfreudig. Jetzt ist zwar grad der Ton weg, aber kann man ja mal hervorheben.

21:10
wo wir vorhin schon bei den fünf Weltmeistern waren: Haben auch zwei Vize und drei dritte Plätze an Bord.

21:09
Lahm mit guter Flanke von rechts. Klose verpasst knapp. Mit Tonis Mähne und Größe wär’ das etwas geworden. Bayern jetzt mit deutlichem Übergewicht.

21:08
Denke, dass viele Australier da auf meiner Seite sind.

21:07
Robben könnte ruhig etwas Böses mit Grosso anstellen. Nicht weh tun, nur demütigen.

21:06
Chelsea führt derweil in Nicosia mit 1:0. Ohne Ballack.

21:05
Ribéry mit dem ersten Geistesblitz in Minute 19: Geht wie eine Katze unter der Tür durch Chiellini und Legrottaglie hindurch, will aus gefühlten zwei Metern über Buffon lupfen, schafft es auch – Ball setzt jedoch auf die Latte.

21:04
Schuss von Diego, halbrechte Position, kullert am Tor vorbei. Schuss von Diego, halblinke Position, in Butts Arme.

21:03
Wir erfuhren außerdem: Butts Auge sieht schon um einiges besser aus als noch am Wochenende. Hätte jetzt einen Flachwitz zur Entstehung des Veilchens parat, lasse ihn aber rücksichtsvoll stecken.

21:02
Wir erfahren: Trezeguet sollte abgeschoben werden. Und das bei der italienischen Einwanderungspolitik und obwohl er schon so lange im Land ist.

21:01
Erste sehenswerte Kombination bei Juve. Camoranesi wird jedoch von der Fahne des Linienrichters gestoppt – zu Unrecht.

20:59
Zürich führt in Mailand. Das ist doch mal ‘ne Meldung wert, während die schnellen Anfangsminuten langsam eine mittelschnelle Anfangsviertelstunde werden.

20:58
Stelle grad mal den Kontrast was größer. Bayern sieht sonst ab und zu wie Juve, Juve wie Bayern aus. Wollen ja keinem zu nahe treten.

20:57
Freistoß Diego aus 40 Metern, halbhoch in den Strafraum, ein Bayern-Körperteil fälscht ab zur Ecke.

20:56
Juves Trikots haben was von Schwarz-Weiß-Fernsehen. Könnte auch noch eins aus dem Schrank holen. Ja, der italienische Liga-Fußball war mal die Premier League der 90er-Jahre und man kaufte sich Trikots – in Holland auf dem Flohmarkt.

20:55
8 Minuten und 37 Sekunden gespielt: Luca Toni im Bild, aber auch ganz schnell raus – Scholl hat angerufen, für die II. eine Sonderschicht angesetzt.

20:54
Trezeguet verwechselt Ottls Beine mit irgendwas Begehrenswertem und kassiert die erste Gelbe.

20:53
ZSKA Moskau aus Wolfsburgs Gruppe hat übrigens bereits 2:1 gegen Besiktas gewonnen. Alle andere spielen noch jung und 0:0.

20:52
Braafheids Bewegungen wecken Reminiszenzen an Sami Kuffour, auch die Nummer passt, wenn ich mich Recht erinnere. Nur wäre Braafheid ein ziemlich unpassender Name für Sami Kuffour. Olli Kahn lässt grüßen.

20:51
Die Bayern in weiß von rechts nach links. Der Ticker in schwarz auf weiß von links nach rechts.

20:50
Im selben Zug die erste dicke Chance für die Bayern in Minute 4: Robben stark auf Müller, der rechts aus spitzem Winkel links neben das Tor lupft.

20:49
Ribéry mit einem ersten gefährlichen Ball in die Mitte. Klose kommt nicht ran.

20:48
Falls Luca Toni im Stadion ist, können wir uns sicher sein, dass Sat. 1 ihn a) suchen und b) finden wird.

20:47
Es pfeift mit Howard Webb ein Engländer.

20:46
Wir kennen ja alle “Agathe Bauer” von Snap. Der Vers “les grandes équipes” in der Königsklassen-Hymne hört sich an wie “Die Dame, sie siegt”. Ein Hinweis?

20:44
Ganz Sat.1-esk dürfen sich die Bayern-Spieler vorstellen. Daniel van Buyten – Achtung, großer Gag – als “Torjäger”. Wie sähe das bei Mario Gomez aus? “Mario Gomez – Chancentod”?

20:42
Naja, ob “fünf Weltmeister” am Start derzeit noch ein allzu großes Qualitätsmerkmal ist, darüber lässt sich mindestens bis Juli 2010 diskutieren.

20:41
Die Bayern mit fünf Eigengewächsen am Start. Da habe noch einer Schelte übrig für die Münchner Jugendarbeit.

20:39
Kommentieren wird übrigens Wolf(-Christoph) Fuss. Nach Jahren voller Meriten im Pay-TV nun endlich mal im Free-TV geprüft. Bin gespannt.

20:36
Ach ja, grade läuft Werbung. Aber das ist vor, zwischen und nach dem Spiel bei Sat. 1 genauso nennenswert wie… ach, eigentlich gar nicht nennenswert.

20:35
Oliver Barth, Matthias Steiner und Veronica Ferres in einer Werbung – das gibt’s sicher nur bei der BILD.

20:34
Für den ersten Hey-wir-sind-ja-bei-Sat.1-Moment hat bereits Armin Veh gesorgt. Hab’ weggehört, nachdem er frohlockte: “An meinen ersten Kuss kann ich mich übrigens noch erinnern.” Aha, wenn das mal nix für “NEON – Unnützen Wissen” ist.

20:32
Und hier die Aufstellungen, exklusiv von kicker.de abgeschrieben:
Die Bayern spielen mit Butt – Lahm, van Buyten, Badstuber, Braafheid – Ottl -T. Müller, Schweinsteiger – Robben, Klose, Ribéry.
Für Juve fangen Buffon – Grygera, Chiellini, Legrottaglie, Grosso – Marchisio, Felipe Melo, Camoranesi – Diego – Iaquinta, Trezeguet an.

20:31
Nach fünf Pflichtspielsiegen in Serie haben die Bayern beim 0:1 in Hamburg federn lassen. Juve siegte zum Liga-Auftakt viermal in Folge, spielte zuletzt jedoch zweimal nur unentschieden gegen Bologna und Genua. Diego traf bislang zweimal, erfolgreicher waren Iaquinta und Trezeguet mit je drei Treffern.

20:30
Nabend zusammen! In 15 Minuten ist Anpfiff. Die “alte Dame” aus Turin hat den Hannibal gemacht und sich über die Alpen nach München begeben. Zwar ohne Elefanten, dafür aber mit Diego. Bei den Bayern heißt die interessanteste Personalie Luca Toni. Der sitzt nämlich nur auf der Tribüne, wenn überhaupt. Vielleicht macht er sich auch mit seinem Trainer, derzeit Mehmet Scholl, einen schönen Abend mit Doppelkopf und Malefiz. Erfolgserlebnisse sind schließlich gefragt.

Im Zweiten wird’s wohl besser – 7. Akt:
Definiere: Krise

Gladbach Motivbild
Freiburg 3:0 Gladbach – vier Niederlagen, vielfältiges Versagen, ein paar Wechselspiele, ein Traum aus dem August und die Definition von Krise.

Der Weg in die Krise ist ironischerweise ein Anstieg. Es wird immer steiler, man kommt kaum noch voran. Ergibt irgendwie auch Sinn. Schließlich wäre es bergab viel zu einfach, ganz krisenuntypisch. Wobei der Negativentwicklung bei der Borussia inzwischen eine gewisse Leichtigkeit des Nicht-Seins innewohnt. Nürnberg, Hoffenheim, Duisburg und nun Freiburg – immer schlechter ist es geworden in den letzten gut zwei Wochen. Anfangs noch gut gespielt und glücklos verloren, dann geführt und kläglich untergegangen, danach untergegangen, ohne zu führen – und jetzt kriegt es der VfL tatsächlich hin, einem zuhause noch sieglosen Aufsteiger 90 Minuten lang unterlegen zu sein.

Dass dieser Trend noch lange kein Grund sei, Trübsal zu blasen, waren sich viele einig. Ganz nach dem Motto: „Alles wird gut – mit Sicherheit, irgendwann, vielleicht“. Michael Frontzeck wollte auch die Ruhe behalten. Gebetsmühlenartig hat er den Finger erhoben und angemahnt, dass Nürnberg, Hoffenheim und Duisburg nicht zur Regel werden dürften. Wurden sie ja auch nicht: Die Art des Versagens ist vielfältig, immer wieder anders, immer wieder traurig. Man kann der Mannschaft beileibe nicht vorwerfen, mit Konstanz auf der Anzeigetafel in die Krise zu schlittern. 0:1, 2:4, 0:1, 0:3 – da ist fast für jeden was dabei. Immer wieder treten dieselben Spieler vor die Mikros. Einerseits Tobias Levels als Kapitän und gestern zwischenzeitlich einziger Deutscher, Thorben Marx ist auch mal dran. Andererseits dürfen die Holländer und Belgier ab und zu sagen, was der Interview-Baukasten des Fußball-Profis anno 2009 noch hergibt.

Das Wort „Krise“ ist ein ziemlich schwammiges. Wie viele Niederlagen müssen es sein, wie viele davon zwangsläufig in Folge? Wie hoch muss man verlieren, darf man denn weiterhin Tore schießen? Sind schöne Tore des Gegners Gutschriften auf dem Krisenkonto oder wird munter abgehoben, wenn Freiburgs Abdessadki mit Wucht aus 25 Metern trifft? Absolut krisenverdächtig wird es, wenn nach drei Pleiten in Serie die personellen Maßnahmen des Trainers wenig bis hin zu exakt dem Gegenteil ihres Ziels bewirken. Stalteri ersetzte den schwachen Jaurès – wohl richtig gemacht. Colautti musste auf die Bank – auf den ersten Blick keine falsche Entscheidung. Reus durfte sich von Beginn an beweisen – ein scheinbar guter Versuch.

Aber: Bradley korrigiert zur Pause das Missverständnis mit Reus. Warum nicht noch einen Sechser bringen und die unterschiedlichen Ausrichtungen der defensiven Mittelfeldspieler künftig in einer isolierten Sechserraute zur Geltung bringen? Fünfzehn Minuten nach der Pause kam Friend für Marx, Frontzeck hatte zweimal gewechselt und damit im Prinzip nur eine Änderung vorgenommen: Ein Stürmer war für Reus gekommen. Und um den Wechsel-Missverständnissen die Krone aufzusetzen, brillierte Moses Lamidi in seiner designierten Rolle als Vorbereiter – und erwarb damit große Sympathien beim SC Freiburg. Oliver Neuville blieb zuhause, weil Frontzeck nicht noch einen Mittelstürmer brauchen konnte und wollte, als der sich der 1,90-Meter-Hüne Neuville bekanntlich seit Jahrzehnten einen Namen macht.

Beruhigend ist es dennoch, dass die Borussia weiterhin auf Platz zwölf steht und – wenn man die Summe aller Eindrücke dieser Saison durch 7 teilt – nicht gerade den krisenverdächtigsten Eindruck in der Bundesliga macht. Es schwebte mir vor, die dreizehnt- oder zwölftstärkste Mannschaft zu werden. Derzeit läuft es wohl auf die siebt- oder sechstschlechteste hinaus. Nur wenige Klubs haben die Fußballwelt seit dem 7. August wenigstens einmal mit der Zunge schnalzen lassen. Der VfL ist dabei – lasst die Korken knallen! Wobei einem spätestens beim Blick auf die Auswärtstabelle noch weniger danach zumute wird. Nur die Hertha hat noch weniger Punkte, beim Torverhältnis kann sie jedoch problemlos mit der Borussia mithalten, die nun seit 319 Minuten ohne eigenen Treffer in der Fremde ist. Jene 41 Minuten in Bochum wirken mittlerweile wie ein schöner Traum – zu schön, um wahr (gewesen) zu sein.

Berlin, Berlin, wir fahr’n nicht nach Berlin:
Zu viel für jede Kuhhaut

Gladbach 0:1 Duisburg – eine schwache Blase, ein Klimax des Schrecklichen, ein Pokal als schlechtes Omen und das Gefühl, verarscht zu werden.

Der Abpfiff musste schon kommen, um die dynamischste, durchdachteste, zielstrebigste und unterm Strich beste Situation des ganzen Abends zu ermöglichen – aus Gladbacher Sicht. Innerhalb von geschätzten zehn Sekunden löst sich (fast) die gesamte Mannschaft in Luft auf und verschwindet in den Katakomben. Nur einer liegt völlig konsterniert auf dem Boden, das Gesicht ins satte Grün gebohrt. Logan Bailly hat alles gegeben, alles Haltbare gehalten und am Ende dennoch alles verloren. Rund 100 Meter weiter südlich feiert der MSV Duisburg den Einzug ins Achtelfinale. Bilder, die weh tun. Doch die Hauptverursacher der Schmerzen bekommen davon nichts mehr mit.

Zwei Stunden zuvor geht es im Borussia-Park noch weitaus fröhlicher zu. 45397 sind gekommen, Zuschauerrekord in der Gladbacher Pokalhistorie. Eigentlich keine Leistung, angesichts des inzwischen schon fortgeschrittenen Alters des „neuen“ Stadions aber irgendwie doch. Eine Serie von elf Pokal-Auswärtsspielen in Serie findet ihr Ende. Lässt man die Erstrundenpartien außen vor, hat sich das Los fünfmal in Folge gegen die Borussia verschworen. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei gut drei Prozent.

Und so musste ich zwanzig Jahre alt werden, um zum ersten Mal ein Heimspiel im DFB-Pokal live mitzuerleben. 1995 nahm eine ansonsten nicht gerade erfolgsverwöhnte Ära mit der Raute im Herzen ihren Anfang. Der VfL gewann durch ein 3:0 im Endspiel gegen Wolfsburg seinen bis heute letzten Titel. Ich klemmte als knapp Sechsjähriger die Gladbachfahne an den Gepäckträger und veranstaltete in der Nachbarschaft einen astreinen Ein-Mann-Fahrradkorso. Als hätte ich geahnt, dass sich die Gelegenheiten, um derart ausgelassen zu feiern, in der Zukunft nicht gerade häufen sollten. Meine größten Erfolge: Zwei Aufstiege und ein aberkannter Sieg beim DFB-Hallenmasters.

Eine Viertelstunde vor dem Anpfiff im Rhein-Niers-Bahn-Derby gegen den MSV Duisburg scheint auch das durchritualisierte Vorprogramm nicht ganz reibungslos über die Bühne zu gehen. Weil die Mannschaften zur Hintergrundmusik des DFB einlaufen werden, erklingt der Triumphmarsch aus „Aida“ viel früher als sonst. Hastig strömen alle vom Bierstand auf ihre Plätze. Wobei es einige dann doch nicht so eilig haben. Zu Beginn der zweiten Halbzeit nimmt ein nicht gerade unwesentlich zu spät Gekommener den Platz direkt hinter mir ein. Er hat jedoch wenig bis nichts verpasst. Die erste Halbzeit stand ganz im Zeichen eines torschusswütigen Minotaurus namens Bobadilla, der sich nicht ganz so zielsicher zeigte wie sein Vorbild aus der griechischen Mythologie. In der DDR hätte es das vermutlich nicht gegeben. Bobadilla wäre in einer anderen Sportart gelandet, in einer, die zum ihm passt. Nicht Fisch, nicht Fleisch verkörpert der Neuzugang von den Grashoppers Zürich. Nicht Stürmer, nicht Mittelfeldspieler. Nicht Vollstrecker, nicht Vorbereiter. 82 Kilo, die offenbar nicht wissen, was sie mit sich selbst anfangen sollen.

Es ist schon merkwürdig, wie unwohl man sich fühlt, wenn man einen anderen Sitznachbarn hat als üblich. Pokal, das bedeutet auch einen Run auf Tickets wie sonst nur auf den Unterhosenwühltisch im Sommerschlussverkauf bei C&A. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. In diesem Fall hat ein junges Pärchen das große Los gezogen. Ihr Schwiegervater in spe hat der Freundin seines Sohnes wohl mal etwas bieten wollen. Sie zeigt über 90 Minuten plus Nachspielzeit in etwa so viel Begeisterung wie ein Weihnachtsbaum am 6. Januar. Ihr Freund will im Prinzip auch lieber Händchen halten und Fummeln, so dass ich ein paar Zentimeter weiter rechts spätestens nach sechzig Minuten auf passive sexuelle Nötigung plädiere. Zumal das Geschehen auf dem Platz meinen Aktionsradius so vergrößert, dass ich ihnen schnell in die Quere komme.

In der Halbzeit habe ich gepokert und mich gegen einen Toilettenbesuch entschieden – woran man deutlich meine Unerfahrenheit in Sachen DFB-Pokal erkennt. Eine Verlängerung hatte ich nun wirklich nicht einkalkuliert. Dass 30 Extraminuten kurz vor Schluss überhaupt noch im Rahmen des Möglichen liegen, hat die Borussia allein ihrem Torwart zu verdanken. Der Rekonvaleszent rehabilitiert sich. Oder, um es auf Deutsch zu sagen: Logan Bailly behält in einem Privatduell mit Änis Ben-Hatira die Oberhand, macht seinen Fehler vom letzten Wochenende gut und müsste jetzt eigentlich eine Art Bonuspatzer in der Hinterhand haben. Nur ist der Fußball eben kein Payback-Programm.

Neuville und Reus kommen für Matmour und Colautti – Erfahrung und Jugend für Tollpatschigkeit und Lethargie. Beides scheint sich zu neutralisieren. Denn Frontzecks Auswechslungen bleiben erneut wirkungslos. Neuville tritt einmal über den Ball. Dann taucht Reus frei vor Starke auf und Neuville nimmt es erneut nicht ganz so genau. Man hat beinahe das Gefühl, alles nach 20 Uhr sei einen Tick zu spät für den 36-jährigen. Bobadilla spielte übrigens durch, zum ersten Mal in seinem siebten Pflichtspiel.

Ich drucke mir innerlich bereits die Route zum Männerklo aus, um die Verlängerung überstehen zu können, da geschieht das Unfassbare. Jaurès wird im Laufduell mit Duisburgs Andersen von seinem eigenen Schatten überholt. Der Borussia-Park raunt, jeder will eingreifen, auf dem Platz tut es niemand. Dann ein Doppelpass, Brouwers springt dazwischen und als Andersens Schuss mit dem Außenrist im Winkel einschlägt, spielt der Puls von 40000 Borussen „Hau den Lukas“ – nur andersrum. Wohl nie zuvor habe ich live im Stadion ein Gegentor mit derart vernichtender Wirkung erlebt. Dass mit Kristoffer Andersen ein Ex-Borusse aus der U23 trifft, setzt dem ungekrönten Tiefpunkt die Krone unter.

Der Ball hat kaum das Netz berührt, schon staut es sich auf den Treppen. Alle wollen raus, so schnell wie möglich. Bloß weg. Als der gute Schiedsrichter Fritz abpfeift, erlebt der Borussia-Park ein Erdbeben der Stärke 7,3 auf der Richter-Skala. Bis auf Meeuwis und Bailly sind alle sofort verschwunden. Der Niederländer bleibt wenigstens auf derselben Erdhalbkugel und bedankt sich von der Mittellinie aus. Gleichzeitig liegt Bailly auf dem Bauch wie ein Maikäfer, der nicht einmal mehr die Kraft hatte sich umzudrehen. Wie muss man sich fühlen, wenn trotz einer Niederlage mit stehenden Ovationen gefeiert wird, während die Mitspieler aus Angst um ihr Trommelfell in die Kabine flüchten?

Fünf Spiele habe ich in dieser Saison bislang vor Ort gesehen. Bochum, Berlin, Mainz, Hoffenheim, Duisburg – wenn man so will, wurde es mit jeder Partie schlechter. Aus anfangs nur einer Niederlage in fünf Pflichtspielen zum Auftakt sind schlagartig vier aus den letzten fünf oder auch drei in Folge geworden. Eine Drei-Tore-Führung zur Pause noch aus der Hand geben – schier unmöglich und auf jeden Fall unglaublich. In fünf Minuten aus einem 2:1 ein 2:4 machen – selbe Kategorie. Ein Last-Minute-Ausscheiden im Pokal gegen einen Zweitligisten, der in den zwei Partien zuvor sieben Gegentore kassiert hatte – zu viel für jede Kuhhaut.

Vor drei Jahren startete der VfL mit vier Siegen aus den ersten sieben Spielen in die Saison. Am 25.10., zwischen dem achten und neunten Spieltag, ging man mit 1:2 im Pokal in Osnabrück baden. Vier Punkte holte die Borussia aus den folgenden elf Spielen, bis zum Saisonende nur noch 14 aus 26. Letzte Saison läutete die 0:3-Niederlage in der zweiten Runde in Cottbus das Ende von Jos Luhukay ein. Der DFB-Pokal ist seit Jahren weder ein gutes Omen noch ein gutes Pflaster gewesen. In zehn Jahren ist Gladbach nun genau zweimal über die zweite Runde hinaus gekommen. Und jetzt dient nicht einmal mehr ein Heimspiel als Starthilfe. Seit dem Pokalsieg 1995 ist die Borussia achtmal an einem unterklassigen Verein gescheitert. So schlecht kann es um das Losglück also nicht einmal bestellt gewesen sein.

„Wir müssen das Spiel genauso ernst nehmen, als ob Bayern München zu uns in den BORUSSIA-PARK kommt“, hatte Max Eberl am Montag noch auf borussia.de angemahnt. Im Vorfeld hatte man getönt, wie entschlossen man den DFB-Pokal in diesem Jahr angehen wolle, getreu dem Motto „Berlin ist der kürzeste Weg nach Europa“. An einem gewissen Punkt weiß man nicht mehr, von wem genau man sich verarscht fühlen soll. Was solche Aussagen angeht hat Max Eberl inzwischen ein Glaubwürdigkeitsproblem, eingebrockt von der Mannschaft. Wenigstens hat die lästige Doppelbelastung nun ein Ende. Mehr als dieser Sarkasmus fällt einem kaum noch ein.

Die Spanne wird immer größer…

…zumindest die zwischen Erwartung und Wirklichkeit.

datgingwohlindiebotz

Trainer Christoph Daum gab zu Protokoll: “Ich kann es kaum erwarten!”.

TuS Union 09 Mülheim via Borussia-Forum

Im Zweiten wird’s wohl besser – 6. Akt:
Obduktionsbericht

Gladbach Motivbild

Gladbach 2:4 Hoffenheim – zwei Tore, vier Gegentore, ein Total-Knockout, eine Langstreckenrakete, viel Martialisches und kein Happy End.

82 Spiele gegen Bayern und Hamburg, 81 gegen Bremen, 76 gegen Kaiserslautern und 74 gegen Köln – verwunderlich ist es nicht, wenn sich nach rund 40 Jahren das eine oder andere Szenario wiederholt. Da kann es durchaus öfter vorkommen, dass man gegen die Bayern kurz vor Schluss eine Führung aus der Hand gibt, in Bremen keine Chance hat oder Köln wiederum keine lässt. Man darf Hoffenheim mit Fug und Recht vorwerfen, dass es keine Tradition habe. Doch die Kraichgauer bemühen sich redlich darum, den Aufeinandertreffen mit Borussia Mönchengladbach etwas Durchschaubares, Kalkulierbares zu verleihen – etwas Traditionelles eben. Manchmal sät man Tradition, indem man schon früh anfängt, immer wieder dasselbe zu tun.

Wir schreiben den 10. Februar 2008. Gladbach gastiert zum ersten Mal im Dietmar-Hopp-Stadion. 6400 kommen, wohl mindestens die Hälfte davon mit der Raute im Herzen. Zur Pause führt die Borussia, als Tabellenführer nach Hoffenheim gekommen, bereits mit 2:0. Doch 1899, damals noch ein wenig mehr TSG als heute, wehrt sich und dreht das Spiel bis zur 69. Minute völlig herum. Zwei Minuten vor dem Ende setzt Demba Ba den Schlusspunkt – 4:2. Daraufhin stürzt die Borussia zum ersten und auch einzigen Mal in Laufe der Mission Wiederaufstieg in eine kleine Krise. Hoffenheim startet eine Serie. Nach fünf weiteren Siegen ist man am 24. Spieltag Zweiter und verlässt die Aufstiegsränge nur noch einmal. Am Ende steigen beide auf. Zu Weihnachten ist der Hopp-Klub Tabellenführer der Bundesliga, Gladbach dümpelt am Tabellenende dem Abstieg entgegen.

Dieses Spiel aus dem Februar 2008, vor nur gut anderthalb Jahren, liegt scheinbar eine oder mehrere Ewigkeiten zurück. Noch fünf Mann aus der Hoffenheimer Startelf von damals laufen auch am Samstag in den Borussia-Park ein. Die Kulisse ist ungleich größer. Fast auf den Fan genau 40000 Zuschauer mehr lassen sich die warme Septembersonne auf die Nase scheinen. Wer als Borusse für die Hoffenheimer Fluktuation nur ein müdes Lächeln übrig hat, sollte sich besser zurückhalten, am besten jedoch vor Scham eingraben: Alleine Tobias Levels hat das 2:4 seinerzeit von Anfang an bestritten. Gut, Daems ist noch verletzt, Friend noch nicht weit genug für die Startelf. Doch Voigt, Polanski, Paauwe, Coulibaly und selbst Marin wirken heute wie Relikte aus einer Zeit, die so weit weg scheint wie Netzer, Vogts und Heynckes, Jupp.

Demonstration südamerikanischer Fußstärke

Nach zehn Minuten One-Touch-Fußball ohne nennenswerten Ertrag, eröffnet Arango – aus dem Jetlag zurück unter den Lebenden – die Ernte. Bobadilla hatte abgelegt, dann zieht der Venezolaner ab und beantwortet die Frage, warum er 2004 von Mexiko nach Mallorca ging: Den USA und ihren Geheimdiensten wird es schlichtweg zu gefährlich gewesen sein, einen Mann mit solch einem linken Fuß in Reichweite ihrer Landesgrenzen zu haben. Arangos Schuss alias Langstreckenrakete aus 20 Metern lässt Hildebrand keine Chance. Ein Tor, um martialisch zu werden.

Sieben Minuten später will Bobadilla diese Demonstration südamerikanischer Fußstärke nicht auf sich sitzen lassen. Von der linken Strafraumecke schickt er ein Präsent in Richtung des Hoffenheimer Tores. Hildebrand kann es kaum erwarten und will sich sofort ans Auspacken machen. Dabei flutscht ihm der Ball aus der Hand, Colautti staubt ab und trifft zum 2:0. Im Nachhinein, wenn man bekanntlich immer schlauer ist, hatte Hildebrands Großzügigkeit wohl eher etwas Verheerendes an sich. Eine gute Viertelstunde ist rum, die Führung macht einen mehr als komfortablen Eindruck. „Immerhin müssten wir uns jetzt schon drei fangen, um noch zu verlieren“, pflege ich in einer solchen Lage immer demütig zu denken. Was noch lange nicht heißt, dass irgendjemand auf mich hören soll.

In der 22. Minute bittet Demba Ba zum Tänzchen an der Eckfahne. Zu spät bemerkt er, dass die zwei Gladbacher vor ihm gar nicht tanzen, sondern nur den Ball annektieren wollen. „Ab durch die Hecke!“, denkt sich der Senegalese, prallt gegen zwei Borussenbrüste und sinkt nieder wie ein getroffener Krieger. Für Szenen wie diese hat man einst das Wörtchen „plump“ erfunden. Schiri Wolfgang Stark fällt drauf herein und nähert sich langsam dem Antonym seines Nachnamens. Noch vor der Ausführung des Freistoßes gibt sich der unter Woche arg Gescholtene etwas synonymiger. Schütze Salihovic will scheinbar die Fläche in Nähe der Eckfahne mit einem im Ball eingebauten GPS-Gerät vermessen. Der Linienrichter zeigt dafür kein Verständnis und signalisiert seinem Chef: „Eine gelbe Karte für Tisch 23, bitte!“.

Doch Salihovic ist hochmotiviert, diesen Blitz-Battle für sich zu entscheiden. Sein Freistoß alias Eckball segelt scharf in den Strafraum. Rückkehrer Logan Bailly liegt quer in der Luft wie Réne Higuita bei einem Hurrikan der Stärke 5. Dementsprechend kurios und erfolglos gerät sein Abwehrversuch (immer noch horizontal über die Torlinie fliegend). Es steht nur noch 2:1. Wenigstens ein gravierender Unterschied zwischen Bailly und Heimeroth steht jetzt schon fest: Selbst Patzer des Belgiers sind einfach spektakulärer und ansehnlicher. Was fürs Auge.

Schiri Stark ganz schwach

Schon nach einer halben Stunde verlegt sich Gladbach optisch aufs Kontern, will die Führung wohl über die verbleibenden 60 Minuten retten. Hoffenheim zieht es Gott sei Dank noch nicht in Erwägung, das Tore schießen ganz oben auf der To-Do-Liste zu notieren. Bis zur Pause gerät Schiri Stark endgültig zum Liebling der Massen. Unter der Woche von italienischen Medien aufgrund seines Auftrittes beim Spiel Inter gegen Barca noch als „Heim-Schiedsrichter“ verpönt, versucht er nun, diesem neu erlangten Ruf vehement entgegen zu wirken. Bei Stark reiht sich zwar nicht eine Fehlentscheidung an die andere. Doch seine fragwürdigen Freistoßpfiffe zu Gunsten der 99er (ich führe das Synonym jetzt einfach mal ein), zermürben jede noch so resistente Fan- und Spielerseele. Nur 13:8 Fouls für die Heimmannschaft verzeichnet die Statistik am Ende. Gefühlt blies Stark 50-mal in die Pfeife. Vielleicht verdiente sich die Hälfte aller Fouls aber dennoch das Prädikat „kann man durchgehen lassen“ – und Stark hätte einen weitaus ruhigeren Nachmittag haben können. So ganz ohne Fouls.

Beide Mannschaften kommen ebenso engagiert aus der Kabine wie sie sich eine Viertelstunde zuvor in die Katakomben aufgemacht hatten. Chancen gibt es dennoch wenige. Das Geschehen wird dominiert von sehenswertem Kurzpassspiel, das jedoch meist wenig bewirkt. Immerhin kann die Borussia von sich behaupten, zur Qualität des Spiels über weite Strecken genauso viel beizutragen wie der Gegner. Doch schon ab der 60. Minute muss sie feststellen, dass Hoffenheim mittlerweile in ganz anderen Sphären agiert, im Stile einer Spitzenmannschaft eben. Vorne wirbeln Obasi, Ba, Eduardo und Salihovic wie eine staubwischende Hausfrau mit Hummeln im Hintern. Hinten räumt Joe Simunic alles weg, was irgendwie wegzuräumen ist – Marke „besonders gründlich“. Andreas Beck macht seine rechte Abwehrseite so zu wie eine Dorf-Eisdiele im Januar. Wenn für die Borussia noch etwas geht, dann über die linke Hoffenheimer Abwehrseite, wo der weitaus schwächere Ibertsberger jedoch nicht wirklich Probleme hat gegen den harmlosen und ausnahmsweise nicht einmal dribbelfreudigen Matmour.

Beck kostete 3,2 Millionen Euro, für Simunic bekam die Hertha Anfang der Saison rund 7 Millionen, genauso viel musste Hoffenheim für Carlos Eduardo berappen. Demba Ba kam einst als 22-jähriger für 3 Millionen aus Belgien, Lyn Oslo durfte sich dank 5 Millionen für Chinedu Obasi die Hände reiben, Maicosuel wurde für 4,5 Millionen aus Brasilien in den Kraichgau gelotst. Knapp 30 Millionen Euro machen in der Schlussphase den Unterschied. Am Niederrhein schweben schon 3,6 Millionen für den 29-jährigen Arango mit dem Anhängsel „Mammutinvestition“ durch den Borussia-Park.

Es kam, alles sahen es, Hoffenheim siegte

Gladbach ist in den letzten Minuten nicht einmal stehend k. o., acht müde Feldspieler – ergänzt von zwei wirkungslosen Jokern namens Reus und Friend – stolpern minutenlang über den Platz wie der virtuelle Weitspringer aus dem Game Boy, wenn er den Balken verpasst und mit dem Gesicht in der Sprunggrube landet. Hilflosigkeit macht sich breit. Das Unheil bahnt sich an. Und niemand sieht sich in der Lage, etwas dagegen zu tun. Mit einem Ausgleich hat sich längst alle Welt abgefunden, die Frage ist nur noch, wie es passieren wird. Am Ende ist die Borussia so kaputt, dass es nicht einmal mehr zu einem dummen Gegentor reicht. Ba, Obasi und Co. hatten zwanzig Minuten lang das Tor von Bailly belagert, dabei meist knapp daneben oder drüber geschossen.

Dann hat Carlos Eduardo in der 86. alle Zeit der Welt, spaziert parallel zum Strafraum entlang und kann beinahe ein Blitzporträt der Südtribüne zeichnen. Sein tödlicher Pass saust mit der Dynamik eines Tetris-Bausteins „I“ in den Sechzehner. Salihovic passt quer und Maicosuel hat alle Zeit der Welt für sein erstes Bundesliga-Tor. (An irgendeinem verregneten Novembertag werde ich mich einmal daran machen und herausfinden, wie viel Prozent aller Bundesliga-Spieler eigentlich ihren Premieren-Treffer gegen Gladbach geschossen haben.)

Man muss nicht einmal honorarmäßig bei Astro TV arbeiten oder „Wahrsagen“ in seinem StudiVZ-Profil unter Hobbies eingetragen haben, um zu wissen, was in den letzten Minuten geschehen wird. Sportsfreund Jaurès und Kollegen beobachten Carlos Eduardo ehrfürchtig dabei, wie er sich nach einer abgewehrten Ecke auf rechts den Ball zurecht legt. Ihr Sicherheitsabstand und ihre Mienen erinnern dabei an nervöse Pathologie-Praktikanten, die aus sicherer Entfernung erstmals in ihrem Leben einer Leber begegnen. Drei Sekunden später wollen sich elf Gladbacher und 46.000 Borussen wohl selbst zur Obduktion freigeben. Obasis Kopfball zum 2:3 sorgt für eine glatte 360-Grad-Drehung der Raute im Herzen.

Das 2:4 von Ba nehmen wohl nur noch zehn Prozent aller Borussen vor dem Fernseher und im Stadion wahr. Auch die Abwehr um Levels, Brouwers und Dante befindet sich spätestens jetzt im Delirium und sieht zu, wie Gladbach zum ersten Mal in der Geschichte des Borussia-Parks vier Gegentore kassiert. Überhaupt gab es das seit mehr als sieben Jahren nicht mehr. Zuletzt, als 1860 München (der andere Klub mit dem vollen Gründungsjahr im Namen) am letzten Spieltag der Saison 2001/2002 mit 4:2 am Bökelberg gewann.

Schwächen stärker als gedacht

Die Elf von Michael Frontzeck gibt somit den zweiten sicher geglaubten Sieg aus der Hand. Macht nach Bochum nun schon fünf verschenkte Punkte, den souveränen aber erfolglosen Auftritt in Nürnberg gar nicht mitgerechnet. Dass dies nicht zur Gewohnheit werden dürfe, erhebt der Trainer nach dem Spiel mahnend den Zeigefinger. Dass derartige Niedergänge mittlerweile mit einem eigenen Artikel in der Vereinssatzung verankert werden müssten, fällt mir nur dazu ein. Alle Welt hat in den ersten Spielen die potentiellen Stärken dieser Mannschaft gesehen und mit offenem Mund bewundert. Jetzt standen die Schwächen auf der Tagesordnung und nehmen mehr Platz ein als manch einer vermutet hätte. Was die Kondition angeht, stellt sich eigentlich nur die Frage, ob Gladbach im Laufe einer Partie zu verschwenderisch mit seiner Energie umgeht – oder schlichtweg zu wenig davon hat. Das Defizit ist unübersehbar. Es abzustellen, dürfte mit fortschreitender Saison und weiteren Länderspielpausen sowie einer Tempoverschärfung des Terminkalenders schwierig werden.

Die hochgelobte Südamerika-Fraktion muss entweder regelmäßig vom Platz, weil sie sich ausgepowert hat und in einer engen Schlussphase eher ein Hindernis ist (Bobadilla). Oder aber sie verlegt sich auf Standfußball, taucht ganz unter und schüttelt nur gelegentlich eine Rakete aus dem Fußgelenk (Arango). Oliver Neuville, in seinen beiden Saisoneinsätzen über mehr als 45 Minuten mit starken Leistungen, spielt anscheinend keine Rolle mehr. Stattdessen kann Colautti sein Phlegma immer noch nicht abschütteln, hatte Glück, dass Timo Hildebrand ihn von einem „mangelhaft“ wenigstens auf ein „ausreichend“ hob. Hinten zeugen inzwischen zwölf Gegentore von den alten Problemen. Entweder die Borussia kassiert mindestens drei Tore (Bochum, Bremen, Hoffenheim) oder höchstens eins (Berlin, Mainz, Nürnberg). Dazwischen scheint wenig zu gehen. Immerhin stehen zuhause konstant zwei eigene Treffer zu Buche. An der Offensive kann es nicht liegen. Wobei defensiv auch im Kollektiv einiges im Argen liegt.

Am Anfang einer Saison können zwei Pleiten in Folge rasant dafür sorgen, dass der Punkteschnitt von Europacup-Niveau in U40-Punkte-Sphären abrutscht. Der „Trend“ ist momentan nicht Borussias „Friend“. Vor der Tür stehen die „Burg“-Wochen mit Spielen gegen Duisburg, Freiburg, Wolfsburg und Hamburg. Alleine gegen Dortmund und Köln wird es nicht architektonisch-mittelalterlich. Am Samstag reichten fünf Minuten für einen schnellen aber schmerzhaften Tod aller Drei-Punkte-Träume.

Herr, erbarme Dich

Ist das Wort “Schutzsperre” nicht eigentlich ein Euphemismus? Kann man jemandem zu Gunsten seines eigenen Wohlergehens aus dem Verkehr ziehen? Die FIFA tut es von 17. bis 23. Mai 2010 – und meint damit alle Teilnehmer der WM in Südafrika.

Das hätte sich Michael Rensing so wohl nie träumen lassen. Nervös zupft der 26-jährige sein rotes Trikot zurecht und blickt kurz auf seine nackten Handflächen. Kein Leder weit und breit. Vor ihm steht Jörg Butt mit den Händen in den Hüften. Dann geht es raus. Im Santiago Bernabéu donnert ein Blitzlichtgewitter sonder gleichen von den Rängen. Hymne, Mannschaftsfoto, Anpfiff. Rensing findet sich auf seiner ungewohnten Position ein – vor der Abwehr, nicht dahinter. Auf der Tribüne, inmitten tausender gezückter Digitalkameras, leuchtet der Kopf Uli Hoeneß noch roter als die Trikots seiner Mannschaft. Es ist der 22. Mai 2010, Endspiel der Champions League in Madrid.

Klingt zunächst nach einem verheerenden Fiebertraum meinerseits. Liest man einen Artikel in der Sport Bild vom Mittwoch genauer, könnte unter Umständen ein Fünkchen Wahrheit dahinter stecken (abgesehen davon, dass sich über das Szenario Bayern/Champions-League-Endspiel streiten lässt). Am 17. Mai setzt die einwöchige Schutzsperre der FIFA ein, in deren Verlauf Spieler, die zur WM nach Südafrika fahren, nicht mehr eingesetzt werden dürfen – sagt die Sport Bild und stimmt so weit auch. Was noch unklar ist: Was passiert beim Finale der Champions League am 22. Mai?

2006 existierte die von der FIFA diktierte Schutzsperre erstmals. Damals galt eine offizielle Ausnahmeregelung für die Königsklasse und für das FA-Cup-Finale. Wobei sich Liverpool und West Ham auf Wunsch von Sven-Göran Eriksson dann doch schon am 13. Mai gegenüber standen, also eine Woche früher als geplant. Damals tauchte die Info bezüglich einer Sonderregelung jedoch bereits Ende 2004 in Berichten des Handelsblattes und der Berliner Morgenpost auf. Da es diesmal (noch) anders aussieht, fragt man sich in diversen Foren, ob das Champions-League-Finale unter Umständen zur Amateurveranstaltung kommt, wenn Barcelona, Real, Chelsea und Co. ihren halben Kader nicht zur Verfügung hätten. Vorstellbar ist das kaum, weshalb es wohl bei einem kurzen Fiebertraum mit Hauptdarsteller M. R. bleiben wird. Wer mehr weiß und Quellen nennen kann, ist herzlich dazu eingeladen, sein Herz auszuschütten.

Anlass des Sport Bild-Artikels waren Terminengpässe der DFL. Am 1. Mai soll(te) der 33. Spieltag der Bundesliga ausgetragen werden. Jetzt hätten die Innenminister der Länder um eine Verlegung gebeten, weil die Polizei an jenem Feiertag vermutlich anderes zu tun hat, als Fußball-Fans durch ganz Deutschland zu begleiten. Ausweichtermin könnte laut Sport Bild der 2. Mai, ein Sonntagabend sein. Der Spielraum ist begrenzt. Bei Hannover-Gladbach und Köln-Freiburg wird Sepp Blatter wohl kein Erbarmen kennen.

Trikotpreise 2009/2010

Was Fans in Deutschland für ein Trikot ihres Vereins bezahlen müssen (Größe XL mit Spielername und -nummer).

Trikotpreise 2009

Während die Preise in der Bundesliga in Teilen eine umgedrehte Tabelle darstellen, dreht die 2. Liga den Spieß um: St. Pauli und Union Berlin haben auch hier die Nase vorn und der FSV Frankfurt erst einmal die rote Laterne inne. Letzteres kann sich noch ändern, sobald der Verein auf meine Mail antwortet und die Preise für die Trikotbeflockung nachreicht.

Bei Rot Weiss Ahlen dauerte es genau 13 Stunden und 26 Minuten, bis die Antwort kam – die gestrige Nacht inbegriffen. Anscheinend war man im Münsterland so begeistert von meiner Anfrage, dass das Kundengewinnungsradar prompt zuschlug. “Nachdem wir einen Zahlungseingang auf unserem Konto verzeichnen konnten, werden wir Ihnen umgehend Ihre gewünschten Fanartikel zukommen lassen”, hieß es freudig-feierlich. (In meiner Mail stand: “…recherchiere gerade für eine umfassende Statistik die Trikot- und Spielerflockpreise aller Profiklubs.”) Ich könne die Preise jedoch auch im Internet einsehen. Doch der mitgeschickte Link ist tot. Kein Wunder, “der Online-Fanshop wird im Moment neu aufgebaut”. So weit war ich Donnerstagabend um halb 11 auch schon. Das kleine Kommunikationsmissverständnis sei den Ahlenern verziehen. Immerhin katapultierte sie die schnelle Antwort auf den Trikotpreis-Relegationsplatz.

Die Nummern einiger Spieler des 1. FC Nürnberg dürften im Frankenland wahrscheinlich weniger reißenden Absatz finden. Für zweistellige Nummern verlangt der “Club” einen Aufpreis von 2,50 Euro. Bei Arminia Bielefeld darf die Fraktion der besonders Kräftigen auch besonders tief in die Tasche greifen: 5 Euro Aufpreis muss der korpulente Armine für ein Trikot der Größe XXXL in Kauf nehmen. Auf dem breiten Kreuz wäre wenigstens Platz für eine dreistellige Nummer. Macht laut Arithmetik à la Nürnberg nochmal 5 Euro mehr. Traditionsbewusst präsentieren sich derweil die Preise bei Hannover 96. Das Gründungsjahr ist im Preis für die Beflockung gleich inbegriffen – 11,96 Euro. Die Elf soll wohl zusätzlich Zusammenhalt in Form des 11-Freunde-Credos symbolisieren. Wenn’s hilft…

Die Bundesliga-Preisspanne von 25 Euro mag manch einer mit Qualitätsunterschieden der Hersteller begründen. Doch warum verlangt der SC Freiburg dann 10 Euro weniger für sein Nike-Trikot als beispielsweise Werder Bremen?

Streifen, wilde Tiere und ein Swoosh

Nike und Adidas streiten sich seit Jahren um die Vorherrschaft auf der rechten Fußballerbrust. Doch wer kommt danach, wer ist im Kommen und wer kommt gar nicht mehr? Die letzten zehn Jahren im Überblick.

Ausrüster Übersicht 10 Jahre

(Ein Klick auf die Grafik sorgt für Klarheit.)

Lange hatte er sich rar gemacht. Doch vor kurzem tauchten erstmals seit mehr als einem Jahr bewegte Bilder von Fidel Castro auf. Was das Regime auf Kuba verschwiegen hatte: Offenbar hat der „Máximo Líder“ in der Zwischenzeit den Ausrüster gewechselt. Statt dreier Streifen auf seinen Schultern prangt nun eine Raubkatze auf der Brust. Man munkelt, es handele sich dabei um einen Puma.

Wie ich jetzt den Schwenk von Fidel Castro auf den Fußball schaffe? Auch auf der rechten Brust der Profiklubs findet ein stetiger Wandel statt. Ausrüster kommen, Ausrüster gehen. Und bei einigen liegt zwischen Kommen und Gehen nicht allzu viel Zeit. Wer trägt heutzutage beispielsweise noch Fila, Globetrotter oder Hummel? Letztere wurden einst von Real Madrid getragen. Doch nicht einmal mehr die dänische Nationalmannschaft hat heute noch den Ausrüster, den sie weltberühmt gemacht hat.

Ein Blick auf die letzten zehn Jahre und insgesamt 23 Sportartikelhersteller, die sich in Liga eins und zwei verewigten – darunter drei Streifen, ein Swoosh, eine Raubkatze, zwei nackte Menschen und ein Diamant.

1. Nike – der Marktführer

Die Hälfte aller aktuellen Bundesligisten hatte Nike in den vergangenen zehn Jahren wenigstens eine Spielzeit lang unter Vertrag. Dennoch musste man seit dem BVB-Titelgewinn 1996 dreizehn Jahre warten, bis mit dem VfL Wolfsburg wieder ein Nike-Klub die Meisterschaft holte – und prompt zur Konkurrenz von Adidas abwanderte. In nur einer Saison seit der Jahrtausendwende belegten die Amerikaner ligenübergreifend nicht den ersten Platz. Ansonsten bedeuten 68 „Swooshs“ in zehn Jahren Rang eins – mit 18,9 Prozent Marktanteil.

2. Adidas – drei Streifen auf Platz zwei

Die Bundesligatabelle im September 2009: Vier der ersten fünf Vereine laufen mit den weltberühmten drei Streifen auf. Adidas taucht diese Saison zudem nur in Liga Eins auf und belegt dort den ersten Platz. Auch wenn Nike ligenübergreifend die Nase vorn hat, verkörpern die Erben von Adi Dassler ein noch größeres Premium-Produkt, verdienen sich die Bezeichnung einer „Dynastie“. Konstanz wird ebenfalls groß geschrieben: Die Bayern, Schalke, Leverkusen und Nürnberg haben in den letzten zehn Jahren nie ihren Ausrüster gewechselt .

3. Jako – [...]

Den Jako-Baade-Konflikt wird so schnell wohl niemand vergessen haben. Viele beteuerten damals, von der Firma aus Mulfingen-Hollenbach noch nie etwas gehört zu haben. Platz drei im Zehn-Jahres-Ranking wird daher überraschen. Zugegeben: Da ein Engagement bei den Bayern und eine Kooperation mit Greuther Fürth gleich stark gewertet werden, spiegelt die Rangliste nicht ganz die wirklichen Marktanteile wieder. Doch dank einer Stellung in Liga Zwei, die fast den Zusatz Vormacht- verdient, rangiert Jako mit großem Abstand zu den Nächstplatzierten auf Rang drei, hatte noch im letzten Jahr gemeinsam mit Nike die Nase vorn, musste vor dieser Spielzeit jedoch erstmals den Absturz auf Position vier hinnehmen.

4. Uhlsport – die fetten Jahre sind vorbei?

Über den neuerlichen Ausfall von Robert Enke wird man sich bei Uhlsport nicht gefreut haben. Denn bei genauem Hinsehen ist jede Parade des Nationalkeepers auch Werbung für den Sportartikelhersteller aus Balingen in Baden-Württemberg. In der Bundesliga taucht man aktuell nur auf den Händen der Fußballer auf. Beim Thema Einheitsball will man jedoch auch ein Wörtchen mitreden. Treuester Kunde von Uhlsport ist seit Jahren der MSV Duisburg. Nach einer zwischenzeitlichen Spitzenposition in der Saison 2002/2003 steht dieses Jahr jedoch nur noch Rang sieben zu Buche. Mit den Ablegern Kempa im Handball und Spalding im Basketball ist Uhlsport zusätzlich in zwei der beliebtesten Mannschaftssportarten präsent.

5. Puma – geradeso im Europacup

Eigentlich kann Puma froh sein, dass Gründer Rudolf Dassler nicht die gleichen Vorlieben bei der Namensgebung hatte wie Bruder Adolf „Adi“ Dassler. Rudidas – das wär’ es nun wirklich nicht gewesen. Stattdessen manifestiert sich die Adidas-Schwester aus Herzogenaurach seit Jahren als Nummer drei der Welt in unseren Köpfen. Zuletzt sorgte Usain Bolt in insgesamt nur 28,77 Sekunden für einen Marketingboom, der seinesgleichen sucht. Trotzdem steht hier nur Rang fünf zu Buche. Kein Jahr mit mehr als vier Engagements in Liga Eins und Zwei – immerhin spielt Puma mit dem VfB Stuttgart Champions League. Hoffenheim soll in absehbarer Zeit folgen.

6. Kappa – Deutscher Meister mit zwei Nackten

Die Tags des Deutschen Meisters 2004: Johan Micoud, Ailton, grün, orange – und Kappa, das auf jedem Meisterfoto mit auftauchte. Die Italiener aus Turin sind bekannt für ihre körperbetonten Trikots und ihr Logo, auf dem eine nackte Frau und ein nackter Mann Rücken an Rücken sitzen. Vielleicht tragen sie auch nur Kappa-Trikots, die so eng am Körper liegen, dass der Eindruck von Nacktheit entsteht. Sie scheint zu telefonieren, ihm ist offensichtlich kalt. In den letzten zehn Jahren war Kappa konstant mit mindestens zwei Teams im Profifußball vertreten, jetzt ist es erstmals nur ein Verein – mit dem BVB jedoch ein äußerst namhafter.

7. Saller – Die Unglücksbringer

Die Region um den 49., 50. Breitengrad kann man mit Verlaub als wahren Ausrüstergürtel bezeichnen: Adidas und Puma in Herzogenaurach, Jako in Hollenbach, Uhlsport in Balingen – und mit Saller aus Weikersheim ein weiterer deutscher Vertreter in den Top 10 der letzten zehn Jahre im Ober- und Unterhaus. Die letzte Spielzeit dürfte auch für Saller eine tränenreiche gewesen sein: Mit Bielefeld und Cottbus stiegen beide Vertragspartner aus der Bundesliga ab. Schon 2004 gingen sowohl der 1. FC Köln als auch Union Berlin eine Klasse runter. Dafür ist Saller diese Saison jedoch so präsent wie nie. Bielefeld und Cottbus blieben im Boot, mit Koblenz kam erstmals ein dritter Verein hinzu.

8. Lotto – Minimalisten aus Italien

Sieben Jahre Mainz, sieben Jahre Gladbach – genug für Platz acht. Die Markteroberung von Lotto erfolgte dosiert und tut es wohl immer noch. Man muss sich nur geschickt positionieren. Auf der rechten Brust zeigt sich die Borussia also weitaus konstanter als auf dem Platz. Auch wenn die Qualität, hier kann ich ja aus eigener Erfahrung sprechen, zeitweise zu wünschen übrig lässt, hat sich Lotto etabliert.

9. Do You Football – Trikots 2.0

Mit 45 Euro ist man dabei. Bei den Bayern geht es selbst für Kinder erst bei 55 Euro los. Bochum, Augsburg, Kaiserslautern, Union Berlin und St. Pauli sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Do You Football – 2004 in der Nähe von Hamburg gegründet und damit einer der wenigen Nordvertreter – belegt aktuell alle drei Aufstiegsränge in Liga Zwei. Irgendwie sinnbildlich für den Aufstieg des jungen Unternehmens, das erst seit 2007 im Profifußball dabei ist und mit fünf Vereinen in diesem Jahr schon die dritte Kraft im Meer der Sportartikelhersteller stellt. Alleine die Firmenhomepage spiegelt nicht ganz die groß geschriebene Leidenschaft wider: Der letzte Eintrag im Fanblog stammt aus dem Juni. In der rechten Spalte fehlt noch immer der 1. FCK bei den „Partnern auf dem Rasen“. Der Kontakt zur Basis funktioniert ansonsten dennoch bestens. 2008 stellte Do You Football ein paar Entwürfe auf der Homepage des FC Augsburg zur Diskussion. Einem 15-jährigen gefiel keiner der Vorschläge so richtig. Also setzte er sich vor seine PC und versuchte sich kurzerhand als Trikotdesigner – ein paar Monate später lief der FCA in seinem Design auf. Wobei das in Zeiten von Photoshop beileibe kein Kunststück mehr ist.

10. Umbro – Der verschwundene Diamant

15 von 16 WM-Teilnehmern liefen 1966 in Umbro-Trikots auf. Vor drei Jahren waren es mit England und Schweden gerade noch zwei. Auch im deutschen Profifußball sucht man den Diamanten seit 2008 vergeblich. Mittlerweile ist Umbro in Besitz von Nike, existiert als eigenständige Marke jedoch weiter.

Die hinteren Plätze

München am 7. Juli 1974: Franz Beckenbauer reckt den Pokal in die Luft, Sepp Maier und Paul Breitner applaudieren, Deutschland ist Weltmeister – in Erima-Trikots. Zwei Jahre später erfolgt der Verkauf an Adidas. 1993 steht das Unternehmen vor dem Aus. Im deutschen Profifußball taucht man erst 2008 wieder auf. Seitdem laufen die Münchner Löwen mit dem bekannten Logo auf, das an eine Mischung aus einem aufgeschlagenen Buch und einem paar Flügel erinnert.

Fila spielte Anfang des Jahrtausends mit dem HSV noch Champions League. Seitdem ging es stetig bergab. Weg vom Bundesliga-Fenster sind die Italiener, mittlerweile in Besitz von Koreanern, schon seit 2003. Reebok ist seit fast vier Jahren in Händen von Adidas und in den großen amerikanischen Profiligen seitdem eine große Nummer. Bis 2003 prangte man auf der Brust der Gladbach Borussia, letzte Saison dann der Schritt in die Gegenrichtung – zum 1. FC Köln.

Hummel ist spätestens seit dem dänischen EM-Erfolg 1992 kein Unbekannter mehr. Under Armour will mit Hannover 96 den steinigen Weg aus dem Nichts der Sportartikelhersteller beschreiten. Lange waren die Amerikaner nur für ihre Thermo-Sportunterwäsche bekannt. Fanworld, Penalty, Dragon Sport und Legea gehören am Ende des Tableaus zu den Eintagsfliegen, die nur ein einziges Jahr in Bundesliga und Zweiter Liga auftauchten.