Monthly Archive for Oktober, 2009

Neu auf’m Platz

Neue Seite75 Berichte von Spielen der Borussia aus Mönchengladbach haben sich in den letzten gut zwei Jahren hier angehäuft.
Wer noch einmal in Erinnerungen schwelgen oder wahlweise seiner sadistischen Ader freien Lauf lassen will, kann dies nun in aller Übersicht tun. Ein Klick auf “Fohlengeflüster” in der oberen Leiste genügt, um zur vollständigen Liste zu gelanden. To be continued.

Definiere: Wir – Definiere: Ewigkeit

Man kann Fremdwörter einfach auf Deutsch übersetzen, zur Not ein Fremdwörterbuch zur Hand nehmen. Man kann ratlosen Kindern aber auch einfach ein You-Tube-Video zeigen. Vermutlich können sie damit ohnehin mehr anfangen als mit antiken Druckerzeugnissen.
In der heutigen Unterrichtsstunde auf dem Plan: Paradoxon, das. Kinder, schlagt bitte Minute 1:28 bis 1:33 auf. Eure Aufgabe: Definiert die Bedeutung von “Wir” und “ewig” mithilfe des Videos. Danke.

Lösung: “Wir” ist neuerdings nicht mehr Pronomen der 1. Person sondern rückt in die 3. Person. Derweil wird “ewig” in seiner Konnotation auf eine Stufe gesetzt mit “öh.. pff… ömm… so lange eigentlich noch gar nicht beziehungsweise gar nicht”.

Im Zweiten wird’s wohl besser – 10. Akt:
Viel Lärm um wenig

Gladbach Motivbild

Gladbach 0:0 Köln – Rouladen, Walt Disney, C.G. Jung, Kaffeefilter, eine Studentenheimkneipe, Bergwertungen, Brüder im Leid, das Ende einer Serie

Am 20. Februar 2005 wählte Schleswig-Holstein einen neuen Landtag. Spanien stimmte über die EU-Verfassung ab. Bei uns zu Hause gab es vermutlich Rouladen mit Semmelknödeln oder etwas anderes, was man sonntags eben so isst. Außerdem empfing Gladbach Schalke um 17:30 Uhr im Borussia-Park. Nachdem Jörg Böhme die Gastgeber vom Elfmeterpunkt in Führung gebracht hatte, besiegelte Ailton mit einem Dreierpack einen weiteren Tiefschlag in einer ohnehin verkorksten Saison.

Landtagswahlen, EU-Verfassung, Rouladen und eine Niederlage – allzu spektakulär mutet das nicht an. Auch der 06. Mai 2006 hat sich nicht gerade als wegweisend und prägend in der Weltgeschichte hervorgetan. Die Aktionäre des Trickfilmstudios Pixar stimmten der Übernahme durch Walt Disney zu. Die Bayern besiegelten auf dem Betzenberg in Kaiserslautern die Meisterschaft. Und im Borussia-Park trafen sich zwei Mannschaften zu einem wertlosen Spiel, wie es bislang wohl an jedem 33. Spieltag der Bundesliga-Geschichte zu beobachten war. Gladbach ging kurz vor Schluss durch Wesley Sonck mit 2:1 in Führung. Doch eine Minute vor dem Ende gelang Hannover 96 durch Vinicius noch der Ausgleich. Aufregend ist anders.

Dennoch stellten beide Daten bis zum 24. Oktober 2009 den jeweiligen Beginn einer Serie dar. Beim 1:3 gegen Schalke saß ich letztmals vor dem Fernseher, während in nur 20 Autominuten Entfernung im Borussia-Park vor mehr als 50000 Zuschauern der Ball rollte. Das 2:2 gegen Hannover war das letzte Heimspiel überhaupt, das ich nicht live vor Ort erlebte. Ich saß, wie so oft in jener Saison, in einem kleinen Café in Texarkana, Texas, genoss zwei Donuts mit Blaubeer-Füllung und malträtierte die F5-Taste.

Seitdem habe ich 55 Heimspiele in Folge besucht, bin in der Nordkurve abgestiegen, aufgestiegen, nicht abgestiegen und wieder im Keller angelangt – egal ob bei 33 Grad oder bei Minus 8. Ich weiß, es gibt Serien, die weitaus mehr beeindrucken. Doch im Prinzip ist es ja in erster Linie der Seelenschmerz, den diese Zahl 55 repräsentiert (genau wie eine 37, eine 123 oder eine 796). Jeder, der das Ende einer solchen Serie schon einmal hinnehmen musste, wird diese merkwürdige Art der Hilflosigkeit mit Sicherheit bestens nachvollziehen können.

Strickleiter der Schicksalsverschwörung

Nun kann es vorkommen, dass man mit 57 Grad Fieber im Bett liegt und das Spiel nur verfolgen könnte, wenn das städtische Krankenhaus Räumlichkeiten in Block 13A bis 15A anmieten würde. Es gibt tragische Zwischenfälle im Leben, in denen alles, wirklich alles in den Hintergrund rückt. Und es gibt Seminare an der Uni, die sich „Einführung in die wissenschaftliche Arbeit“ nennen und an einem Samstag von 10 bis 17 Uhr darüber informieren, warum Wikipedia keine angesehene Quelle ist und man sich die Erkenntnisse der Analytischen Psychologie von C.G. Jung nicht auf die eigene Fahne schreiben darf, indem man An- und Abführungszeichen boykottiert. Irgendjemand hat dafür den verabscheuungswürdigen Euphemismus der „Wahlpflicht“ erfunden. Denn Pflicht ist es. Eine Wahl bleibt keine.

Man kann die Schicksalsverschwörung an dieser Stelle noch weiter stricken: Im Zeitalter des bis zur Unkenntlichkeit zerstückelten Bundesliga-Spieltags ist es nicht mehr so unwahrscheinlich, dass die eigene Mannschaft freitags, samstagabends oder sonntags ran muss. Und selbst wenn, dann könnte es ein Auswärtsspiel sein. Wenn nicht, dann könnte der Gegner noch immer Hannover 96 oder (der Fußballgott hab’ sie selig) Arminia Bielefeld heißen. Neben der oben erwähnten Punkte bezüglich Wikipedia und C.G. Jung kann ich nun mit relativer Sicherheit sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass alle Stricke derart reißen liegt in etwa bei 1:55. Kaufen kann ich mir dafür aber nicht einmal einen Colakracher am Kiosk.

Vor ein paar Jahren hatte ich Karten für das berüchtigte Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, das später dank dreier Punkte gegen den Abstieg und seiner elektrisierenden Stimmung zur Borussia-Park-Legende wurde. Zeitgleich hatte ich jedoch die Idee, mir meine Französischkenntnisse schwarz auf weiß bescheinigen zu lassen. „DELF“ nannte sich die Prozedur. Für die mündliche Prüfung musste ich nach Düsseldorf – samstags um halb zwei. Also setzte ich mich für 20 Minuten mit einem Text über das Fernsehen auseinander, französelte mich in der Prüfung vor lauter Eile in einen wahren Rausch und verließ das Gebäude um viertel nach zwei in Richtung S-Bahnhof. Auf der Toilette schmiss ich das Hemd eben in den Rucksack, zog das Trikot über, band mir den Schal um den Hals. Ankunft am Gladbacher Hauptbahnhof um kurz nach drei. Die Mannschaftsaufstellung war gerade bei Marcell Jansen angelangt, als ich aus dem Shuttle-Bus stieg. Den Triathlon beendete ich nach den Teildisziplinen Französisch und ÖPNV mit einem Sprint in den Block. Als der Refrain der „Elf vom Niederrhein“ zum ersten Mal ertönte, war ich da.

Man nimmt so vieles auf sich, um den Stadionbesuch irgendwie in den Rahmen namens Leben zu pressen. Konstellationen wie diese gab es nicht nur einmal in den letzten Jahren. Doch irgendwie hatte es immer hingehauen. Bis zum 24. Oktober 2009 – Derby-Tag.

Der Derby-Tag beginnt – im Hörsaal

Um 12:41:28 Uhr vibriert es erstmals in meiner rechten Hosentasche. „Es geht los. Ampel voll auf grün. Ich bin so nervös“, lässt mich meine Mutter am wirklich elementaren Geschehen außerhalb des Dortmunder Campus teilhaben. Die ominöse Ampel dürfte vielen noch aus der letzten Saison bekannt sein. „Grün“ stand für Sieg. Doch das damals zuverlässige Orakel hat inzwischen seinen Geist aufgegeben. Exakt 137 Sekunden später vibriert es zum zweiten Mal. Nils schickt die nächste SMS und gibt mir zum zweiten Mal das wohltuende, aber dennoch nicht völlig tröstende Gefühl, diese schweren Stunden nicht alleine durchstehen zu müssen. Er setzt seine Prioritäten jedoch etwas anders: „Situation Bahnhof ist harmlos, Bier im Bus möglich“.

Zuvor habe ich meinen Samstagvormittag vornehmlich damit verbracht, mich über das Laub auf den Gleisen der S1 zu ärgern, die mal wieder ausfiel. Über den Kaffeefilter, der schon zum dritten Mal diese Woche schlapp machte und das Endprodukt in der Kanne in Qualitätsfragen auf eine Stufe mit Mokka Fix stellte. Über die großstädtischen Preise bei einem bundesweit bekannten Großbäcker, bei dem ich mich eindecken musste, weil zuhause nicht genug Zeit für ein wenig Tagesproviant blieb (vgl. „Kaffeefilter“). Nun beginnt der Tag um kurz vor eins zum zweiten Mal. Zum ersten Mal jedoch bemerke ich es.

Bereits unter der Woche hat der Professor angedeutet, die Prozedur nicht wirklich bis 17 Uhr durchziehen zu wollen. Um 14 Uhr macht er dann noch konkretere Andeutungen, dass das Ende nah sei. Unweigerlich kratzt mein Puls an der Dreistelligkeit. Selbst Jens Lehmann würde es um 14:37 Uhr kaum noch rechtzeitig mit dem Heli ins Stadion schaffen. Blöd zudem, dass das Semesterticket ohnehin nur für Bus und Bahn gilt. Also danke ich Gott und Professor innerlich für ihre Milde und freue mich darauf, das Derby wenigstens in irgendeiner Kneipe gucken zu können.

Im Dortmunder Exil bin ich vereinstechnisch weitgehend auf mich alleine gestellt. Es wimmelt von BVB-Fans, Königsblauen und Bochumern. Ein paar wenige Zebras, Bayer-Anhänger und ein Stuttgarter sind dabei. Einer ist nicht nur Mitglied beim Rekordmeister, sondern besitzt in den Minuten vor dem Ende des Seminars sogar die Dreistigkeit, das aktuelle Stadionheft der Bayern zu lesen. Mein Puls kratzt derweil nicht mehr nur an der 100, sondern hält sie konstant. Manchmal kann ich es nachvollziehen, dass manche Leute zur Beruhigung auf einen Schnaps schwören.

Nervöses Wrack in einer Wohnheimkneipe

Mit knapp zehn Kommilitonen finden wir kurz vor Anpfiff in einer Studentenheimkneipe Zuflucht, die den Charme eines Jugendheimes versprüht. Doch der Flachbildfernseher hätte meinetwegen an der Eiger Nordwand hängen können. Hauptsache er ist da.

Mein Vater vollendet die Trilogie „Wir denken an Dich“ mit einem Anruf zur „Elf vom Niederrhein“. Kurz vor „Und geht das Spiel auch mal verlor’n“ legt er auf. Keine Ahnung, warum. Nächste Erkenntnis: Man kann am Handy keine Gänsehaut bekommen.

Als sich München, Sinsheim, Hannover, Mainz und Mönchengladbach in der Konferenz zu Wort melden, leuchtet mir das nächste Novum ein: Wann habe ich schon einmal vor dem Fernseher gesessen und den Schrei „Tooor in Gladbach“ herbeigesehnt? Höchstens beim Stand von Null zu hohe Zahl bei irgendeinem vergeigten Auswärtsspiel, als das Umschalten auf die Konferenz die einzige Option war, auch den nächsten Tag noch glücklich verbringen zu können. Aber der Wert eines Torschreis sinkt bei diesem Spielstand ohnehin gen Nullpunkt.

Lange 24 Minuten dauert es, bis sich etwas regt. Ivanschitz trifft für Mainz zum 1:0. Meine Herzfrequenz erlebt beim Wort „Tooor“ einen Ausreißer, der auf meinem Kardiogramm dieses Samstags aussehen dürfte wie der erste Anstieg einer Hochgebirgsetappe bei der Tour de France. Beruhigt hole ich mir bei „in Mainz“ die ersten Bergpunkte ab und fahre gemütlich ins Tal.

Wie der werdende Vater in Ruanda

Einerseits spielt sich bei mir oscarreifes Kopfkino ab, wenn die Konferenz gerade nicht im Borussia-Park weilt. Bilderreich male ich mir aus, wie Marx auf Reus passt, der auf Außen Arango schickt und Colautti die scharfe Hereingabe des Venezolaners mit dem Kopf in die Maschen wuchtet. Andererseits hat der Gedanke an ein 5:0, über das alle Beteiligten noch auf der Konfirmation ihrer Enkel stundenlang referieren würden, auch keinen Freifahrtsschein. Eine merkwürdige Form des Egoismus richtet Umweltzonen in meinem Kopf ein und für einen Kantersieg gäbe es mit Sicherheit keine grüne Plakette.

Kurz vor der Pause bin ich solch ein nervöses Wrack, dass ich selbst zusammenzucke, wenn irgendein Kommentator in einem entlegenen Container „Tooor“ schreit – und das Geschehen in Gladbach gerade live auf dem Bildschirm zu sehen ist. Ishiaku hat schließlich noch das 0:1 auf dem Fuß. Einen Augenblick lang finde ich mich bereits damit ab, dass dieser Tag nicht nur kein gutes sondern ein schlechtes Ende nehmen wird. Zweite Bergwertung.

Ähnlich wie ich in der Halbzeit muss sich ein werdender Vater fühlen, der irgendwo zwischen zwei Funklöchern in Ruanda steht und sich die Neuigkeiten aus dem Kreißsaal in Sprockhövel abholt, wo seine Frau seit 45 Minuten mit den Wehen kämpft. Mein Ruanda heißt Dortmund, mein Kreißsaal Borussia-Park. Nicht mit den Wehen, dafür aber mit sich selbst kämpft der VfL. (An der Stelle Verein – Frau hakt der Vergleich. Bitte, das zur Kenntnis zu nehmen.)

So aufsehenerregend wie ein Nackter am Nudistenstrand

Um kurz vor fünf springt der Zähler für Jubel-Askese auf 500 Minuten. Mehr als acht Stunden Fußball liegen mittlerweile zwischen der letzten Becker-Faust, dem letzten „Jaaa!“ und der Gegenwart. Ein königsblauer Kommilitone empfindet in der Schlussphase sogar schon so viel Mitleid, dass er sich ebenfalls das siegbringende 1:0 wünscht, nur um mein nervgetötetes Äußeres nicht länger mit ansehen zu müssen. Vollmundig verspreche ich eine Runde, falls das kaum zu Erwartende doch noch eintreten sollte. Ein Blick ins Portemonnaie sichert das Versprechen ab. Plötzlich habe ich ein halbes Dutzend Brüder im Leid.

Das Spiel selbst erregt derweil weiter so viel Aufsehen wie ein Nackter am Nudistenstrand. Falls Sky sozialistische Wurzeln hat, müsste ich exakt 18 Minuten live gesehen haben. Was im Umkehrschluss jedoch nicht bedeutet, 72 verpasst zu haben. Eine Freistoßorgie von Arango, bei der ich dauernd einen „First Down“ nach zehn Yards Raumgewinn fordern wollte, ein Kopfball von Brouwers, den Brecko auf der Linie klärte, ein Fast-Eigentor von Mohamad, das die Borussia dem Siegtreffer am nächsten brachte – mehr ist mir heute, am Tag danach, nicht mehr im Gedächtnis geblieben.

Der schönste Moment des Tages ist demnach ein fiktiver: Völlig glückselig sehe ich mich über den Boden der Wohnheimkneipe rollen, den Wirt herzen und der gesamten Uni eine Runde spendieren. Während andere Fans andauernd in realita erleben, wie schön ihr Dasein als Anhänger eines bestimmen Vereins sein kann, werde ich dank Gladbach immer wieder zum Science-Fiction-Freak. Am Ende kann ich mit Fug und Recht behaupten, maximal wenig verpasst zu haben. Hoffentlich hat der schwelende Konflikt vorerst den Gipfel seiner ganz eigenen Bergwertung erlebt. Was die Deeskalationstaktik der Stadt angeht, ist wenig Nennenswertes diesmal viel. Aus sportlicher Sicht bleibt das Wörtchen „wenig“ seiner Bedeutung jedoch vollends treu. Das Warten auf die Wende geht weiter.

Mehr als drei Jahre wird es dauern, bis es wieder nennenswert wäre, zu erwähnen, dass die „Elf vom Niederrhein“ ohne mich ertönte. Im Dezember wird es jedoch schon wieder so weit sein. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass 55 Heimspiele in Folge bis an mein Lebensende als persönliche Bestleistung Bestand haben werden. Am 12.12. empfängt Gladbach Hannover. Ich sitze zeitgleich in einem Seminar, das sich „Narrative Darstellungsformen“ nennt und mir beibringt, wie ich als Journalist am besten Geschichten erzähle. Die nächste gibt es trotzdem schon in einer Woche. Ohne Seminar, dafür aus Hamburg.

Vor dem Derby: Balanceakt auf dem Nylonfaden

Köln, dieses Jahr im März:

Es war ein Tag zwischen Himmel und Hölle. Mit jeder einzelnen Facette, die ein Fußballspiel mit seinem Drumherum bereithalten kann, ohne irreal zu wirken. Auf Vieles hätte ich verzichten können. In einigen Momenten habe ich sogar daran gezweifelt, ob es überhaupt Sinn macht, Wege wie diese noch anzutreten, solange ein Vater mit seinem kleinen Sohn nicht zu einem Auswärtsspiel fahren kann, ohne ein Risiko für sein Kind einzugehen, das er in keiner anderen Lebenslage jemals eingehen würde. Es muss etwas passieren. Risikospiele wie diese häufen sich und wir, also all jene, die dies mit Bestürzung und Wut wahrnehmen, sind relativ hilflos. Gladbach und Köln treffen im Jahr zwar nur zweimal aufeinander. Trotzdem eskaliert die Situation zweimal zu oft. Ich weiß nicht, wie diesem Problem auf Dauer beizukommen ist. Ich bezweifle auch, dass jemand diese Frage aus dem Stehgreif beantworten kann. Geisterspiele? Klar, das könnte einiges lindern. Aber wo ist der Fußball, wenn diejenigen, die ihn zu dem wertvollen Kulturgut machen, das er in unserer Gesellschaft zweifellos darstellt, nicht mehr dabei sein können? Fragen über Fragen, wenige Antworten.

Ein gutes halbes Jahr danach sind wir noch immer nicht schlauer. Gladbach wird morgen einer Festung gleichen. „Wir sind doch nicht im Krieg“, monieren einige sinngemäß. Eine treffende Bezeichnung gibt es jedoch wohl auch nicht. Jedem Ordnungshüter wird die schulklassenähnliche Zahl von 38 Zuschauern an die Hand gegeben. Das ist sowohl traurig als auch gut. „Es mag zwar sein, dass die Polizei sich in Sachen Deeskalation geschickt angestellt hat, um Schlimmeres zu verhindern. Bliebe nur noch die Frage zu beantworten, warum Prävention unmittelbar am Stadion augenscheinlich ein Fremdwort gewesen ist“, schrieb ich nach den Vorfällen beim letzten Derby. Diesmal würde es im Nachhinein wohl anders aussehen. Doch was machen wir, wenn die Maßnahmen erneut ihre Wirkung verfehlen?

Ich werde morgen nicht im Stadion sein. Zum ersten Mal seit 55 Heimspielen. Das tut weh. Auch wenn der Weg in den Borussia-Park schon einmal ein leichterer gewesen ist. Der Grund für mein Fernbleiben ist aber keine Kapitulation vor irgendwelchen Entwicklungen in Sport und Gesellschaft, die mich ehrlich gesagt sehr beunruhigen. Ich werde zeitgleich in einem Seminar für wissenschaftliches Arbeiten an der Uni sitzen und beten, dass der Professor ein Einsehen hat und die Prozedur nicht wirklich bis 17 Uhr durchzieht. Zumal er Soziologe ist und morgen Anschauungsmaterial en masse bekäme.

Einen Bericht wird es bis Sonntagabend übrigens trotzdem an dieser Stelle geben. Er wird naturgemäß nur anders aussehen.

Live im Ticker ab 20:30 Uhr: Champions League – Girondins Bordeaux gegen Bayern München

Girondins Bordeaux – Bayern München 2:1 (2:1)

22:50
Auch wenn es schwer fällt: Für den Rest des Fußballabends muss ich Euch und Sie leider in die Hände von Johannes B. Kerner und Franz Beckerbauer geben. Danke fürs Vorbeischauen!

Ich bin raus hier.

Man liest sich!

22:47
Real – Milan 2:3 (Pirlo, Pato, Pato für Milan)
Zürich – Marseille 0:1 (Gelb-Rot für OM-Verteidiger Bonnart)
Chelsea – Atlético 4:0 (keine Platzverweise, dafür laut kicker.de jedoch ein Eigentor in der 20. Minute der Nachspielzeit)
Porto – Nicosia 2:1 (zwei Tore von Hulk, Mariano Gonzalez sah deshalb aber noch lange nicht grün sondern rot)

22:42
Hier die anderen Endergebnisse:
Juventus – Haifa 1:0 (Chiellini trad kurz nach der Pause per Kopf, Haifas Dutra sah Rot)
Wolfsburg – Besiktas 0:0 (Rot für Grafite nach einer Tätlichkeit!)

22:40
Unterm Strich erwischten die Bayern – selbst, wenn man die Platzverweise außen vor lässt – keinen guten Tag. Schließlich fiel ein Treffer vor Müllers Ampelkarte und das halbe Eigentor von Altintop hätte er wohl kaum verhindert. Danach ging wenig. Toni vergab die dickste und im Prinzip einzige dicke Chance um 2:2. Auf der anderen Seite dribbelte sich Jörg Butt erst um Kopf und Kragen, verhindert mit zwei parierten Elfer dann ein Debakel à la Lyon.

22:37
Wir fassen mal zusammen: Anderthalb Eigentore, zwei Platzverweise, ein gedrehtes Spiel, zwei verschossene Elfer, einmal Pfosten. Nicht schlecht. Dem französischen und dem neutralen Beobachter hat es Spaß gemacht. Der Bundesliga-affine und bayerische wird sich die Haare raufen.

90.+3
Ach ja, noch immer kein Ende. Einwurf Pranjic. Prompter Konter über Gourcuff. Dann ist Feierabend. 2:1.

90.+2
Gomez mit <10 Ballkontakten. Könnte man einen negativen Bereich für ihn empfinden, sollte man es tun. Doch es geht nicht. Leider.

90.+1
Den dritten Elfer für Bordeaux gibt es nicht. Butt will kurz protestieren, lässt es dann doch sein.

90. Minute
Drei Minuten gibt es oben drauf.

89. Minute
Der Mann kann sie nicht nur schießen – er hält sie auch. Butt entschärft den zweiten Elfer des Spiels und darf es sich langsam allein auf die Fahne schreiben, dass die Bayern nur ein Spiel und zwei Spieler, und nicht ihren Kopf verlieren.

88. Minute
Wieder gehalten!!!

88. Minute
Leck mich die Socken, die II. – wieder Elfer für Bordeaux, van Buyten reißt Chamakh um und sieht Rot.

87. Minute
Spielt Diarra eigentlich nicht mehr? Der “Ex-Bayer”-Zähler stagniert bei 2. Kompliment, Herr Fuss! Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ihm nie der Gesprächsstoff ausging.

86. Minute
Man wird es nie mehr herausfinden. Aber lehne mich mal im 65-Grad-Winkel aus dem Fenster und behaupte: Auch mit elf Mann über 90 Minuten wäre das heute eine verdammt schwierige Geschichte geworden für den Rekordmeister.

84. Minute
Nächste dicke Chance für Bordeaux, nachdem es Tremoulinas aus der Distanz versucht hat. Im Anschluss findet Plasil keinen Abnehmer in der Mitte. 15:3 Torschüsse für die Gastgeber.

83. Minute
Badstuber fand die Aktion, die zum Elfmeter führte, so genial, dass er es gleich noch einmal sehen will. Doch Butt nimmt die Vorlage nicht an und pfeffert den Ball lieber in Richtung Freiheitsstatue.

82. Minute
Freistoß, die gefühlte 723. – Gourcuff stellt Butt nicht allzu sehr auf die Probe. Obwohl der neuerdings ja eher der Typ “Dribbler” ist.

80. Minute
Nach relativ temporeichen und turbulenten zehn Minuten ist jetzt etwas Ruhe eingekehrt. Wäre ich jetzt Fan von Girondins und würde die Bayern kennen, bekäme ich Angst.

79. Minute
Derweil sorgt der VfL Wolfsburg dafür, dass der Champions-League-Spieltag aus deutscher Sicht nicht völlig dem Bach hinunter geht. Ein 0:0 zuhause gegen Besiktas ist dort aber sicher auch nicht das Optimum.

78. Minute
Geschweige denn ein Tor von Mario Gomez. Der ist gerade für Toni gekommen, Ottl für Tymoshchuk.

77. Minute
Ein doppelt gedrehtes Spiel würde da zwar blendend in die Reihe passen. Doch das wäre zu viel des Verrückten.

76. Minute
Eigentor, Platzverweis, halbes Eigentor, gedrehtes Spiel, verschossener Elfer – was fehlt? Eigentlich nichts, oder?

75. Minute
Die Bayern setzen ihre Unterschrift unter das 1:2 ?! Pranjic kommt für Klose.

73. Minute
Der Keeper der Franzosen segelte gekonnt unter einer Tarnat-Flanke von van Bommel hindurch. Toni muss den nicht an den Pfosten setzen, kann er aber. Wie gerade gesehen.

72. Minute
Carrasso mit Anflügen von ADHS – Toni trifft mit dem Kopf den Pfosten.

72. Minute
Spieltag der gedrehten Spiele? Gestern Lyon gegen Liverpool und Urziceni gegen Glasgow, heute Bordeaux gegen München und Milan gegen Madrid – nach 0:1 bei allen mindestens 2:1.

70. Minute
Wo ist eigentlich Oliver Pocher?

68. Minute
Franz Beckenbauer sehr weise: “2:1 für Bordeaux und mit 10 Mann, gerade auch noch einen Elfmeter verschossen. Bordeaux auch noch numerisch überlegen.” Gut, dass es Leute gibt, die hier noch den Überblick behalten!

66. Minute
Gehalten! Gourcuff hat zu viele Ribéry-Videos geguckt und scheitert mit halbem Panenka an Butt. Der macht seinen epischen Klops wieder gut: Hatte sich in ein Dribbling (!) im eigenen Strafraum (!) verwickeln lassen, brachte Chamakh etwas Playstation-like zu Fall, als der sich gerade den Ball schnappen wollte.

66. Minute
Leck mich die Socken! Elfmeter für Bordeaux. Lasse Gourcuff erstmal schießen.

65. Minute
Klose holt allein auf weiter Flur einen Eckball heraus. Die Bayern jetzt zumindest wieder existent in der Offensive. Doch schon ergeben sich Räume für Bordeaux. Es geht derzeit schnell hin und her.

63. Minute
Seit Uli Hoeneß seine geheimen Elektroden nicht mehr bei Thomas Müller einsetzen kann, nutzt er die in Terje Hauges Brusttasche voll aus. Nächste Verwarnung für Tymoshchuk. Auch hier zurecht.

62. Minute
Schweinsteiger flankt von der linken Strafraumecke in die Mitte. Doch Toni läuft etwas unbeholfen mit dem Knie gegen den Ball, als wolle er wie ein 5-Jähriger eine Welle im Golf von Biscaya brechen.

61. Minute
Standards sind derzeit die einzige Hoffnung der Bayern. Badstuber darf weiterhin ran bei Ecken. Diesmal jedoch ohne Ertrag.

60. Minute
Sat.1 nutzt die gedrückte Stimmung und wirbt für “Kerner”.

59. Minute
Tremoulinas bricht auf der linken Seite durch, will zurücklegen, doch Tymoshchuk klärt in der Not.

58. Minute
Man kann den Bayern nicht vorwerfen, dass sie sich aus Ehrfurcht vor Gegner und Unterzahl Baldrian eingeworfen haben, um sich jetzt völlig einzuigeln. Aber mit zehn Mann geht gegen gut stehende Franzosen, die sicher den Ball in den eigenen Reihen halten, traditionell wenig.

55. Minute
Vor acht Minuten hab’ ich es noch gesagt, jetzt ist auch das Makulatur: Juve ist gegen Haifa in Führung gegangen. Derweil sieht Gourcuff die nächste Gelbe.

53. Minute
Jetzt dürfen die Bayern mal. Badstuber bringt den Ball von rechts herein. Carrasso scheint sich in der Halbzeit einen genehmigt zu haben und kämpft kurz mit der Justierung seiner Arme. Fängt den Ball dann aber doch sicher.

52. Minute
Tymoshchuk legt Chamakh, Schiri Hauge pfeift – doch keine Angst, der Marokkaner sieht Gelb für eine Schwalbe. Kein Freistoß.

51. Minute
Einwurf für die Bayern. Hießen die Bordeaux, müsste man jetzt gut hinsehen.

50. Minute
Zählt man den Pokal nächste Woche schonmal mit, dann hat sich das Free-TV in drei der letzten drei Fälle für die Bayern und gegen Wolfsburg sowie andere Pokalprotagonisten entschieden. Gegen Juve vor ein paar Wochen ließ sich darüber streiten, ob die Entscheidung richtig war. Das Pokal-Achtelfinale gegen Frankfurt wird sich auch noch beweisen müssen. Die heutige Wahl geht jedoch in Ordnung. Zumal ich mein Tor-Versprechen gehalten habe und den Suaheli-Kurs wieder absagen kann.

47. Minute
Glück für die Bayern, dass Juve bislang gegen Haifa scheinbar auch noch nicht – frei nach Guido Westerwave – the yellow from the egg zeigt.

46. Minute
Weiter geht’s.

21:42
Unnützes Wissen: Beide Protagonisten des Abends sind nach ihrer geografischen Herkunft benannt. Die einen nach einem Mündungstrichter, die anderen nach einem – nun ja – Bundesland (was es bei der Gründung ja noch nicht war).

21:41
So. Ordnung muss sein.

21:40
Erstmal etwas aufräumen hier: Oben steht ja gar nicht der aktuelle Spielstand.

21:39
Also holen wir das schnell nach:
Juventus – Haifa 0:0
Wolfsburg – Besiktas 0:0
ZSKA Moskau – Manchester 0:1 (bereits beendet)
Real – Milan 1:0
Zürich – Marseille 0:0
Chelsea – Atlético 1:0
Porto – Nicosia 1:1

21:36
Woran man merkt, dass ein Spiel genug Schreibstoff bietet – und mein W-Lan kurz ausgetickt ist: Die letzten Zwischenstände aus dem Rest Europas gab es in Minute 26.

21:34
Auf RTL steht Peter Zwegat vor einem Brunnenloch. Blickt auf ein Kind namens FC Bayern, das dort hinein gefallen ist. “Ich bin noch ein wenig fassungslos”, gesteht der Schreck aller Schulden. Gott sei Dank ist jetzt auch dort Werbung. Nachher hätte ich noch einen RTL-Ticker gestartet.

21:32
Fuss schmeißt die Bela-Réthy-Faktenmaschine an. Doch die Info kann man sich ruhig mal geben: Die Bayern haben zuletzt ein Champions-League-Spiel nach Führung verloren – im Mai 1999. In Barcelona. Gegen Manchester

45.+2.
Wenn man so will, haben die Bayern in 419 Minuten nur einen eigenen Treffer erzielt. Jetzt ist Pause.

45.+1.
Kommentator Fuss droht schon mit Mario Gomez. Das dürfte Klose und Toni genügend Angst einjagen.

45. Minute
Bevor die Bayern sich Cianis Eigentor nachträglich verdienen konnten, traf der zum 1:1. Müllers Platzverweis und Altintops halbes Eigentor zum 1:2 haben der ersten Hälfte inzwischen das Prädikat “zum vergessen” verliehen.

44. Minute
Die Bayern dürfen sich im Standard-Festival versuchen. Schweinsteigers Hereingabe von rechts findet diesmal jedoch weder ein Gegner-Bein noch das eines Mitspielers.

43. Minute
Nebel-/Rauchschwaden ziehen durchs Stadion. Passt zur leicht düsteren Macbeth-Stimmung: Fair is foul, and foul is fair. So far.

41. Minute
Erneut ebnet eine Standardsituation den Weg. Nach kurzem Tohuwabohu in der Mitte, spitzelt Altintop Planus den Ball an den Fuß. Von dort segelt das Leder in rechte obere Eck.

Tooor für Bordeaux!

40. Minute
Gourcuff darf sich aus gut 20 Metern die Ecke aussuchen. Entscheidet sich für oben links. Doch Butt stellt das Gegenteil des Wortes “Torwartproblem pantomimisch dar. Klasse Parade!

38. Minute
Keine Tore, keine Platzverweise in der Zwischenzeit. Die Bayern weiter dürftig nach vorne. Klose so präsent wie Ostereier Anfang Dezember. Auch Toni nicht gerade mit einem astreinen Bewerbungsschreiben bislang.

36. Minute
So. Trainer Baade sagt, dass der Sat.1-Stream nicht so richtig will. Mein W-Lan hat derzeit auch nicht seine besten Minuten. Die normalerweise rot leuchtende Lampe sieht gerade blau. Hoffe, es legt sich wieder.

31. Minute
Der Ball befindet sich auf der südlichen Hemisphäre, anders als Chalmés Bein. Denn das trifft der 20-Jährige voll. Freut’s Uli Hoeneß? Hat er das gewollt? Sicher nicht. Geht das hier heute gut, wird es ihm aber sicher nicht ungelegen kommen. ‘Übermotiviert’ nennt man das wohl.

31. Minute
Gelb-Rot für Müller!

30. Minute
Die Bayern sind seit einiger Zeit ohne nennenswerte Offensiv-Aktion. Der Ausgleich somit verdient.

29. Minute
Ciani trifft – volley, mit der Hacke, seitlich zum Tor fliegend. Weitaus schöner als sein Eigentor.

Tooor für Bordeaux!

28. Minute
Tremoulinas trifft jedoch nur Müllers Kopf – Ecke.

28. Minute
Stichwort neue Kerzen: Freistoß Bordeaux aus halbrechter Position.

26. Minute
Nicosia führt in Porto. Für Real Madrid hat Raúl zum 1:0 gegen Milan getroffen. Dida muss dabei gut ausgesehen haben: “…sein eigener Oberschenkel schlägt ihm aber den Ball aus der Hand” – sagt kicker.de

23. Minute
Andererseits machen die Bayern die Räume gut dicht, gewinnen wichtige Zweikämpfe. Für Bordeaux ist im Tannenbaum meist nur ein Durchkommen, wenn neue Kerzen aufgesteckt werden – bei Standards.

22. Minute
Man hat ja, auch schon nach gut 20 Minuten, stets das Bedürfnis, ein Tor in die Kategorie “verdient” oder “unverdient” einzuordnen. Fazit derzeit: “noch nicht verdient”.

21. Minute
Was sagt das aus, wenn ich – ganz ehrlich – nur fünf Spieler der Franzosen auch schon gestern kannte? Hab’ ich keine Ahnung oder ist die französische Liga einfach nicht der Renner?

19. Minute
Der Name “Wendel” hat ja schon etwas Lautmalerisches, wenn man sich darunter scharfe Flanken und flatternde Bälle vorstellt. Butt bekommt das bei einem weiteren Freistoß zu spüren.

18. Minute
Die zweite Youngster-Gelbe für Badstuber. Ich sag’ nur: Elektroden. Schiedsrichter Hauge hat eine in der Brusttasche. Muss man nicht geben.

16. Minute
Das erste Spiel des Abends hat Manchester United mit 1:0 bei ZSKA Moskau gewonnen. Der Rest noch torlos.

14. Minute
Müller holt sich (völlig zurecht) die erste Gelbe des Spiels ab. Die Elektroden, die Uli Hoeneß ihm in die Oberschenkel eingepflanzt hat, verfehlen ihre Wirkung nicht. Van Bommel kriegt das jedoch auch ohne Fremdsteuerung hin.

13. Minute
Wendels Freistoß von der rechten Seite ist mindestens so gefährlich wie Badstubers Ecke. Mit dem Unterschied, dass sie schlichtweg nicht tief genug kommt, um von einem Bayern-Verteidiger ins Tor gelenkt zu werden.

11. Minute
Irgendwie sieht Girondins heute aus wie Atlético Madrid: rot-weiße Streifen, Kia-Werbung. Schalker schalten ab.

10. Minute
Erste Chance für die Gastgeber. Chamakh verfehlt das Tor.

9. Minute
Bemerkenswert: Ecke Badstuber! Falls Müller die ursprünglich treten sollte, kam wohl die Anweisung von Uli Hoeneß, dass der das zu unterlassen habe – bloß keine Aufmerksamkeit erregen. Stattdessen wird nun der andere Nationalelf-Kandidat hier erwähnt. Vom Regen in die Traufe.

8. Minute
Die Ecke von Badstuber segelt relativ flach in die Mitte. Fuss vermutet gleich ein Eigentor – “vermutlich van Buyten”. Mit der ersten Eingebung hatte er Recht. Letztendlich war es aber dann Ciani, dem der Ball vom Bein ins Tor sprang.

Tooor für die Bayern!

6. Minute
Erster Eckball des Spiels für die Bayern. Derweil Nummer Zwei in Sachen Diarra!

5. Minute
Bayern in weiß von links nach rechts. Für alle, die hier tatsächlich Kopfkino zelebrieren wollen. Bordeaux trägt heute kein Bordeaux sondern ein klassisches Rot – so in etwa 49-Cent-Sangria vom Discounter.

3. Minute
Werde mal mitzählen, wie oft vom “Ex-Bayer Diarra” (oder so ähnlich) die Rede ist. Eins!

1. Minute
Kleine Neuerung: Über einem Eintrag steht nicht mehr die Uhrzeit, sondern die Spielminute. Time for a revolution.

20:45
“Van Gaal sucht den heiligen Gral” und die Bayern mit einer Tannenbaum-Aufstellung. Hole gleich die Lebkuchen raus.

20:44
Werde zwischendurch, wie gewohnt, ein Auge auf den Rest Europas werfen. Wer für die Champions League die “Super Nanny” ausfallen lässt, wird hier eher wenig darüber lesen. Wahrscheinlich.

20:42
“Kroos und Rensing wurden damals in den Belgrader Nachthimmel gehoben, und wo sind sie jetzt? Hört mir auf mit dem Hochjubeln”, war heute von Uli Hoeneß auf 11freunde.de zu lesen. Eiskalt der Mann – benutzt “Belgrad”, “heben” und “Abendhimmel” ohne mit der Wimper zu zucken in einem Satz.

20:40
Gleich fünf bayerische Eigengewächse stehen zu Beginn auf dem Platz. Vier bei den Gästen und einer bei den Gastgebern. Alou Diarra ging den Weg von Jarolim, Trochowski und Co. – weg von den Bayern, letztendlich ab in die Nationalmannschaft seines Landes.

20:38
Die Aufstellungen
Bayern: Butt – Altintop, van Buyten, Badstuber, Lahm – van Bommel – Tymoshchuk, Schweinsteiger – T. Müller – Toni, Klose
Bordeaux: Carrasso – Chalmé, Ciani, Planus, Tremoulinas – Fernando, A. Diarra – Plasil, Gourcuff, Wendel – Chamakh

20:35
Die ganzen Neuigkeiten haben Franz Beckenbauer derart vom Hocker gehauen, dass er sich aus Protest für ein Revival entschieden hat. Er hat die gute, alte getönte Brille aufgesetzt, die ihm – war es Lothar Matthäus? – 1996 im Training von der Nase schoss. Resultat: Ein feines Veilchen – bordeaux-rot.

20:33
Man merkt, dass wir mittlerweile den 21. Oktober schreiben: Johannes B. Kerner hat seinen Karrierenkreis geschlossen und hält das Mikro wieder für Sat. 1 in der Hand. Und noch viel frappierender: Andrea Kaiser hat etwas an.

20:31
Der FC Bayern gastiert am 3. Spieltag der Königsklasse in Bordeaux. Beide haben vier Punkte auf dem Konto, ein Dreier würde beide einen gehörigen Schritt in Richtung Achtelfinale katapultieren. Während die Bayern in Freiburg nach 316 trefferlosen Pflichtspielminuten wieder das Toreschießen entdeckten (und zusätzlich davon lebten, dass Du-Ri Cha sich anstecken ließ), verlor Frankreichs Meister Bordeaux in Auxerre sein zweites Ligaspiel in Folge – nach zuvor 17 Siegen aus 18 Spielen innerhalb von 7 Monaten.

20:30
Nabend zusammen!

Im Zweiten wird’s wohl besser – 9. Akt:
Verdammte Hacke!

Gladbach Motivbild

Wolfsburg 2:1 Gladbach – ein Nicht-Klassiker, Virtuelles, Surreales, eine Hacke, ein Schritt in die richtige Richtung, keine Punkte.

Spieleentwickler – was sind das überhaupt für Menschen? Seit Jahren versuchen sie sich daran, die reale Fußballwelt in Pixel zu packen, steigern sich dabei von Ausgabe zu Ausgabe – und scheitern letztendlich doch wieder daran, die Realität vollkommen identisch wiederzugeben. Aus 17 sind irgendwann 34, dann 59 und heutzutage vielleicht schon 77 Prozent Deckungsgleichheit geworden. Doch die Perfektion bleibt in weiter Ferne. Denn Fußball ist, als große Neuigkeit dürfte das nicht durchgehen, ein Tagesgeschäft. Es geht rauf und runter mit der Form, die Psyche fährt Achterbahn und Nationalspieler fliegen durch die Weltgeschichte. Da wird es zum Ding der Unmöglichkeit, dieses verzwickte Netz mit – ganz vereinfacht ausgedrückt – ein paar Mausklicken in eine virtuelle Welt zu packen und diese anschließend im Herbst eines jeden Jahres auf kleine Polycarbonat-Scheiben zu pressen.

Letzten Freitag saß ich mal wieder mit ein paar Freunden vor der Playstation und durfte bewundern, was sich Electronic Arts diesmal bei der neuesten Version der FIFA-Serie ausgedacht hat . Meine Wahl fiel auf Gladbach, was den Mitbewohner eines Kommilitonen zu dem Schluss kommen ließ: „Da muss man aber schon großer Fan sein, um sich das anzutun.“ Mit „das“ meinte er die virtuelle Qualität der Borussia, die sich im Vergleich zum Rest der Vereine auf der besagten Polycarbonat-Scheibe nicht sonderlich von der Wirklichkeit unterscheidet. Mein Gegner entschied sich für Manchester City. Fertig war eine Konstellation, von der Franz Beckenbauer mit Sicherheit nicht behaupten würde: „We call it a Klassiker!“.

Wider erwarten wirbelten Bobadilla, Arango und selbst der sonst so hüftsteife Friend die Hintermannschaft der englischen Scheichtruppe mächtig durcheinander. Schnell stand es 2:0. Shay Given, Kolo Touré und Co. hatten nicht den Hauch einer Chance. Auf der anderen Seite hatte Torwart Logan Bailly für die Offensivbemühungen des virtuellen Premier-League-Klubs nicht einmal ein müdes Lächeln übrig. Mit dem 3:0 war City am Ende noch gut bedient.

Noch machte die Geschichte einen sehr realitätsfernen Eindruck. Doch das sollte sich schon in der Neuauflage der Begegnung ändern. Der Manchester-Controller wechselte zwar die Hände. Was jedoch noch lange kein Grund ist, prompt mit 0:5 unterzugehen – trotz 70-minütiger Überzahl, wohlgemerkt. Marx, Meeuwis und die Innenverteidigung hatten jegliche Souveränität ad acta gelegt. Auch Arango, Bobadilla und Friend boten plötzlich nur noch brotlose Kunst. Auf der Playstation genügten zwölf Minuten vom Himmel zum Boden der Tatsachen. Mit dem richtigen Multiplikator kommt man da schnell zu dem Schluss: In der Realität sind das in etwa fünf Spiele.

Jammern auf anderem Niveau

Am Sonntagnachmittag durfte die Borussia also wieder vorlegen – auf echtem Rasen, vor echten Zuschauern und ohne echtes Selbstvertrauen. Das Resultat erscheint fast logisch. Das Zustandekommen eher nicht.

Michael Frontzeck änderte die Aufstellung im Vergleich zum 0:1 gegen den BVB vor zwei Wochen auf vier Positionen. Filip Daems kehrte zurück und schloss vorerst das Lazarett der prädestinierten Stammspieler. Für ihn blieb Stalteri, ohnehin angeschlagen, draußen. Auf den Außenbahnen spielten Reus und Matmour. Colautti ersetzte nach einem weiteren Phantomspiel für Israel unter der Woche Friend in der Spitze. Fertig war eine Formation, die es so – selbst, wenn man Rückkehrer Daems außen vor lässt – auch noch nicht gegeben hatte.

Früher kam eine Länderspielpause einer Kur für geschundene Liga-Seelen gleich. Mittlerweile wird die Nationalmannschaft ihrem Reha-Status jedoch auch nicht mehr gerecht. So unterschied sich alleine das Niveau des Jammerns. Genug Anlass dazu gab es bereits nach wenigen Minuten. Dzeko eröffnete das Geschehen mit einem Paukenschlag an die Latte. Ein Auftakt, der fast zuversichtlicher stimmte als eine eigene Sturm-und Drangphase zu Beginn: Lieber glücklich und erfolglos, als einzig und allein erfolglos.

Würde im Laufe eines Fußballspiels ein revolutionärer Duathlon als eine Art Nebendisziplin ausgetragen, dürfte man die Borussia sicher zu den Titelkandidaten zählen. Disziplin eins: Laufen. Disziplin zwei: Parteiball. Beides, jedoch vor allem letzteres, zeigte der VfL mit Bravour. Hinter dieser Erkenntnis steckt nicht einmal ausschließlich Sarkasmus. Auch wenn der wahre Kern unter einer tiefen Schicht davon versteckt ist.

Madlung und die Borussia – wahre Liebe

Wolfsburgs Martins legte mit einem verunglückten Volley-Hackentrick allein vor dem Tor die Latte der misslungenen Kabinettstückchen sehr hoch. Was in Minute 21 schon nach Europarekord roch, sollte im Laufe des Spiels in einer weltrekordverdächtigen Aktion enden. Weniger spektakulär machte es Edin Dzeko ein paar Minuten später: Sein nüchterner Kopfball landete am Pfosten. Aluminium, die Zweite.

Überraschenderweise war es vor der Pause die Borussia, die zuerst ins Tor traf. Mangels Begeisterung meinerseits bei der Überleitung zu dieser Szene lässt sich bereits erahnen: Reus ließ den Ball nach feiner Vorarbeit von Marx zwar im Netz zappeln. Doch die Fahne des Linienrichters verhinderte die erfolgreiche Seelen-Rehabilitation noch kurz vor der Pause. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte erhielten die Wölfe dann einen Eckball, über dessen Sinn sich im Gegensatz zu seiner Berechtigung streiten ließ. Madlung setzte den sinnbildlichen Minuten – erst Abseitstor, dann unnötiger Eckball – die Krone auf und erzielte sein fünftes Tor im zwölften Bundesligaspiel gegen die Borussia. Den Gegner bei seinem Premierentreffer am 8. November 2003 will ich lieber in einen Mantel des Schweigens hüllen.

Hälfte Zwei verlief über weite Strecken ähnlich wie ihr Vorgänger. Wolfsburg ließ die Aluminiumtreffer diesmal weg. Gladbach spielte über weite Strecken erneut Parteiball. Nur leider fallen Tore selten nach dem zweiten oder dritten Pass in einer Stafette mit zehn Stationen. In der 57. Minute durchbrach die Torabstinenz der Borussia die 400-Minuten-Schallmauer. Die Hereinnahme von Arango für Matmour brachte jedoch auch nur den Gang vom Regen in die Traufe.

Bobadilla hebt Frank Mill auf eine neue Ebene

Kurz vor Frontzecks erster Auswechslung erlebte das Spiel seinen Höhepunkt in Sachen Tragik im Stadion, Unvermögen bei der Borussia und schäumender Wut vor dem Fernseher. Bobadilla brachte Madlung an der Strafraumgrenze ins Straucheln. Der Gladbach-Schreck (gemeint ist Madlung, Bobadilla sollte sich den Status in dieser Aktion erst noch verdienen) stellte für seinen Keeper Benaglio anschaulich das Procedere „17-Tonner rammt Hauswand“ dar. Was dann passierte, hebt das legendäre Frank-Mill-Versagen auf eine ganz neue, so noch nie gesehene Ebene. Wie in Trance stupste Bobadilla den Ball kurz mit der Sohle an, um ihn anschließend mit der Hacke – Frank-Mill-Fans wissen, was jetzt kommt – am Tor vorbei zu setzen. Aus 17 Metern. Mill traf damals wenigstens noch den Pfosten. „Ball, Tor, rosa Elefanten, aah, Sohle, Hacke, warum ist der Rasen so grün, aah, alles so hell hier, Kacke“ – Raúl Bobadillas Gedankengang in dieser Szene muss ähnlich ergiebig gewesen sein, wie 19 Stunden lang Testbild zu gucken.

Nennt man es nicht Arroganz, wenn jemand über größere Fähigkeiten verfügt als ein anderer und dies auch noch vehement betonen muss? Wahrlich große Fähigkeiten sind in dieser fast schon tragikomischen Situation nur begrenzt aufgeblitzt. Zählt es eigentlich auch zu den Instinkten, instinktiv das Falsche zu machen? Für Angelegenheiten wie diese hat man einst die Mannschaftskasse erfunden. Bobadillas Hacken-Weitschuss vorbei am leeren Tor hat zweifellos einen Sonder-Paragrafen im Strafenkatalog verdient.

Die Tragikomödie verlor dreizehn Minuten vor dem Ende jedoch all ihre Komik. Filip Daems ging im Laufduell mit dem eingewechselten Grafite zu Boden und blieb erst einmal dort liegen. 77 Minuten dauerte das Saisondebüt des Belgiers, der der Abwehr ein enormes Maß an Stabilität verliehen hatte. Wie viele Minuten in den nächste Wochen hinzukommen werden, ist momentan fraglich.

Friend löst Ranga Yogeshwar ab – Bradley beendet die Flaute

Unaufhaltsam näherte sich die Borussia der vierten 0:1-Pleite in einem Pflichtspiel. Niemand verliert gerne, noch am wenigsten gern jedoch mit 0:1. So nah erscheint ein Punkt. Doch gerade diese unüberbrückbare Nähe lässt ihn paradoxerweise noch weiter in die Ferne rücken. In der Schlussphase lud Rob Friend Wolfsburg Benaglio zu einer weiteren Sonderausgabe von Quarks & Co als Überraschungsgast ein. Die Sendung erwies sich jedoch als Wiederholung. Erneutes Thema: Lastwagen fährt gegen Hauswand. Benaglio nahm es eher humorlos.

Bevor Gentner aus dem 0:1 in der 92. Minute ein wohltuenderes 0:2 machte, hatte Bobadilla nach feinem Pass vom guten Reus einmal mehr den Ausgleich auf dem Fuß. Der Argentinier verzichtete auf die Hacke, entschied sich ausnahmsweise für Geradlinigkeit. In diesem Fall genau die falsche Entscheidung: Ein gefühlvoller Lupfer über Benaglio hinweg wäre der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Doch Bobadilla ist und bleibt eben ein Instinktfußballer aus dem Lehrbuch – nachzuschlagen im Kapitel „Wie ich es besser nicht mache“.

Nach diesem an für sich, bis aufs Resultat, zufriedenstellenden Spiel wäre das 2:0 für Wolfsburg beinahe als Wunschresultat durchgegangen. Man hätte die Rückkehr des sauberen Passspiels und der sattelfesten Abwehr feiern können. Keine Punkte, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Doch die Borussia macht nun einmal keine Gefangenen. Erst Recht nicht, wenn es darum geht, ausnahmsweise so etwas wie Normalität aufblitzen zu lassen. Also ließ Bradley sich regelrecht zum Anschlusstreffer hinreißen. 433 Pflichtspielminuten nach Colauttis 2:0 gegen Hoffenheim gelang der Borussia wieder ein Tor (der Abstauber des Israeli bleibt jedoch der vorerst letzte Jubelmoment).

Auf dem Weg vom Niederrhein zurück in die Wahlheimat Ruhrgebiet kam ich sogar mit ein paar Gewinnern des Spieltages in Kontakt. Zwei Haken hatte die Sache jedoch: Sie trugen Trikots der existenten, aber keineswegs einzig wahren Borussia – und machten das Zugabteil für ein paar Minuten zu einem Rockkonzert in einer finnischen Sauna.

Unter Umständen könnte ich mich glücklich schätzen, die nächste Woche in einer gut gelaunten Stadt verbringen zu dürfen. Momentan würde ich mein Bett aber lieber aufopferungsvoll in der sibirischen Tundra unter freiem Himmel aufstellen. Wenn es dafür nur endlich wieder Punkte gäbe. Vielleicht kann die Playstation ja erneut einen Moment der virtuellen Glückseligkeit schaffen. Zumal es dort selten vorkommt, dass man 17 Meter vor dem leeren Tor steht – und die Hacke nimmt.

Weiter machen, immer weiter machen

Ich habe meinen Geburtstag vergessen. Nicht meinen eigenen, aber immerhin den dieses Blogs. Gestern ist “Entscheidend is auf’m Platz” zwei Jahre alt geworden. 464 Posts sind seitdem über meinen Kopf mit den Zwischenstationen Finger und Tastatur im Netz gelandet. Macht im Schnitt 4,5 Posts pro Woche.

In diesen zwei Jahren habe ich mir oft Gedanken gemacht, wie lange ich diese Seite wohl regelmäßig füllen und mit Spaß bei der Sache sein werde. Werde ich mit 31 noch am Schreibtisch sitzen oder mit dem Laptop auf den Knien vor dem Fernseher? Das Leben ist jedoch viel zu unvorhersehbar und auf erfrischende Weise überraschend, um so etwas in meinen Augen prophezeien zu können. Geschweige denn zu wollen.

Ich habe mit 18 angefangen, war damals angehender Abiturient. Mit 19 bloggte ich als Zivildienstleistender. Nicht aus dem Altenheim, aber immerhin nach Feierabend. Jetzt, mit 20, bin ich Student, von zuhause ausgezogen und im dritten Lebensabschnitt während meiner zweijährigen Bloggerzeit angelangt. Dass ich noch immer mit unverminderter Freude dabei bin, werte ich jetzt einfach mal als Zeichen dafür, dass diese Sache auf einer gewaltigen Portion Nachhaltigkeit fundiert.

An dieser Stelle möchte ich natürlich wieder all jenen danken, die regelmäßig hier vorbeischauen. Wenn meine Texte die Luft zum Atmen für diesen Blog sind, dann dürften Leser und Kommentierende das täglich Brot sein. Sorry für diese Ladung Pathos. Aber ohne geht es nicht. Also, vielen Dank!

Manche Leute nutzen Jubiläen und Jahrestage gerne, um in Erinnerungen zu schwelgen, um vielleicht ein Fotoalbum aus dem Schrank zu holen. Wer Lust hat, kann auf den nachfolgenden Links ein wenig blättern. Ein “Best of” will ich es nicht nennen. “However, definitely not a ‘Worst of’” vielleicht?

“Mund abputzen” – 15. Oktober 2007
“Von ominösen Töpfen, abtrünnigen Österreichern und Lehmanns Pläte” – 22. November 2007
“Hochgejubelt, tief gefallen” – 9. Februar 2008
“Fohlengeflüster (22): Wie gewonnen, so zerronnen” – 10. April 2008
“King Kahn tritt ab” – 21. April 2008
“Der deutsche Titelkorridor – von 0° bis 13° Ost” – 23. April 2008
“Fohlengeflüster (26): Das letzte Abenteuer” – 6. Mai 2008
“EM-Tagebuch (41) – 6:7″ – 30. Juni 2008
“EM-Tagebuch (45) – Schlussstrich” – 4. Juli 2008
“Skandal um Marlies” -13. Juli 2008
“Mission 40/7: C’est le Geschäft!” – 5. Oktober 2008
“Im Sog der Masse” – 1. November 2008
“Ziege hat keinen Bock mehr” – 15. Dezember 2008
“Des Königs’ neue Spieler (1, 2, 3, 4, 5)” – 29. Januar 2009
“Mission 40/23: Wende in der Warteschleife” – 8. März 2009
“Mission 40/27: Drehbuch eines Derbys” – 15. März 2009
“96″ – 15. April 2009
“Mission 40/32: …in Heiserkeit. Amen” – 15. Mai 2009
“Wenn der letzte Pfiff in Anpfiff ist” – 30. Mai 2009
“Im Zweiten wird’s wohl besser – 1. Akt: Viertausenderbesteigung mit Atemnot” – 11. August 2009
“Streifen, wilde Tiere und ein Swoosh” – 16. September 2009

Nüchtern betrachtet

Fragen über Fragen, aber kaum Antworten: Anstatt feststellen zu können, was er für Möglichkeiten hat, muss Jogi Löw nach dem 1:1 gegen Finnland eher feststellen, was nicht funktioniert. Die Hoffnung beruht da allein auf einer automatischen Lösung der Probleme.

Man muss es sich wohl vorstellen wie „Malen nach Zahlen“. Irgendwann, an einem unbekannten Zeitpunkt, standen auf einem Blatt die Schlagwörter „Fußball“ und „Bier“. Jemand war so intelligent, beide Punkte durch eine Linie zu verbinden und seitdem steht fest: Fußball und Bier gehören zusammen. Ganz einfach. Oder so.

Ich war es übrigens nicht und gehöre beileibe nicht zu der „Bloß nicht ohne“-Fraktion. Doch es gibt Tage, an denen man als fußballerischer Bierabstinent froh ist, die Wahrnehmung des Spiels ausnahmsweise dank einiger Flaschen zu einem Euphemismus wie aus dem Lehrbuch zu machen. Gestern Abend war solch ein Anlass. 90 Minuten Elend, davon mindestens 37 Minuten elendiges Elend. Das Schlimme jedoch ist: Das, was sich da in Hamburg abgespielt hat, wird von jedem Punkt der Promilleskala aus gleich schlecht ausgesehen haben.

Während wir letzten Samstag in Moskau gelernt haben, dass Gary Lineker und seine Weisheit zwar abgenutzt aber immer noch gültig sind, mussten wir gegen die finnische Umlaut-Armada einsehen, dass man statt einer Nationalmannschaft bisweilen nicht ohne Grund von einer Nationalelf spricht. Mertesacker, Lahm, Ballack, Schweinsteiger, Podolski und Klose haben sich erneut als Kern dieser Elf erwiesen, einige davon ohne eigenes Zutun. Kein Land der Welt dürfte es schaffen, seine Auswahl mit 22 Spielern für elf Positionen zu besetzen, die sich nichts nehmen und beliebig ausgetauscht werden können. Aber man kann es sich ja trotzdem zum Ziel machen.

René Adler dagegen muss feststellen, welch ein Wechselbad der Weg ins Tor der WM 2010 ist. Es ist so leicht, zum zwischenzeitlichen Topfavoriten hochstilisiert zu werden und es genügt so wenig, um zurück in den Pool der Kandidaten zurückzufallen – als einer von vielen, ohne Vorschuss. Beides dürfte übertrieben sein. Aber gerade diese Länderspielwoche hat ja gezeigt, dass es bei Jogi Löws Jungs derzeit nur schwarz und weiß gibt. Rein farblich mag das passen, sportlich eher nicht.

Doch wenn man schon nicht feststellen kann, was geht, dann will man wenigstens notieren, was nicht funktioniert. Heiko Westermann ist definitiv nicht der Mann für den Platz neben Per Mertesacker. Arne Friedrich dürfte zwar endgültig von rechts in die Mitte gerückt sein. Das Allheilmittel ist er jedoch auch nicht. Es bleibt das Warten auf Boateng, Höwedes, Hummels, Badstuber. Auf dass wenigstens einer noch den Sprung schaffe. Nicht erzwungen, sondern gerechtfertigt. Denn nachhaltige Nationalspieler sind selten kreiert worden wie ein Pesto alla Genovese.

Thomas Hitzlsperger konnte erneut keine Argumente bringen, warum ihm der Platz neben Michael Ballack zufallen sollte. Vielleicht wird es am Ende so kommen, dass das Ausschlussverfahren Jogi Löw zu seiner besten Elf für Südafrika führt. Auch im Sturm gestaltet sich die Lage ähnlich. Mario Gomez hat einen schwereren Stand als ein Nashorn im Treibsand. Daran wird sich in geraumer Zeit kaum etwas ändern. Was am Ende, konsequenterweise, wieder nur zu Miroslav Klose führen kann. Piotr Trochowski dürfte ebenfalls nicht als unumgänglicher Kandidat fürs Dreier-Mittelfeld hinter einer einsamen Spitze gelten. Also läuft es auf Lukas Podolski heraus, der gestern ein Tor erzielte, das man als Karikatur in jeder Zeitung drucken könnte. Anstatt eines Spielberichts.

Die Fragen, mit denen die Nationalelf in die Vorbereitung auf die WM im nächsten Jahr geht, könnten sich am Ende von selbst beantworten. Ganz nüchtern gesehen.