Monthly Archive for Februar, 2010

Bayer vs. Schalke – Tagebuch des Titelkampfs oder:
Zweiter kann nur einer werden (Teil II)

Schalke-Leverkusen26. Februar 2010 – 71 Tage
bis zum letzten Spieltag


Von Kerstin B.

Zahlen fand ich schon immer doof und langweilig. Das Eckenrechnen in der Grundschule habe ich den Strebern aus der ersten Reihe mit den runden quietschbunten Brillen überlassen, Taschenrechner habe ich ignoriert und die Telefonnummern von Tante Rita und Onkel Winfried kann ich mir bis heute nicht merken.

Aber bei so manchen Zahlen geht selbst mir das Herz auf:
23 Spiele und 0 Niederlagen, die beste Offensive aller Vereine mit stolzen 50 Toren, 24 davon erzielt vom treffsichersten Sturmduo der Bundesliga. Und die wichtigste Zahl, die alle anderen locker überstrahlt, die immer noch unwirklich erscheint, obwohl sie seit 15 Spieltagen den Alltag bestimmt: Tabellenplatz Nummer 1.

Diese 1 lässt einen über die Sticheleien aus München schmunzeln. Sie gibt so viel Selbstvertrauen, dass man auch das kleine Missgeschick des Nationaltorhüters ganz schnell vergisst. Denn gegen Köln wird Adler am kommenden Samstag wieder zu Null spielen, Rückkehrer Hyypiä wird ihm dabei helfen und die Jungs vorne werden natürlich die Tordifferenz gehörig aufbessern.

Für einen enthusiastischen Abschluss würde ich jetzt ja gerne ein Gegenstück zum Schalker „Glück auf“ ans Ende setzen… Aber ich verzichte lieber drauf, denn so Späße wie „Pille, dreh’ dich weiter“ wären ja doch hochgradig albern und jeder traditionsbewusste Kleingärtner aus Gelsenkirchen-Buer würde schallend lachen und die blau-weiße Fahne im Garten noch ein Stück höher ziehen.

Für Schalke geht es bereits heute Abend im Derby heiß her. Morgen zieht Leverkusen im echten, aber irgendwie ja doch nicht echten rheinischen Derby nach.

Bayer vs. Schalke – Tagebuch des Titelkampfs oder:
Zweiter kann nur einer werden (Teil I)

Schalke-Leverkusen25. Februar 2010 – 72 Tage
bis zum letzten Spieltag

Es ist mittlerweile fast zwei Jahre her, dass ich an dieser Stelle der Frage nachgegangen bin, wer eigentlich Rekordvizemeister der Bundesliga ist. Nicht Leverkusen, nicht Schalke – die Bayern rissen sich auch diesen Titel unter den Nagel. Nach 23 Spieltagen der 47. Bundesliga-Saison steht mit einiger Sicherheit fest, dass die drei genannten Klubs auch diesmal nicht nur die Meisterschaft, sondern ebenso deren nicht ganz so beliebte Kollegin, nämlich die Vizemeisterschaft unter sich ausmachen werden.

Fest steht: Zweiter kann nur einer werden. Und genau aus diesem Grund werden sich in den kommenden zehn Wochen (genau, so wenig Zeit bleibt nur noch) zwei junge Damen auf dieser Seite die Ehre geben, deren Herz für eben jene Vereine schlägt, denen der Ruf des ewigen Zweiten anhaftet.

Nicht nur Dimitar Berbatovs Schultern sei es zu verdanken, dass sie ihr Herz an Bayer Leverkusen verloren hat, beteuert Kerstin aus Wuppertal immer wieder. So wird es wohl auch sein: schließlich ist bei Kießling, Rolfes und Co. rein schultertechnisch nur wenig zu holen. Also nehmen wir ihr das mal ab. Dafür scheint der Titel schließlich zum Greifen nah wie… vor zehn Jahren, vor acht Jahren, noch nie?

Lisa hat sich als Fast-Bremerin unerklärlicherweise für Königsblau entschieden und hofft nun, in geraumer Zeit über das Trauma hinwegzukommen, mit dem sie seit dem 19. Mai 2001 durchs Leben geht. Von ihren Erlebnissen direkt unter der Anzeigetafel im Parkstadion um circa 17:18 Uhr an jenem berüchtigten Tag wird sie später erzählen. Heute macht Lisa den Anfang der “Am Ende werden’s ja doch wieder die Bayern”-Serie mit ein paar Eindrücken aus dem Bremer Weserstadion – kurioserweise aus dem Leverkusener Gästeblock. Dass Anhänger des FC Bayern hier nicht zu Wort kommen, hat durchaus seinen Sinn: Erstens kenne ich keine von Angesicht zu Angesicht, zweitens werden die ja ohnehin Meister.

Teil I: von Lisa S.

Mein Highlight des 23. Spieltages: Der Moment, als René Adler der Ball auf eine Weise durch die Beine flutscht, die man wahrscheinlich auch bei hunderten Versuchen nicht wieder so hinkriegen würde. Habe herzlich und minutenlang gelacht – obwohl ich im Gästeblock des Bremer Weserstadions stand und so ziemlich die einzige war, die es lustig fand. Kerstin zum Beispiel nicht.

Die Schalker Führung durch Kuranyi wenig später und der Glühwein in der Halbzeitpause hoben meine Stimmung noch ein wenig mehr. Dass man so ein Hochgefühl als Schalke-Fan intensiv genießen muss, solange es noch da ist, ist bekannt – dass meine Stimmung aber schon eine dreiviertel Stunde später derart im Keller sein würde, hätte ich allerdings nicht gedacht.

Ein wieder erstarkter Torschützenkönig Grafite, der (kleine) Patzer von Manuel Neuer beim ersten Gegentor und die Tatsache, dass irgendwie schon wieder alle für die Bayern gespielt haben, waren selbst für meine gute Laune zu viel. Trotzdem: Vier Punkte Rückstand auf Bayern und Bayer sind auch nur einer mehr als drei. Und den „Pannen-Adler“ live zu sehen, war fast unbezahlbar – jedenfalls solange er zur anderen Mannschaft gehört.

Und deswegen an dieser Stelle ein kleiner Tipp für Jogi Löw: Neuer für Deutschland.

Glück auf!

Im Zweiten wird’s wohl besser – 23. Akt:
Grüße aus dem Fußball-Nirvana

Gladbach Motivbild

Hoffenheim 2:2 Gladbach – Impressionen aus einem 3000-Seelen-Kaff, Martin Rombach am Schreibtisch, ein leibhaftiger Elch, Coffee to go an der Würstchenbude, wunde Ohren selbst für Hartgesottene, Hobby-Pyromanen, bei denen die Lampen durchbrennen, ein Schiedsrichter mit Heißhunger.

Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten. Die Ortsdurchfahrt in Hoffenheim genau 90 Sekunden. Relativ verlassen liegt das 3000-Einwohner-Dörfchen am frühen Freitagabend im nordbadischen Nebel. Einzig die 1,2 Kilometer lange Hauptstraße wird im Verhältnis befahren wie ein Highway in Los Angeles. Da dauert es bisweilen sogar einige Sekunden, bis man links zur Tankstelle abbiegen kann.

Drinnen ist alles vollgehängt mit Hoffenheim-Fanartikeln – hier ein Wimpel, da ein Özcan-Trikot. Der Laden gleicht einer einzigen blau-weißen Hölle. Überhaupt stellt sich die Frage, ob die Sympathie zur TSG wirklich mit voller Leidenschaft oder eher aufgrund eines schlechten Gewissens für alle Auswärtigen zur Schau getragen wird, die daran zweifeln könnten, dass es sie überhaupt gibt. Mit skeptischem Blick sitzt die Besitzerin hinter ihrem Tresen. Dabei erinnert sie ein wenig an Rosa, die Verwaltungschefin aus Disneys „Monster AG“. EC-Karten steckt der Kunde hier noch selbst in das Lesegerät. Alles sehr romantisch. Immerhin entspricht ihr Blick nicht der Freundlichkeit der Tankwartin. Sie wünscht ein schönes Wochenende, ich erwidere und mache mich wieder auf den Weg. Schließlich bin ich mit meinem Bruder extra früher losgefahren, um noch genügend Zeit zur Begutachtung des Fußball-Kaffs zu haben. So 20 Minuten in etwa.

Am Bahnhof Hoffenheim steigen zwölf Leute in die S-Bahn, immerhin die Hälfte outet sich als Stadiongänger. Unser Weg führt zur wohl größten ebenen Fläche des Dorfes: zum Dietmar-Hopp-Stadion. In der Bäckerei Krotz ist das Vorglühen bei Rosinenschnecken und Latte Macchiato bereits in vollem Gange. Maskottchen Hoffi, der leibhaftige Elch, sitzt etwas apathisch im Stuhl daneben und beobachtet das Treiben mit einem Blick wie Veilchendienstag.

Die Straße zum alten Stadion der TSG führt steil den Berg hinauf. Während die Zufahrtswege zu anderen deutschen Stadien häufig vier- bis sechsspurig sind, ist hier um kurz nach sechs so wenig los, dass man jegliche Rechts-vor-links-Regeln getrost missachten kann. Das Risiko entspricht in etwa dem Tipp „1 bis 6“ beim einfachen Würfeln. Das ehemalige Zweitliga-Stadion, immerhin, liegt etwas über dem Dorf am Waldrand. Zwischen Bäumen und undefinierbaren Vogelgeräuschen gleicht die Atmosphäre im Nebel einer Mischung aus Forsthaus Falkenau und Sleepy Hollow. Irgendwo brennt noch ein Licht. Martin Rombach sitzt sicher am Schreibtisch.

Wir machen uns auf, raus aus dem Dorf, das in seiner Geschichte genau zwei bekannte Söhne hervorgebracht hat. Zwei von relativer Bedeutung, nicht jedoch unbedingt zwei, die sich grenzenloser Beliebtheit erfreuen: Einmal Dietmar Hopp, na klar, und auch noch CDU-Fraktionschef Volker Kauder. Am Stadion, das den Namen von Sohn I trägt, ist der Pfeil auf meinem Navi ein einsamer blauer Fleck inmitten von unendlichem Grün. Langsam nähert er sich der einzigen Straße, die auf dem Bildschirm zu sehen ist – Rückkehr in die verkehrstechnische Zivilisation. Bäckerei Krotz hat sich mittlerweile geleert. Nur Hoffi wurde zurückgelassen. Mit unvermindert apathischem Blick hängt der Elch im Café-Stuhl.

So langsam macht sich das Dorf auf in die Metropole des Spitzensportes, wie Sinsheim sich selbst getauft hat. Die Menschheit kann manchmal so grausam sein zu Superlativen. Wenn ein Neu-Bundesligist im Fußball und ein Erstligist im Frauen-Volleyball eine Kleinstadt nun schon zur Metropole aufsteigen lassen, welche Ansprüche sollen Berlin, Hamburg oder Köln dann in sportlicher Zukunft haben? Aber es sind ja bekanntlich auch eher die schwäbischen Nachbarn der Badener für ihre Bescheidenheit bekannt. Dass Handball auf der Sport-Agenda ebenfalls weit oben steht, wird sich erst am späteren Abend zeigen.

In Sinsheim ist es dann vorbei mit der Idylle. Der Verkehr staut sich an der Messe, wo das Technikmuseum und das Stadion liegen. Beim verträumten Umherschweifen des Blickes stoße ich an irgendeiner Ecke auf das Wort „Fohlenmarkt“. Absurd, jetzt handeln die Mäzen-Klubs schon mit der glorreichen Vergangenheit anderer Vereine und nennen das auch noch Volksfest. Die ganze Zeit denke ich mir, dass man selbst der Anfahrt zur Rhein-Neckar-Arena anmerkt, welch ein Klub dort zuhause ist. Doch handfeste Beweise dafür gibt es keine. Stau, Industriegebiete und Schotterparkplätze gibt es schließlich überall. Nur ein Gefühl eben.

Erst auf dem Fußweg offenbaren sich ernsthafte Probleme, die man jedoch beileibe nicht dem modernen Fußball in die Schuhe schieben kann. In der Würstchenbude gibt es Coffee to go und alkoholfreies Bier zum fleischmäßigen Pflichtprogramm eines Stadionbesuches. Und aus einem Partyzelt erklingen musikalische Töne, die man selbst einem abgehärteten Schützenfest-Gott nicht zumuten würde. Zu allem Übel fällt mir auf, dass irgendetwas mit meinem Bruder nicht stimmt: sein Schal ist weg! Beim innigen Genuss von Mutters Schnitzelbrötchen ist er ihm scheinbar von den Schultern gerutscht. Jetzt habe ich einen beleidigten Bruder neben mir und irgendein Sinsheimer, Heidelberger oder Mannheimer freut sich über Devotionalien eines echten deutschen Traditionsklubs. Denn die Suche nach dem guten Stück bleibt ohne Erfolg. Besonders schlecht für meinen Bruder, da ich seinen Versuch, meinen selbstgestrickten Schal von Oma abzuwerben, mit aller Konsequenz und äußerst unbarmherzig ablehne.

Durchaus ironisch wird es beim Versuch, die Abtastkontrolle unbeschadet zu überstehen. Das Navi darf mit, weil mir der Ordner abnimmt, dass ich es mit Sicherheit nicht schmeißen werde (wobei man sich in einer Region, in der es teilweise mehr Arbeitsplätze als Einwohner gibt, ja gar nicht so sicher sein kann). Statt des Nach-Hause-Finders bleiben zwei Riegel KitKat auf der Strecke. Womit ich persönlich meinen Frieden machen kann. Nicht jedoch mein Bruder, der mich in der Halbzeit stramm stehen lassen wird.

Das Innere der Rhein-Neckar-Arena kann sich durchaus sehen lassen (woran ich jedoch nur bedingt gezweifelt habe). Nicht so erquickend ist dagegen das Vorprogramm der Gastgeber. Plötzlich taucht Hoffi wieder auf. Zu wummenden Disko-Klängen sieht der tanzende Elch aus wie ein Go-go-Girl mit Maradona-Figur und DVB-T-Antennen auf dem Kopf. Immerhin liefert er seine Performance nicht zum Badnerlied ab, das den 30 000, von denen sich die meisten erst kurz vor dem Anpfiff blicken lassen, ebenfalls nicht erspart bleibt. Statt „You’ll never walk alone“ läuft „Football’s Coming Home“ in der Hermes-House-Band-Version. Und über „Hoffes“ Vereinslied („1 und 8 und 9 und 9“) sind schon zu viele Worte verloren worden, als dass ich es an dieser Stelle noch einmal verreißen müsste. 32-Mal „Hoffe“ in drei Minuten – man hat den Eindruck, es gebe einen versteckten Dialekt, in dem „Hoffe“ nichts anderes als „bekloppt“ bedeutet.

Nun könnte man an dieser Stelle nahtlos zum Hauptakt des Abends übergehen – wenn ein paar weitaus Beklopptere nicht gehörig den Anfang des Spiels versaut hätten. Die Partie steht kurz vor dem Anpfiff, als im Gästeblock wieder einmal die Pyrotechniker-Messe eröffnet wird. Ein brennender Feuerwerkskörper fliegt kurz darauf über den Zaun. Die Hoffenheimer Ordner sind sichtlich überfordert, es wird noch ein Feuer abgebrannt. Kurz darauf ist die Polizei im Block und setzt offensichtlich Pfefferspray ein. Genaueres habe ich nicht beobachtet. Nur ein paar Idioten, die sich vor den Ordnungshütern aufbauen wie Donkey Kong und Diddy Kong aus den altbekannten Nintendo-Spielen. Mal wieder hat die Gladbacher Fankultur einen Rückschlag hinnehmen müssen. The Ruf is – wortwörtlich – on fire. Immerhin hat sich der „Block 1900“ auf seinem Blog von den Vorfällen deutlich distanziert. Dennoch heißt es dort im letzten Satz der Stellungnahme: „Wir werden uns weiterhin für das verantwortungsbewusste Abrennen von Pyrotechnik im Stadion, als Zeichen der brennenden Leidenschaft für unseren Verein, einsetzen.” Dazu mag man stehen, wie man möchte. Ich sehe es schon: Bald gibt es im Oberrang einen eigenen Block für Hobby-Pyromanen, über dem das Dach entfernt wurde und in dem sich zehn bis zwölf Leute hemmungslos austoben können, um ihre brennende Leidenschaft metaphorisch darzustellen. Und Jean Pütz steht daneben, damit nichts passiert. Großartig.

Jedenfalls beginnt das Spiel pünktlich um halb neun. Michael Frontzeck schickt beinahe dieselbe Startelf wie gegen Nürnberg auf den Platz, lediglich Tobias Levels kehrt nach Gelbsperre zurück. Bereits nach einer guten Viertelstunde unternimmt Filip Daems einen ersten zaghaften Versuch, einen Handelfmeter zu provozieren. Doch Stark nähert sich früh dem Antonym seines Nachnamens und lässt weiterlaufen. Mit zu vielen Elfern im Magen schläft es sich schlecht, hat ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben.

Die erste Hälfte gehört größtenteils den Gastgebern. Bailly knickt seine Formkurve mit einer Glanzparade gegen Carlos Eduardo noch etwas weiter nach oben. Kurz darauf köpft Demba Ba knapp am Tor vorbei, so dass man der Ansicht sein könnte, Gladbach wolle, seelisch gezeichnet vom Hinspiel, partout in Rückstand geraten. Getreu dem Motto: Wer zurückliegt, kann keine Führung verspielen.

Knapp 30 Minuten sind rum, als Per Nilsson mit viel Gerissenheit die Gladbacher Taktik entlarvt. Nach einem langen Ball von Arango touchiert er den Ball mit der Hand und platziert den ersten Elfmeter im Magen von Wolfgang Stark. Der ist bei seiner Entscheidung jedoch vom Heißhunger übermannt worden: Nilsson berührte das Leder ganz klar außerhalb des Strafraums. Zudem vergaß Stark, ihn für das Vereiteln einer glasklaren Torchance vom Platz zu stellen. Elfer und Gelb statt Freistoß und Rot – Filip Daems nimmt den Tausch dankend an und erteilt Arango eine Lektion im Elfmeterschießen.

Gladbach führt nach einem Tor aus dem Fast-Nichts mit 1:0. Auswärts, wohlgemerkt. Zumindest innerlich laufe ich vor Scham rot an, weil ich schon wieder führe in der Fremde. Zum siebten Mal bei meinen letzten acht Auswärtsfahrten. Noch kurz vor der Pause öffnet das Pleiten-Kabinett seine Pforten. Wie so oft in diesem Spiel gönnt das eine Team dem anderen keine Peinlichkeit. Bailly will den Ball nach vorne rollen und merkt gerade noch rechtzeitig, dass der blau-schwarze Turm vor ihm beweglich ist und auf den Namen Ba hört.

Dann stolpert Hoffenheims Vorsah mit dem Ball am Fuß durch den eigenen Strafraum wie ein Besoffener, der im Delirium seine Brille verloren hat und sie in der Dunkelheit des Samstagmorgens nicht findet. Bradley hat plötzlich die dicke Chance, den Unverschämtheits-Faktor zu quadrieren. Doch vor Hildebrand versagen ihm seine amerikanischen Nerven. Auf der anderen Seite bringt er sich erneut ins Spiel, indem er Ibisevic zum 2:2 der Pannen ausgleichen lässt. Kurz vor der Pause gelingt es Hildebrand nicht mehr, anders als Bailly zuvor, einen fehlgezündeten Abwurf zurückzuholen. Bobadilla lässt die Wolfsburg-Hacke stecken, zeigt jedoch nicht annähernd so viel Nervenstärke wie gegen Bremen. Es bleibt bei einer merkwürdigen Pausenführung für die Borussia.

Die Halbzeit müssen wir also ohne KitKat überbrücken. Die Begründung des Ordners, die Schokoriegel würden zu gut fliegen, nimmt mein Bruder mir nicht ab. Waren eh Haselnüsse drin, fällt mir später im Auto auf. Sprich, ich kann mit dem Verlust noch besser leben. Ohnehin sind die Gedanken mit dem Beginn der zweiten Hälfte schnell ad acta gelegt. Tobias Levels erlebt seine berüchtigten fünf Sekunden und befördert eine Flanke in den Strafraum, bei der eigentlich nur noch der Kometenschweif fehlt. Am zweiten Pfosten beweist Bobadilla, dass er eigentlich kein grandioser Kopfballspieler ist. Dennoch scheint es zu genügen für das 2:0 – bis Colautti von der Ungeduld übermannt wird und den Ball über die Linie spitzelt. Ich stelle mich bereits darauf ein, dass genau vor meinen Augen eine Fahne in den Abendhimmel gereckt wird. Doch Stark und sein Assistent, scheinbar beide auf den Fehlentscheidungs-Geschmack gekommen, geben das Tor. 2:0 und noch weiß keiner so richtig, warum eigentlich.

Die nächsten knapp 20 Minuten gehören dann erstmals so richtig der Borussia. Im Hinspiel hat sie sich, konditionell nicht ganz auf der Höhe, stundenlang hinten rein gestellt, um die Führung über die Zeit zu bringen. Vergeblich. Jetzt sucht Gladbach das Heil in der Offensive und ist dem 3:0 näher als allen anderen Dingen, die ein Fußballspiel so bringen kann. Trotzdem schießt Hoffenheim den Anschlusstreffer – bezeichnenderweise über die Seite von Filip Daems, der sich seit seiner Verletzung nur noch als Schatten seiner selbst präsentiert. Mit diesen Leistungen – hinten mit vielen Fehlern, vorne gar nicht existent – dürfte er es sogar schwer haben, mit seinem Schatten mitzuhalten.

Wenige Minuten nach dem 2:1 will Wolfgang Stark sein Handelfmeterkonto noch immer nicht aufbrauchen. Dante springt der Ball beim Moonwalk so offensichtlich an die Hand, dass es selbst aus 120 Metern Entfernung zu sehen ist. Keine tiefstehende Sonne, kein Alkoholeinfluss – verwunderlich, warum Schiri Stark ausgerechnet bei diesem Spiel seine zweite Fünfer-Leistung der Saison abliefert, nachdem er sich in der Hinrunde sein bislang einziges „Mangelhaft“ erpfiffen hatte. Gladbach spielte gegen Hoffenheim. Unrecht ist es mir diesmal nicht. Denn schließlich hält der WM-Schiedsrichter somit meine Hoffnungen am Leben, bald eine Auswärtsdauerkarten-Petition an den Verein senden zu können.

Doch so ganz traue ich dem Auswärtsbraten auch nach 80 Minuten noch nicht. Matmour ist im Spiel. Noch fehlt Friend, um ein Revival des Siegtreffers von vergangener Woche in Angriff zu nehmen. Raphael Schäfer ist bereits im Anflug, als Michael Frontzeck bemerkt, dass der Transfermarkt geschlossen ist und es somit nichts wird. Trotzdem bringt er den Kanadier, der in der Schlussphase so effektiv auftritt wie Niederländer in allen Wintersportarten außer Eisschnelllauf.

Bevor es Zeit wird für ein wirkliches Revival, nämlich ein Blog-Revival, sei natürlich Bradleys dicke Chance zum 3:1 nicht vergessen (wobei man es angesichts dessen, was danach kommt, schon gerne tun würde). Nun jedoch ein Zitat aus dem September 2009, Gladbach gegen Hoffenheim, es steht 2:2:

Man muss nicht einmal honorarmäßig bei Astro TV arbeiten oder „Wahrsagen“ in seinem StudiVZ-Profil unter Hobbies eingetragen haben, um zu wissen, was in den letzten Minuten geschehen wird.

Einmal mehr schließe ich mich meinen Worten ohne Zögern an. Filip Daems will bei einer Flanke von Ibisevic augenscheinlich noch einen Gruß an die Zuschauer in den Business-Logen loswerden. Der Ball berührt seine Hand, seine Hand berührt den Ball. Wolfgang Stark brüllt ein „Guten Appetit!“ in den Kraichgauer Abendhimmel und serviert Hoffenheim die große Chance zum Ausgleich in der vorletzten Minute. Kurz glaube ich noch daran, vielleicht Nutznießer eines großen Glücksmomentes zu werden, indem Bailly den Elfmeter einfach abwehrt. Doch der unhaltbare Schuss von Carlos Eduardo machte alle Hoffnung zunichte. Weil ich stehe, kann ich nicht einmal in meinem Sitz zusammensinken. Gladbach verspielt sowohl die dritte Zwei-Tore-Führung gegen Hoffenheim als auch die insgesamt dritte dieser Saison. Im Nachhinein eigentlich ein Wunder, dass das 4:1 gegen Bremen über die Zeit gebracht wurde. Ich werde warten bis Saisonende, bis ich alle vergeigten Punkte dieser Spielzeit aufrechne und mir überlege, was in diesem dicht gedrängten Mittelfeld der Liga alles möglich gewesen wäre. Ich werde warten. Aber ich werde es tun.

Im Nu erleidet eine gelungene Reise – bis auf Schal- und Schokoriegelverlust – also einen herben Dämpfer. Ich werde mir meine Auswärtskarten weiterhin selbst kaufen müssen. Gesagt, für Dortmund bereits getan. Dortmunder NRW-Kennzeichen sind auf der Heimfahrt so ziemlich die einzigen, die uns nicht unterkommen. HS für Heinsberg, KLE für Kleve, VIE für Viersen und natürlich MG für Mönchengladbach – der Niederrhein war einmal mehr auf den Beinen. Was neben einem Punkt also bleibt von diesem Spiel ist folgende Kenntnis: Ohne Borussen wäre die A61 völlig verwaist in der Nacht.

Im Zweiten wird’s wohl besser – 22. Akt:
Lange nicht so päpstlich wie der Papst

Gladbach Motivbild

Gladbach 2:1 Nürnberg – Holland-Bier, Kirschlikör, ein Foul, kein Pfiff, der Papst, andere Konfessionen, andere Sitten und ein guter Freund.

Zu wohl keiner anderen Zeit im Jahr ist der Niederrhein ursprünglicher und heimatverbundener als an den Karnevalstagen. Und deshalb verwundert es nur wenig, dass selbst ein Gespräch am Rosenmontag – mit Indianer-Federn auf dem Kopf, verwischter Schminke im Gesicht und pfandfreiem Dosenbier in der Hand – nicht ohne ein Thema auskommt, das die Region bestimmt wie kaum ein anderes: die Borussia aus Mönchengladbach.

Drei Tage lag das 2:1 des VfL im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg zu diesem Zeitpunkt schon zurück. Doch die Diskussionen hielten an zwischen Holland-Bier und Kirschlikör: War es wirklich so ein klares Foul vor dem Siegtreffer durch Rob Friend? Und wenn ja, muss man sich dafür entschuldigen, wenn man auf diese Weise das erhält, was man sich über 90 Minuten redlich verdient hat? Den Sieg.

Die Antwortkombination dürfte Ja-Nein lauten. Karim Matmour mag nicht zum Kopfball abgehoben sein, um mit Club-Torwart Schäfer Luft-Pogo zu tanzen. Doch da der Keeper in seinem Fünfmeterraum einen ähnlichen Status genießt wie der Papst im Petersdom, wäre ein Pfiff von Schiri Meyer logisch gewesen. Spätestens seit den Weihnachtsfeiertagen weiß man aber auch, dass selbst im heiligen Zentrum des Katholizismus die Sitten rauer geworden sind. Benedikt XVI. war bekanntlich von einer verwirrten Frau zu Fall gebracht worden. Die Dame erhielt, anders als Karim Matmour, einen Platzverweis durch die schweizer Schiedsrichter. Dennoch ließ die anglikanische Kirche in der Nachbetrachtung aus England verlauten, so etwas wäre auf der Insel mit Sicherheit nicht abgepfiffen worden.

Dass der Fußball ein merkwürdiges Spiel ist, muss man eigentlich nicht mehr andauernd wiederholen. Es zu unterlassen, fällt jedoch schwer. Da kehrt man nach einer an für sich bitteren Niederlage aus München heim, die Brust vor lauter Stolz bis zum Kinn angeschwollen. Zwei Wochen darauf stimmt ein ebenso knappes 2:3 beim Tabellenführer in Leverkusen nicht mehr ganz so froh, weil man sich in den entscheidenden Situationen schlichtweg dämlich angestellt hat. Die Rufe nach schnöden Siegen werden laut. Fährt man dann solch einen Dreier der Marke „Mund abputzen“ ein (wie am vergangenen Freitag), ist sich die Rautenwelt jedoch auch nicht so sicher, wo der nun wieder einzuordnen ist.

Also halten wir einfach fest, dass wir im Grunde sowohl drei Punkte als auch sehenswerte Leistungen wollen. Da der VfL ein Verein ist, der im letzten Jahr nur dem Abstieg entging, weil die anderen ihm mit 31 Punkten einen Bundesliga-Rekord ermöglichen wollten, bleiben wir jedoch völlig un-kölsch. Nämlich bescheiden. Drei Punkte und sehenswerte Leistungen müssen sich innerhalb von 90 Minuten nicht immer überschneiden – solange wir bis zum Saisonende jeweils einen zufriedenstellenden Teil von beidem bekommen. Mit 750 Reisekilometern vor der Brust darf der Fokus am Freitag gegen Hoffenheim jedoch gerne auf dem Punkte-Teil liegen. Denn Schönheit ist auswärts bekanntlich ein Fremder. Drei Zähler dagegen sind ein guter Freund.

Sitzen und sitzen bleiben

Die schreibende Zunft produziert bisweilen Kampagnen, egal ob pro oder contra, die jeden Bundestagswahlkampf vor Neid erblassen lassen. Derzeit ist es wohl einzig und allein der Quote 37 aus 69 zu verdanken, dass selten jemand die Nationalelf-Tauglichkeit von Kölns Nummer 10 in Frage stellt.

Fünfzehn deutsche Stürmer haben in dieser Spielzeit bislang häufiger getroffen als Lukas Podolski. Hinzu kommen sogar etliche Abwehrspieler. Das spricht weniger für einen Angriffs-Boom im deutschen Fußball, sondern vielmehr für eine absolut gebrauchte Saison, die der 24-Jährige erwischt hat. Momentan bleibt es ihm zwar versagt, seiner Flaute noch mehr Minuten hinzuzufügen (die elende Zählerei wollen wir ihm an dieser Stelle ersparen). Doch während der „verlorene Sohn“, der in der Hinrunde bisweilen noch verlorener wirkte als seinerzeit in München, seit nunmehr drei Wochen ausfällt, hat seine Mannschaft plötzlich das Toreschießen für sich entdeckt. Zehn Treffer in 17 Hinrundenpartien, zehn Treffer in vier Rückrundenpartien – Köln hat die Podolski-Hemmschwelle überwunden.

Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass Podolski zur WM nach Südafrika fährt. Miroslav Klose wird dann mit ihm im Flieger sitzen. Zwei Stürmer, zwei Tore, zwei Wildcards. Auf der Bank wird dann ein Angreifer sitzen, der nach dem 21. Spieltag 13 Treffer auf dem Konto hatte. Ein ebenfalls schon zweistelliger Kandidat wird ebenfalls Platz nehmen – auf dem heimischen Sofa. Weil er einst ein Stadion verließ, ohne „Tschüss“ zu sagen. Lukas Podolski ohrfeigte einst den Kapitän der Nationalmannschaft vor den Augen aller Welt auf dem Spielfeld. In der Disziplin Nahkampf ist Jogi Löws Leistungsprinzip wenigstens noch das, was es niemals war.

Im Zweiten wird’s wohl besser – 21. Akt:
Gladbach wie es sinkt und keiner lacht

Gladbach Motivbild

Mainz 1:0 Gladbach – eine Petition ohne Erfolg, Chancen in rauen Mengen, 65 Prozent Topzuschlag und Hoffnung auf Besserung.

Ich muss zugeben, dass das anstehende Karnevalswochenende eher die Vorlage für diese Überschrift gegeben hat als die Gladbacher Leistung in Mainz. Denn so apokalyptisch war es beileibe nicht. Womit wir jedoch auch schon beim Hauptkritikpunkt wären: Mal wieder hat die Borussia dominiert, mal wieder hat sie sich Chancen erspielt, für die man beim Mitzählen beinahe auf seine Zehen zurückgreifen muss – mal wieder steht sie mit leeren Händen da.

Jetzt könnten wir anfangen, nach Sündenböcken zu suchen. Jede einzelne Torchance von Marco Reus, Raúl Bobadilla oder Patrick Herrmann sorgfältig sezieren wie damals die Regenbogenforelle im Bio-Unterricht der Klasse 8. Doch diesmal ist alles viel, viel einfacher: Denn die Schuld liegt, so merkwürdig es klingt, bei knapp 3000 Borussenfans, die sich auf die Reise an den Mainzer Bruchweg gemacht haben. Vielleicht wirkte mein verzweifelter Aufruf auf der Fanprojekt-Seite unter der Woche nicht glaubwürdig genug. Vielleicht ist er untergangen im Hurrikan der Kartengesuche nach dem berauschenden 4:3 gegen Bremen. Jedenfalls warte ich bis heute auf eine Nachricht, auf einen selbstlosen Mainz-Fahrer, der sagt: „Jung, nimm’ meine Karte – damit drei Punkte im Gepäck landen“. Und dann tut es Dir Leid, doch dann ist es zu spät.

Die Abgabe einer Sieggarantie (vorausgesetzt, ich bin im Stadion) war unter dem Strich wohl zu viel des Guten. Schließlich ist da am 1. Spieltag noch dieser Fast-Sieg in Bochum gewesen, der die Schönheit meiner diessaisonigen Auswärtsbilanz etwas schmälert. Doch fest steht: 456 Tage oder auch 16 Gastspiele ist es her, dass die Borussia ohne meine Anwesenheit einen Dreier eingefahren hat. Von den sechs Partien, die ich seit jenem erfolgreichen 8. November 2008 in Bielefeld auswärts gesehen habe, gewann Gladbach vier, holte zudem ein 3:3 in Bochum und ging lediglich – man möge es verzeihen – mit 0:5 in Düsseldorf gegen Leverkusen unter. Haften bleiben dennoch die Dreier in Köln, Cottbus, Hamburg und Frankfurt. Jene im Derby und in der Lausitz erwiesen sich im Nachhinein bekanntlich als lebensrettend. Der Erfolg in Hamburg war der erste beim HSV seit 1994. Bei der Eintracht wurde es dann vollbracht, erstmals seit 14 Jahren wieder zwei Auswärtsspiele in Folge zu gewinnen.

Nun ist es außerdem nicht so, dass der VfL im Laufe dieser sieglosen 16 Spiele ein Unentschieden nach dem anderen eingefahren hat, mit dem man des Öfteren mehr als gut leben konnte. Nein, neben 13 Niederlagen bleiben nur drei einsame, gleichmäßig verteilte Punktegewinne. Und jetzt, nach zweieinhalb Absätzen voller Anschuldigungen, noch eine gute Nachricht: Am Mittwoch kam Post. Im Briefkasten waren zwei Karten für Hoffenheim. Noch besser: Mein Bruder kommt mit – wie in Cottbus und wie in Frankfurt.

Nach dieser dritten Auswärtspleite bei einem Aufsteiger in dieser Spielzeit (allesamt ohne eigenen Treffer) wirkt eine Reise in den Kraichgau zwar nicht so vielversprechend wie eine Beschränkung der Lottozahlen auf 1 bis 6. Doch es lässt sich jede Menge Mut schöpfen aus der Tatsache, dass die TSG ein offensiv eingestelltes Team ist, das sich seiner gesamten Stärke beraubt, wenn es sich hinten rein stellt. Mainz 05 gehört nun ebenfalls beileibe nicht zu den Mauerkindern der Liga. Dafür scheint das Scouting der weitaus sympathischeren Domstadt absolut zu fruchten. Der FSV kam nach einer Ecke zu seiner ersten und irgendwie auch einzigen großen Gelegenheit. Ein Abpraller in Pannenunion mit einem Luftloch genügte, um den Gastgeber kurz vor der Pause in Führung zu bringen – was am Ende vollkommen ausreichte. Das 1:0 von Bo Svensson war dessen erstes Erfolgserlebnis im Trikot von Mainz 05. Blinde Hühner finden gegen den VfL gleich ganze Kornspeicher.

In Hälfte eins gelang es der Borussia schlichtweg nicht, ihre Chancen zu nutzen. Bobadilla wirkte nach einem Arango-Freistoß so, als hätte man ihm Bleifäden in die Stutzen gewebt. Aus kurzer Distanz schoss er Mainz-Keeper Müller an. In der Folge erhöhte der Argentinier noch zweimal sein Konto der vergebenen Torchancen. Einmal verlor er die Orientierung, welches Bein nun das linke, welches das rechte ist. Dann beförderten ihn enorme G-Kräfte etwas zu weit Richtung Grundlinie, als er Heinz Müller umkurven wollte.

Der zweite Durchgang brachte schließlich nicht einmal mehr Torchancen, die der VfL liegen ließ. Bis zur 79. Minute dauerte es, dass die Borussia so etwas wie eine Schlussoffensive einläutete (der Schluss der Partie kam ohne eigenes Zutun, die Offensive eher krampfhaft). Michael Bradley hatte bei seinem Schussversuch eigentlich auf die linke Eckfahne gezielt. Mit ein wenig lotterieartigen Einflüssen landete der Ball bei Marco Reus, der sich dank dieser Szene – bei all der Freude, die er uns schon bereitet hat – so langsam zum Chancentod aufschwingt. Roel Brouwers ist auch nach dem 21. Spieltag weiterhin bester Torschütze der „Elf vom Niederrhein“. Und das mittlerweile weniger dank seiner eigenen Torjägerqualitäten, als aufgrund der Leiden des jungen M. vor des Gegners Tor.

Zu guter Letzt noch ein wenig Zahlenspiele: Was sagt die Formel 15 aus 10 gegen 1 bis 8 sowie 10 aus 11 gegen 9 bis 18 aus? Jawohl, die Borussia holt gegen die acht stärksten Mannschaften der Liga im Schnitt 65 Prozent mehr Punkte als gegen den Rest. Besonders dürftig sieht die Bilanz gegen das hintere Mittelfeld und die besser situierten der wenigen Abstiegskandidaten aus: Aus den sieben Partien gegen Hoffenheim, Stuttgart, Köln, Wolfsburg, Bochum und Freiburg holte der VfL hauptstädtisch anmutende drei Zähler.

Etwas Hoffnung weckt die Saisonbilanz gegen die Mannschaften aus den Niederungen der niederen Gefilde: 7 aus 4. Wenn es gegen Nürnberg nicht klappen sollte, gibt es zwar erneut nichts zu lachen. Doch weil Karneval ist, wird das „k“ im Wörtchen „sinkt“ dann trotzdem einem „g“ weichen müssen. Halt Pohl, Borussia.