Suche Torwart, zahle max. 12 Mio., Preis egal

Drei Millionen, zwölf Millionen, fünfzig Millionen – der geneigte Fußballbeobachter weiß mittlerweile ganz genau, ab welcher Ablösesumme ein Aufschrei angebracht ist, verbunden mit der Frage, ob ein Mensch mit Stollenschuhen, Stutzen und Trikots überhaupt soviel wert sein kann. Nur manchmal, da weiß er gar nicht, wann er “Stopp” rufen soll.

Der 25-jährige Linksverteidiger vom Bundesligaklub aus dem gesicherten Mittelfeld wechselt zu einem Ligakonkurrenten, der Jahr für Jahr international spielt. Letzte Saison hat der Wechselwillige sein erstes Länderspiel absolviert – jede einstellige Millionenzahl durfte in Ordnung gehen, zweistellig, das riecht schwer nach Manchester City.

Der Serienmeister eines Landes will sich im offensiven Mittelfeld verstärken, sucht einen internationalen Hochkaräter für die „Zehn”. Der Kandidat hat sein Team in der abgelaufenen Saison fast im Alleingang zum Titel geschossen, noch Vertrag bis 2011 und zudem bereits zwei überragende große Turniere gespielt. Er ist zwar „schon” 27 – sein Alter multipliziert mit einer Million als Ablöse wird jedoch gewiss keine Menschenrechtler und Afrika-Aktivisten auf den Plan rufen. Bob Geldof schweigt, Spieler XY geht über den Ladentisch.

Scouts eines aufstrebenden Vereins, der für die kommende Spielzeit den großen Angriff plant, haben am Zuckerhut einen echten Rohdiamanten gesichtet. Der Junge, was in diesem Fall nicht einmal eine Herabwürdigung seines Reifezustands darstellt, ist gerade erst 19 geworden, hat jedoch bereits zwei Jahre Erstligaerfahrung auf dem Buckel. Letztes Jahr hat er die Junioren-WM des nächsthöheren Jahrgangs bereichert. Bereicherung ist nun auch das Stichwort für seinen Verein: Zwölf Millionen Euro überweisen die ambitionierten Europäer. Der Großvater des Juwels nimmt prompt den Taschenrechner zur Hand und schlägt den Wechselkurs von Euro zu Real nach – der Anblick der Zahl 34.868.400 auf dem Display lässt ihn glatt vom Stuhl kippen. Ein paar Tausend Kilometer weiter nordöstlich bleibt man dagegen ganz gelassen.

Ein weiterer Topverein (an dieser Stelle das erste Beispiel aus der Realität) hat ein Problem: Der alte, langjährige Torwart, eine echte Legende, ist zurückgetreten. Sein Kronprinz, der endlich einen einwandfreien sportlichen Vaterschaftstest hinlegen und seinem Vorgänger in Klasse und Ausstrahlung nacheifern sollte, ist plötzlich zur Übergangslösung geworden. Bei Topverein XY* hat man das sicherlich auch registriert, das öffentliche Statement („ja, wir haben ein Torwartproblem – und das ist nicht gut so”) lässt noch auf sich warten. Also schwirren fast tagtäglich Meldungen wie diese, diese, diese oder diese durch die Landschaft.

Fragt sich nur: Was kostet eigentlich ein Torwart, der den Ansprüchen eines Rekordmeister gerecht werden soll? Und wann kaufen deutsche Spitzenvereine überhaupt einmal Torhüter für viel Geld, unter Umständen sogar Nationalkeeper?

*Name von der Redaktion geändert

24. April 2009 von Jannik Sorgatz
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