Das Schicksal nicht auf der Rechnung gehabt

Vier Spiele vor Saisonende hat Felix Magath seinen Abschied aus Wolfsburg verkündet. Dass der Zeitpunkt ungünstig gewählt war, stand schon vor dem Spiel gestern fest. Das 1:4 in Stuttgart bot die eindrucksvolle Bestätigung. Noch steht der VfL an der Spitze – doch nicht nur die Bayern sitzen ihm im Nacken.

Das Schicksal kennt kein Erbarmen. Erst Recht nicht, wenn man es geradezu unverschämt herausfordert. Erst Recht nicht, wenn das vielzitierte Wörtchen „ausgerechnet” ungeduldig in den Startlöchern steht.

„Ausgerechnet” bei Ex-Klub Stuttgart kassiert Felix Magath die höchste Pleite in fast zwei Jahren als Coach des VfL Wolfsburg. „Ausgerechnet” bei dem Verein, als dessen Trainer er sich vom „Quälix” zu einem der Branchenführer wandelte. „Ausgerechnet” vier Tore von Mario Gomez, der einst unter Magath debütierte, verpassen den Wolfsburger Meisterträumen einen herben Dämpfer. „Ausgerechnet” im ersten Spiel nach der Bekanntgabe seines Wechsels zu Schalke geht der Tabellenführer dermaßen baden.

Natürlich stehen die Geier jetzt wieder Schlange oder kreisen über der VW-Stadt. Natürlich haben es wieder alle gewusst und prophezeit. Aber Magath hat es nicht anders gewollt. Nach der Pleite in Cottbus, der ersten nach zuvor zehn Siegen in Serie, gab seine Mannschaft mit dem 4:0 gegen Hoffenheim eine unmissverständliche Antwort auf die Frage, ob der Höhenflug nun unsanft beendet worden sei.

Nur eine weitere Woche danach hat sich das Blatt erneut um 180 Grad gewendet. Und man darf sich ernsthaft fragen, ob Magath unter Woche bereits das Schalke-Gen implantiert wurde: Platz zwei am Saisonende wäre die Bestätigung. Die Entscheidung über den Titel hat der VfL inzwischen nur noch locker in der Hand. Selbst drei Siege aus den letzten drei Spielen könnten am Ende nicht reichen, falls die Bayern gleichzeitig zwei Treffer aufholen und somit auf der Zielgeraden vorbeiziehen.

Macht, Geld und wohl in erster Linie die Aussicht auf Unsterblichkeit ziehen ihn im Sommer nach Schalke. Er hätte nächstes Jahr Champions League spielen, vielleicht erneut mit Wolfsburg auf den Titel schielen können. Doch er hat die neue Herausforderung gesucht und vielleicht auch einen Negativtrend gefürchtet, der sich bei den Wölfen nach zwei herausragenden Jahren irgendwann von selbst eingestellt hätte. „Gehen, wenn es am schönsten ist” – der 55-jährige hat sich diese Devise zur Entscheidungshilfe gemacht.

Den Höhepunkt seiner zwei Spielzeiten beim VfL hatte Magath wohl für den 23. Mai eingeplant. Gut möglich, dass er sich nur leicht, aber dennoch folgenschwer verrechnet hat. Denn wenn es ganz dick kommt, hat man in Wolfsburg den Zenit bereits überschritten und steht in zwei Wochen mit leereren Händen da, als eingeplant.

10. Mai 2009 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Einwurf, Innenrist | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. „Ausgerechnet” bei Ex-Klub Stuttgart…

    Äh naja, das gilt ja für die halbe Bundesliga.

  2. “Ausgerechnet” bei dem Verein, als dessen Trainer er sich vom “Quälix” zu einem der Branchenführer wandelte.

    Die Betonung liegt eher auf diesem Satz. Frankfurt, Bremen, Nürnberg – das war ja eher noch ein anderer Magath, zumindest auf anderem Niveau.

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