Traum(a)bedingungen

Es gibt so Tage, an denen man nie im Leben das Haus verlassen würde, weil es schlichtweg gießt wie aus Eimern, wie aus ganzen Regenauffangbecken. Im Prinzip fällt mir für solche Tage – neben einer Kanutour durch die Gärten der Nachbarschaft – nur eine weitere Unternehmung ein, die einen Heidenspaß bereiten würde: Fußball spielen.

Mit T-Shirt und kurzer Hose, die zusammen vier Kilo wiegen, und mit 10 cm Wasser in den Schuhen, die bei jedem Schritt quietschen wie die Ente in der Badewanne. Mit soviel Grashalmen an den Beinen, dass man die Naturbehaarung nicht mehr vom grünen Rasen unterscheiden kann. Mit Schlammspritzern im gesamten Gesicht, so dass sich selbst Wehrdienstverweigerer in der Grundausbildung beim Bund wähnen. Das ist keineswegs martialisch, sondern ein Traumerlebnis für jeden Menschen.

Herr Dr. Dress fürchtete gestern im überschwemmten Frankenland wohl eher einen Traum mit –a hinten dran, weshalb er der Partie Nürnberg gegen Wolfsburg ein – sowohl aus Spieler- als auch aus Fansicht – viel zu frühes Ende. Sicher hätte Marcelinho einen Freistoß gegen die Latte setzen können und der Ball wäre nicht von der Linie ins Tor gesprungen, sondern genau am Aufprallpunkt liegen geblieben. Pinola hätte Gentner im Strafraum durchaus von hinten in die Beine (aus-)rutschen können, ohne dass er je so etwas im Sinn gehabt hätte. Und Misimovic hätte mit dem Fuß in einer Pfütze hängen bleiben und sich das Syndesmoseband reißen können. Alles hypothetisch.

Die Floskel, dass „beide Teams schließlich mit denselben Bedingungen zu kämpfen haben“ ist hier alles andere als Fehl am Platze. Auch Felix Magath machte nicht den erfreutesten aller Eindrücke. Sein Team hat nun zwar die Chance, die Scharte der ersten Halbzeit auszuwetzen, muss jedoch auch noch einmal den langen Weg nach Nürnberg antreten und unter Umständen geht auch das Nachholspiel verloren. Beide Vereine trugen gestern nicht einmal hauptsächlich weiße Trikots. Selbst die Waschfrau/ der Waschherr hätte getrost für eine Fortsetzung des Spiels stimmen können. Hätte, hätte, hätte.

In Wimbledon harren die Akteure so lange aus, bis der Regen aussetzt. Und wenn sie 18 Stunden lang mit Erdbeeren und Sahne die Zeit totschlagen. Es ist doch Wochenende. Dann wären die Kinder im Stadion eben erst um 2 Uhr ins Bett gegangen. Ich hätt’s mir angeguckt.
Zur Not hätte man immer noch Günther Koch von der Tribüne holen können. Der hätte den Rasen schon trocken gelabert. Oder auf den Regen eingeredet, bis der mit erhobenen Händen resigniert.

12. April 2008 von Jannik Sorgatz
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