Wenn der letzte Pfiff ein Anpfiff ist

Manch einer scheint nach einer intensiven Saison die Sommerpause herbeizusehnen. Doch wollen wir wirklich, dass das Gastspiel von Ängelholms FF in Trollhättan im Vakuum, das 08/09 hinterlässt, ein echtes Highlight ist?

Paderborn gegen Osnabrück, China gegen Deutschland – das wirkt nach Bremens 5:4 gegen Hoffenheim, dem 4:4 zwischen Liverpool und Arsenal, Barcelonas berauschendem Kurzpassspiel und packendem Titelkampf wie ein Abstieg. Doch dieser Freitag, 29. Mai 2009, hatte nun einmal nichts anderes zu bieten. Also nimmt man mit, was sich irgendwie mitnehmen lässt. Pokalfinale, Relegationsrückspiele und Episode II der unnützesten Reise seit meiner Konfirmationsfahrt nach Ameland liegen vor der Brust. Wenn in Abu Dhabi am Dienstag der letzte Pfiff ertönt, dann ist jedoch noch lange nicht Schluss. Zwölf Tage später beginnt der Confed-Cup 2009. Und welche Partie könnte einen fulminanteren Auftakt bescheren als Südafrika gegen Irak?

Doch selbst die Zwischenzeit lässt keine Ruhe. Wenn Schweden und Dänemark im direkten skandinavischen Duell um ein WM-Ticket kämpfen, dann klingt das nicht wirklich nach Sommerloch. Montag, der 8. Juni, ist so ziemlich der erste Tag, an dem der Matchkalender nicht einmal mehr die 2. Bundesliga der Frauen oder Qualifikationsspiele in Südamerika zu bieten hat. Trollhättans FK empfängt Ängelholms FF am 11. Spieltag der schwedischen “Superettan” (2. Liga). Im anderen Spiel des Tages hat Södertäljes Gegner Sundsvall als einziges involviertes Team tatsächlich keinerlei Umlaute im Vereinsnamen vorzuweisen.

Irgendjemand ist auf die glorreiche Idee gekommen, die U21-EM in Schweden zeitgleich mit dem Confed-Cup in Südafrika auszutragen. Den Irakern, Neuseeländern oder Ägyptern wird es ziemlich egal sein. Die Überschneidungen halten sich jedoch in Grenzen (ganz so unbedarft scheinen der Rahmenterminkalendermacher dann doch nicht zu sein). Alleine Deutschlands Duell mit Spanien (U21-EM) kollidiert mit der Partie Italien gegen USA (natürlich nicht U21-EM).

Seit ein paar Tagen streikt der Premiere-Decoder. Immer wieder hakt das Bild. Das Signal der Fernbedienung ist ihm dann plötzlich fremd. Oft bringt nur ein Neustart die Rettung. Wenn eine derartige Gefühlsregung nicht so unwahrscheinlich wäre, könnte man glatt zu dem Schluss kommen, der silberne Kasten habe nach 34 Spieltagen, einer ganzen Europacupsaison und etlichen Länderspielen schlichtweg die Nase voll.

Man könnte deshalb also genauso gut konstatieren, dass der geneigte Fernsehgucker eine Pause braucht. Doch wer ihn auf dem Boden hocken und den Decoder mit entschlossen-sanften Schlägen traktieren sieht, mit Schweißperlen auf der Stirn und Schimpftiraden auf der Zunge, der merkt ganz schnell: Genug vom Fußball bekommt man nie.

Denn Fußball ist – entgegen aller Behauptungen – kein saisonales Ereignis wie Weihnachten, von dem man nach 27 Kilo Lebkuchen auch gehörig die Nase voll hat. Fußball ist ich, du und wir – und das an 365 Tagen. Sätze wie “jetzt hab’ ich erstmal die Schnauze voll und freu’ mich auf die Pause” muten deshalb stets etwas Münchhausen’esk an.

30. Mai 2009 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Einwurf | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Word!

  2. Pingback: Weiter machen, immer weiter machen at Entscheidend is auf’m Platz

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