Auf Müllers Spuren

Bis gestern Abend um 20 Uhr hatte Kevin Kuranyi 75 Treffer in Deutschlands höchster Spielklasse erzielt. Dreimal hatte er dabei gleich drei Tore in einem Spiel untergebracht. Aber vier? Das war auch für ihn Neuland – bis gestern Abend wohlgemerkt.

Spätestens jetzt hat er jegliche Zweifel an seinem Platz im EM-Kader ausgelöscht. Ok, vier Tore gegen Cottbus, einige davon arg abgestaubt. Aber wenn Miroslav Klose ein Hattrick gegen Cottbus gelingt, schreit auch niemand „das kann ich auch“. Deshalb sollten wir Kuranyis Viererpack ohne zu nörgeln so stehen lassen. Innerhalb von neunzig Minuten hat sich der 26-jährige gebürtige Brasilianer mit deutschem Vater, ungarischen Vorfahren, drei Pässen, der in Panama aufgewachsen ist und für Deutschland spielt, vom Formtief auf Platz drei der Torjägerliste katapultiert. Dort weilt er nun einen Treffer hinter Mario Gomez als zweitbester deutscher Stürmer. Miroslav Klose liegt mit seinen zehn Toren weit dahinter.

Kuranyis doppelten Doppelpack von gestern habe ich mir zum Anlass genommen, unsere drei besten Stürmer einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Lukas Podolski taucht hier nicht auf, weil seine Anzahl an Toren in der Bundesliga (zwei) nicht genügend statistischen Nährwert bereithält. Kießling, Neuville, Helmes und Hanke, die allesamt für den fünften Stürmer im EM-Kader in Frage kommen, wurden ebenfalls nicht berücksichtigt, da sie wohl kaum einen Platz in der Startelf bekleiden werden, wenn alles seine normalen Wege geht.

Entscheidend war natürlich nicht nur die Anzahl der Tore, sondern auch die Konstanz des Trios, ihre Flexibilität, was die Art und Weise angeht ein Tor zu erzielen, die Bedeutung für ihr Team, die Wichtigkeit ihrer Tore und ob sie auch auf fremden Platz erfolgreich sind. Für den Sieger gab es jeweils drei Punkte, für den Zweiten zwei und für den Dritten einen. Dementsprechend hatte der Kandidat mit den meisten Zählern die Nase vorn. Wie im Auto-Quartett muss dabei nicht immer der höchste Wert gewinnbringend sein, sondern theoretisch, wie z.B. bei der Länge ihrer größten Torflaute in dieser Saison, auch der kleinste. Zudem muss auch ins Gewicht fallen, ob sich ein Stürmer erst auf dem Spielberichtsbogen verewigt, wenn sein Team ohnehin 3:0 führt, oder ob er auch mal der einzige ist, der für sein Team trifft.

Mario Gomez hat am Ende also deutlich die Nase vorn. Doch virtuell müssten ihm aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit und der begrenzten internationalen Erfahrung ein paar Zähler abgezogen werden. Im Vergleich zum punktgleichen Kuranyi dürfte Klose als WM-Torschützenkönig von 2006 den Verteidigern Europas etwas mehr Angst einjagen. Sein internationales Renommee spricht für ihn.
Kurioserweise ist Gomez der einzige, der in dieser Saison schon einmal mit links getroffen hat (und mit der “Hüfte”). Bezeichnend ist, dass alle drei Kandidaten für die Startelf im Auftaktspiel gegen Polen einen Migrationshintergrund besitzen. Gomez stammt aus Spanien, Klose aus Polen und Kuranyi im Prinzip von überall her.
Unterm Strich tendiert das Pendel derzeit also zum Duo Gomez-Klose.

16. April 2008 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Die mit dem Adler | Schreibe einen Kommentar

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