Wikipedia-Wissen I*

“Patrick Mölzl ist der Sohn von Erhan Önal, dem ersten Migrantenkind türkischer Abstammung, das in der Bundesliga spielte.”

Als Erhan Önal am 22. Januar 1977 sein Bundesliga-Debüt feierte, war an Nuri Sahin, Mesut Özil oder die Altintops noch gar nicht zu denken. Selbst Mustafa Dogan, der erste deutsche Nationalspieler türkischer Herkunft, hatte gerade erst seinen ersten Geburtstag gefeiert. 18-mal lief Önal für den FC Bayern in der Bundesliga auf. Über Lüttich führte sein Weg schließlich zurück in die Heimat seiner Eltern. Erst 1992 beendete er seine Karriere bei Galatasaray Istanbul.

Aus irgendeinen Grund fühle ich mich verleitet, Önals Pionierarbeit bei Bayern München mit dem inzwischen verpönten Zusatz “ausgerechnet” zu versehen. Bayerischer Vorsprung in Sachen Integration oder doch Zufall? Einer seiner Nachfolger auf diesem Terrain, Ilyas Tüfekci, war mit seinen Eltern aus der Türkei nach Berlin gezogen, debütierte für den VfB Stuttgart in der Bundesliga und wechselte daraufhin als erster Türke zu Schalke 04. Da riecht es schon wieder eher nach Zufall.

Zufällig wird Önals Sohn es derweil nicht zum Profi gebracht haben. Wobei einem beim Namen Patrick Mölzl nur schwerlich die Tags “türkisch” und “Migrantenkind” in den Sinn kommen. Im Gegensatz zu seinem Vater war Mölzls Zeit beim Rekordmeister mit Titeln gesegnet. Ligapokal, Champions-League, DFB-Pokal und Meisterschaft – alles in der Saison 2000/2001. Doch auf die Fahne schreiben wird sich der heutige Augsburger diese Erfolge wohl kaum. Nicht einmal lief er in jener Spielzeit für die Bayern auf. Man kann also mit Verlaub sagen, dass sich sein Vater eher einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert hat.

* Man stößt beim Wilfing auf Wikipedia des öfteren auf Dinge, die man so oder so ähnlich dann doch nicht erwartet hätte. Sobald das passiert und es sich anbietet, gibt es von nun an in flexiblen Abständen ein bisschen Trivia aus der Welt des Fußballs.

25. August 2009 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Auf'm Nebenschauplatz | Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Sicher wird das eher Zufall gewesen sein – aber wieso “ausgerechnet” Bayern München?
    Die Bayern waren schon sehr früh ein “internationaler” Klub, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Fußballvereinen. Ich empfehle: Die Bayern. Die Geschichte des deutschen Rekordmeisters (Gebundene Ausgabe)
    von Dietrich Schulze-Marmeling

  2. Das “ausgerechnet” würde sich nur auf das Bundesland beziehen, das der FCB im Vereinsnamen führt. In Sachen Integration ist der Ruf ja nicht gerade schlecht.

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