Streifen, wilde Tiere und ein Swoosh

Nike und Adidas streiten sich seit Jahren um die Vorherrschaft auf der rechten Fußballerbrust. Doch wer kommt danach, wer ist im Kommen und wer kommt gar nicht mehr? Die letzten zehn Jahren im Überblick.

Ausrüster Übersicht 10 Jahre

(Ein Klick auf die Grafik sorgt für Klarheit.)

Lange hatte er sich rar gemacht. Doch vor kurzem tauchten erstmals seit mehr als einem Jahr bewegte Bilder von Fidel Castro auf. Was das Regime auf Kuba verschwiegen hatte: Offenbar hat der „Máximo Líder“ in der Zwischenzeit den Ausrüster gewechselt. Statt dreier Streifen auf seinen Schultern prangt nun eine Raubkatze auf der Brust. Man munkelt, es handele sich dabei um einen Puma.

Wie ich jetzt den Schwenk von Fidel Castro auf den Fußball schaffe? Auch auf der rechten Brust der Profiklubs findet ein stetiger Wandel statt. Ausrüster kommen, Ausrüster gehen. Und bei einigen liegt zwischen Kommen und Gehen nicht allzu viel Zeit. Wer trägt heutzutage beispielsweise noch Fila, Globetrotter oder Hummel? Letztere wurden einst von Real Madrid getragen. Doch nicht einmal mehr die dänische Nationalmannschaft hat heute noch den Ausrüster, den sie weltberühmt gemacht hat.

Ein Blick auf die letzten zehn Jahre und insgesamt 23 Sportartikelhersteller, die sich in Liga eins und zwei verewigten – darunter drei Streifen, ein Swoosh, eine Raubkatze, zwei nackte Menschen und ein Diamant.

1. Nike – der Marktführer

Die Hälfte aller aktuellen Bundesligisten hatte Nike in den vergangenen zehn Jahren wenigstens eine Spielzeit lang unter Vertrag. Dennoch musste man seit dem BVB-Titelgewinn 1996 dreizehn Jahre warten, bis mit dem VfL Wolfsburg wieder ein Nike-Klub die Meisterschaft holte – und prompt zur Konkurrenz von Adidas abwanderte. In nur einer Saison seit der Jahrtausendwende belegten die Amerikaner ligenübergreifend nicht den ersten Platz. Ansonsten bedeuten 68 „Swooshs“ in zehn Jahren Rang eins – mit 18,9 Prozent Marktanteil.

2. Adidas – drei Streifen auf Platz zwei

Die Bundesligatabelle im September 2009: Vier der ersten fünf Vereine laufen mit den weltberühmten drei Streifen auf. Adidas taucht diese Saison zudem nur in Liga Eins auf und belegt dort den ersten Platz. Auch wenn Nike ligenübergreifend die Nase vorn hat, verkörpern die Erben von Adi Dassler ein noch größeres Premium-Produkt, verdienen sich die Bezeichnung einer „Dynastie“. Konstanz wird ebenfalls groß geschrieben: Die Bayern, Schalke, Leverkusen und Nürnberg haben in den letzten zehn Jahren nie ihren Ausrüster gewechselt .

3. Jako – [...]

Den Jako-Baade-Konflikt wird so schnell wohl niemand vergessen haben. Viele beteuerten damals, von der Firma aus Mulfingen-Hollenbach noch nie etwas gehört zu haben. Platz drei im Zehn-Jahres-Ranking wird daher überraschen. Zugegeben: Da ein Engagement bei den Bayern und eine Kooperation mit Greuther Fürth gleich stark gewertet werden, spiegelt die Rangliste nicht ganz die wirklichen Marktanteile wieder. Doch dank einer Stellung in Liga Zwei, die fast den Zusatz Vormacht- verdient, rangiert Jako mit großem Abstand zu den Nächstplatzierten auf Rang drei, hatte noch im letzten Jahr gemeinsam mit Nike die Nase vorn, musste vor dieser Spielzeit jedoch erstmals den Absturz auf Position vier hinnehmen.

4. Uhlsport – die fetten Jahre sind vorbei?

Über den neuerlichen Ausfall von Robert Enke wird man sich bei Uhlsport nicht gefreut haben. Denn bei genauem Hinsehen ist jede Parade des Nationalkeepers auch Werbung für den Sportartikelhersteller aus Balingen in Baden-Württemberg. In der Bundesliga taucht man aktuell nur auf den Händen der Fußballer auf. Beim Thema Einheitsball will man jedoch auch ein Wörtchen mitreden. Treuester Kunde von Uhlsport ist seit Jahren der MSV Duisburg. Nach einer zwischenzeitlichen Spitzenposition in der Saison 2002/2003 steht dieses Jahr jedoch nur noch Rang sieben zu Buche. Mit den Ablegern Kempa im Handball und Spalding im Basketball ist Uhlsport zusätzlich in zwei der beliebtesten Mannschaftssportarten präsent.

5. Puma – geradeso im Europacup

Eigentlich kann Puma froh sein, dass Gründer Rudolf Dassler nicht die gleichen Vorlieben bei der Namensgebung hatte wie Bruder Adolf „Adi“ Dassler. Rudidas – das wär’ es nun wirklich nicht gewesen. Stattdessen manifestiert sich die Adidas-Schwester aus Herzogenaurach seit Jahren als Nummer drei der Welt in unseren Köpfen. Zuletzt sorgte Usain Bolt in insgesamt nur 28,77 Sekunden für einen Marketingboom, der seinesgleichen sucht. Trotzdem steht hier nur Rang fünf zu Buche. Kein Jahr mit mehr als vier Engagements in Liga Eins und Zwei – immerhin spielt Puma mit dem VfB Stuttgart Champions League. Hoffenheim soll in absehbarer Zeit folgen.

6. Kappa – Deutscher Meister mit zwei Nackten

Die Tags des Deutschen Meisters 2004: Johan Micoud, Ailton, grün, orange – und Kappa, das auf jedem Meisterfoto mit auftauchte. Die Italiener aus Turin sind bekannt für ihre körperbetonten Trikots und ihr Logo, auf dem eine nackte Frau und ein nackter Mann Rücken an Rücken sitzen. Vielleicht tragen sie auch nur Kappa-Trikots, die so eng am Körper liegen, dass der Eindruck von Nacktheit entsteht. Sie scheint zu telefonieren, ihm ist offensichtlich kalt. In den letzten zehn Jahren war Kappa konstant mit mindestens zwei Teams im Profifußball vertreten, jetzt ist es erstmals nur ein Verein – mit dem BVB jedoch ein äußerst namhafter.

7. Saller – Die Unglücksbringer

Die Region um den 49., 50. Breitengrad kann man mit Verlaub als wahren Ausrüstergürtel bezeichnen: Adidas und Puma in Herzogenaurach, Jako in Hollenbach, Uhlsport in Balingen – und mit Saller aus Weikersheim ein weiterer deutscher Vertreter in den Top 10 der letzten zehn Jahre im Ober- und Unterhaus. Die letzte Spielzeit dürfte auch für Saller eine tränenreiche gewesen sein: Mit Bielefeld und Cottbus stiegen beide Vertragspartner aus der Bundesliga ab. Schon 2004 gingen sowohl der 1. FC Köln als auch Union Berlin eine Klasse runter. Dafür ist Saller diese Saison jedoch so präsent wie nie. Bielefeld und Cottbus blieben im Boot, mit Koblenz kam erstmals ein dritter Verein hinzu.

8. Lotto – Minimalisten aus Italien

Sieben Jahre Mainz, sieben Jahre Gladbach – genug für Platz acht. Die Markteroberung von Lotto erfolgte dosiert und tut es wohl immer noch. Man muss sich nur geschickt positionieren. Auf der rechten Brust zeigt sich die Borussia also weitaus konstanter als auf dem Platz. Auch wenn die Qualität, hier kann ich ja aus eigener Erfahrung sprechen, zeitweise zu wünschen übrig lässt, hat sich Lotto etabliert.

9. Do You Football – Trikots 2.0

Mit 45 Euro ist man dabei. Bei den Bayern geht es selbst für Kinder erst bei 55 Euro los. Bochum, Augsburg, Kaiserslautern, Union Berlin und St. Pauli sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Do You Football – 2004 in der Nähe von Hamburg gegründet und damit einer der wenigen Nordvertreter – belegt aktuell alle drei Aufstiegsränge in Liga Zwei. Irgendwie sinnbildlich für den Aufstieg des jungen Unternehmens, das erst seit 2007 im Profifußball dabei ist und mit fünf Vereinen in diesem Jahr schon die dritte Kraft im Meer der Sportartikelhersteller stellt. Alleine die Firmenhomepage spiegelt nicht ganz die groß geschriebene Leidenschaft wider: Der letzte Eintrag im Fanblog stammt aus dem Juni. In der rechten Spalte fehlt noch immer der 1. FCK bei den „Partnern auf dem Rasen“. Der Kontakt zur Basis funktioniert ansonsten dennoch bestens. 2008 stellte Do You Football ein paar Entwürfe auf der Homepage des FC Augsburg zur Diskussion. Einem 15-jährigen gefiel keiner der Vorschläge so richtig. Also setzte er sich vor seine PC und versuchte sich kurzerhand als Trikotdesigner – ein paar Monate später lief der FCA in seinem Design auf. Wobei das in Zeiten von Photoshop beileibe kein Kunststück mehr ist.

10. Umbro – Der verschwundene Diamant

15 von 16 WM-Teilnehmern liefen 1966 in Umbro-Trikots auf. Vor drei Jahren waren es mit England und Schweden gerade noch zwei. Auch im deutschen Profifußball sucht man den Diamanten seit 2008 vergeblich. Mittlerweile ist Umbro in Besitz von Nike, existiert als eigenständige Marke jedoch weiter.

Die hinteren Plätze

München am 7. Juli 1974: Franz Beckenbauer reckt den Pokal in die Luft, Sepp Maier und Paul Breitner applaudieren, Deutschland ist Weltmeister – in Erima-Trikots. Zwei Jahre später erfolgt der Verkauf an Adidas. 1993 steht das Unternehmen vor dem Aus. Im deutschen Profifußball taucht man erst 2008 wieder auf. Seitdem laufen die Münchner Löwen mit dem bekannten Logo auf, das an eine Mischung aus einem aufgeschlagenen Buch und einem paar Flügel erinnert.

Fila spielte Anfang des Jahrtausends mit dem HSV noch Champions League. Seitdem ging es stetig bergab. Weg vom Bundesliga-Fenster sind die Italiener, mittlerweile in Besitz von Koreanern, schon seit 2003. Reebok ist seit fast vier Jahren in Händen von Adidas und in den großen amerikanischen Profiligen seitdem eine große Nummer. Bis 2003 prangte man auf der Brust der Gladbach Borussia, letzte Saison dann der Schritt in die Gegenrichtung – zum 1. FC Köln.

Hummel ist spätestens seit dem dänischen EM-Erfolg 1992 kein Unbekannter mehr. Under Armour will mit Hannover 96 den steinigen Weg aus dem Nichts der Sportartikelhersteller beschreiten. Lange waren die Amerikaner nur für ihre Thermo-Sportunterwäsche bekannt. Fanworld, Penalty, Dragon Sport und Legea gehören am Ende des Tableaus zu den Eintagsfliegen, die nur ein einziges Jahr in Bundesliga und Zweiter Liga auftauchten.

16. September 2009 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Auf'm Nebenschauplatz, Innenrist, Zahlen, bitte | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. adidas ist ja auch am FCB beteiligt und wird daher wohl ein Partner für die Ewigkeit.

  2. Sehr schöne Zusammenstellung.

    um die “Erfolge” der Hersteller zu ermitteln, könnte man doch die Platzierungen der Ausgerüsteten (1-36) mit einbinden. Oder?

  3. @Tobi K:

    Prinzipiell wäre das natürlich möglich. Jako dann mit Sicherheit nicht mehr auf Platz drei;).

    Ein Beispiel: Adidas rüstet momentan 6 Profiklubs aus – 5 davon belegten letztes Jahr einen Platz unter den ersten 9 der Bundesliga.

    Und seit dem Wochenende spielen die Top 3 in Adidas.

  4. hi! Danke für den guten Artikel. :) – kann man mit Fortsetzung rechnen? Grüße – Christine.

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