Der deutsche Titelkorridor – von 0° bis 13° Ost

Warum die Historie gegen einen deutschen Sieg im EM-Finale in Wien spricht.

Die deutsche Nationalmannschaft hat in ihrer nunmehr 100-jährigen Geschichte insgesamt zwölf Endspiele entweder um den Europameister- oder den Weltmeistertitel bestritten. Drei ihrer fünf EM-Finals konnte sie für sich entscheiden. Die Quote bei Weltmeisterschaften sieht bekanntlich etwas schlechter aus. Hier endeten nur drei von sieben Anläufen siegreich.

Alle vier Jahre – sofern eine Weltmeisterschaft auf europäischem Boden stattfindet – wird die brasilianische Seleção für ihr traditionell schwaches Abschneiden fernab der Heimat gescholten. Dabei ergeht es der DFB-Elf nicht viel anders. Acht ihrer bisher zwölf Endspiele hat sie nämlich zwischen dem 0. und 13. Längengrad bestritten – sechsmal durfte am Ende ein deutscher Mannschaftskapitän den Pokal in die Luft recken (F.Walter, Beckenbauer, Beckenbauer, Dietz, Matthäus, Klinsmann). Allein das WM-Finale 1966 (London, 0°) und das EM-Endspiel 1992 in Göteborg (11°57′ O) gingen innerhalb dieses “Titelkorridors” verloren.

Derweil ist es noch nie einer deutschen Mannschaft gelungen, außerhalb von Europa, geschweige denn außerhalb dieser Längengrade einen Titel zu erringen. 1976 setzte Uli Hoeneß seinen Elfer über das Tor – mitten hinein in den Abendhimmel der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad (20°28′ O). 1982 unterlag man 1:3 gegen Italien – in Madrid. Ein Endspiel in Barcelona (2°10′ O) wäre mit Sicherheit positiver verlaufen. Vier Jahre später war Mexico City (99°9′ W) Austragungsort. Argentinien bezwang die deutsche Elf standesgemäß mit 3:2. Und auch sechzehn Jahre später war in Yokohama (139°38′ O) nichts zu holen. Brasilien siegte im WM-Finale 2002 mit 2:0.

Demnach stehen die Sterne für die EM 2008 nicht allzu gut. Geografische Begebenheiten dürften unsere Elf zwar nicht vom Finaleinzug abhalten. Aber scheitern wird man dann wohl am Endspielort Wien (16°11′ O), der einen Tick zu weit im Osten liegt. Unbestätigten Gerüchten zufolge will sich der DFB nun für eine Verlegung des Finales in die Schweiz stark machen. Ansonsten benötigt der deutsche “Titelkorridor” schlichtweg eine Osterweiterung, damit es am 29.Juni im Ernst-Happel-Stadion schwarz-rot-goldenes Konfetti regnet.

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23. April 2008 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Die mit dem Adler, Zahlen, bitte | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Sensationell. Dass dann tatsächlich auch in Wien Schluss war.

    Davon abgesehen hat es aber noch kein Europäer geschafft außerhalb des alten Kontinents zu gewinnen und Brasilien als einziges nichteuropäisches Team bei der WM in Schweden.
    Da muss klimatisch oder psychisch irgendwas entscheidend sein.

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