Manchester oder Moskau -Hauptsache kurze Anreise!

Wie der Luftraum in den nächsten Wochen leerer bleiben und ManU ein Heimspiel auf fremdem Platz haben könnte.

Ich bin nun wirklich nicht vornehmlich grün, vielleicht hinter den Ohren, aber nicht was politische Sichtweisen angeht. Dennoch schlage ich vor, dass die UEFA die Austragungsorte der diesjährigen Endspiele in UEFA-Cup und Champions League aus klimaschutztechnischen Gründen einfach tauschen sollte.

Am 14.Mai spielen in Manchester (nicht in Old Trafford, sondern im für die Commonwealth Games 2002 errichteten City of Manchester Stadium) die Glasgow Rangers und Zenit St. Petersburg um den Titel im “Cup der Verlierer”. Eine Woche später treffen Manchester United und der Chelsea London im Luschniki-Stadion zu Moskau aufeinander. Dann geht es neben der Wurst auch um die Champions-League-Trophäe.

Insgesamt – wie der Entfernungstabelle zu entnehmen ist – müssen die Anhänger der vier Teams (angenommen sie wohnen in oder in der Nähe der jeweiligen Stadt) insgesamt 7400 Kilometer Anreise zurücklegen. Tauschte man die Spielorte, würde sich die Zahl auf knapp die Hälfte (3420 Kilometer) reduzieren.

Die Fans aus Manchester müssten gar nicht fahren oder fliegen. Der Heimvorteil würde nur begrenzt seine Wirkung entfalten, da das Endspiel ja bekanntlich nicht in Old Trafford stattfindet. Für die Anhänger der Blues wäre die Anreise ebenfalls ein Katzensprung.
Genauso verhält es sich mit den St. Petersburgern. 600 Kilometer sind für russische Verhältnisse doch gar nichts. Allein die Rangers würden mit diesem Tausch ein schlechtes Geschäft machen. Ihre Reiseentfernung verneunfacht sich in diesem Fall. Vielleicht drückt jeder Fan der anderen drei Klubs dann einfach jeweils 10 Pfund ab und die Glasgower erhalten eine kleine Pendlerpauschale.

Wenn Sigmar Gabriel alleine im Flieger nach Schlag-mich-tot fliegt, geht ein Aufschrei durch die Nation. Wenn Zehntausende Fußballfans unnötig durch Europa gejagt werden, bleibt alles still. Es muss ja nicht einmal ums exzessive Fliegen gehen, man könnte auch einfach Rücksicht auf die Geldbeutel der chronischen Allesfahrer und der ohnehin weniger betuchten Schlachtenbummler nehmen.

Früher wurde der Austragungsort des DFB-Pokalfinales so ausgewählt, dass beide Teams möglichst gleich weit reisen mussten. Ich kann nicht genau sagen, ob es international ebenfalls mal eine ähnliche Regelung gegeben hat, aber sie würde auf jeden Fall Sinn machen. Heutzutage ist ein Europacup-Endspiel jedoch mit so intensiven Vorbereitungen aufgrund des Besucheransturms und der Sicherheitsvorkehrungen verbunden, dass es leider kaum möglich ist, circa drei Wochen vor dem Finale eine adäquate Stadt zu finden.

In Anbetracht der Tatsache, dass alle englischen Russlandreisenden nun doch innerhalb von weniger als drei Wochen ein Visum benötigen, stellt sich mir ohnehin die Frage, warum die UEFA Europacupfinals nach Russland vergibt. Bei meinem unwahrscheinlichen Tauschgeschäft bräuchte schon nur noch die Hälfte aller Anhänger ein Visum. Oder darf man etwa in ganz Russland seine Heimatstadt nicht ohne Visum verlassen?

By the way, hat nämlich nicht viel mit dem Thema dieses Posts zu tun: St. Petersburg hat auf dem Weg nach Manchester in der Gruppenphase gegen Nürnberg gespielt, später Leverkusen und die Bayern ausgeschaltet. Glasgow hat in der Vorrunde der Champions League dem VfB den garaus gemacht, danach Werder Bremen im Achtelfinale ausgeschaltet. Chelsea traf in der Vorrunde der Königsklasse auf Schalke. Besonders die Russen haben damit quasi die halbe Bundesliga aus dem Wettbewerb gekegelt, wobei sich der “Club” beim 2:2 in St. Petersburg unterm Strich noch am besten verkauft hat.
Ein deutscher Verein wird also auf jeden Fall sagen können, er sei gegen den späteren UEFA-Cup-Sieger ausgeschieden. Gewinnt Chelsea, trifft dies auch für die Champions League zu. In diesem Fall hätte Deutschland dann mit Michael Ballack seinen ersten Champions-League-Sieger seit 2005 – man staune, Didi Hamann war’s. Vor zwei Jahren war Jens Lehmann der letzte Deutsche, der im Finale scheiterte. Den UEFA-Cup hat Andreas Hinkel als letzter in der Hand gehabt.

02. Mai 2008 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Auswärtiges Amt, Einwurf, Zahlen, bitte | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

*