Denn sie wissen genau, was sie tun

„Ran“ erlebt auf Sat.1 seine Renaissance. Das Konzept ist alt(-bewährt), das Personal nicht gealtert, weil runderneuert. Man muss es nicht mögen, kommt im Free-TV jedoch kaum daran vorbei.

Wolf Fuss musste sich hörbar bemühen, seinem neuen „Kollegen“ am Spielfeldrand mit Achtung zu begegnen. Auch wenn es ihm schwer fiel. Sat. 1 hatte einen neuen Field-Reporter engagiert, der sich offenbar warm moderieren durfte, bevor er heute Abend nach ein paar Wochen der Abstinenz seine Premiere beim “Ran”-Sender feiert. Oliver Pocher berichtete ungewohnt nüchtern von Louis van Gaal an der Seitenlinie oder Mario Gomez beim Warmlaufen. Und wenn Pocher nicht einmal mehr versucht, lustig zu sein, dann sinkt sein Nährwert ins Unterirdische.

Das „Ran“ der 90er-Jahre erlebt derzeit seine Renaissance. Das Konzept ist alt(-bewährt). Das Personal dagegen runderneuert. Reinhold Beckmann und Monica Lierhaus sind bei den Öffentlich-Rechtlichen untergekommen. Johannes B. Kerner wagt jetzt den Weg zurück. Lou Richter ist längst nicht mehr so präsent wie früher, Werner Hansch mittlerweile über 70 und Gaby Papenburg moderiert unter anderem ein Magazin für Fernfahrer auf N24. Einzig Oliver Welke wird demnächst das dritte „Ran“-Jahrzehnt erleben. Wobei man sich beim 43-jährigen Bielefelder nie so sicher ist, ob da jetzt der Sport-Welke, der “Wixxer”-Welke oder der Sieben-Tage-Sieben-Köpfe-Welke hinter dem Pult auf dem Rasen steht.

Gaby Papenburg heißt jetzt Andrea Kaiser und verleiht den Übertragungen einen Hauch FHM, Disko und DSF. Das Dekolleté gestern Abend in Lissabon sollte wohl den tiefen Fall der Hertha in ein Bilderrätsel packen. Ansonsten bedient sich Sat. 1 aus dem üppigen Pool der Ex-Kommentatoren von Premiere, Arena und DSF, die nun beim Sky-Konkurrenzprodukt „Liga Total“ untergekommen sind. Das beschert dem Zuschauer einerseits Jörg Dahlmann, andererseits Wolf Fuss, der sich nach Jahren der Lorbeeren für seine Arbeit bei Premiere nun öfters im Free-TV bewähren darf. Die Klasse von Fuss lässt sich nur schwer in Worte fassen. Er ist wie Fontane für Oberstufenschüler: Man weiß nicht so recht, was an ihm gut ist. Aber immerhin steht er unverdrossen im Lehrplan, muss also seine Daseinsberechtigung haben.

Fußball auf Sat. 1 ist vor allem eines geblieben: durchschaubar und oberflächlich. Wer sich fragt, ob Luca Toni die Partie gegen Juventus Turin wohl von der Tribüne beobachtet, erhält die Antwort nach nur 8 Minuten und 37 Sekunden. Ja, er war da. Zu einer Stilkritik des Stürmer-Outfits ließ sich Kommentator Fuss Gott sei Dank nicht hinreißen. Abgesehen von Länderspielen genießt Sat.1 mit beiden europäischen Wettbewerben derzeit ein regelrechtes Live-Monopol im Fokus der Free-TV-Zuschauer. Der Weg führt kaum dran vorbei.

Obwohl eine ganze Generation Fußballfans mit der Berichterstattung auf Sat.1 aufgewachsen ist, muss man sich nun erst wieder daran gewöhnen. Zumal sich die Spieler damals in den 90ern noch nicht selbst vorstellen durften: „Daniel van Buyten – Torjäger“.

02. Oktober 2009 von Jannik Sorgatz
Kategorien: TV, Radio, Print & Internet | Schlagwörter: , , , , | 1 Kommentar

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