Radikale Fußball-Rasur und Entzugserscheinungen

“Let the good times roll”. Oder besser: “Let the ball roll”, wie auch immer. Hauptsache er rollt. Denn dann haben wir auf jeden Fall “good times”. Auch ohne Sportschau?

25 – in Worten fünfundzwanzig – Tage in Folge rollte vom 14.September bis zum 8.Oktober tagein, tagaus der Ball, entweder in der Bundesliga, in der 2.Bundesliga, in der Champions League oder im Uefa-Cup. Danke dafür, Rahmenterminkalender der FIFA, UEFA und DFL! Unglaublich das solch ein Monstrum von Wort solche Wonne bringen konnte. Doch wer reißt uns immer wieder jäh aus dem Glück des non-stop Fußballs? Unsere Nationalmannschaft. Irgendwie auch nachvollziehbar. Berlin, Dublin (Länderspiel), Berlin, Bremen (Bundesliga), Athen (Champions League), München (Länderspiel), Bremen – wäre zum Beispiel für Per Mertesacker zugegebenermaßen ein etwas zu straffes Programm in 14 Tagen.

Heute diente die U21 mit ihrem 3:0 Pflichterfolg gegen Moldawien wenigstens schon einmal als Warmmacher für das morgige Highlight in zwei (fast) fußballlosen Wochen, die ausschließlich gespickt sind mit eben diesen Highlights (wobei sich über dieses Prädikat streiten lässt, was das Spiel gegen Irland angeht). Oder stecken ARD und ZDF etwa dahinter? Denn so lechzt morgen Abend jeder Fan nach der Live-Übertragung des Tschechien-Spiels. Dosierter Entzug zur Quotenbeschaffung?

Bald könnte die Nationalelf schließlich der letzte Fußball-Mohikaner bei den öffentlich-rechtlichen sein. Wenn (Go)Leo Kirch und Premiere die “Sportschau” um 18:30 wegrasieren wie Norbert Siegmann einst Ewald Lienen, dann verschwindet eine Koryphäe der Bundesliga-Berichterstattung von der Bühne.

Neulich habe ich eine Aussage von einem Fan gelesen, der sagte, wer ein leidenschaftlicher Anhänger sei, der habe sowieso Premiere und brauche die “Sportschau” nicht. Und was ist mit den Verrückten, die gerne die Konferenz auf Premiere einschalten, dabei Radio hören, dann “Sportschau” gucken und später noch das “Sportstudio” nachlegen? Ok, zumindest alle zwei Wochen. Denn alle 14 Tage steht solch ein Verrückter wohl selbst in der Kurve und singt seinen Klub zum Sieg… Aber das ist ein anderes Thema.

16. Oktober 2007 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Innenrist | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

*