Sitzen und sitzen bleiben

Die schreibende Zunft produziert bisweilen Kampagnen, egal ob pro oder contra, die jeden Bundestagswahlkampf vor Neid erblassen lassen. Derzeit ist es wohl einzig und allein der Quote 37 aus 69 zu verdanken, dass selten jemand die Nationalelf-Tauglichkeit von Kölns Nummer 10 in Frage stellt.

Fünfzehn deutsche Stürmer haben in dieser Spielzeit bislang häufiger getroffen als Lukas Podolski. Hinzu kommen sogar etliche Abwehrspieler. Das spricht weniger für einen Angriffs-Boom im deutschen Fußball, sondern vielmehr für eine absolut gebrauchte Saison, die der 24-Jährige erwischt hat. Momentan bleibt es ihm zwar versagt, seiner Flaute noch mehr Minuten hinzuzufügen (die elende Zählerei wollen wir ihm an dieser Stelle ersparen). Doch während der „verlorene Sohn“, der in der Hinrunde bisweilen noch verlorener wirkte als seinerzeit in München, seit nunmehr drei Wochen ausfällt, hat seine Mannschaft plötzlich das Toreschießen für sich entdeckt. Zehn Treffer in 17 Hinrundenpartien, zehn Treffer in vier Rückrundenpartien – Köln hat die Podolski-Hemmschwelle überwunden.

Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass Podolski zur WM nach Südafrika fährt. Miroslav Klose wird dann mit ihm im Flieger sitzen. Zwei Stürmer, zwei Tore, zwei Wildcards. Auf der Bank wird dann ein Angreifer sitzen, der nach dem 21. Spieltag 13 Treffer auf dem Konto hatte. Ein ebenfalls schon zweistelliger Kandidat wird ebenfalls Platz nehmen – auf dem heimischen Sofa. Weil er einst ein Stadion verließ, ohne „Tschüss“ zu sagen. Lukas Podolski ohrfeigte einst den Kapitän der Nationalmannschaft vor den Augen aller Welt auf dem Spielfeld. In der Disziplin Nahkampf ist Jogi Löws Leistungsprinzip wenigstens noch das, was es niemals war.

08. Februar 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Die mit dem Adler, Einwurf, Innenrist | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Zu dem nur einen Tor kommt jetzt auch noch eine schöne Rote Karte wegen zu fragiler Nerven.

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