Im Zweiten wird’s wohl besser – 22. Akt:
Lange nicht so päpstlich wie der Papst

Gladbach Motivbild

Gladbach 2:1 Nürnberg – Holland-Bier, Kirschlikör, ein Foul, kein Pfiff, der Papst, andere Konfessionen, andere Sitten und ein guter Freund.

Zu wohl keiner anderen Zeit im Jahr ist der Niederrhein ursprünglicher und heimatverbundener als an den Karnevalstagen. Und deshalb verwundert es nur wenig, dass selbst ein Gespräch am Rosenmontag – mit Indianer-Federn auf dem Kopf, verwischter Schminke im Gesicht und pfandfreiem Dosenbier in der Hand – nicht ohne ein Thema auskommt, das die Region bestimmt wie kaum ein anderes: die Borussia aus Mönchengladbach.

Drei Tage lag das 2:1 des VfL im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg zu diesem Zeitpunkt schon zurück. Doch die Diskussionen hielten an zwischen Holland-Bier und Kirschlikör: War es wirklich so ein klares Foul vor dem Siegtreffer durch Rob Friend? Und wenn ja, muss man sich dafür entschuldigen, wenn man auf diese Weise das erhält, was man sich über 90 Minuten redlich verdient hat? Den Sieg.

Die Antwortkombination dürfte Ja-Nein lauten. Karim Matmour mag nicht zum Kopfball abgehoben sein, um mit Club-Torwart Schäfer Luft-Pogo zu tanzen. Doch da der Keeper in seinem Fünfmeterraum einen ähnlichen Status genießt wie der Papst im Petersdom, wäre ein Pfiff von Schiri Meyer logisch gewesen. Spätestens seit den Weihnachtsfeiertagen weiß man aber auch, dass selbst im heiligen Zentrum des Katholizismus die Sitten rauer geworden sind. Benedikt XVI. war bekanntlich von einer verwirrten Frau zu Fall gebracht worden. Die Dame erhielt, anders als Karim Matmour, einen Platzverweis durch die schweizer Schiedsrichter. Dennoch ließ die anglikanische Kirche in der Nachbetrachtung aus England verlauten, so etwas wäre auf der Insel mit Sicherheit nicht abgepfiffen worden.

Dass der Fußball ein merkwürdiges Spiel ist, muss man eigentlich nicht mehr andauernd wiederholen. Es zu unterlassen, fällt jedoch schwer. Da kehrt man nach einer an für sich bitteren Niederlage aus München heim, die Brust vor lauter Stolz bis zum Kinn angeschwollen. Zwei Wochen darauf stimmt ein ebenso knappes 2:3 beim Tabellenführer in Leverkusen nicht mehr ganz so froh, weil man sich in den entscheidenden Situationen schlichtweg dämlich angestellt hat. Die Rufe nach schnöden Siegen werden laut. Fährt man dann solch einen Dreier der Marke „Mund abputzen“ ein (wie am vergangenen Freitag), ist sich die Rautenwelt jedoch auch nicht so sicher, wo der nun wieder einzuordnen ist.

Also halten wir einfach fest, dass wir im Grunde sowohl drei Punkte als auch sehenswerte Leistungen wollen. Da der VfL ein Verein ist, der im letzten Jahr nur dem Abstieg entging, weil die anderen ihm mit 31 Punkten einen Bundesliga-Rekord ermöglichen wollten, bleiben wir jedoch völlig un-kölsch. Nämlich bescheiden. Drei Punkte und sehenswerte Leistungen müssen sich innerhalb von 90 Minuten nicht immer überschneiden – solange wir bis zum Saisonende jeweils einen zufriedenstellenden Teil von beidem bekommen. Mit 750 Reisekilometern vor der Brust darf der Fokus am Freitag gegen Hoffenheim jedoch gerne auf dem Punkte-Teil liegen. Denn Schönheit ist auswärts bekanntlich ein Fremder. Drei Zähler dagegen sind ein guter Freund.

17. Februar 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Hallo Jannik,
    wie immer ein ein schöner Bericht.
    Komme aus der nähe von “sinse” und am Freitag im Stadion.
    Meld dich vielleicht können wir uns treffen.
    Gruß
    Nordbadenborusse

  2. Dat wor´n Faul vom Schäfer an Matmour. Elfmeter für Gladbach!!

  3. Pingback: eingeNETzt 18/02/2010 | Spielfeldrand - Das Magazin

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