Bayer vs. Schalke – Tagebuch des Titelkampfs oder:
Zweiter kann nur einer werden (Teil I)

Schalke-Leverkusen25. Februar 2010 – 72 Tage
bis zum letzten Spieltag

Es ist mittlerweile fast zwei Jahre her, dass ich an dieser Stelle der Frage nachgegangen bin, wer eigentlich Rekordvizemeister der Bundesliga ist. Nicht Leverkusen, nicht Schalke – die Bayern rissen sich auch diesen Titel unter den Nagel. Nach 23 Spieltagen der 47. Bundesliga-Saison steht mit einiger Sicherheit fest, dass die drei genannten Klubs auch diesmal nicht nur die Meisterschaft, sondern ebenso deren nicht ganz so beliebte Kollegin, nämlich die Vizemeisterschaft unter sich ausmachen werden.

Fest steht: Zweiter kann nur einer werden. Und genau aus diesem Grund werden sich in den kommenden zehn Wochen (genau, so wenig Zeit bleibt nur noch) zwei junge Damen auf dieser Seite die Ehre geben, deren Herz für eben jene Vereine schlägt, denen der Ruf des ewigen Zweiten anhaftet.

Nicht nur Dimitar Berbatovs Schultern sei es zu verdanken, dass sie ihr Herz an Bayer Leverkusen verloren hat, beteuert Kerstin aus Wuppertal immer wieder. So wird es wohl auch sein: schließlich ist bei Kießling, Rolfes und Co. rein schultertechnisch nur wenig zu holen. Also nehmen wir ihr das mal ab. Dafür scheint der Titel schließlich zum Greifen nah wie… vor zehn Jahren, vor acht Jahren, noch nie?

Lisa hat sich als Fast-Bremerin unerklärlicherweise für Königsblau entschieden und hofft nun, in geraumer Zeit über das Trauma hinwegzukommen, mit dem sie seit dem 19. Mai 2001 durchs Leben geht. Von ihren Erlebnissen direkt unter der Anzeigetafel im Parkstadion um circa 17:18 Uhr an jenem berüchtigten Tag wird sie später erzählen. Heute macht Lisa den Anfang der “Am Ende werden’s ja doch wieder die Bayern”-Serie mit ein paar Eindrücken aus dem Bremer Weserstadion – kurioserweise aus dem Leverkusener Gästeblock. Dass Anhänger des FC Bayern hier nicht zu Wort kommen, hat durchaus seinen Sinn: Erstens kenne ich keine von Angesicht zu Angesicht, zweitens werden die ja ohnehin Meister.

Teil I: von Lisa S.

Mein Highlight des 23. Spieltages: Der Moment, als René Adler der Ball auf eine Weise durch die Beine flutscht, die man wahrscheinlich auch bei hunderten Versuchen nicht wieder so hinkriegen würde. Habe herzlich und minutenlang gelacht – obwohl ich im Gästeblock des Bremer Weserstadions stand und so ziemlich die einzige war, die es lustig fand. Kerstin zum Beispiel nicht.

Die Schalker Führung durch Kuranyi wenig später und der Glühwein in der Halbzeitpause hoben meine Stimmung noch ein wenig mehr. Dass man so ein Hochgefühl als Schalke-Fan intensiv genießen muss, solange es noch da ist, ist bekannt – dass meine Stimmung aber schon eine dreiviertel Stunde später derart im Keller sein würde, hätte ich allerdings nicht gedacht.

Ein wieder erstarkter Torschützenkönig Grafite, der (kleine) Patzer von Manuel Neuer beim ersten Gegentor und die Tatsache, dass irgendwie schon wieder alle für die Bayern gespielt haben, waren selbst für meine gute Laune zu viel. Trotzdem: Vier Punkte Rückstand auf Bayern und Bayer sind auch nur einer mehr als drei. Und den „Pannen-Adler“ live zu sehen, war fast unbezahlbar – jedenfalls solange er zur anderen Mannschaft gehört.

Und deswegen an dieser Stelle ein kleiner Tipp für Jogi Löw: Neuer für Deutschland.

Glück auf!

25. Februar 2010 von Jannik Sorgatz
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