Als Nicht-so-richtig-Fan im Pauli-Block

Düsseldorf – St. Pauli: Zweitklassiger Fußballer in erstklassigem Rahmen.

Vielleicht hatte ich diesen Gästeblock mit etwas zu hohen Erwartungen betreten. Ein Feuerwerk über 90 Minuten würden die Pauli-Fans abbrennen, da war ich mir sicher. Doch nachdem eine Viertelstunde rum war in der Düsseldorfer Esprit-Arena, schwiegen sie noch immer. Ab und zu ein kurzes, aber beharrliches „Scheiß DSF“ – mehr kam nicht aus den Kehlen, die dank des Feiertages bereits seit Stunden in der Altstadt geölt worden waren.

Die Lehre, die ich daraus ziehe, besagt jedoch nicht, dass die Anhänger des FC St. Pauli ihrem Ruf nicht gerecht werden. Ich muss lediglich feststellen: Wer als Nicht-so-richtig-Fan einer Mannschaft, als reiner Sympathisant ein Spiel besucht, der bekommt eben nicht alles mit. Zwanzig Minuten lang wurde geschwiegen, um gegen die Montagsspiele im DSF zu protestieren. Ein paar Flyer haben die Botschaft vor dem Spiel verbreitet. Eine meiner Hände fand keiner davon.

Und so stellte ich schließlich fest, dass nicht nur die Fortuna in Sachen Sangesstärke bereits jetzt erstligareif ist. Wo sonst gibt es das – auf der Welt, ist man geneigt zu sagen –, dass am Ostermontag 47 200 Zuschauer in ein Zweitligastadion kommen und dort eine Atmosphäre hinzaubern, von der andere Länder beim großen Endspiel in der Meisterschaft träumen? Die sagenhafte Beschallung hat einen beinahe vergessen lassen, dass beide Mannschaften auf dem Platz eher den Eindruck erweckten, ihre größten Konkurrenten in der Tabelle hießen Frankfurt, Koblenz und Ahlen.

St. Pauli agierte über weite Strecke wie der Herr im Haus, während die Fortuna sich darauf konzentrierte, auch im siebten Heimspiel in Folge kein Gegentor zu kassieren. Dabei fiel vor allem Gladbachs Neuzugang Anderson auf, der in dieser Verfassung – sofern er den Sprung in die Bundesliga problemlos bewältigt – bald für ein Luxusproblem in der Innenverteidigung sorgen könnte. Montagabend war er ein Dante ohne Afro und ohne unnötiges Risiko. Der „Kicker“ fand das so gut, dass er Anderson zum besten Mann des Spiels kürte.

Letztendlich ist es bezeichnend, dass sich ein Abwehrspieler diesen Titel verdiente. Düsseldorf hatte neben dem goldenen Tor durch Heidinger höchstens eine weitere dicke Chance, als van den Bergh in den ersten Hälfte abzog. St. Pauli kam zum ersten Mal nach der Einwechslung von Naki richtig gefährlich vors Tor. Der 20-Jährige brachte nach seiner guten Möglichkeit jedoch nicht viel mehr zustande. Stattdessen hatte man das Gefühl, dass St. Pauli seinen Dribbler in Marin-Manier etwas zu vehement ins Spiel einbeziehen wollte. Die Ausgewogenheit ging etwas verloren. Einzig Sukuta-Pasu hatte in der Schlussphase nach einem Durcheinander noch den Ausgleich auf dem Fuß. Ansonsten blieb es Magerkost in Erstliga-Verpackung.

Fazit eines Zweitligaspiels, das ich ziemlich gelassen beobachten konnte, da die Borussia Gott sei Dank nicht in dieser Liga weilt: Düsseldorf ist wieder drin im Rennen, muss jetzt ausgerechnet auf St. Pauli hoffen, nachdem es dem Zweiten der Tabelle höchstpersönlich einen Dämpfer verpasst hat. Die Krakauer in der Esprit-Arena ist eine wahre Wucht, geschmacklich. Fortunas Kurve hat kein außergewöhnliches Liedrepertoire, bringt es aber fertig, den leidiger Dauersupport so klingen zu lassen, als sei es kein Dauersupport. Immerhin mobilisieren sie so immer wieder den Rest des Stadions. Fest steht, dass mit großer Wahrscheinlichkeit einer der beiden Klubs nächstes Jahr die Bundesliga bereichern wird – die Betonung liegt auf „bereichern“.

Bilder vom Spiel in Düsseldorf gibt es auf Facebook.

06. April 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Innenrist | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Komm einfach mal ans Millerntor, vielleicht denkst du dann anders über die Paulianer ;)

  2. Wenn Du die Stimmung meinst, denke ich nicht, dass das nötig ist. Die war nach den 20 Schweigeminuten ja äußerst gut. Ging nur darum, dass ich nicht mitbekommen hatte, dass bewusst geschwiegen werden sollte… und deshalb zunächst etwas verwirrt gewesen bin.

  3. Hey!
    Ich dachte mal, ich schreibe einfach mal einen Kommentar zu Deiner Webseite. Ist dir wirklich hervorragend gelungen. Ich nutze auch seit ein paar Monaten WordPress, blicke aber noch nicht so ganz durch. Also, eine gute Webseite und gute Arbeit, weiter so :-)

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