Internet won’t kill the ARD-radio star

90elf ist der erste Radiosender, der nonstop über Fußball berichtet. Nicht unklug und sicher wertvoll für die Alleshörer und -gucker. Doch die Innovation wird kaum an der Tradition der ARD-Radionkonferenz wackeln.

Seit nunmehr einem Monat ist der erste Radiosender „on air“, der sich ausschließlich dem Thema Fußball widmet – 90elf, erreichbar auf der gleichnamigen Seite. Irgendwie verrückt, 24/7 nur über die runde Neben-/Hauptsache zu berichten. Aber wir gediegenen Blogger machen im Prinzip nichts anderes. Mit dem Unterschied, dass wir das Gesprochene fein leserlich aufschreiben, jedoch nicht rund um die Uhr. Dafür läuft ja auch keine Musik zum Überbrücken längerer Kunstpausen.

Ganz nach dem Urprinzip von Angebot und Nachfrage werden sich mit Sicherheit genügend Abnehmer finden. Es bleibt zwar fraglich, ob sechs Reporter in schalldichten Kabinen mit ihrer Vollzeit-Reportage den authentischen Herren und der Dame von der ARD-Radiokonferenz den Schneid abkaufen können. Aber für all die Watch-aholics, die schon Amok laufen, wenn Schalkes Auftritt auf Zypern weder im Free- noch im Pay-TV läuft, ist 90elf wohl ein Segen. Moment: Lief das Spiel gestern überhaupt auf 90elf? Woher sollen die denn die Bilder bekommen haben? Hat 90elf etwa jeden Pay-TV-Sender der Welt abonniert, auch das zyprische LTV? I believe not.

Eine Sache geht mir weiterhin nicht aus dem Kopf: Was sendet 90elf in der Nacht? Ganz WDR-like bestimmt „Domian“ für gebeutelte Fußballfans, denen die Frau weggelaufen ist, da die Dauerkarte nun einmal Vorrang hatte. Dann ruft ab und zu einer an, der sein Herz ausschüttet, weil er sich unsterblich in die Verkaufsdame eines rheinischen Großbäckers verliebt hat. Und zu guter letzt finden geläuterte Randalierer ein offenes Ohr, die beichten, dass sie beim Auswärtsspiel in Erfurt einen Böller in der Unterhose ins Stadion geschmuggelt haben.

17. September 2008 von Jannik Sorgatz
Kategorien: TV, Radio, Print & Internet | Schreibe einen Kommentar

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