Im Zeichen der fünf Jahre

Über Dänemarks augenscheinliche Vormachtstellung in Europa, zyprische Vorteile, einen schweren Rucksack samt BVB und Herthas Höhenflug.

Dänemarks Fußball stand in letzter Zeit nicht besonders hoch im Kurs, egal ob auf Nationalmannschafts- oder Klubebene. Unter anderem fanden die WM 2006 und die EM 2008 ohne „Danish Dynamite“ statt, nachdem der Europameister von 1992 zuvor das Ticket für fünf große Turniere in Folge gelöst hatte.

Will man nun eine gewisse UEFA-Fünfjahreswertung zum allwissenden Formbarometer des europäischen Fußballs erklären, dann ist der dänische Fußball derzeit das Nonplusultra auf dem Kontinent. Die Skandinavier haben bislang 5,000 Punkte gesammelt. ‚Aha‘, werden sich da viele denken und gleichzeitig mit einem dicken Fragezeichen auf der Stirn zu kämpfen haben. Sehr vereinfacht gesagt: Für einen Sieg im Europacup gibt es zwei Zähler, für ein Remis standesgemäß einen. Die Gesamtpunktzahl eines jeden Landes wird durch die Anzahl seiner teilnehmenden Vereine geteilt. Hinzu kommen diverse Bonuspunkte für das Meistern bestimmter Hürden.

Doch spätestens bei Nennung des momentanen Zweitplatzierten in der Fünfjahreswertung werden die meisten den Glauben an jenes System verlieren. Knapp hinter Dänemark rangiert Fußballmacht Zypern mit 4,666 Punkten. Wie das kann? Auch die Tabelle, die für die Vergabe der Europapokalstartplätze herangezogen wird, folgt den Naturgesetzen von Fußballranglisten. Erst am Saisonende werden die Früchte der Arbeite verteilt. Zwischenstände sind mehr denn je Momentaufnahme.

Zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison belohnt die Fünfjahreswertung vor allen Dingen die Mittelgewichte im Geschäft wie eben Dänemark, Zypern oder ebenso die gut platzierten Ukrainer, Weißrussen und Kroaten. In der Champions-League- und UEFA-Cup-Quali sind sie von der ersten oder zumindest zweiten Runde an mit von der Partie. Das gibt mächtig Punkte, weil die Ergebnisse dort wenigstens zur Hälfte in die Wertung eingehen. Während die Großen noch am Strand Sandburgen bauen, scheffeln die kleineren Nationen schon Punkte.

Zudem profitieren die Kleinen, die es ja bekanntlich gar nicht mehr gibt, davon, dass sie anders als England und Co. nicht gleich in Scharen antreten. Das bedeutet: Famagustas Unentschieden in Bremen brachte 0,333 Punkte aufs zyprische Konto, der Bremer Punktgewinn gleichzeitig nur 0,125 für die Bundesliga. Jeder Punkt der Zyprer hat demnach also fast dreimal soviel Wertigkeit wie der eines deutschen Teams. Bloß nicht an Werder weitersagen. Denen wird das 0:0 zum Auftakt schon so ziemlich missfallen haben, Wiedergutmachung heute Nachmittag in München hin oder her.

So sehr sie in dieser Phase vom System profitieren, umso mehr werden die „Kleinen“ in den nächsten Monaten das Nachsehen haben. Denn irgendwann, spätestens nach der Winterpause, werden sich die zyprischen und dänischen Reihen im Europacup lichten. Mit jedem ausgeschiedenen Team schwinden die Möglichkeiten, Punkte einzufahren. Ein so frühes Scheitern von Borussia Dortmund wäre also fatal. Einerseits fällt der BVB als möglicher Punktelieferant weg. Andererseits verbleiben sie jedoch im schweren Rucksack der Bundesliga, denn über die Saison hinweg werden die gewonnenen Zähler stets durch die Anzahl der Teilnehmer zu Saisonbeginn. Besten Dank nach Dortmund.

So sieht die interne Tabelle der deutschen Mannschaften aus:

Berlin hat seine Führung natürlich den Auftritten in der UEFA-Cup-Qualifikation zu verdanken. Die Punkte dort wurden halbiert, daher der Kommawert. Noch folgen die beiden Champions-League-Teilnehmer und mit dem VfB der zweite Klub, der nicht gesetzt war für die erste Hauptrunde im UEFA-Cup. Logischerweise sind die Einsteiger dieser Woche – Wolfsburg, der HSV und Dortmund – momentan auf den hinteren Rängen zu finden. Habe vor, die Rangliste nach jeder Europacup-Woche zu aktualisieren, so dass am Saisonende so etwas wie der deutsche Meister auf internationalem Parkett gekürt werden kann.

20. September 2008 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Auswärtiges Amt, Zahlen, bitte | Schreibe einen Kommentar

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