Bayer vs. Schalke – Tagebuch des Titelkampfs oder:
Zweiter kann nur Schalke werden (Teil XI)

28. April 2010 – 10 Tage bis zum letzten Spieltag

Elfter Teil des Titelkampf-Tagebuchs – wer mitzählt, dem fällt auf: Teil 13 wird am letzten Spieltag geschrieben. Nur so am Rande. Lisa ist froh, dass Schalke die Meisterschaft nicht bei der Hertha vergeigt hat und hofft jetzt, dass es den Bayern anders ergehen wird. Zum Abschied zeigt sie sich sogar milde mit Kerstin. Die wiederum packt jetzt ihre Koffer, geht nach draußen in die Sonne und singt ein wenig: “Europapokaaal, Europapokaaal!” Immerhin.

Von Lisa S.

Es heißt, Aufregung schadet dem Herz, macht es schwächer und anfälliger für Infarkte und sonstige Späße. Wenn das wirklich so ist, weiß ich nicht, wie viele Jahre meines Lebens ich schon dadurch verloren habe, dass Schalke es immer so spannend machen muss. Gesund ist das sicher nicht.

Auch letzten Samstag machte S04 keine Ausnahme und ließ mich lange 87 Minuten zappeln. Zu allem Überfluss musste ich die zweite Halbzeit übers Autoradio verfolgen, war also der willkürlichen Hin- und Her-Schalterei von NDR2 gnadenlos ausgeliefert. Und das, was dann circa alle sechs Minuten über den Äther kam, hörte sich größtenteils auch noch so an: „Und wieder Riesenchance für Hertha! Schalke kann sich erneut bei Manuel Neuer bedanken, dass es hier noch 0:0 steht!“

Als dann schon alles danach aussah, dass die Königsblauen die Meisterschaft tatsächlich beim Tabellenletzten verspielen, kam uns der Dusel zur Hilfe. Vollkommen erschöpft und erleichtert sank ich in meinen Sitz zurück, dachte zufrieden bei mir: „Glück muss man eben haben“ – und stutzte. Ein überragender Torhüter, keine konstant überzeugende Leistung und dann derart mit Fortuna im Bunde? Das kam mir doch irgendwie bekannt vor. Richtig, hatten die Bayern nicht sechs ihrer letzten sieben Meisterschaften auf diese Art gewonnen? Kein schlechtes Omen, wenn ihr mich fragt.

Achja, die Bayern. Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß zeigten sich zwar arrogant und selbstsicher wie eh und je. Aber je mehr sie betonen, dass ihnen Schalke keine Angst macht, desto weniger glaubwürdig wird es irgendwie. Der lächerliche Vorstoß, Schalke fehle ja der Balkon für die Meisterfeier, wirkt zum Beispiel mehr gezwungen als alles andere. Als wenn es an dem Balkon scheitern würde. Den ziehen wir bis zum 8. Mai schon noch hoch. Magier Magath macht’s möglich.

Und auch das Restprogramm, das angeblich für die Münchener spricht, wird uns wohl keine Probleme machen. Schalke zeigt immer gegen stärkere Gegner auch bessere Leistungen und dass Bayern sich gegen die Kleinen der Liga gerade diese Saison schwertut, sieht man nicht nur am 1:1 gegen Gladbach.

Achja, Gladbach. Jannik ist sicherlich der Meinung, dass ich ihm eine Entschuldigung, zumindest aber Anerkennung schulde. Na schön, das Tor von Reus war schon nicht schlecht. Ein Remis gegen den Rekordmeister ist grundsätzlich natürlich auch aller Ehren wert. Aber mal ehrlich: Das war doch jetzt diese Art von Schützenhilfe, die uns nicht wirklich weiterhilft, die mich aber zwingt, zähneknirschend anzuerkennen, dass es nicht an Gladbach lag, wenn die Bayern es doch schaffen. Ganz schön hinterhältig nenne ich das. [Anm. d. Red.: Durchschaut!]

So, Schalke, Bayern, Gladbach… Moment, da fehlt doch noch einer… achja, Leverkusen. Auch wenn die Werkself mit der Meisterschaft ja nun schon länger nichts mehr zu tun hat, richte ich doch noch eine letzte Bitte an Kerstin: Reißt euch am Riemen! Lasst bitte nicht zu, dass Lüdenscheid-Nord es in die Champions League schafft! Ihr würdet damit auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen würdet ihr nächste Saison in der Königsklasse spielen und zum enderen hättet ihr das perfekte Geschenk zur königsblauen Meisterschaft gefunden.

Glückauf!

Von Kerstin B.

Vor ein paar Wochen hab’ ich mal gesagt, dass ich Zahlen nicht gut leiden kann. Daran hat sich nichts geändert. Klar, in der letzten Zeit haben sie durchaus versucht, sich bei mir einzuschleimen. Die Konstellation 4:2 oder auch die Zahlenkombination 3:0 verleitete mich zu Luftsprüngen. Nach solchen Siegen war ich immer wieder kurz davor, mit den bebrillten Eckenrechnern aus meiner Grundschulzeit Frieden zu schließen.

Aber leider hinderte mich dann doch immer wieder ein fieses 0:3 oder ein ernüchterndes 1:1 an diesem Vorhaben. Und auch wenn Kießling gegen Hannover am Wochenende mal wieder für positive Zahlen gesorgt hat, dominieren in meinem Kopf momentan ganz andere Ziffern: der mächtige, unaufholsame Abstand von sieben Punkten auf die Teams ganz oben und die Zahlen 4 und 5, die immer wieder die 3 verdrängen.
Zumindest die Entlassung von Bruno Labbadia hat bei mir erst mal ein Gefühl der Genugtuung ausgelöst: „Ha, es lag also in der letzten Saison gar nicht an der Mannschaft. Wegen Labbadia hat das in der Rückrunde und im Pokalfinale nicht so richtig geklappt!“

Aber als mir dann Jannik vor Augen geführt hat, dass Leverkusen in der aktuellen Rückserie nur fünf Punkte mehr als Gladbach geholt hat und damit in der Rückrundentabelle erschütternde 15 Punkte hinter Stuttgart auf dem sechsten Platz rangiert, habe ich dann doch ganz schnell den gehässigen Finger in Richtung Hamburg wieder demütig in meiner Hosentasche verschwinden lassen. Aber ich bin mir sicher, dass ich ihn spätestens am 8. Mai wieder herausholen und ihn in voller Inbrunst in Richtung Dortmund und Bremen zeigen kann.

Lisa, vielleicht kannst Du mir mit deinen Schalkern schon am kommenden Samstag etwas unter die Arme greifen. So eine kleine Demütigung der Schaaf-Truppe würde Dir möglicherweise sogar ein Mensa-Essen bescheren. Und dass, obwohl ich dank teils sehr blauäugiger Wetten in dieser Saison schon genug Mensa-Menüs, Bierkästen und Geld verloren habe und vielleicht noch verlieren werde. Aber verstehe mich jetzt bitte nicht falsch: Dass ihr gegen Bremen gewinnen sollt, heißt nicht, dass ich möchte, dass ihr am Ende auch ganz oben stehen sollt.

Ich als Außenstehende (mein Unwort der letzten Tage) will Dich jetzt aber auch nicht mit bösen Flüchen belegen. Es reicht doch einfach der Witz, den wir letztens zusammen im Radio gehört haben: „Was ist der Unterschied zwischen Schalke und einem Ei…?” [Anm. d. Red.: Kenn' ich nicht. War der etwa gut? Sonst hättest Du ihn ja sicher erzählt.]

28. April 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Innenrist | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Das Ei hat ne Schale?

  2. Tja, aber da die Bayern jetzt im CL-Finale stehen, vielleicht haben die etz gar kein Interesse mehr an der Meisterschaft?
    Also ich kenne Bayern-Fans, die so denken!?! :-)

  3. Eigentlich darf ich ja nach der Klatsche und wirklich peinlichen Vorstellung in Hannover nicht groß die Klappe aufreissen, aber wenigsten war auf die Schalke an diesem Spieltag Verlass.
    Also ein neuer Anlauf im nächsten Jahr.
    Jetzt alles dafür tun und den Bremern den 3.Platz sichern!

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