Bayer vs. Schalke – Tagebuch des Titelkampfs oder:
Zweiter konnt’ nur Schalke werden (Teil XII)

03. Mai 2010 – 5 Tage bis zum letzten Spieltag

Lisa gibt auf, hadert, möchte sich aufregen, kann sich nicht aufregen, sucht nach einer Belohnung – und wird weiter warten. Das Ende sei unspektakulär über Schalke 04 hergefallen, findet sie. Und liegt damit nicht so falsch. Königsblau wird wieder auf Platz zwei landen, zum sechsten Mal in der Bundesliga-Historie. Überbieten können das nur die Bayern und Werder Bremen. Doch die werden damit leben können – schließlich haben sie zusammen 25 von 47 Titeln geholt.

Von Lisa S.

Vielleicht ist es nicht die beste Idee, meinen letzten Tagebucheintrag jetzt schon zu schreiben. Es ist nämlich 19:46 Uhr am Samstagabend und der Abpfiff des 33. Spieltags ist erst knappe zweieinhalb Stunden her. Aber im Grunde ist es doch egal, wann ich mir das hier von der Seele schreibe. Denn das Gefühl, welches Resignation heißt, wird in nächster Zeit nicht besser werden.

Es ist schon komisch: Nach all dem, was ich in dieser Spielzeit mitgemacht habe – Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge, Hoffnung, Enttäuschung, Genugtuung, Fassungslosigkeit, Euphorie – kommt das Ende seltsam unspektakulär. Und genauso unspektakulär ist auch meine Gefühlslage. Keine Wut und kein Hass (weder auf meine, noch auf andere Mannschaften), keine wirkliche Trauer, keine Schadenfreude über die Misserfolge anderer (Gladbach, Leverkusen, Dortmund), einfach nur Resignation.

Dabei möchte ich mich so gerne aufregen, über vertane Großchancen, über unfähige Schiedsrichter, über mangelnde Abwehrarbeit. Über irgendetwas. So wie ich es eigentlich immer mache nach einer Niederlage der Königsblauen. Denn so lenke ich mich ab, so verarbeite ich das Spiel und bereite mich gleichzeitig vor auf das nächste Wochenende, auf die nächste Chance.

Das nächste Wochenende gibt es noch – nur die nächste Chance nicht mehr.

Und so schließt sich das Kapitel Meisterschaft für mich – wieder einmal. Wieder einmal waren andere besser, oder glücklicher oder was auch immer. Wieder einmal steht am Ende der zweite Platz für den S04 zu Buche und obwohl ich öfter Anderes verkündet habe, kann ich mich nicht darüber freuen. Wieder einmal stehen wir nach der Saison mit leeren Händen da und trauern, während andere feiern. Und wieder einmal hat Schalke die Meisterschaft nicht mit der letzten Partie verspielt. Gegen Bremen kann man nun mal verlieren. Was viel mehr wehtut, sind die Gedanken an Niederlagen und Unentschieden gegen Freiburg, Gladbach, Hannover und Bochum.

Trost suche ich vergeblich, auch wenn die Tatsachen, dass diese Mannschaft Perspektive hat, dass sie Teams wie Bremen, Hamburg und Leverkusen locker hinter sich gelassen hat und dass Magath weiter in die richtige Richtung arbeiten wird, eigentlich tröstlich sind. Aber es ist nun mal nicht Trost, den wir suchen, sondern Belohnung. Belohnung in Form von Titeln, von Meisterschalen und Pokalen und nicht von zweiten Plätzen.

Also bleibt im Moment nicht mehr, als abzuwarten. Zu warten, bis das altbekannte Gefühl der Resignation verfliegt und wir, die Fans des FC Schalke 04, wieder aufstehen und uns hinter unsere Mannschaft stellen – und es zusammen noch einmal versuchen. Denn was immer auch passiert, wir werden es wieder versuchen, wieder und wieder. Bis wir eines Tages endlich belohnt werden.

Und somit sage ich „Tschüss“, „Macht’s gut“, „Auf Wiedersehen“ – man liest sich… vielleicht im nächsten Jahrhundert.

Glückauf!

03. Mai 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Innenrist | Schlagwörter: , , , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

*