Im Zweiten wird’s wohl besser – 33. Akt: Verzerrte Welt

Hannover 6:1 Gladbach – ohne Worte, viele Worte, kein Abstecher nach Hannover, ein Abstecher nach München, keine Meisterfeier.

Ich durfte ja schon viel erleben diese Saison: Heimspiele im Borussia-Park, Auswärtsspiele live vor Ort (Anreise per Zug, per Auto), Partien auf dem heimischen Sofa, Radio-Konferenzen im Stau, Radio-Konferenzen in der Einöde einer hessischen Jugendherberge, gemeinschaftliches Sky-Gucken in Studentenkneipen, Eigentor-Exzesse in Irish Pubs, Odysseen auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt und sogar Spiele, die ich gar nicht verfolgen konnte. Eine weitere, beinahe absurde Möglichkeit wäre mir wohl selbst nie in den Sinn gekommen. Doch als vor wenigen Wochen eine E-Mail von einer Event- und Marketingagentur in den Posteingang flatterte, war klar, dass der 33. Akt dieser Saison wieder eine ganz neue Geschichte schreiben würde.

München-Fröttmaning, Samstag um kurz nach 13 Uhr. Wie ein Seehund, der sich am Strand in der Sonne aalt, liegt die Allianz-Arena zwischen Bahngleisen und Autobahn. Es herrscht überraschend viel Betrieb für diese Uhrzeit. Entweder scheint der Biergarten vor der Arena die Menschen anzuziehen. Oder aber dort sitzen mehr als zwei Stunden vor Anpfiff jede Menge erfolgloser Ticketjäger, die sich resignierend ein, zwei, drei Weißbier gönnen. „Suche Karte“ – mindestens ein Dutzend solcher Schilder mit unmissverständlicher Petition hat man mir auf dem Weg unter die Nase gehalten. Entgegnet habe ich weder ein „nein“ noch überhaupt etwas – und das obwohl ich den FC Bayern an der Mehrheit aller Tage im Jahr so gut leiden kann wie eingewachsene Fußnägel und ein Hemd mit schwarz-weiß-grünen Karos trage (was man wohl ein Statement der subtileren Art nennt).

Ohnehin habe ich um diese Zeit noch nicht einmal selbst ein Ticket. Anders als die hilflosen Suchenden, kann ich jedoch mit Gewissheit sagen, dass sich das bald ändern wird. Um viertel nach eins ist es so weit. Ich halte einen Umschlag mit meiner Adresse in der Hand. Darin verbergen sich neben einer Eintrittskarte noch ein verpixelter Anfahrtsplan sowie ein Blatt mit „organisatorischen Hinweisen“. Dort erfahre ich: „Ein ausgewähltes Büffet sowie kalte und warme Getränke stehen für Sie bereit.“ Und: „Wir empfehlen Ihnen sportlich-elegante Kleidung.“

„Wir“, dahinter steckt die Deutsche Telekom. „Ich“ bin, genau wie 24 andere Gäste des FCB-Hauptsponsors, als Fußball-Blogger, potentieller Kunde, Fan und Mensch gekommen. Damit wäre das Rätsel auch gelöst, was mich am 33. Spieltag nach München verschlagen hat, während die Borussia 600 Kilometer weiter nördlich in Hannover antritt. T-Home will mit Partner Microsoft sein Entertain-Programm samt Liga-Total-Paket ins Gedächtnis rufen, Neuigkeiten vorstellen und den Anwesenden Gelegenheit zu Fragen und Feedback geben. Dafür steht vor dem Spiel ein Techniker vom Entwicklungsteam Rede und Antwort. Er selbst habe von Fußball nur wenig Ahnung, gibt der Mann zu, während er sich mit der Fernbedienung durch Blitztabellen, Archive, Live-Ticker und Highlight-Portale klickt. Soll wohl signalisieren: Wir arbeiten so akribisch, dass wir eigentlich nur Tageslicht zu Gesicht bekommen, um fünf Händen voll Bloggern in der Telekom-Loge der Allianz-Arena unser Programm zu erklären.

Legendenbesuch beim Mittagessen

Fünf Rolltreppen führen hinauf in eine Art Nebenwelt. Auf jeder Ebene lächeln Hostessen in dirndlartiger Aufmachung die werten Gäste freundlich an. Freitagabends würde man die Nettigkeit anders deuten. Man fühlt sich gut, gemocht, irgendwie wichtig. Dabei liebt man doch nur Fußball. Spargel, Sauce Hollandaise, Schweinefilet, Lachshappen und Roast Beef natürlich ebenso – aber selten an einem Samstag um halb zwei, sondern eher sonntags bei Mutter am Tisch. Auf dem Klo sind alle VIP-Gäste dann wieder Menschen. Angeblich hinterlässt jeder zweite nach dem Spargel-Verzehr diesen markanten Geruch.

Während ich die Roast-Beef-Scheiben auf dem Vorspeisenteller gerade sorgfältig seziere, fällt mir fast die Gabel aus der Hand. Ist er das? Da genau vor mir? Gerade durch die Tür hereinspaziert? Ja, er ist es. Der „Bomber der Nation“, 68 Tore in 62 Länderspielen, 365 Bundesligatreffer bei 427 Einsätzen, geboren in Nördlingen, mittlerweile 64 Jahre alt. Gerd Müller. Der erste Einfall: Er ist klein. Der zweite: Vonwegen „kleines, dickes Müller“, eher kleines Müller, aber im Gegensatz zu anderen Ex-Kollegen figurentechnisch gut ein Schuss. Als Beweis dient das Erinnerungsfoto: Einen Kopf größer als Müller, aber selbst an der Playstation wahrscheinlich nicht mit annähernd so vielen Toren. Wenn man bedenkt, wie viele unbekannte Hände der 64-Jährige in seinem Leben schon geschüttelt haben muss, auf wie vielen Fotos er nett gelächelt hat – womöglich wird er den Siegeszug der Digitalkameras verfluchen. Man sieht es jedoch nicht. Dafür lächelt er zu nett.

Vier Fernseher hängen an der Logenwand. Auf einem wird die Konferenz laufen, auf einem das Schalke-Spiel und auf einem die Partie, die einige Meter weiter unten völlig realistisch, authentisch und greifbar zu sehen ist. Fernseher vier reißen sich die anwesenden Club-Fans unter den Nagel. Und bereits nach sieben Minuten habe ich das Gefühl, sehr gut damit leben zu können. „Schon zwei Riesenchancen für 96. Geht schlimm los“, schreibt mir meine Mutter per SMS. Was fatalistisch anmutet, bestätigt sich erstmals nach 16 Minuten. Ich beobachte das Treiben unten auf dem Platz und sitze zurückgelehnt im flauschigen Logensessel, der, anders als es im Fernsehen aussieht, nicht mit Schaumstoff gepolstert ist, sondern einen Überzug hat, der an einen Bierpavillon erinnert. Mein Handy klingt. Nils ruft an, so wie wir es bei einem Tor in Hannover vereinbart hatten. Ich hechte schnell in die Loge und sehe das Unheil bereits auf dem rechten, dem Konferenz-Monitor.

Kaum habe ich wieder draußen Platz genommen, da wird das Opernpublikum erstmals zum Festival-Volk. Lahm hat in die Mitte geflankt und Müller (Thomas) mit der Brust das 1:0 erzielt. Nur zwei Minuten später heißt die Reihenfolge Lahm-Ribéry-Müller. Das Resultat ist dasselbe. Die Bayern führen nach 20 Minuten mit 2:0 und die erste Frage – die nach Sieg, Remis oder Niederlage es Rekordmeisters – scheint beantwortet. „Schi bum, schi bum“, die Spider Murphy Gang ist kaum verhallt, da klingelt es erneut. Nils überbringt die Botschaft, mit der zu rechnen war. Hannover zieht mit den Bayern gleich und benötigt nur vier weitere Minuten, um den Spitzenreiter zumindest in der Spieltagswertung zu überflügeln. „Was’n da los?“, wollen die ersten wissen. „Peinlich“ ist da bereits das einzige Adjektiv, das für mich einigermaßen adäquat wirkt.

Schaulaufen vor Edes, Ulis, Kalles und “Motzkis” Augen

Das Geschehen in der Allianz-Arena gleicht derweil schon zu diesem Zeitpunkt einem Schaulaufen. Die Bayern könnten aus Bochum mühelos Hannover machen, zeigen jedoch Gnade. Direkt unter uns sitzt die Führungsetage, die Beletage der Bayern-Fans: Uli Hoeneß, Karl Hopfner, Kalle Rummenigge, davor Helmut Markwort, weiter rechts Gerd Müller, noch weiter rechts Paul Breitner, auf der linken Seite Edmund Stoiber, dahinter steht Matthias Sammer (vielleicht nicht unbedingt FCB-Anhänger) und spricht mit Willy Sagnol. Bei einem Abstecher auf den Flur kommt mir Alfons Schuhbeck entgegen und sagt „Servus“, als würde ich und nicht meine Mutter dauernd die „Küchenschlacht“ gucken. Und mittendrin bin ich, bestelle ein Bier beim Kellner, der aussieht wie Jonathan Pitroipa. Als ich mich doch entscheide, ein Glas zu nehmen, nimmt er mir die Flasche aus der Hand, schüttet ein – als ob ich das nicht selbst gekonnt hätte. Doch womöglich sitzen in der Davidoff-Lounge, die so abseits vom Spielgeschehen liegt, dass die Anwesenden denken müssen, sie säßen in einem Kaufhaus-Café, wirklich Menschen, die sich ihr Bier selten selbst einschenken und trotzdem nie aus der Flasche trinken.

Als ich gerade einen Abstecher nach drinnen mache, werde ich live Zeuge der nächsten Hiobsbotschaft aus Hannover. Peinlich, peinlicher, am peinlichsten, ein Gegentor durch Mike Hanke. Der Ex-WM-Fahrer jubelt so ausgelassen wie einer, der nach einem schlimmen Unfall ein Spenderbein erhalten und nun nach dreijähriger Abwesenheit gleich in seinem Comeback-Spiel einen Treffer damit erzielt hat. Dabei ist es lediglich sein erster in der Saison. Wie sehr ihn das trotzdem erleichtert, davon zeugt ein beherzter Hüpfer über die Werbebande, der für manch einen Torschützen schon die Eintrittskarten für eine Videokassette von „ran fun“ bedeutet hat. Doch sogar der Bandenhüpfer gelingt Hanke – und die Borussia liegt zur Halbzeit mit 0:4 hinten. Um herauszufinden, wann die ersten 45 Minuten eines Spiels zum letzten Mal eine solche Schmach gebracht haben, muss man in den Oktober 1998 springen. Leverkusen führte zur Pause ebenfalls mit 4:0 und gewann am Ende mit 8:2 am Bökelberg.

Bevor es weiter geht mit Hälfte zwei, ist der Techniker der Telekom erneut an der Reihe. „Klicken wir doch mal hier“, kündigt er an, was kommt, um die Live-Ticker-Option von Liga Total zu demonstrieren. „Och, muss nicht sein“, versuche ich, ihn zu stoppen, als er die Wiederholung von Mike Hankes Treffer anvisiert. Ich kann von Glück reden, dass die 24 Blogger-Kollegen zu gebannt das Geschehen unten auf dem Platz verfolgen und über verschiedene Kanäle ihren Vereinen folgen, um das Ausmaß der Gladbacher Schmach mit genügend Häme zu überschütten. Gerade bei Nürnbergern und Bochumern wird die Borussia nach diesem Auftritt keinen Stein im Brett haben.

Hannover gegen Gladbach: Niedersächsische Torgarantie

Nach der Pause spart Nils, völlig nachvollziehbar, an seinen Handy-Kosten und schickt nur noch eine SMS mit dem Inhalt: „5“. Ich weiß Bescheid und mache mir nicht einmal mehr die Mühe, innen nachzusehen, wie es diesmal passiert ist. Das 5:1 durch Patrick Herrmann geht es auf demselben Weg. Beim 6:1 scheint dann endgültig sein Guthaben aufgebraucht gewesen sein. Kann ja auch niemand ahnen, dass Hannover zum zweiten Mal in dieser Spielzeit sechs Tore gegen Gladbach erzielt.

Währenddessen entscheidet sich der Titelkampf (in-)direkt vor meinen Augen. Nach 55 Minuten ist der lauteste Jubel des gesamten Tages in der Allianz-Arena aufgebrandet. Getroffen hatte nicht der Gastgeber, sondern Bremen auf Schalke. Früher dauerte es ein paar Sekunden, wenn nicht gar Minuten, bis sich derart frohe Kunde in einem Stadion herumgesprochen hatte. Heutzutage geht auch das schneller. Nach 64 Minuten macht Hugo Almeida alles klar. Die Bayern-Blogger Probek, Kaisergrantler und Zechbauer dürfen im Jubel über die Meisterschaft sogar noch ein besonderes Bonbon genießen. „Uli, Uli! 2:0 Bremen!“, hallt es aus der Loge, woraufhin sich der Meister aller Rostbratwürstchen umdreht und ein süffisantes Grinsen nach oben schickt. Den Mann in weißer Stoffhose mit der Max-Schautzer-Frisur, der mit seiner barbusigen, blonden Lebensabschnittsgefährtin vor Freude einen merkwürdigen Ringelrein tanzte, wird Hoeneß dabei sicherlich auch gesehen haben. Die Fruchtgummis in Meisterschalen-Optik wirken unter diesen Voraussetzungen, bei drei Punkten und 17 Toren Vorsprung, auch wieder standesgemäß. Dazu gibt es für zwischendurch auch noch kleine DFB-Pokale in der Rudi-Assauer-Version mit schiefem Sockel. Was man in der Veltins-Arena wohl nascht? „Nimm zwei“ vielleicht?

Aus 17 Toren macht Thomas Müller kurzerhand 18. Sein Spaziergang durch die Bochumer Abwehr lässt zwei Gerüche durchs Stadion wehen. Für Müller riecht es schwer nach Südafrika, 20 Jahre hin oder her. Der VfL Bochum dagegen macht den Eindruck, als habe er sich mit seinem Schicksal abgefunden. Auch der vierte Freistoßtreffer von Fuchs in dieser Saison, der das bayerische Torpolster wieder auf ein Plus von 17 senkt, ändert daran wenig. Wie es sich für Logenpublikum gehört, sitze ich gerade im gedämpften Magenta-Licht und ziehe mir ein Törtchen rein, als das kurze Raunen durch die Arena geht

Meister wider Willen? Nö, ist immer so.

Wenige Minuten später werde ich erstmals Zeuge des seltenen Treibens, wenn ein Verein Deutscher Meister wird. Für mich jedoch kein Anlass, mit dem Gedanken eines Verrats zu spielen und überzulaufen. Ganz im Gegenteil sind diese Bilder eher ein Antrieb, um es in den nächsten 50 Jahren selbst einmal zu schaffen – um schlichtweg schöner zu feiern. Mit der Borussia, auch wenn das nach diesem Auftritt in Hannover absurder denn je klingt. Während der FC St. Pauli und seine Fans unter ähnlichen Voraussetzungen die Aufstiegsnacht zum Tag machen, gibt es unten auf dem Platz weder exzessive Jubeltrauben noch Weißbierduschen. Edmund Stoiber hat schnell ein Gläschen Sekt in der Hand, Uli Hoeneß und Konsorten schütteln Hände. Der Stadion-DJ schickt zwar ein paar vermeintliche Partykracher ins Rund. Doch die ganz große Sause bleibt aus.

Am späten Abend werde ich mit Probek und dem Kaisergrantler vor dem Augustinerkeller in der Münchener Innenstadt stehen und etwas rumphilosophieren. Wir werden auf das Selbstverständnis als Fan zu sprechen kommen und ich werde wissen wollen, ob man die 22. Meisterschaft der Vereinsgeschichte sowie die neunte in den vergangenen 14 Spielzeiten etwa nicht mehr feiert, als gäbe es kein morgen mehr. Die Antworten werden eher nach einem „nein“ klingen. Ein Champions-League-Titel, das sei das, wonach man als Bayern-Fan strebt. Fernab der Realität ist der Ansatz keineswegs. Schließlich könnte es für beide bereits der zweite ihres Fandaseins werden, während ich wohl noch ewig auf den ersten Meistertitel warten muss.

Eine Stunde nach Spielende zieht eine Polonaise durch die Loge. „Ein Schuss, ein Tor, die Bayern“, stimmt das gute Dutzend an, von denen einige sich am nächsten Morgen nicht mehr an ihren Jubelzug erinnern werden können. Wiederum eine Stunde später, mittlerweile hat der Tag mit Kartoffelsalat und Frikadellen auch ein kulinarisches Ende gefunden, kehren wir zurück ins echte Leben. Draußen gibt Uli Hoeneß zwar noch fleißig Autogramme und Hermann Gerland stellt sich vor dem Bauch des Stadion, sozusagen am Nabel, ebenso den wartenden Fans wie Mark van Bommel. Die ersten Grüße aus der Wirklichkeit regnet es gleich vom Himmel, ein paar Tropfen zum Aufwachen.

Wie Eisschnelllauf auf Teflonpfannen

Am nächsten Tag sitze ich auf den obersten Stufen im Olympiastadion. Statt der üblichen Dröhnung Marienplatz, Frauenkirche usw. habe ich mich bei einem zweiten Kurzbesuch in München für ein Alternativprogramm entschieden. Mittlerweile scheint der Austragungsort der Sommerspiele ’72 und des WM-Endspiels zwei Jahre später alles zu sein, nur kein Stadion im ursprünglichen Sinne mehr. Dort, wo Paul Breitner damals vom Elfmeterpunkt und Gerd Müller aus der Drehung traf, steht momentan das riesige Zelt des Circue du Soleil. Von Ballartisten zu Hochseilartisten, von Spaßvogel Maier zu Clowns in der Manege.

Wieder fallen einzelne Tropfen vom Himmel, Biergarten-Wetter sieht anders aus. Doch womöglich ist es einfach das passendste Wetter, um die Bild am Sonntag durchzublättern und die Statements der Borussia zur Havarie von Hannover zu lesen. Michael Frontzeck spricht von einem „Ausrutscher“ und kann sich glücklich schätzen, dass – nein, eigentlich kann er sich gar nicht glücklich schätzen. Wenn das 1:6 nämlich ein Ausrutscher gewesen ist, dann müsste man die gesamte Saison mit einer Eisschnelllaufrunde auf Teflonpfannen vergleichen. 16 Niederlagen hat der VfL inklusive der Pokalpleite gegen Duisburg kassiert. Neun mit nur einem Tor Unterschied sprechen dafür, dass es sehr oft sehr knapp war und Gladbach einige Punkte liegen gelassen hat. Allein fünf Niederlagen mit mindestens drei Toren Unterschied (0:3 in Bremen, Freiburg, Dortmund, 0:4 gegen Wolfsburg und 1:6 in Hannover) in dieser Saison lassen die Frontzeck-Erklärung jedoch ziemlich abgedroschen und geradezu albern-unverschämt erscheinen.

Hinweise auf ein Motivations- bis hin zu einem Charakterproblem offenbart bereits der Vergleich mit dem 1:1 gegen die Bayern. Als der Rekordmeister kam und damit die Chance, den Meister in spe vor vollem Haus ein wenig zu ärgern, zeigte der VfL eine absolut konzentrierte, motivierte, eben eine einwandfreie Leistung. Gegen Hannover lohnt es sich offenbar nicht, die Schuhe richtig zuzuschnüren, die Stutzen hochzuziehen und das Trikot in die Hose zu stecken, um im vorletzen Spiel der Saison beispielsweise den letzten Platz der Auswärtstabelle zu verlassen. Oder den 40. Punkt einzufahren. Oder den mitgereisten Fans einfach nur ein Dankeschön zu bereiten.

Sieben Zähler und zwei Siege mehr als letzte Saison sind es derzeit – keine Welt. Nur drei Tore weniger hat die Borussia kassiert, nur drei mehr geschossen – irgendwie erschreckend. Das letzte Spiel gegen Leverkusen wird am Ende nun doch wegweisender sein, als wir alle jemals gedacht hätten. Es geht darum, mit Anstand aus einer Spielzeit zu gehen, von der man dachte, sie stünde nicht für einen, sondern gleich für drei Schritte nach vorne. Falls die Borussia sich nun nicht aufrafft, könnte es jedoch heißen: Drei vor und zwei zurück. Hingehen werde ich dann trotzdem jede Woche. Keine Frage. Auch ohne Spargel, Lachs und Legendenbesuch.

03. Mai 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 9 Kommentare

Kommentare (9)

  1. Also 12 Tore gegen Gladbach in einer Saison. Trotzdem nur 3 Punkte. Irgendwie auch nicht fair. Ansonsten ist es so, dass nicht nur die Borussia den Hannoverschen Sport Verein unterschätzt hat. Mag sein, dass wir in München und Leverkusen 10 Tore insgesamt kassierten und zumindest in München nicht gerade viel Gegenwehr erkennen ließen, aber zuhause, da haben wir immerhin im Spiel davor den Möchtegern-Meister aus dem Pott mit 4:2 abgefertigt. Da angeblich 10 000 96-Fans nach Bochum kommen werden, hoffe ich (auch wegen der nicht wirklich normalen Saison) auf ein Happy-End! Schließlich habe ich Dir ein Jever versprochen vor dem Spiel im Park nächste Saison…

  2. Wie immer ein toller Bericht. Nett, auch mal ein Bild von Dir zu sehen und damit ab jetzt ein Gesicht zu Deinen tollen, humorvollen Artikeln vor Augen zu haben. Und ein Foto mit Gerd: unbezahlbar!

    Aber absolut gigantisch ist dein Hemd!!!

    Viva Borussia!

    Schwarz-grün-weiße Grüße aus Magdeburg,
    Martin

  3. Sehr gelungene Zusammenfassung des Events. Respekt! :-)

    Ich hoffe, dass Du dein persönliches Ziel mal erreichst und in den nächsten 50 Jahren einmal die Meisterschaft feiern kannst. Aber wirklich nur einmal!! ;-)

  4. Großartiger Text. Liest sich wirklich wieder einmal exzellent.

  5. ……kann man den Spielern einen Vorwurf machen ??……wenn ich mir an die eigene Nase fasse, stelle ich fest, dass ich zum ersten Mal in der Saison quasi halb liegend auf der Couch das Spiel verfolgt habe……..keine Anspannung……nix…..gut beim 2:0 habe ich mich in den üblichen angespannten Sitz gesetzt…aber ok….sehr peinlich……und komischerweise wurde ich auf dieses Spiel von so vielen Leuten angesprochen……ähm ….warum kommen solche Leute jetzt erst aus ihren Löchern..??…also nix für ungut…..schöner Bericht……Borussia wird leben !

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  7. Geil ist, dass Du etwa 3 m größer bist als der Bomber…

  8. Sehr schöner Artikel, so wie alle anderen auch!

    Ich war sehr froh mit meinen Kumpels eine ausgiebige Maiwanderung gemacht zu haben und von dem ganzen Elend nicht so viel mitbekommen zu haben…es lebe Bier und Verdränugung :-D

    Ansonsten weiter so, freue mich auf meine dritte BuLi-Saison mit “Entscheidend is aufm Platz”!

    Grüße aus Hessen,

    Marco

  9. Toll geschrieben. Und da der Klassenerhalt ja schon im Sack ist, dürfte das 1:6 auch nicht sooo sehr geschmerzt haben, oder?

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