Neuer, Wiese, Adler: Two and a Half Men

René Adlers Rippen machen ihm den größten aller Striche durch die Rechnung: Es geht ohne den Bayer-Keeper nach Südafrika. Und erneut fällt Schatten auf eine Bilderbuchkarriere. Doch gleichzeitig schließt sich womöglich ein Kreis.

Auf den ersten Blick hat René Adler mit seinen 25 Jahren eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Als Bayer Leverkusen im Frühjahr 2002 zum Vize-Hattrick ansetzte, trainierte er, gerade 17, bereits mit den Profis. Bei der U20-WM 2005 hielt er überragend und spielte sich erstmal so richtig in den Fokus. Das Bundesligadebüt folgte in der Rückrunde der Saison 2006/2007. Adler beendete die Ära Butt bei Bayer und brachte es fertig, in vier seiner ersten fünf Spiele Noten im Einserbereich zu kassieren. Das Jahr 2008 brachte die EM-Teilnahme und die überragende Länderspielpremiere bei der wichtigen Quali-Partie gegen Russland. 2009 hielt er das WM-Ticket in Moskau fest. Einmal mehr: Bestnoten. Anfang dieses Jahres kürte ihn Jogi Löw zur Nummer eins für Südafrika. Wahrlich aus dem Bilderbuch, so scheint es.

Doch spätestens seit Dienstagmorgen ist die Profilaufbahn von René Adler um ein trauriges Kapitel reicher. Vor vier Jahren stand der Leipziger kurz vorm Karriereende: Rippenprobleme. Nun sind es erneut die Rippen, die ihn diesmal an seiner ersten WM-Teilnahme hindern. Noch am Samstag war er maßgeblich am Ende aller Berliner Bundesligaträume beteiligt. Man kann durchaus behaupten, die deutschen Nationaltorhüter stünden seit einiger Zeit unter keinem guten Stern. Die Verletzung von René Adler ist zwar ein rein sportliches Einzelschicksal. Doch sie bedeutet einmal mehr einen gravierenden Einschnitt auf der Position, die stets unter Beobachtung steht und auf der es um Deutschland traditionell gut bestellt ist. Nach dem Tod von Robert Enke schienen die Rollen im Tor der Nationalmannschafts verteilt, die Tickets für Südafrika vergeben. Jetzt warten zwei Männer, Neuer und Wiese, auf einen dritten, weil die Nummer eins nur halb zur Verfügung steht.

Jörg Butt und Roman Weidenfeller sind die derzeit meistgenannten Namen. Obwohl der dritte Torwart aus sportlicher Sicht bei einer WM höchstens so bedeutsam ist wie eine Tischtennisplatte und eine Spielkonsole im Mannschaftsquartier, wird diese Entscheidung am Donnerstag eine der meistbeachteten sein. Butt müsste der lachende Vierte, Fünfte, Sechste, Siebte sein. Denn zwei Vertreter der Gerry-Ehrmann-Schule würden dem WM-Kader genauso wenig gut tun wie ein Lautsprecher und Veteran Lehmann auf der Bank. Und so würde sich der Kreis schließen: René Adler kam 2007 zu seinem Bundesligadebüt, weil Jörg Butt im Bayer-Tor die rote Karte gesehen hatte. Drei Jahre später ist Butt Meister, gehört zu den souveränsten Keepern der Saison und könnte nun denjenigen ersetzen, dem er – grob gesehen – seinen ersten Titel zu verdanken hat.

04. Mai 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Die mit dem Adler | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 6 Kommentare

Kommentare (6)

  1. Gefällt mir.

  2. Mensch, mal sollte auch seine Adresse richtig angeben…

  3. Na super, erst schreib’ ich hier ‘nen Kommentar und geb’ die falsche Adresse von meine Blog an. Dann bemerk ich das, schreibe es hin, und dannist mein Beitrag weg. Also nochmal sinngemäß:
    Schön um die Ecke bzw. im Kreis gedacht. Gehe auch davon aus, dass Butt zurückkommt, eben weil Rost, Lehmann & Weidenfeller für die Bank gar nicht in Frage kommen. Und Hildebrand?

  4. @Phil: Auf Hildebrand will ich mal nicht hoffen. Da müssten wir vorher über Müller, Schäfer, Heerwagen und noch zehn andere reden. Meines Erachtens.

  5. Thomas Müller? Kann der auch Tor? :-D
    Würde nur so gut ins Bild passen, Hildebrand darf mit, und verkündet kurzfristig noch seinen Wechsel zum VfB. Zumindest müssen wir uns auf der Torwartposition überhaupt keine Sorgen machen, alles, was weiter vorne liegt, macht mir zu schaffen…

  6. Oh man…Wenigstens im Tor gab es in Deutschland nie Probleme und immer eine Nummer 1.

    Jetzt heißt es wohl bei vielen Gegnern der deutschen 11: “Einfach mal raufhalten, der flattert.”

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