So soll es sein, so kann es bleiben

Die Bundesliga macht da weiter, wo sie vor zwei Wochen aufgehört hat: 31 Tore, ein Aufsteiger auf der Überholspur und ein Rekordmeister, der siegt aber nicht voran kommt.

Dabei ging es am Samstagnachmittag relativ müde los: Sechs Treffer in der ersten Halbzeit, mehr nicht. Obwohl gleich sieben Partien auf dem Programm standen. Doch die Bundesliga anno 2008 lässt den torgeilen Zuschauer/-hörer nicht so einfach im Stich. Neunzehn Treffer in Hälfte zwei sprechen eine deutliche Sprache. Maßgeblich daran beteiligt war unter anderem Hoffenheims 5:2 in Hannover, bei dem der Aufsteiger eine Führung erst aus der Hand gab, um dann fulminant zurückzuschlagen. Das viel zitierte Jeder-schlägt-jeden-Prinzip hat dieser Tage Hochkonjunktur.

Nicht nur von Spieltag zu Spieltag kann sich niemand seiner Favoritenrolle sicher sein. Selbst innerhalb von 90 Minuten torkeln die Spielvorteile hin und her wie ein Kneipengänger mit 1,8 Promille auf dem Nachhauseweg. Erst freut sich Bremen eine Stunde lang über seine weiße Weste gegen den BVB – nach zuvor 16 Gegentoren in sieben Spielen. Dann geht Dortmund aus halbwegs heiterem Himmel in Führung, um kurz danach den Ausgleich zu kassieren. Doch Resignation ist in dieser Liga Gott sei Dank ein Fremdwort. Die Borussia holt sich die Führung schnell zurück. Werder gelingt in der Folge nicht nur der Ausgleich, sondern Pizarro reißt das Spiel per Doppelpack gleich einmal vollends herum. Spätestens jetzt dürfte der Spuk vorbei sein. Doch irgendwie ist Zidans 3:3 in der Nachspielzeit schlichtweg konsequent. Das Wort “ausgerechnet” gehört eigentlich verschmäht. Dennoch kommt man dieses Jahr einfach selten drum herum. Am Ende hat Werder erneut drei Dinger kassiert – und ist so schlau wie nach 60 Minuten.

Die Tabelle erinnert derweil an eine alte Holzleiter: Punkt für Punkt geht es nach oben. Allein zwischen Rang elf und zwölf fehlen ein paar Sprossen. Salopp gesagt, spielen elf Vereine um die Meisterschaft, sieben gegen den Abstieg.

Alles schön und gut. Wenigstens in Liga zwei müsste es doch etwas gesitteter zugehen. Denkste! Das Unterhaus steht dem großen Bruder dieses Wochenende in Nichts nach – im Gegenteil. 31 Bundesligatore ringen Lautern, Rostock, Duisburg und Co. bestenfalls ein müdes Lächeln ab. Das Montagsspiel steht noch aus. Dennoch zeigt der Zähler bislang 39 Treffer in acht Partien an. Gleich neun davon hat Hansa Rostock beigesteuert. Schön und gut, in der 2. Bundesliga scheint das nicht ganz so verwegen. Doch es ist keineswegs so, dass Hansa ein krisengeschütteltes Team mit 9:0 nach Hause geschickt hätte. Koblenz hatte vor zwei Wochen dem FCK gleich eine Hand voll eingeschenkt. Lautern ist ja auch nur Tabellenführer und hat das Überraschungsteam aus Ahlen am Freitag nach 0:1-Rückstand noch mit 4:1 besiegt.

Ein Goldener Oktober für die Anzeigetafeln. Ein Fiasko für alle Verteidiger. Doch die bringen sich sowieso lieber auf der anderen Seite ins Gespräch. Gohouri, Kleine, Baumann, Hummels, Madlung und Höwedes sorgten für sechs Tore von Innenverteidigern. So soll es sein, so kann es bleiben.

19. Oktober 2008 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Innenrist | Schreibe einen Kommentar

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