“Hier spielen sich unglaubliche Szenen ab” – Neuville und das “Polen-Tor”

Manchmal sind Tore stilbildend. Fallrückzieher erinnern an Klaus Fischer, 60-Meter-Soli an Diego Maradona und Lattenkracher, die auf die Linie prallen, werden bis ans Ende dieser Welt „Wembley-Tore“ bleiben.

Ein neues Genre erblickte heute vor genau vier Jahren das Flutlicht des ekstatisch geladenen Dortmunder Westfalenstadions. Hätte Herbert Zimmermann damals, beim Vorrundenspiel Deutschland gegen Polen, auf der Pressetribüne gesessen, Kinder würden sich im Jahr 2049 per Bluetooth seinen Kommentar als Klingelton zuschicken (vorausgesetzt, Kinder im Jahr 2049 machen so etwas noch).

Es lief die Nachspielzeit. Die deutsche Nationalmannschaft hatte sich Chancen en masse erarbeitet. Anders als beim 4:2 zum Auftakt gegen Costa Rica hatte keine das Ziel gefunden, wie verhext. Aber dann. 90:44 – Frings passte auf Schneider. 90:47 – der Leverkusener schickte Odonkor auf Rechtsaußen. 90:50 – der Dortmunder flankte direkt in die Mitte. 90:51 – Oliver Neuville rutschte in den Ball und entsendete rund 40 Millionen Zuschauer in den Rausch ihren Lebens. Das „Polen-Tor“, ein verdammt wichtiges und unvergessliches.

In der letzten halben Stunde haben die Statistiker 11:0 Torschüsse fürs deutsche Team gezählt. Und es waren ‘ne Menge Hochkaräter dabei. Jetzt vielleicht nochmal – Odonkor… Und jetzt ist es da! Oliver Neuville! Und das ist hochverdient, fürs deutsche Team! In der ersten Minute der Nachspielzeit und hier spielen sich unglaubliche Szenen ab, unten auf der deutschen Bank, oben auf den Rängen. Die beiden Eingewechselten – entscheiden das Spiel.

O-Ton Steffen Simon

14. Juni 2010 von Jannik Sorgatz
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