Der erste Spieltag: Nichts wie gehabt

Die WM ist erst sechs Tage und einen Spieltag alt, doch die bestimmenden Themen gehen teilweise schon in die zweite Runde. Warum die Griechen mal keine Schuld trifft, England sich schon rüstet fürs Achtelfinale und eine Revolution die Ergebnisse dominiert.

Die Evolution ist ein fixer Zeitgenosse. Plötzlich schien es wie verhext: Vier Partien endeten an den ersten fünf Tagen mit 1:0, nur das 1:1 konnte mithalten. Doch das Ende des ersten Spieltages bringt gleich den nächsten Schritt. Chile schlägt Honduras – mit 1:0, aber ansehnlich. Die Schweiz schlägt Spanien – mit 1:0, aber so sensationell, dass sich niemand mehr daran stört.

Alle 32 Mannschaften haben sich nun genau einmal die Ehre gegeben. Enttäuscht haben viele, abgeliefert nur wenige, beeindruckt nur eine. Dass es sich dabei um die deutschen Nationalelf handelt, mutet noch immer unwirklich an. Wenigstens Brasilien und Spanien, so schon eine merkwürdige Art der Hoffnung, würden es doch richten und in ihre Favoritenrolle schlüpfen. Aber es kam so, wie es in diesen ersten WM-Tagen öfters kam: anders.

Genau vier Teams ist es gelungen, mindestens zwei Treffer zu erzielen. Dabei trafen alle auf teils el salvadorianisch schwache Gegner. Nordkorea kann man außen vor lassen, was an für sich ein weiterer Widerspruch ist, mit dem nicht zu rechnen war. Die Ergebnisrevolution hat längst die Tipprunden erreicht. Ein 1:0, ein Unentschieden und die Punkte regnen ins Haus wie der Johannesburger Winter.

Auch beim Nörgeln ist längst nicht mehr alles so wie gehabt. Computerfreaks rüsten sich mit Vuvuzela-Filtern, der Rest zeigte erste Anzeichen von Trötenlärm-Immunität. Neu auf der Agenda: der Rasen. Die deutsche Nationalmannschaft wird ihr Abschlusstraining morgen nicht im Stadion von Port Elizabeth absolvieren können. Wer das Geläuf beim ersten Spiel zwischen Südkorea und Griechenland gesehen hat, kann das nachvollziehen. Und Schuld waren ausnahmsweise nicht Ottos Hellenen, die sich mit Australien noch um den schwächsten Auftritt der ersten 16 Spiele streiten.

Alles wie gehabt? Das gilt selbst für unsere Freunde aus England nur begrenzt. Zwar ist der Beruf des Greenkeepers seit letztem Samstag in aller Munde, doch sogar auf der Insel gibt man Ungewöhnliches von sich. Ein gewisser „Abenteuergeist“ wird uns vom Guardian nachgesagt, kombiniert mit „altem Selbstbewusstsein“. Allzu voreilig sollte man den Sinneswandel jedoch nicht diagnostizieren. Fabio Capello hat im Anflug eines Fiebertraums behauptet, die deutsche Mannschaft habe Angst vor den „Three Lions“. Wohl nur das übliche Geplänkel vor einem Achtelfinale zwischen dem Sieger von Gruppe D und dem Zweiten der Gruppe C.

16. Juni 2010 von Jannik Sorgatz
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