In der Breite besonders eng

Frankreich, Argentinien, England, Deutschland, Niederlande, Italien, Brasilien, Portugal, Spanien – neun große Fußballnationen, neun Namen, die nie fehlen, wenn von potentiellen Titelträgern die Rede ist. Da für die ganze Riege nicht einmal im Viertelfinale Platz wäre, ist vorzeitiges Scheitern vorprogrammiert.

Vor vier Jahren durchbrach allein die Ukraine die Phalanx und erreichte die Runde der letzten Acht. Spanien und die Niederlande lösten bereits im Achtelfinale das Ticket nach Hause. Nicht ganz so elitär war der Kreis im Jahr 2002 bestückt: England, Spanien, Deutschland und Brasilien auf der einen, die Türkei, die USA, der Senegal und Südkorea auf der anderen Seite. Bei der WM in Frankreich hießen die Überraschungsmannschaften Dänemark und Kroatien. 1994 liegt dann wohl zu weit zurück, um dieselben Kräfteverhältnisse wie heutzutage zu diagnostizieren. England, Frankreich und Portugal hatten sich erst gar nicht qualifiziert.

Im Prinzip kann man den Kandidatengürtel sogar noch viel enger schnallen. Denn bei den zehn Weltmeisterschaften von 1970 und 2006 schafften es gerade einmal sechs verschiedene Länder ins Endspiel: Deutschland (5x), Brasilien (4x), Italien (4x), Argentinien (3x), Niederlande (2x) und Frankreich (2x). Zum Vergleich: Bei Europameisterschaften hatten seit 1972 gleich 13 Länder mindestens eine Hand am Pokal.

Das Überraschungspotential, was den Halbfinaleinzug angeht, ist jedoch um einiges größer. Folgende Mannschaften erreichten seit 1970 die Runde der letzten Vier:

Uruguay, Brasilien, Italien, Deutschland, Polen, Niederlande, Argentinien, Frankreich, Belgien, England, Schweden, Bulgarien, Kroatien, Türkei, Südkorea, Portugal (16 Teams)

Demnach wäre es durchaus im sensationslosen Rahmen, würde sich ein neuer Kandidat dazugesellen. Für einen Endspieleinzug Ghanas, Dänemarks oder der Schweiz, sähe das freilich anders aus. Aber die großen Neun haben wohl selten einen schlechteren Start in ein WM-Turnier erlebt. Vor dem Spiel Brasilien gegen Elfenbeinküste haben sich Italien, Deutschland und Co. in 15 Spielen die Ehre gegeben. Nur sechsmal gingen sie als Sieger vom Platz (Argentinien und die Niederlande davon je zweimal), sechsmal spielten sie Remis und kassierten drei Niederlagen.

Ließen sich die Halbfinalpaarungen mithilfe der Erfahrung aus der WM-Historie bestimmen, müsste es ab dem 6. Juli also wie folgt aussehen: Mindestens ein Underdog mischt sich unter die Großen. Doch am Ende spielen die den Pokal wieder unter sich aus.

20. Juni 2010 von Jannik Sorgatz
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