Die Revolution frisst ihre Großväter

Warum die WM uns hoffentlich mehr gebracht hat als Platz drei.

Der Fußball ist zurück. Ja klar, werden sich viele denken, heute Abend eröffnen Bayern München und der VfL Wolfsburg die 48. Bundesliga-Saison. Doch so ist es nicht gemeint. Der Fußball ist zurück. Soll heißen: Das, was auf dem Platz geschieht, rückt wieder in den Mittelpunkt. Endlich. Bye bye, „Schland“. Tschüss, „Wer sind eigentlich die Gelben? Ach, scheißegal, ich hol’ noch ‘ne Runde Kurze“.

Oliver Fritsch diagnostiziert auf Zeit Online „eine puristische Reaktion auf die Boulevardisierung in der Vergangenheit“. Auf die Ran-Generation, aufgewachsen mit Beckmann, Kerner und Co., sollen die Kinder folgen, die mit ihrer fußballerischen Sozialisierung Jürgen Klopp und 3D-Analysen verbinden. “Reden wie Joachim Löw” lautet die Überschrift des Titels auf zeit.de. Dieses Löw’sche Pfeifen, die Reduzierung von “auch” zu “au” meint er damit Gott sei Dank nicht.

Fritsch verlinkt auf die Kontextschmiede, wo bereits vor ein paar Tagen ein 90-sekündiges Video erschienen ist, in dem Jakob sowohl pathetisch als auch pragmatisch appelliert: „Respektiere das Spiel.“ Dass die meisten Blogger, Blogleser und Blogleserfreunde das bereits tun, streitet niemand ab. Dass ganz offen und breiter als sonst über die Hinwendung zu 90 Minuten, 22 Spieler und einem Ball geschrieben wird, mag hoffentlich ein Zeichen sein, dass wenigstens Bruchstücke davon auch die „Schland“-Fraktion erreichen.

Und wenn die Buchstaben auf dem Dach meines siebenstöckigen Redaktionsgebäudes schon die Mahnung „Entscheidend is auf‘m Platz“ in die Welt hinausposaunen, dann will ich mich Oliver Fritsch und Jakob ohne Zögern anschließen. Gebt mir, gebt uns, gebt den ungläubigen Schwarz-rot-gold-Irokesen-Trägern Fußball. Mögen die Spiele beginnen – 306 und noch viele mehr.

20. August 2010 von Jannik Sorgatz
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