Schwarzweißmalerei im Namen der Tröte

“Zuschauerrekord im WM-Stadion Soccer City” stand Montag in der Zeitung. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass dies nicht der eigentlich Kern der Nachricht ist, den die Rheinische Post (bzw. der SID) da loswerden wollte.

Südafrika spielte gegen Neuseeland, der Ball war ein Ei, Rugby hieß die Sportart und 90 000 kamen, um sich das 22:29 anzusehen. Zu den meistgehörten Dingen der WM – bei der an sich viele Hintergrundinfos das Potenzial hatten, den Titel der meistgehörten zu erringen – gehörte sicherlich der Hinweis, dass Fußball in Südafrika bekanntlich der Sport der schwarzen, Rugby der Sport der weißen Bevölkerung sei.

“Bemerkenswert” fand es der SID, dass im Stadion “nicht eine einzige Vuvuzela” ertönte – die Veranstalter hatten die Tröten des Trommelfelltodes kurzerhand verboten. Halbwegs aufmerksamen Fernsehzuschauern und Stadionbesuchern werden die wohlklingenden Geräusche vom ersten Bundesligaspieltag nicht entgangen sein. Kein Geräusch ist manchmal eben auch ein Geräusch. Sechs Vereine haben offizielle Verbote ausgesprochen, viele andere hoffen auf einen Trend zum Trötenverzicht. So sang man vergangenes Wochenende lediglich die Freude über die Rückkehr des Fußballs gepflegt in die Welt hinaus, nüchtern, kalt und emotionslos wie man in Deutschland eben so ist.

Fehlpässe aus dem Stand wurden wieder mit einem entnervten Raunen bedacht, Tore mit einem entfesselten “Jaaaa!” bejubelt und der gegnerische Torwart als masturbierende Gesäßöffnung mit einer im Rotlichtmilieu tätigen Mutter bezeichnet. Und auch wenn die Notwendigkeit letzterer Nebenerscheinung angezweifelt werden darf: Man kann Raphael Schäfer und alle anderen Keeper der Liga ja gerne mal fragen, ob ihnen 12 000 Vuvuzelas lieber sind.

25. August 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Einwurf | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Na sowas. Dabei hat das Dingens doch “Tradition” in (Süd)afrika?! Und einfach verboten?! Tss Tss Tss, wie furchtbar. Und diese Gesänge in deutschen Stadien – da lob ich mir doch das Bienenschwarm-Getröte zur WM 2010. *Ironie aus*

    Ich bin froh, dass sich einige Vereine entschlossen haben, diese Dinger zu verbieten. So müssen wir halt weiter gamz emotionslos selber Geräusche machen…

  2. Genauso unnötig wie die Kritik an der Vuvuzela während der WM war, ist es nun genauso unnötig die Nichteinführung der Vuvuzela in den europäischen Fußball als Erlösung zu beschreiben. (Davon war ja auch nie auszugehen)

    Und wenn sich Vuvuzelas hierzulande durchgesetzt hätten, wäre das im Übrigen genauso lachhaft gewesen, wie wenn Sie bei der WM verboten worden wären.

  3. @gses: Naja, ich hab’ zwar auch nicht ernsthaft dran geglaubt, dass die Vuvuzela nach dem ganzen Gegenwind während der WM eine Zukunft in Deutschland haben wird. Dass es letztendlich so gekommen ist, wie erwartet, nehme ich aber trotzdem dankend an.

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