Rückpass Leverkusen: Einsen für die Offensive

Das unglaubliche 6:3 in Leverkusen hat auch den “Kicker” nicht kalt gelassen. Mit Roel Brouwers, Marco Reus, Mo Idrissou und Patrick Herrmann haben es gleich vier Borussen in die “Elf des Tages” geschafft. Letzterer schwang sich mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack sogar zum “Mann des Tages” auf.

Logan Bailly (Kicker-Note 3): War bei Kießlings erstem Kopfball hellwach, beim Tor durch Derdiyok machtlos und hatte anschließend viel Glück, als Kießling die Latte traf. Zwei schwache Aktionen sorgten für Punktabzüge. Als er Brouwers‘ riskanten Rückpass Barnetta in die Füße spielte, verfehlte der das Tor nur knapp. Beim 3:6 sah Bailly schlecht aus – über ein Foul könnte man jedoch reden. Die 3 ist meines Erachtens zu gut, eine 4 wäre der Gegenvorschlag.

Filip Daems (Kicker-Note 3): Verlor das Kopfballduell gegen Derdiyok (1:1), als aber allgemeine Unordnung in der Defensive herrschte. Ansonsten mal wieder mit nur wenigen Akzenten nach vorne, die beim Offensivspektakel um Reus, Herrmann und Co. auch kaum gefordert waren. Gegen zugegeben schwierige Gegenspieler wie Renato Augusto und Castro selten zweiter Sieger. Die 3 geht in Ordnung.

Roel Brouwers (Kicker-Note 2): Bei einigen Hereingaben in der ersten Hälfte wie schon gegen Aue und Nürnberg nicht Herr der Dinge. Brachte Bailly mit seinem Rückpass mächtig in die Bredouille. Dafür traf er auf der anderen Seite zum ersten Mal in dieser Saison, als er bei Adlers Abpraller so wach war wie keiner der Bayer-Verteidiger. Bei drei Gegentoren ist die 2 trotz des Tores etwas zu hoch gegriffen – deshalb hier nur eine 3.

Dante (Kicker-Note 2): Ausflüge nach vorne waren diesmal kaum gefordert, Standards wurden entweder direkt verwandelt oder aber es glänzten Andere. Dafür machte Dante hinten stets den Eindruck, eher die Kontrolle zu haben als Brouwers. Meldete zum Beispiel Michael Ballack bei gegnerischen Standards vollkommen ab. Dass es gegen Nürnberg eine 2,5 gab und nun eine glatte 2, erscheint nicht richtig nachvollziehbar – deshalb geringfügige Abstufung auf eine 2,5.

Tobias Levels (Kicker-Note 3): Schlug sich wacker gegen Barnetta, ließ wenig zu. Wenn er sich nach vorne einschaltete, mangelte es manchmal an der Genauigkeit. In Erinnerung blieb sein sagenhafter Einsatz vor dem 2:5, als er halb im Liegen, halb im Sitzen Marco Reus auf Außen bediente. Überhaupt: vorbildlich geackert wie immer. Dass aus Levels kein technisch versierter Außenverteidiger mehr wird, ist bekannt. Die 3 ist gerechtfertigt.

Michael Bradley (Kicker-Note 2): Man hofft und hofft und glaubt es kaum – aber es könnte tatsächlich sein, dass da mittlerweile der Michael Bradley das weiße Trikot trägt, auf den man seit nunmehr zwei Jahren wartet. Stark in der Balleroberung, sicherer im Passspiel, mit viel Zug zum Tor. So wird es auch bald klappen mit dem ersten Saisontor. Die 2 ist richtig für den Amerikaner in WM-Form.

Thorben Marx (Kicker-Note 2,5): Gleiches wie für Levels gilt auch für Marx: seine Grenzen bei der Technik macht er mit Einsatz wett. Brachte manch einen Leverkusener zur Verzweiflung, weil er dem Gegner Ball um Ball abknüpfte. Seinen Schuss konnte Adler nicht festhalten, Brouwers staubte zum 2:1 ab. Marx verursachte später den Elfer und hatte nicht mehr die Fülle auffälliger Szenen in der Offensive. Eine 2,5 geht dennoch in Ordnung.

Juan Arango (Kicker-Note 2): Als er dann plötzlich sogar in Kopfballduelle ging und diese auch noch gewann, war klar, dass Juan Arango einen echten Sahnetag erwischt hatte. Sein Freistoß aus 29 Metern, passenderweise das Ende der 29 Spiele dauernden Torflaute, hat es leider nur auf Platz zwei der schönsten Treffer des Tages geschafft. Ansonsten brillierte Arango zusätzlich mit zwei Assists: Einmal nutzte Idrissou den Abpraller nach dem sehenswerten Volleyschuss des Venezolaners, anschließend überließ er Marco Reus vor dem 6:2 das Leder. Hier war der Kicker einmal sogar zurückhaltend: Wir erhöhen auf 1,5.

Marco Reus (Kicker-Note 1): Man ist Standardnoten eher gewohnt, wenn es darum geht, besonders schwache Teamleistungen abzustrafen. Genau am Gegenpol bewegte sich der Kicker bei Gladbachs Offensive. Marco Reus, mit einem Tor und ohne Vorlage vergleichsweise zurückhaltend auf dem Spielberichtsbogen, wirbelte in altbekannter Manier, glänzte mit großen Laufpensum und war wieder ganz und gar der Spieler, der sich bis in den Dunstkreis der Nationalmannschaft gespielt hat. Trotzdem geht‘s um 0,5 runter auf eine 1,5.

Patrick Herrmann (Kicker-Note 1): Nach Matmours glattem „mangelhaft“ in der vergangenen Woche, bewegt sich der 19-jährige Hermann in ganz anderen Sphären. Allein sein 3:1 – wie ein Tippkick-Spieler in den Winkel – war ein Treffer der Marke „das Eintrittsgeld wert“. Und wer in der 78. Minute noch auf den Torhüter geht und ihn in arge Nöte bringt, der hat eine glatte 1 rundum verdient.

Mo Idrissou (Kicker-Note 1): Pass auf Bradley, kein Tor, leider Abseits; langer Atem, noch längere Schritt, ein Schuss am Tor vorbei; starker Einsatz, Ball zu Herrmann, 3:1; Volleyschuss Arango, Parade Adler, Tor Idrissou – die Liste der tollen Aktionen des Neuzugangs ist lang gewesen. Dass er das Laufpensum tatsächlich 90 Minuten durchhielt – erstaunlich. Dass er Ende der Partie noch die Abgezockheit besaß, mit einem kleinen Lupfer einen Eckball rauszuholen – eine 1 wert.

Raul Bobadilla (75. eingew., keine Note): Hatte es nach seiner Einwechslung für den starken Arango beileibe nicht leicht, ebenso zu brillieren wie seine Nebenleute. Doch der Argentinier gab sich redlich Mühe, versuchte Fehler, die ihm unterliefen, gleich wieder gut zu machen. Etwas ungeschickt beim Versuch, einen Elfer zu schinden.

Sebastian Schachten (80. eingew., keine Note): Holte in seinem vierten Ligaspiel für die Borussia seinen ersten Sieg. Durfte ansonsten die blendende Stimmung genießen und fügte sich ordentlich ein in eine Mannschaft, der einfach alles gelang.

Roman Neustädter (85. eingew., keine Note): Half wie Schachten, das 6:3 über die Runden zu bringen. Zeigte noch einmal ein paar Minuten vollen Einsatz. Insgesamt eine dankbare Aufgabe, wenn jeder erfolgreiche Pass mit einem „Heeey“ von den eigenen Anhänger gefeiert wird.

Kicker-Schnitt: 2,05
Mein Schnitt: 2,27

31. August 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Hab mir deinen Kommentar in Bezug auf Bailly gegen Nürnberg nochmal angeschaut. Das stimmt schon, ich stand in Block 14 und konnte die Flugbahn live sehen und die war kurios. Ich korrigiere hiermit auf 2,5 ;)

    Bezüglich dem Leverkusen-Spiel kann ich nichts qualifiziertes sagen. Konnte das halbe Spiel nur im Radio verfolgen.

    Aber mir gefällt deine Arbeit hier, dafür ein Lob!

  2. Danke, beevizz!

    Dafür war ich diesmal etwas strenger mit Bailly. Wollen ja auch nicht alles durchgehen lassen.;)

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