Rückpass Frankfurt: Sitzengeblieben

Bei einem Notenschnitt im Bereich einer 5+ bot sich die Überschrift “Kollektiver Durchfall” an. So hart will weder jemand so hart sein noch sollen Missverständnisse aufkommen. Und so ruht der Auftritt am 3. Spieltag erst einmal in der Kategorie “Ein Tag zum Vergessen”. Sechs Spieltage wollte ich warten für ein erstes Urteil – dabei soll es bleiben.

Logan Bailly (Kicker-Note 4,5): “Wir nähern uns einem Torwartproblem in Gladbach”, habe ich vergangenen Samstag halbwegs wütend aus dem Borussia-Park getwittert. Nach einem guten Länderspiel gegen die deutsche Mannschaft stand wieder der unruhige, desorientierte Bailly im Borussentor – womit er als einziger im Vergleich zum Leverkusen-Spiel nicht in seiner Leistung abfiel. Zu seinem Glück neben einem kapitalen Bock beim 0:2 auch mit Paraden – da kann man die 4,5 gerade noch geben.

Filip Daems (Kicker-Note 5,5): Bevor jemand nach dem 6:3 in Leverkusen bei der Bewertung des Frankfurt-Spiels zu viel Schwarzweiß-Malerei ankreidet: Filip Daems gehörte schon vorher, schon viel länger zu den Wackelkandidaten. Vorne gar nicht präsent, hinten in vielen Fällen leider nur bedingt – Gladbachs linke Abwehrseite entwickelt sich zu einer Problemzone. Gegen die Eintracht sah Daems gleich mehrfach schlecht aus. Um gegenüber den anderen Verteidigern zu differenzieren, ist die harsche 5,5 deshalb gerechtfertigt.

Roel Brouwers (Kicker-Note 5): Wenn vergangene Saison jemand sagte, die Borussia könne gar nicht so viele Tore schießen wie sie kassiert, war Roel Brouwers ein Sinnbild für diese Aussage. In jenem der bisher vier Pflichtspiele hat er bei mindestens einem Treffer eine schlechte Figur abgegeben. Womit bei einem Tor auf seiner Habenseite klar ist: Auch Brouwers kann dieses Jahr gar nicht so oft treffen, wie er müsste. Eine 5 für ihn – immerhin war er damit diesmal Durchschnitt.

Dante (Kicker-Note 5): Inmitten einiger Unordnung gehörte Dante in den bisherigen Spielen stets zu den Lichtblicken, schien wenigstens sich selbst im Griff zu haben. Doch auch er erwischte gegen Frankfurt keinen guten Tag. Verpasste es beispielsweise, Altintop vor dem 0:4 zu foulen. Dante könne diese Saison zu einem der besten Bundesliga-Verteidiger aufsteigen, war ich mir wochenlang sicher – und bin es natürlich immer noch, trotz einer 5.

Tobias Levels (Kicker-Note 4,5): Ackern, Ackern, Flanken, Ackern, misslungen Flanken – so sehen Arbeitstage des Rechtsverteidigers im Schnelldurchlauf aus. Von seinem Offensivdrang könnte sich Pendant Daems einige Scheiben abscheiden. Vorne gelang Levels diesmal jedoch einiges nicht, beim 0:4 rückte er viel zu weit in die Mitte ein. Der Kicker sah offenbar ein wenig mehr Licht inmitten eines großen Schattens als bei seinen Abwehrkollegen. Die 4,5 kann man geben

Michael Bradley (Kicker-Note 5): Auch der Amerikaner erwischte keinen guten Tag. Wobei man beim Blick auf Note von Nebenmann Neustädter sagen muss: Bradley wirkte da nicht ganz so schwach. Er und Thorben Marx, das ist mittlerweile ein eingespieltes Duo, das sich gut ergänzt. Mit Neustädter war das nicht so, weshalb mehr als eine 4,5 für Bradley diesmal nicht drin ist.

Roman Neustädter (Kicker-Note 5): Sein Talent darf man dem 22-Jährigen nicht gleich absprechen, nur weil das erste Bundesligaspiel von Beginn an in die Hose ging. Wer von Neustädter Großes erwartet hat, obwohl seine Nebenleute allesamt einen schlechten Tag erwischt, hat wohl zu viel erwartet. Der Mann mit den gelben Schuhe wirkte nervös, zeigte nicht die Entschlossenheit, die es an der Schnittstelle zwischen Abwehr und Angriff braucht. Eine 5 zum Mundabputzen und Weitermachen.

Juan Arango (Kicker-Note 5): Da war er wieder, der alte Arango – möchte man nun leichtfertig behaupten. So schwach habe ich den Venezolaner jedoch nicht gesehen. Die Direktabnahme in Hälfte eins war Extraklasse, wie er Franz stehenließ ebenfalls. Dazu ein feines Pässchen mit dem Außenrist auf Reus. Schlage vor, die Noten von Arango und dem Youngster anzunähern: also eine 4,5 für Arango.

Marco Reus (Kicker-Note 4): Bei Spielern, die viel wagen, geht der Schuss naturgemäß auch mal nach hinten los. Reus war durchaus aktiv und engagiert, in vielen Fällen jedoch überhastet. So gelang ihm wenig, man hatte das Gefühl, bei genau zwei Optionen entschied er sich stets für die falsche. So ist sein Saisonstart sinnbildlich für den Rest: Licht, Schatten – alles dabei. Diesmal gibt’s nur eine 4,5.

Patrick Herrmann (Kicker-Note 5): Bis kommenden Samstag, 19 Uhr, kann man noch das “Tor des Monats August” wählen, hier zum Beispiel. Nach dem Jubeltag von Leverkusen mit Note 1, der Berufung zum “Mann des Tages” in der Bundesliga und dem Premierentor in der U21 fand Herrmann diesmal gar nicht statt. Wer nicht teilnimmt am Geschehen, aber anwesend ist, bekommt in der Schule meist eine 5 – die ist auch in diesem Fall in Ordnung.

Mo Idrissou (Kicker-Note 4): Seinen Toreschnitt hätte der Neuzugang beinahe beibehalten – wenn Schiri Drees nichts dagegen gehabt hätte. So bleibt bei Idrissou ebenfalls ein Tag in Erinnerung, an dem er viel versuchte, ihm aber auch viel misslang – beispielsweise als er statt des leeren Tores nur den Pfosten traf (zum Glück in Abseitsstellung). Als einzige Sturmspitze ist der Mann mit dem Usain-Bolt-Körperbau natürlich ungemein abhängig vom Rest der Truppe. Eine Leistung zum Sitzenbleiben war es nicht, also eine 4.

Raul Bobadilla (57. eingew., Kicker-Note 5): Dritter Jokereinsatz für den Argentinier, der derzeit den Sprung in die Startelf nicht packt. Bald kommt mit De Camargo ein weiterer Kandidat hinzu (man munkelt, es könnte wirklich so sein). Da rückt Bobadilla in der Setzliste wohl einen weiteren Platz nach hinten – bemüht ist in seinem Fall eben der kleine Bruder von… mangelhaft, also einer 5.

Marcel Meeuwis (80. eingew., keine Note): In einem Spiel, das längst verloren war, hätte ich gerne mal Fabian Bäcker gesehen, oder auch Tony Jantschke, der nun leider mit einem Mittelfußbruch mindestens acht Wochen ausfällt. Stattdessen wechselt Frontzeck nur zweimal, bringt am Ende Marcel Meeuwis – legen wir mal in der Schublade “Ein Dankeschön für die Ruhe und keine Nörgelei” ab.

Kicker-Schnitt: 4,79
Mein Schnitt: 4,75

14. September 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Einzig bei Baill ybin ich nicht bei dir, Bock vor dem 0:2? Du meinst wohl Dante -Bailly spielt gut mit und hat ein bisschen Pech bei der Aktion -
    Note egal TW-Problem nicht vorhanden!

  2. Bei Bailly bin ich voll bei dir – das Rauslaufen vor dem 0:2 und das sich in die falsche Richtung werfen war grottenschlecht. Selbst ein im 5-Meter-Raum verharren wäre wahrscheinlich besser gewesen und er hätte den Gegenspieler in eine Situation 1 gegen 1 gebracht.

    Daems sehe ich seit seiner Rückkehr in die Mannschaft als Schwachpunkt – habe es nicht verstanden warum man hier keine Verstärkung geholt hat. Technisch teilweise limitiert, viele Stellungsfehler und im Kopfballspiel deutlich schlechter als fast alle seine Gegner.

  3. @Jameiker: Die Bailly-Sache sehe ich, das geht aus dem Text ja schon hervor, ein wenig anders. Dazu dieser Artikel bei SPOX: Klick.

    @Wolf: Die linke Seite von Daems wird uns noch Probleme bereiten. Denke, dass er als Kapitän so viel Kredit hat, dass es schwierig wird, ihm mitzuteilen, dass er auf Links nicht die Optimallösung ist.

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