Die Liga der Anderen (IV): Sorgen nach dem SSV

In der “Liga der Anderen” kommen jeden Freitag Fans diverser Profiklubs zu Wort, die über ihr aktuelles Seelenleben erzählen. Mit dabei: Bremen, St. Pauli, Schalke, Stuttgart, Leverkusen, Dortmund, Duisburg und Bochum. Grenzen sind ihnen dabei keine gesetzt. Heute fühlt sich Lisa wie nach einer Shoppingorgie im Sommerschlussverkauf – ihre Schalker haben es ja vorgemacht. Doch wird das wirklich gut gehen?

Von Lisa (Schalke)

Ein Sommerschlussverkauf ist an sich eine schöne Sache. Qualitativ hochwertige Sachen für wenig Geld, wer kann da schon nein sagen? Dass dann für die neuen Sachen das eine oder andere alte Teil entsorgt wird, ist auch klar. Warum also zieht sich bei mir dieses Jahr alles zusammen, wenn ich das Wort Sommerschlussverkauf höre?

Weil es dieses Mal nicht um H&M, Görtz oder Zara geht, sondern um den FC Gelsenkirchen-Schalke 04.

Felix Magath zeigte sich wieder einmal in absoluter Shoppinglaune. Raúl, Huntelaar, Plestan, Jurado, Metzelder, Deac, Sarpei, Escudero, Jendrisek, Uchida, Papadopoulus, Hoogland für schlappe 35 Millionen geholt, dafür Kuranyi, Sanchez, Großmüller, Asamoah, Zambrano, Rafinha, Yalin, Zé Roberto, Mineiro, Bordon und Westermann abgegeben und 15 Millionen Ablöse kassiert. Rechnet man 10 Millionen Euro Gehaltseinsparungen dazu, haben wir ja im Endeffekt nur 10 Millionen ausgegeben. Das geht ja.

Merkt ihr was? Genauso rechnen wir uns die große Lücke in unserem Portemonnaie nach dem Sommerschlussverkauf auch immer schön. Dass die Bilanzen, die bei Schalke an die Öffentlichkeit gelangen, seit Jahren vorne und hinten nicht stimmen, merkt jeder, der in Mathe früher wenigstens sechs Punkte gekriegt hat. Ich habe immerhin noch so viel Vertrauen zu meinem Verein, dass ich daran glaube, dass wenigstens intern mit den richtigen Zahlen gerechnet wird. Was immer das auch helfen mag.

Niemand ist nicht käuflich

Die große Frage ist nur: Wann geht das alles mal schief? Wann sind wir irgendwann nicht mehr zahlungsfähig und kriegen trotz bester Kontakte in die höchsten Gremien des DFB und der DFL keine Lizenz mehr? Und: Was ist aus Magaths Sparplänen geworden? Außer Manuel Neuer sei niemand unverkäuflich, hatte er zum Ende der letzten Saison angekündigt. Es scheint aber im Moment auch niemand nicht käuflich zu sein. Dass das den Verein nicht gesundet, ist relativ offensichtlich. Viel schwerer wiegt im Moment aber, dass viele der Ein- und Verkäufe auch sportlich zweifelhaft sind.

Warum reißt Magath diese Defensive auseinander, die über Jahre das Prunkstück von Schalke war? Und warum lässt er den besten Stürmer, den wir seit den Zeiten von Ebbe Sand hatten, ziehen? Metzelder für Bordon ist genauso reiner Hohn wie Raúl für Kuranyi. Und es ist ja deutlich zu sehen, wohin das führt. Und zwar mit der durchschnittlichen Geschwindigkeit einer Laola-Welle (zwölf Meter pro Sekunde) Richtung Tabellenkeller. Vielen Dank an dieser Stelle an Sebastian und seine Schwaben: Nicht ganz unten zu stehen, ist immerhin irgendwie Trost.

Kritisch bleiben – auch nach dem Derbysieg

Nach den drei Niederlagen in der Bundesliga und der Pleite in Lyon sind die Schalker Probleme im Moment natürlich omnipräsent und Lösungsvorschläge kommen von überall her. Dass auch die Fans auf Schalke eine sehr kritische Haltung haben und sich selbstbewusst in die Entscheidungen des Vereins einmischen, ist eine gute Sache. Aber ihr wisst ihr es ja selbst: Kritisch gegenüber seinem Verein zu sein, ist nicht immer leicht. Deshalb sind Fans und Kritiker auch leicht wieder zufriedengestellt. Zum Beispiel nach einem Sieg im Derby.

Doch so glücklich uns alle der Erfolg gegen Lüdenscheid-Nord machen wird, kann es Magath nicht mehr als ein wenig Zeit bringen. Denn das, was er diesen Sommer mit der Mannschaft und dem Verein gemacht hat, muss in absehbarer Zeit erfolgreich sein. Um die Fans milde zu stimmen und vor allem, um Schalke wieder auf ein sicheres finanzielles Fundament zu stellen.

So sollte eine überzeugende Vorstellung gegen den Reviernachbarn nur der Anfang sein. Der Anfang für eine gute Saison in allen drei Wettbewerben, die alle Zweifel an Magaths Transferentscheidungen auslöscht. Wir werden sehen. Und geben uns alle Mühe, kritisch zu bleiben.

Rückblick: Sebastian über Stuttgart

17. September 2010 von
Kategorien: Innenrist | Schlagwörter: , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Schalke nicht ganz unten? Erfolg gegen Lüdenscheid-Nord? Da war jemand optimistisch ;) Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz artig für’s Rote-Laterne-Übernehmen…

  2. Willst du Schalke oben sehn, musst du die Tabelle drehn :-D

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