Der Ball ist eiförmig rund

Über amerikanische Wortkonfusionen, gescheiterte Putschversuche und seltsame Orthopäden-Ideen.

Fuß-Ball. Sieben Buchstaben und zwei Nomen, die fürs Erste alles verraten, was man wissen muss. Man braucht einen Ball, der mit den Füßen gespielt wird. Ein Ball ist in der Regel kugelförmig, wobei sich die eiförmige Variante im anglophonen Raum teils größerer Beliebtheit erfreut. Dass die USA unter Football etwas grundlegend anderes verstehen als die Leute im Mutterland des Fußballs, erscheint also gleich doppelt paradox. Handball, Basketball, Volleyball, Faustball, Korbball, Wasserball, Beachvolleyball(-handball, – fußball) – allesamt Ballsportarten, die auf -ball enden und entweder das maßgeblich gebrauchte Körperteil, den Spieluntergrund, das Ziel des Balles oder gleich mehrere Dinge beinhalten.

Nur der American Football, dessen Vorname ausschließlich außerhalb der USA gehegt wird, tanzt landestypisch aus der Reihe. Gekickt wird das Ei im Laufe von vier Quarters unterm Strich wohl nicht häufiger, als ein Fußballtorwart den “echten” Ball in 90 Minuten mit der Hand ins Spiel bringt oder er von einem Feldspieler geköpft wird. Die Sportschau könnte also genauso gut sonntagmorgens um 11 laufen und würde deswegen keinesfalls “Doppelpass” heißen.

Und weil der Fuß gewohnt entschlossen den Putschversuchen anderer Körperteile trotzt (Revoluzzer I, Revoluzzer II, Revoluzzer III), ist es heutzutage die Regel, dass ein Arm- oder Nasenbeinbruch nicht automatisch zur Krankschreibung führen muss. Während man früher noch mit Wirbelbrüchen und klaffenden Platzwunden weiterspielte, folgte eine Zeit, als Verletzungen an aus fußballerischer Sicht marginalen Körperteilen geduldig auskuriert wurden. Brechen Elle, Speiche und Nasenbein im 21. Jahrhundert, schafft ein fixer Gang zum Orthopäden Abhilfe und sorgt für venezianische Verhältnisse mit einem Hauch Frankenstein(Modell I, Modell II, Modell III).

Dass diese Verkleidung aus jenem Land kommt, das den heimischen Football mit Händen spielt und den einzig wahren mit Füßen tritt, überrascht letzten Endes nicht wirklich.

07. Dezember 2008 von Jannik Sorgatz
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