Rückpass Wolfsburg: Solide durch die Bank

Da ich das Spiel weder im Stadion noch live im Fernsehen gesehen habe, sind die Kicker-Noten diesmal in Stein gemeißelt. Ein paar Kommentare gibt es trotzdem.

Logan Bailly (Kicker-Note 3): Wer in der Schule nur anwesend ist, sich aber nicht beteiligt, kassiert dafür ein Mangelhaft. Anders sieht das bei Bundesligakeepern aus – Zurückhaltung ist da ein Indiz für einen rundum ruhigen Arbeitstag, den der Kicker in der Regel mit einer 3 entlohnt. Logan Bailly hat sich anscheinend so gefangen, dass man sich für Degradierungsbitten schon fast schämt – aber es sah ein paar Spiele lang schließlich auch grausam aus.

Sebastian Schachten (Kicker-Note 3): Mehr als drei Jahre ist der Ex-Paderborner jetzt im Verein, war vergangene Saison ausgeliehen. Das Spiel gegen Wolfsburg war erst sein sechster Pflichtspielauftritt. Auf den ersten Sieg in Leverkusen folgte nun das erste Spiel von Beginn an. Da Roel Brouwers wohl noch mindestens drei Spiele fehlen wird, ist Schachten zunächst gesetzt auf der linken Seite – und fügte sich gleich prächtig ein.

Filip Daems (Kicker-Note 3): 2007/2008 stieg die Borussia mit dem Innenverteidiger-Duo Daems/Brouwers auf. Während ein Part gesperrt ist, erlebt der anderen nun eine Renaissance in der Abwehrmitte. Und man wird das Gefühl nicht los, Filip Daems, eher zurückhaltend im Spiel nach vorne, seit dort in Wirklichkeit zu Hause.

Anderson (Kicker-Note 3): Nach dem Wurf ins eiskalte Wasser in Stuttgart und der hektischen Partie auf Schalke verlebte der Neuzugang zum ersten Mal einen relativ unspektakulären Arbeitstag – und hält bislang, was sich die Fans versprochen haben.

Tobias Levels (Kicker-Note 3): Seit langer Zeit mal wieder ein Levels-Auftritt aus dem Neuzeit-Terrier-Lehrbuch: Ackerte sich auf seiner rechten Seite ab, machte Druck und war hinten am Gegentor beteiligt – aber dennoch nicht schuld.

Michael Bradley (Kicker-Note 3): Die Wellen in der Formkurve des Amerikaners sind immer noch da, doch die Höhen überwiegen etwas gegenüber den Tiefen. Das Sechser-Duo ist gesetzt, daran gibt es derzeit nichts zu rütteln.

Thorben Marx (Kicker-Note 3): Sein erstes Tor für die Borussia war gleich ein erlösendes. Während bei Bradley desöfteren eine zu hohe Fehlerquote zu bemängeln ist, hat man Marx nur selten etwas vorzuwerfen.

Juan Arango (Kicker-Note 2,5): In den vergangenen drei Spielen gehörte Arango jeweils zu den Besten. Jetzt hatte mit Abstand die meisten Ballkontakte gegen Wolfsburg – für einen linken Mittelfeldspieler durchaus ungewöhnlich. Aber es spricht dafür, dass der Venezolaner eher das offene Visier als das Versteckspiel sucht. Zwei Tore und drei Assists zeugen zudem von erhöhter Effizienz.

Marco Reus (Kicker-Note 2,5): Wenn Deutschland im November gegen Schweden spielt und Holtby, Großkreutz, Hummel, Höwedes und Co. mit dabei sein werden, will auch Marco Reus nicht fehlen. Bis dahin hat er noch Zeit die Lorbeeren seiner ersten 14 Monate als Bundesligaspieler zu bestätigen. Es ging zuletzt bergauf, aber am Limit ist der 21-Jährige spielerisch noch lange nicht.

Patrick Herrmann (Kicker-Note 3): Glück für den Jüngsten in der Stammelf, dass die Verletzung, die er sich bei seiner sauberen Grätschen gegen Dzeko zugezogen hat, doch nicht so schlimm ist. Und überhaupt es eine bezeichnende Szene: voller Einsatz, nicht immer genug Fortune. Wenn de Camargo sich auf die Suche nach einem Platz in der Startelf begibt, könnten die Herrmann-Wochen zwar vorerst vorbei sein. Aber wer mit 19 stets zu den ersten 12-14 gehört, der hat es schon geschafft.

Raul Bobadilla (Kicker-Note 4): Laut Kicker muss Bobadilla gegen Wolfsburg schwächster Borusse gewesen sein. Bei all der Rackerei hat der Stürmer weiter ein gravierendes Manko: Er trifft einfach nicht. Und als einzige echte Spitze hat er nun einmal kaum andere Argumente. Könnte bald schon wieder ins zweite Glied rücken. Wobei ein Edeljoker namens Bobadilla auch seinen Reiz hätte.

Mo Idrissou (37. eingew., Kicker-Note 3,5): Der Lauf vom Saisonbeginn ist längst verflogen. Jetzt geht es für den Neuzugang einzig um seinen Stammplatz. Sein Vorteil: Die Position ist ihm relativ egal. Da kann sogar ein de Camargo kommen.

Igor de Camargo (82. eingew., keine Note): Außer Trainingskiebitzen und YouTube-Guckern kannte man bis Samstag nicht einmal den Laufstil des teuersten Neuzugangs. Nun ist er fit – mal sehen, wie lang. Das Debüt gegen Wolfsburg machte schon einmal einen vielversprechenden Eindruck.

Kicker-Schnitt: 3,04
Mein Schnitt: —

05. Oktober 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Diesmal war ich im Stadion und würde mit Borussia-Brille aus der Nordkurve folgendermaßen widersprechen:

    Schachten 2,5 – Nicht nur sehr engagiert, sondern super im Zusammenspiel mit Arango. Die Dynamik die Daems auf Links zu fehlen scheint konnte Schachten wunderbar mitein- und mit Arango in Einklang bringen.

    Arango 1,5 bis 2,0 – Wie stand es auch auf Torfabrik: Der Mann ist ein Phänomen. Kein Phantom, kein Mythos, gegen Wolfsburg schlichtweg der Dreh- und Angelpunkt des Spiels der Borussia. Die Zusammenarbeit mit Schachten fruchtete soweit, dass auch in der Schlussphase Arango hinten (!) mit ackerte (!). Wir waren begeistert! Und die Flügelwechsel…butterweich und punktgenau.

    Marco Reus 3,0 – Hmm, bei ihm fehlte mir einfach die Initiative. Von seinen Mitspielern gut in Szene gesetzt, nur knapp vor Benaglio nach starkem Dribbling von Kjaer gestoppt, aber meines Erachtens mehr reagierend als agierend. Sehr subjektiv.

    So long, ich bin wie immer erfreut über deine Arbeit hier und darüber meinen Senf hier auch abgeben zu können :)

  2. Was ich so gehört und im Nachhinein gesehen habe, spricht auf jeden Fall dafür, dass man das so sehen kann. Der Kicker sieht Arango aus irgendeinem Grund immer zu negativ und Reus zu positiv. Aber dessen Noten da sollen ja auch nicht die mit Löffeln gefressene Weisheit sein. Deswegen darf hier eben gerne der Senf dazugegeben werden. Danke dafür und weiter so.;)

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