Der DFB in Kasachstan: Trip nach Kaiserau

Heute Abend spielt die deutsche Nationalmannschaft in Astana – auf Kunstrasen. Doch über das Thema redet Gott sei Dank niemand mehr. Stattdessen sorgt die Zeitdifferenz von vier Stunden für seichten Gesprächsstoff.

Man kann von Qualispielen gegen Mannschaften wie Kasachstan, Aserbaidschan oder Liechtenstein halten was man will (obwohl: kann man, meiner Meinung nach, eigentlich dann doch nicht). Jedenfalls schreiben diese Auswärtsreisen von Zeit zu Zeit Geschichten, die einem ein Gastspiel in London, Paris oder Brüssel einfach nicht bieten kann. Da ist die deutsche Nationalmannschaft am Montag gut fünf Stunden nach Astana geflogen, nach Kasachstan, in ein Land, das siebenmal so groß ist wie Deutschland, in dem pro Quadratkilometer aber nur sechs Menschen leben. Bestünde das Land mit Grenze zu China nur aus Fußballfeldern, würde gerade auf jedem 24. genau einer wohnen.

So viel zu Kasachstan, zurück zur deutschen Nationalmannschaft, die aufgrund der Zeitumstellung so tut, als würde sie nicht die weiteste Qualireise ihrer Geschichte, sondern einen Ausflug in die Sportschule Kaiserau unternehmen. Die vier Stunden Differenz werden völlig ignoriert. Stattdessen hat die Mannschaft am Montagabend zu einer Uhrzeit trainiert, zu der höchstens Christoph Daum sein Team mal zur Strafe antanzen lässt – 23 Uhr, genau dann wird heute Abend auch angepfiffen, Ortszeit.

Lahm, Klose und Co. dürften heute eine studentische Aufwachzeit genossen haben. Damit die Zirbeldrüse im Gehirn nicht ausrastet bei der Produktion des Schlaf-Wach-Hormons Melatonin, sind die Zimmer im Hotel verdunkelt worden. Mittagessen gibt es, wenn in Altenheimen schon das Abendbrot verteilt wird. Und dann, 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wird man tatsächlich Fußball spielen – auf Kunstrasen. Aber da das Thema ja sowas von 2009 ist, müssen wir uns glücklich schätzen, dass es die Zeitumstellung gibt. Vorab schon einmal Danke, Kasachstan.

12. Oktober 2010 von Jannik Sorgatz
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