Nationalmannschaft: Alles in Butter

„Durchschnittlich“, das ist am Mittwoch eine häufige Bewertung des 3:0 in Kasachstan gewesen. „Durchschnittlich“, das liegt irgendwo zwischen „befriedigend“ und „ausreichend“, kann nicht begeistern, stellt aber zufrieden. Und so brachte dieses Spiel mit Toren von Klose, Gomez und Podolski am Ende eher einen Beweis für gefestigte Stärke als einen grauen Moment inmitten von Glanzlichtern.

Während sich die Mannschaft in der Vergangenheit desöfteren mehr zu Siegen quälte als spielte, ist das Vertrauen nun enorm. Auch in Astana war da stets die innere Gewissheit, dass es nicht bei einem 0:1, geschweige denn bei einem 0:0 bleiben würde. Genauso konnte man sich sicher sein, dass gegen Belgien noch irgendwie ein knapper Sieg herausspringen würde. Nur erklären konnte man es nicht.

Manuel Neuer ist im Tor derzeit eine Bank. Wäre da nicht dieser ADHS-Anflug bei einem Eckball gegen Aserbaidschan gewesen, wäre seine Weste nach der WM noch völlig weiß. Wäre. Hinten drin zeigt Holger Badstuber derweil die Abgeklärtheit, ohne die er nach dem Serbien-Spiel auf der Bank landete. Und auch Per Mertesacker kommt ohne Momente des kollektiven Pulsanstiegs aus. So sorgt neben dem gewohnt philipp-lahmigen Philipp Lahm allein die linke Abwehrseite für Sorgenfalten. Westermann, Boateng, Aogo, Jansen, Badstuber, Schäfer, Schmelzer – allesamt Kandidaten, allesamt nicht das Allheilmittel.

Dabei befindet sich die deutsche Nationalmannschaft, von Zeit Online heute als „rasanteste Elf der Welt“ gefeiert, in der luxuriösen Lage, jedes Problem als geradezu dankbare Baustelle zu betrachten. Als Kniff in den Unterarm, der daran erinnert, dass längst nicht alles perfekt läuft. Im Mittelfeld immerhin hat Toni Kroos bewiesen, dass Bastian Schweinsteiger zwar nicht zu kopieren aber immerhin zu ersetzen ist. Thomas Müller müllert sich weiter mit beeindruckender Leichtigkeit durchs DFB-Leben, Mesut Özil gibt keinerlei Anlass zur Klage. Und Lukas Podolski hat sich mit seinem Tor gegen Kasachstan, wie so oft, seine zwei Spiele Ruhe verschafft, bevor wieder damit begonnen wird, seine Position in Frage zu stellen – nicht zu Unrecht.

Nach Tor Nummer 53 gegen Belgien, als Gerd Müller noch fünfzehn Treffer entfernt war, hat man es irgendwo im Kleinhirn bereits für möglich gehalten, dass Miroslav Klose den Rekord aller Rekorde brechen könnte. Jetzt sind es nur noch zehn und gerade einmal sechs weitere Wochen sind vergangenen. Und wenn man bedenkt, dass sich Klose in seiner Karriere in der Nationalelf Tor-Auszeiten über 11, 15 und 12 Monate genommen hat, in denen er nicht nicht einmal traf – sagenhaft.

Neben Spanien und den Niederlanden gibt es in Europa derzeit keine Mannschaft, die der deutschen das Wasser reichen kann. England schlägt sich zwar ohne größeren Fehl und Tadel, leistet sich aber ein Remis gegen Montenegro – und ist und bleibt, was Turniere angeht, einfach England. Portugal kann längst sich mehr überzeugen, Frankreich befindet sich im Umbruch, den Italien nicht hinbekommt.

Unter diesen Voraussetzungen muss das Team von Jogi Löw das Ziel haben, ohne Blöße die EM-Qualifikation zu schaffen, um dann mit dem Ziel nach Polen und in die Ukraine zu fahren: Wir wollen Europameister werden. Oder noch selbstbewusster: Wir werden Europameister. Denn, ehrlich gefragt, mit welchen Ambitionen soll sie 2012 sonst antreten?

13. Oktober 2010 von Jannik Sorgatz
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1 Kommentar

  1. Das war ein tolles Spiel. Hätte im Vorfeld nicht gedacht, das Mario Gomez mal wieder den Ball zwischen die Pfosten legt.

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