Rückpass Hoffenheim: Mit gemischten Gefühlen

Uneingeschränkte Einigkeit mit dem Kicker – das kann eigentlich nur Zufall sein.

Logan Bailly (Kicker-Note 4,5): Wir fassen zusammen: Beim 1:1 ohne Chance, beim 1:2 irgendwie auch (immerhin noch den Ball aus dem Tor gefischt) und beim 1:3 sowieso. Das macht diesmal zwar kein verschuldetes Gegentor (wobei das 1:2 im Fünfmeterraum) fiel. Es bleibt jedoch noch immer jener Linksschuss von Beck an die Latte, den Bailly vollkommen verschlief – eine Situation, die viel aussagt über die Gesamtsituation des Keepers, der noch immer nicht gefestigt ist. Diesmal blieb alles wenigstens ohne Folgen, sicher war es nicht, deshalb bleibt’s bei der 4,5.

Sebastian Schachten (Kicker-Note 4,5): Nach dem verheißungsvollen Auftritt diesmal nicht so sicher. Erst einmal schaltete er sich kaum nach vorne ein. Als Bradley dann vor dem 1:2 einen Fehlpass spielte, irrte Schachten plötzlich weiter vorne herum und kam nicht mehr rechtzeitig nach hinten. Die Notbremse war ein letzter, verzweifelter und wenig geschickter Rettungsversuch, den man ihm aber kaum ankreiden. Insgesamt jedoch bewegte sich Schachten einfach im Rahmen einer 4,5.

Filip Daems (Kicker-Note 5): Der vermeintlich aufsteigende Ast war nun wieder ein absteigender. Sowohl beim 1:1 als auch vor dem Elfmeter sah Daems schlecht aus, leistete sich in Hälfte eins zudem einen Fehlpass, der zum Glück ohne Folgen blieb. Aus der Vertragslängerung und dem Vertrauen des Vereins konnte der Kapitän anscheinend kein Selbstbewusstsein ziehen. Und so bleibt nach drei soliden Spielen in Folge diesmal wieder nur eine 5.

Anderson (Kicker-Note 3,5): Die durchaus akzeptable Note kann man als bewusste Abstufung zur Leistung seiner Nebenleute begreifen. Insgesamt wirkte Anderson zweikampfstärker, leistete sich weniger individuelle Fehler und konnte beim 1:2 kaum etwas ausrichten, als Ba ihn eindeutig foulte. Fest steht, dass Anderson Leistung auch mit der seines Partners steht und fällt. Diesmal stand die mehr als sie fiel – da geht die 3,5 in Ordnung.

Tobias Levels (Kicker-Note 4): Die Flanke vor dem Elfmeterfoul ist sein Aufgabenbereich, ansonsten wirkte er weitaus stabiler als beispielsweise Daems oder Schachten. Vorstöße nach vorne hatten Seltenheitswert, immerhin sorgte er vor der Pause mit einem Weitschuss für Gefahr. Besser als Schachten, schlechter als Anderson, folgerichtig also: eine 4.

Michael Bradley (Kicker-Note 3): Der üble Fehlpass, der das 1:1 einleitete, war einer von nicht so vielen Patzern, die Bradley sich leistete. Beim Führungstreffer hellwach den Freistoß ausgeführt, auf dieselbe Weise den Anschlusstreffer vorbereitet – das war stark. Ansonsten gelang ihm natürlich nicht alles, jedoch konnte er für die meisten Lichtblicke sorgen, deshalb zu Recht eine 3 als bester Borusse.

Thorben Marx (Kicker-Note 3,5): Neu ist das nicht: Die 3,5 als Standardnote für Marx. Entweder macht sich der Kicker kaum Mühe zu differenzieren, oder aber es ist schlicht nicht möglich. Und wie so oft wirkt die Note deshalb völlig angemessen. Unauffällig, wenige Fehler, wenige Highlights – Marx eben.

Juan Arango (Kicker-Note 5): Nach der furiosen Länderspielwoche mit zwei Freistoßtoren konnte er bis auf seine Paradedisziplin kaum auf sich aufmerksam machen, bevor er sich mit seiner Tätlichkeit selbst ins Aus katapultierte, für sicherlich drei Spiele. Von Verein gab es deshalb oben drauf eine Geldstrafe (“Das Ganze hat eine gewisse Außenwirkung”, Frontzeck zur Torfabrik). Zeit zum Nachdenken wird er erst einmal haben. Für die Mannschaft wäre es wichtiger, er würde auf dem Platz stehen. 5 geht ok, besonders bei 44 Prozent Fehlpässen.

Marco Reus (Kicker-Note 4): Klasse Vorarbeit zum 1:0 durch Bobadilla, fiel danach leider nur noch durch Meckern und Undiszipliniertheiten auf. Mit dem Assist im Hinterkopf geht die 4 in Ordnung. In dieser Verfassung wird es schwer werden, sich bis zum Schweden-Spiele auf dem Zettel des Bundestrainer zu halten. Aber momentan haben Reus und der Verein ohnehin andere Sorgen.

Mo Idrissou (Kicker-Note 3,5): Sein Treffer in der Nachspielzeit spricht immerhin dafür, dass er nie aufgesteckt hat. Obwohl er sich die Bälle durchaus auch alleine holen kann, verhungerte er häufig etwas auf Links, weil die Borussia so tief stand. So konnte er seine Stärken beim kurzen, schnell Antritten nur selten entfalten, jeder zweite Pass kam nicht an. Als Anerkennung für Tor und Einsatz kann man die 3,5 aber geben.

Raul Bobadilla (Kicker-Note 3,5): In Hälfte eins verteidigte die Borussia zwar sehr tief, setzte gleichzeitig aber immer wieder gezieltes Pressing ein. Ganz vorne war Bobadilla hauptverantwortlich dafür, krönte seine starke erste Halbzeit mit seinem ersten Saisontor. Danach baute er stetig ab, bekam kaum noch Bälle. Als Mittelwelt aus beiden Hälften ergibt die 3,5 Sinn.

Elias Kachunga (78. eingew., keine Note): Ganze zwei Ballkontakte hatte Kachunga bei seinem Bundesligadebüt – das immer zwölf Minuten dauerte. Ein Urteil ist so kaum möglich. Natürlich eine undankbare Situation, aber seine Chancen werden schon kommen.

Igor de Camargo (78. eingew., keine Note): Der Belgier schaffte immerhin noch sieben Ballberührungen, brachte dabei aber keinen einzigen Ball zum Mann. Allein in der letzten Szene des Spiels trat er mit seinem Foul im Zweikampf gegen Beck einmal in Erscheinung. Könnte demnächst in der Startelf gefordert sein.

Jens Wissing (85. eingew., keine Note): Der zweite Debütant des Tages dürfte sich an seinen ersten Ballkontakt sicher noch genau erinnern – es blieb der einzige. Nun könnte kommenden Samstag die Startelf rufen.

Kicker-Schnitt: 4,00
Mein Schnitt: 4,00

19. Oktober 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , | 6 Kommentare

Kommentare (6)

  1. Jannik, gib doch einfach zu, dass Du auch beim Kicker federführend bei der Benotung bist :-)

  2. Gefühlt sind mir die Noten einfach zu gut, aber wahrscheinlich überdeckt da die 1.Halbzeit einiges. Nur zwei Spieler mit einer Fünf, warum denke ich gerade an ein furchtbares Spiel zurück?

  3. @Daniel: Das würde ich gerne tun, wenn es denn so wäre.;)

    @Bine59: Gefühl sind sie das sicherlich. Aber wir haben nun einmal eine erste Halbzeit abgeliefert, in der wir deutlich souveräner aufgetreten sind als Hoffenheim. Die Noten sind also diesmal so ziemlich der Durchschnitt von 90 Minuten. Deshalb kommt das schon so hin.

  4. nur bei arango sehe ich eine noch schlechtere note, da aber eine sechs nicht vergeben wird, muss es wohl bei der fünf bleiben

  5. Doch doch, Wolf, eine 6 kann’s auch mal geben. Früher hat der Kicker die für Unsportlichkeiten und Tätlichkeiten pauschal verteilt. Und wenn es angebracht ist, wird die auch hier gezückt werden, siehe das Stuttgart-Spiel.

  6. Ich will eigentlich so gerne was zu dem Spiel sagen, kann aber trotz Anwesenheit in Hoffenheim nicht:

    Hinweg mit zu wenig Schlaf nach einer zu guten Fete in Frankfurt, Rueckfahrt mit durch perfekte Parkplatzorganisation bedingter einstuendiger Wartezeit. Das WE war auch ohne dieses Spiel hart ;)

    Gebe mal wieder ein verzweifelt kopschuettelndes Nicken ab ;)

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