Gladbach – Bremen: Mönchengladbach 21

Selbst die beste Bilanz verliert in diesen Wochen an wert. Noch nie hatte Werder Bremen im Borussia-Park gewonnen. Das sollte sich ändern – und wie. Nach dem 1:4 ist die Krise allgegenwärtig. Doch Gladbach bleibt ruhig und gelassen.

Stadionbesuche sind eben doch die Essenz des Fanlebens. Das fängt schon damit an, dass vom Verlassen des Hauses bis zur Rückkehr dreimal so viel Zeit vergeht wie an öden Fernsehspieltagen. Dreifache Zeit, dreifache Vorfreude und in vielen Fällen leider auch dreifache Enttäuschung.

Der Fußballtag beginnt, man orientiert sich ja gerne an der Grundstimmung in der FIFA-Welt, mit einem Hauch von Manipulation. Die Ampel zeigt mal wieder Rot, links und rechts kostet der Verkehr die grüne Welle aus. Ich werde langsamer, 40, 30, 20 Stundenkilometer. Zweihundert Meter vor der Haltelinie wird es gelb, die Linksabbieger dürfen fahren. So spannend wäre das alles nicht, wenn die Ampel in Fahrtrichtung nicht gerade noch umspringen würde, bevor ich endgültig zum Stehen komme. Grüne Welle, perfekte Welle – der fünfte Sieg im sechsten Borussia-Park-Heimspiel gegen Werder Bremen ist nur noch Formsache. Man glaubt derzeit ja an sonst nichts mehr.

Bitte, mag jemand nun zu Recht einwerfen, bitte hör’ doch mal auf mit diesem elendigen Ampelgerede. Als ob das Wohlergehen eines Fußballvereines mit zig Festangestellten, Hunderttausenden Fans und Millionenumsatz von den Farben grün, gelb oder rot abhängen würde. Tut es nicht. Doch wenn Schwarz-weiß-grün sich seit Wochen konstant auf Talfahrt befindet, jedes Wochenende und damit jeder Spielbericht masochistische Züge trägt, dann muss man sich eben irgendwo festhalten. Zur Not an einer Ampel. Besser als sich dran zu erhängen.

Eine Mannschaft, die sich von selbst aufstellt

Wie gut, dass man samstags um 15:27 Uhr noch nicht weiß, was diesmal passieren wird. 2006/2007 zum Beispiel, in der Abstiegssaison, war die Frage lediglich, ob das Spiel 0:1 oder 0:2 enden würde. Wahrscheinlichkeit: 41 Prozent, vierzehn Mal kam das vor. Diese Saison liegt alles im Rahmen des Möglichen, was zwischen einem 6:3 und einem 0:7 liegt, einschließlich eben jener Ergebnisse. Man weiß schon vorher, es dürfte verrückt werden. Man weiß nur noch nicht, wie genau es wird. Ein Hauch von Schwiegertochter gesucht am Samstagnachmittag.

Vorhersehbarer als das Ergebnis ist gegen Bremen immerhin die Startaufstellung. Dass sich ein Team von selbst aufstellt, kann zwei höchst unterschiedliche Gründe haben. Entweder es läuft oder es bedarf wenig Fantasie, die richtigen Elf zu finden, weil kaum mehr als elf Spieler zur Verfügung stehen. Hinten links beginnt, wie erwartet, Jens Wissing für Sebastian Schachten. Igor de Camargo feiert sein Startelfdebüt für Hobby-Kronjuwelier Arango, der frühestens im Heimspiel gegen Mainz wieder in der Bundesliga auflaufen darf.

Die Anfangsphase gleicht einem Ausflug zur Hunderennbahn. Gladbacher Windhunde jagen dem einen Hasen hinterher. Der trägt die 10, trug früher mal die 11, dazu die Raute. In der fünften Minute wird Marko Marin von Michael Bradley erstmals zu Fall gebracht. Immerhin hält sich der Ex-Borusse mit seiner gewohnten Imitation des Fisches aus dem isländischen Fußball-Jubel-YouTube-Video zurück. Er belässt es bei einer einzigen Rolle, die wir ihm großzügig zugestehen. Permanent wird er ausgepfiffen. Vermutlich, weil der Ärger immer noch groß ist, dass 2009 angeblich nur rund acht Millionen Euro ihren Weg nach Gladbach fanden. Aber sind wir ehrlich: Ausgepfiffen wird nur ein echter Judas oder ein Abtrünniger, den man in Wirklichkeit immer noch gerne in seiner Mannschaft hätte. Was Marin angeht: siehe Letzteres.

Jedenfalls legt sich der Ex-11er und Neu-10er nun den Ball an der linken Außenlinie zurecht. Der Weg zum Tor ist weit, besonders für einen wie Marin, der beim Halbzeitspiel schon einen Kasten Jever Fun dafür bekommen müsste, wenn sein Ball es überhaupt vom Strafraum in den Mittelkreis schafft. 40 Minuten vor dem Halbzeitspiel schwebt der einzig entscheidende Ball nun in Richtung Tor, wie in Papierflieger, der sich im Hörsaal seelenruhig seinen Weg in Richtung Dozent wagt. Gladbachs Hintermannschaft begießt die Uraufführung der Tragödie „Nimm’ Du ihn, ich hab’ ihn sicher“ mit einen Gläschen Sekt. Als der Freistoß gefühlte drei Akte später im Tor landet, erhält die Stimmung plötzlich einen herben Dämpfer. Werder führt, nach nur fünf Minuten.

Oktoberrevolution: Bailly wird zum Sündenbock

Frühe Gegentore passieren, in letzter Zeit leider selten den Gegnern des VfL. Man könnte sie verkraften, wenn es mit der einen – euphemistisch gesagt – Unachtsamkeit getan wäre. Doch nur sieben Minuten nach Marins richtigem Tor im falschen Trikot erreicht die Tragödie bereits nicht für möglich gehaltene Höhen. Wesley startet an der Mittellinie einen Dauerlauf auf einem Trimm-Dich-Pfad namens Gladbacher Hälfte. Marx gibt ihm Personenschutz, bis Wesley eine humane Schussposition erreicht hat. Irgendein Körperteil von Anderson ist noch dran, von Bailly leider auch nicht mehr als das. Werder führt nach zwölf Minuten mit 2:0 und dieser Tag ist schon verdammt früh ein gebrauchter.

In der Folge erlebt der Borussia-Park so etwas wie eine Oktoberrevolution. Jeder Ballkontakt von Logan Bailly, der nicht zu einem Gegentor führt, wird mit hämischem Applaus und Gejohle bedacht. Für den Belgier dürften es die schlimmsten Momente seiner Laufbahn sein. Momente, die man im Grunde niemandem wünscht. Aber so funktioniert Basisdemokratie im Stadion: Wenn ein Trainer nicht merkt, dass er seinen Keeper am besten schon nach dem 0:7 in Stuttgart aus dem Tor genommen hätte, um ihn vor sich selbst und allen anderen zu schützen, dann braucht er eben andere Signale. Das ist hart, aber legitim. Und mit dem Wissen, dass die folgenden 78 Minuten für Logan Bailly die letzten für zumindest eine Woche sein werden, bekommt das Verhalten einer beachtlichen Gruppe so etwas wie nachträgliche Rechtfertigung. Fragt sich nur, was Ursache und was Wirkung war.

Was unter diesen Voraussetzungen am meisten verblüfft: Die Zeit nach dem 0:2 gehört allein der Borussia. Idrissou ermöglicht Ersatztorwart Mielitz die erste Weltklasse-Parade seines Lebens. Wenig später köpft de Camargo an den Oberschenkel von Frings und Bradley ist nach einem Fallrückzieher von Anderson in derselben Szene zu klein, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Zwei Mannschaften stehen sich gegenüber, die in der Abwehr so viele Überraschungsmomente bereithalten ein Golf II, Baujahr 1985, gekauft in Bulgarien.

Marin verpasst die frühe Entscheidung

Der nächste Düpierte ist nach einer guten halben Stunde Tobias Levels. Ein besserer Befreiungsschlag von Arnautovic landet in Gladbachs Hälfte bei Marko Marin. Der packt für sein gefühltes Körpergewicht von einer Weihnachtsgans zwar vehement zu. Er ist Levels vom Tempo her aber auch so überlegen, als müsste sein Gegenspieler für jeden Kilometer, den Marin läuft, eine Meile zurücklegen, um ihn einzuholen. Trotz Zweikampfhärte und Schnelligkeit kann der Gladbacher Zauberzwerg a.D. frei vor Bailly aber nicht mit Kaltschnäuzigkeit dienen und lupf am Tor vorbei.

Die Viertelstunde vor der Pause gehört wieder der Borussia, insbesondere Startelfdebütant de Camargo. Erst ist sein Bein Bruchteile eines Zentimeters zu kurz, als er an Bobadillas Hereingabe vorbeirutscht. Dann kann er beim Abpraller eines Schusses von Idrissou nicht schnell genug reagieren und verpasst die Einschussmöglichkeit. Nur 30 Ballkontakte und eine Passquote von 44 Prozent packen den unglücklichen und harmlosen Auftritt in Zahlen. So geht es mit einem 0:2-Rückstand unter Pfiffen in die Pause. Werder kam auf genau drei gefährliche Aktionen, wobei zwei erst durch eklatante Fehler ermöglicht wurden. Auf der anderen Seite reichten gleich vier Hochkaräter nicht für ein Tor.

Die zweite Halbzeit beginnt so, wie die erste aufgehört hat. Idrissou muss den Ball nach feiner Reus-Flanke nur noch ins Tor nicken. Doch stattdessen packt Wiese-Ersatz Mielitz die zweite Weltklasse-Parade des Tages aus. Während Idrissou noch auf dem Bauch liegt und vor Wut sechs Quadratmeter Rasen vertilgt, läuft der Bremer Gegenangriff. Hunt trifft auf so viel Gegenwehr wie Wesley vor dem 0:2. Folgerichtig wird auf verdammt banale Weise aus der Zwei eine Drei. Wissing und Daems fälschen gleich doppelt ab und Bailly ist so chancenlos wie selten in dieser Saison. Andi Brehme und Jürgen Wegmann vereinigen sich in dieser Szene: Haste Scheiße am Fuß, kommt auch noch Pech dazu.

Mertesacker zeigt Erbarmen – 1:3

Immerhin kann man der Mannschaft in der Folge nicht vorwerfen, dass sie den Kopf völlig in den Sand steckt. Anderseits käme alles andere auch einem sportlichen Suizid gleich. In der 67. Minute hat das Warten schließlich ein Ende. Der immer noch volle und angesichts der verheerenden Lage geradezu gelassene Borussia-Park sieht Marco Reus in einer seiner besten Aktionen aufs Tor zulaufen. Trotz Bremer Zange bringt er den Ball noch in Richtung Tor, wo Mielitz zumindest die zweitbeste Parade seines Sahnetages auspackt. Mertesacker erbarmt sich immerhin, in den Ball zu laufen wie eine betrunkene Giraffe und besorgt den Anschluss-Anschlusstreffer.

Nach all den Trauermomenten – Abwehrfehlern, der Oktoberrevolution gegen Bailly und ausgelassenen Großchancen – wird es eigentlich erst in den letzten 20 Minuten so richtig traurig. Bevor die Borussia überhaupt damit liebäugeln kann, alles in die Waagschale zu werfen, zieht Bremen mit Leichtigkeit das Tempo an. Im dritten Anlauf besorgt Pizarro dann die Entscheidung. Und als wenn das nicht genug wäre, ist das erste Saisontor des Peruaners gleich ein Geschichtsträchtiges. Mit seinem 134. Bundesligatreffer lässt der Werder-Stürmer alles hinter sich, was je ohne deutschen Pass in der Bundesliga gespielt hat. Aus Bremer Sicht ist es ein Spiel wie an der SB-Tankstelle: einmal auftanken, auf und davon düsen.

Wie schon gegen Frankfurt bringt die Schlussviertelstunde eine schier unendliche Zeit der Einsamkeit. Der Borussia-Park leert sich wie eine Hard-Rock-Schuppen, wenn der DJ plötzlich nur noch Blümchen und Barbie Girl spielt. Sitznachbar Christoph, diesmal ohne Sohn am Start, greift zu drastischen Mitteln und macht sich zum wiederholten Mal auf zum Getränkestand „Was soll’s“, sagt er resignierend. „Das gibt zuhause zwar wieder Haue, aber irgendwie muss man sich das ja schön trinken.“ Wahre Worte.

“Das besprechen wir intern”

Länger war die Borussia zuletzt von November 2008 bis Februar 2009 ohne Sieg. Damals: acht Spiele, drei Punkte, 8:17 Tore. Jetzt: sieben Spiele, zwei Punkte, 7:23 Tore. Die Lage ist prekär – fanden auch die Ultras, die Michael Frontzeck deshalb weit nach Abpfiff zum Gespräch in den Block gebeten haben. Gebeten haben, wohlgemerkt. Gesittet, friedlich, allein um den Dialog bemüht. Gladbach behält die Ruhe. Einerseits tut es gut, das zu sehen. Andererseits täte es auch gut, zu sehen, dass endlich jemand entschlossen zum brennenden Baum eilt und mit dem Löschen beginnt. „Es muss trotzdem drüber gesprochen werden“, sagte Rainer Bonhof in der Sportschau. „Das tun wir intern. Es gab mal Zeiten, da wurde das extern gemacht.“ Die Zeiten seien jedoch vorbei. Bleibt zu hoffen, dass die berüchtigten Interna etwas mehr in Richtung Tacheles gehen und nicht den Tatendrang eines Grünen-Tee-Trinkers verbreiten.

Niemand braucht blinden Aktionismus. Die Entscheidung des Trainer, Logan Bailly eine Wie-auch-immer-man-sie-nennen-soll-Pause zu verpassen, ist so etwas, das es mal gebraucht hat. Bleibt nur zu hoffen, dass der basisdemokratische Ausflug der Fans à la Stuttgart 21 nicht gegen sie ausgelegt wird. Denn für Michael Frontzecks Handeln gibt es letztendlich drei mögliche Gründe. Entweder hat der Trainer endgültig die Schnauze voll von den Patzern seines Keepers und den Glauben verloren – was unwahrscheinlich ist. Er könnte weiter voll an ihn glauben und reagiert weniger auf Baillys Patzer als auf die Häme der Anhänger. Oder aber er nimmt jene Häme als Vorwand, um seinen Keepers nicht vollends demontieren zu müssen. Wobei der als Demontierter derzeit nicht alleine wäre. Heiner Geißler, übernehmen Sie.

24. Oktober 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , , , , , | 10 Kommentare

Kommentare (10)

  1. Bei aller Frustration – ich bin noch relativ relaxt und möchte daher an Zeiten erinnern, wo wir noch nicht mal so etwas wie Torchancen hatten. Übles Gekicke und Rumgerenne – ohne Inspiration. also lassen wir den Trainer mal machen. Seine Aktion mit den Fans war herausragend, wer macht denn sonst sowas ?? Und der Heime hat ein Herz für die Borussia – lassen wir den auch mal erst machen……Was anderes fällt mir auch nicht ein …..Wir sehen uns in K’lautern !

  2. Du meinst die Borussia wäre Meister bei den Torwartpatzern?
    Na dann spielen am Samstag 2 Titelanwärter aufm Betze.
    Unser “Sippelsche” macht nämlich einen Bock nach dem anderen, unterstützt von “Abwehr”-Spielern…

    Für uns gehts am Samstag schon um alles oder nichts. 7 Punkte sind zu wenig und wenn wir gegen Euch nicht gewinnen, ja dann brennt de Betze.

    Gruß aus Lautern

  3. @borussenbomber: Stimmt, die Torchancen sind da. Zig Hochkärater zu vergeben ist wohl eine bessere Voraussetzung, als wenn wir wie 2006/2007 gar nicht in den gegnerischen Strafraum kommen würden. An Frontzecks Stuhl will ich auch gar nicht rütteln. Die Bailly-Entscheidung halte ich aber für überfällig.

    @Betzebub: Na das kann ja was werden. Unser “Titelanwärter” wird unter Umständen aber nicht dabei sein – je nachdem, wie lang die Denkpause ausfällt. Dann überlassen wir Euch den Patzertitel gerne.;)

  4. Ich finde es erschreckend, dass noch nicht einmal ein jahr nach robert enkes selbstmord wieder so mit menschen(!) umgegangen wird. Das es jetzt L:B: trifft, ist zwar einerseits verständlich, was jedoch am Samstag zu hören war, ist unterste schublade. Meint Ihr er macht das extra? Und um ehrlich zu sein, L.B. trifft bei weitem nicht die alleinige Schuld. Fussball ist immer noch Torwart + 10 Feldspieler.
    Das er keine ruhe ausstrahlt, kann man ihm nicht ankreiden, so würde jeder Torwart reagieren der schon über 20 Tore kassiert hat!

    Übrigens, ich lese deinen Blog jeden Spieltag, ist keine Kritik am Blog, son dern eine Meinungsäusserung über das geschehen von Samstag,

    Gruß aus der Eifel

  5. Thomas hat das Thema bereits angesprochen und ich muß sagen, ich bin nicht sicher, was mich mehr entsetzt.

    Sind es die “Fans”, die vor einem knappen Jahr um Robert Enke getrauert haben und nun einen jungen Mann von knapp 25 Jahren demütigen. Ihren Liebling, dem sie vor etwa gleicher Frist zu Füssen gelegen haben und ihn gefeiert haben.

    Oder ist es der Kommentar, der das Verhalten der “Fans” als legitim bezeichnet, von einer nachträglichen Rechtfertigung spricht.
    Der Zweck heiligt die Mittel und wenn dabei einer vor die Hunde geht… na ja, was soll es. Ist dann auch nur ein Weichei…

    Wenn ich an Mittwoche denke und den Besuch von Jupp Heynckes mit seiner Truppe, dann denke ich automatisch an die Morddrohungen, die ihn seinerzeit zum Rücktritt bewogen haben.

  6. Ihr hattet in der Tat eine Menge Chancen, daher war unser Sieg viel zu hoch. Aber wenn Ihr die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen nicht gerade biegt, bekommt Ihr weiter drei Tore pro Spiel.

  7. Ich glaube auch, dass es besser gewesen wäre, Logan Bailly eher aus dem Spielbetrieb zu nehmen,dann wäre es nicht zu dieser Situation am Samstag gekommen.
    @ Thomas Und da er eben keine Ruhe ausstrahlt, hätte man ihn gerade rausnehmen müssen.
    In der Mannschaft ist momentan jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie es nicht schafft, einen unsicheren Torwart mit zu schleppen.
    Alleine ist der TW sicher nicht an der Misere schuld, gerade unsere beiden 6er schaffen es nicht, der Defensive Sicherheit zu geben, schon in der letzten Saison haben wir zu viele Tore aus dieser Distanz gefangen.
    Ob man die Situation mit der von Robert Enke wirklich vergleichen kann? Ich glaube, dass dessen Geschichte schon weit aus tiefer ging.
    Ich hoffe, dass Logan Bailly gestärkt aus dieser Sache heraus kommt und dann wieder der Rückhalt ist, der er am Anfang für uns war.

  8. @Thomas:
    Dass es er das extra macht, wird wohl niemand behaupten. Also gibt’s drei Möglickeiten: Entweder ein Spieler hat die Klasse nicht, er hat sie zweifellos oder aber es gelingt ihm aus welchen Gründen auch immer nicht, seine Klasse abzurufen. Letzteres trifft offensichtlich auf Logan Bailly zu. Denn was er kann, hat er in seiner ersten Halbserie bei uns eindrucksvoll gezeigt. Und nur weil ihm vergangenes Jahr eine Klimaanlage auf den Fuß gefallen ist, wird er das nicht verlernt habe. Die Kopf-frei-Pause ist längst überfällig, das war sie schon nach dem Stuttgart-Spiel. Der Vorwurf geht am allermeisten an Michael Frontzeck, der das nicht erkannt hat. Bailly hätte er schon viel früher eine Pause verordnen müssen. Dann wäre es nie so weit gekommen, wie am Samstag.

    @Nicki:
    Sicher ist das hart, sicher war das für Logan Bailly ein ganz bitterer Nachmittag. Aber wie oben gesagt: Das wäre zu verhindern gewesen, wenn der Trainer die Zeichen der Zeit früher erkannt hätte. Morddrohungen und ein Selbstmord in Folge von schweren Depressionen sind für mich aber eine ganz andere Kategorie.

    Im Stadion sitzen alle zwei Wochen zigtausend Menschen, an denen die momentane Lage auch nicht spurlos vorbeigeht. Da ist Frust, da ist Enttäuschung, aber offensichtlich auch der Glaube, dass es bald wieder bergauf geht. Denn während woanders in vergleichbaren Situationen das Stadion bildlich gesehen brennt, samt Trainer-Raus-Rufen, war der Borussia-Park am Samstag noch vergleichsweise geduldig. Raunen, ein paar Pfiffe während des Spiels, ein Pfeifkonzert nach dem Spiel – aber beileibe kein absolutes Niedermachen der Mannschaft. Das ruhige, konstruktive Gespräch der Verantwortlichen mit den Ultras in der Kurve spricht da ja Bände.

    @Bine:
    Glaube auch, dass ihm die Pause gut tun wird. Scheint ja eine reine Kopfsache zu sein und den dürfte er in einer Woche hoffentlich frei kriegen.

    @Johan Petersen:
    Welche Mannschaftsteile? Momentan sind das eher elf Individuen, die genug mit sich selbst zu kämpfen haben.;) Aber ich geb’ Dir natürlich Recht.

  9. natürlich kann man das NOCH nicht mit robert enke vergleichen, jedoch hat das damals in barcelona oder beim abstecher in die türkei auch niemand als so schlimm bezeichnet, jeder weiß jetzt, leider zu spät, das es wohl doch zu viel für robert enke war.Das muss nicht unbedingt auf logan zutreffen,es sind aber erfahrungen, die bestimmt nicht positiv in erinnerung bleiben!

    Werde deinen Blog aber weiter lesen^^

    Gruß aus der Eifel

  10. Ich denke, das Problem an der Robert-Enke-Diskussion ist, dass diese Spiele, in denen er schlecht hielt und von Trainern und vor allem von den Fans dafür abgestraft wurde, ja nicht der Ausgangspunkt seiner Depressionen war. Gesunde Menschen nimmt so etwas sicher auch mit, sie können das aber verwinden. Aber Enke war krank und konnte das nicht.
    Ob auch Bailly an Depressionen leidet, wer weiß das schon? Ich traue mir nicht zu, in dieser Hinsicht einen einzigen Spieler in der BL zu beurteilen. Also weiß auch niemand, wie sehr ihn die Häme trifft.
    Trotzdem haben die Fans natürlich ein Recht darauf, ihren Standpunkt klar zu machen. Das ist ja mit dem Gespräch mit Frontzeck überraschend konstruktiv und ruhig gelungen. Und vielleicht sollten sie sich dann auch darauf beschränken, ihren Torwart einfach weiter zu unterstützen.

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