Rückpass Bremen: Elf Spieler, elf Baustellen

Ganz so viel Einigkeit wie letzte Woche herrscht diesmal nicht. Fest steht aber der Tenor: Seine Form findet derzeit niemand, Baustellen gibt es einige.

Logan Bailly (Kicker-Note 5): 154 Spieler haben derzeit einen besseren Notenschnitt in der Bundesliga, bei den Torhütern liegt er selbst hinter Kölns Mondragon – auf dem letzten Platz. Logan Baillys nicht nur wechselhafte, sondern tiefenreiche Saison hat ihm jetzt eine Was-auch-immer-Pause eingebracht. Gegen Bremen war er erst das letzte Glied einer Kette des Nichttuns, war beim 0:2 dann zwar am Ball, mehr aber auch nicht. Zu zwei Gegentoren ohne Abwehrchance gesellten sich zwar noch zwei gute Paraden – bei dieser Häufung von Fehlern nimmt davon nur leider kaum noch jemand Notiz. Eine 5.

Jens Wissing (Kicker-Note 5): In der ersten Hälfte machte der Ex-Münsteraner seinen Job ordentlich, leistete sich keine Aussetzer, traute sich vorne aber nicht allzu viel zu. Vor dem 0:3 griff er Hunt wie so viele andere nicht an, fälschte noch leicht ab. Als Wesley auf Pizarro flankte, hatte er sich ins Niemandsland zurückgezogen. Eine tadellose Hälfte und eine schlechte reichen aber immer noch für eine 4,5 beim Startelfdebüt.

Filip Daems (Kicker-Note 5): Nachdem man sich in den letzten Wochen erstmal sammeln musste, um bloß keinen gravierenden Fehler zu vergessen, übernahmen den Job diesmal andere. Was vielleicht auch daran lag, dass gerade Anderson – sei es Zufall oder irgendeine andere Kraft gewesen – öfter gefordert war. Auffällig war Daems so lediglich beim Schuss von Hunt, den er unhaltbar zum 0:3 abfälschte. Im Vergleich zu seinen Kollegen aber: Keine so unterirdische Leistung, für die man auch mal eine 4,5 geben kann – mit viel Gutmenschentum.

Anderson (Kicker-Note 5,5): Mit den ständig rochierenden und technisch versierten Bremern kam Anderson diesmal gar nicht klar. So häuften sich auch die folgenschweren Fehler: Beim 0:1 gehörte er zu den Zuschauern, die den Ball ins Tor trudeln sahen. Als Wesley von Marx nur Begleitschutz bekam und zum 0:2 traf, sprang Anderson etwas spät in die Bresche. Und beim 1:4 schließlich enteilte ihm Pizarro. Die 5,5 ist zwar hart, aber geht in Ordnung, um deutlich zu machen, dass der Lichtblick der vergangenen Wochen diesmal da schwächste Glied im Abwehrverbund war.

Tobias Levels (Kicker-Note 4,5): Ließ sich von Marin zeitweise so schwindelig spielen, dass er sich geärgert haben wird, damals im Sommer 2009 nicht aus eigeneer Tasche eine Gehaltserhöhung um 200 Prozent für den Wirbelwind bezahlt zu haben. So war er diesmal sein Gegenspieler und Levels völlig überfordert. Am deutlichsten wurde das nach einer halben Stunde, als Marin ihn im Laufduell zwar festhielt, er gefühlt jedoch auch nur halb so schnell war. Insgesamt zu wenig, also mangelhaft und damit eine 5.

Michael Bradley (Kicker-Note 4,5): Marin trieb ihn schon früh zur Weißglut. Das Foul zum Freistoß, aus dem das 0:1 resultierte, nahm er billigend in Kauf. Das üble Frustfoul war später mit Empathie schon nachvollziehbar. Immerhin fielen zwei der anderen Tore aus der Distanz, weil die beiden Sechser mal wieder keine Bindung zur Viererkette hatten. Ansonsten aber versuchte Bradley immer wieder, seine Mitspieler aufzuwecken und anzutreiben – am liebsten mit Ball. Aufgrund der defensiven Mängel geht die 4,5 aber in Ordnung.

Thorben Marx (Kicker-Note 4,5): Vor dem 0:2 leitete er die Fehlerkette ein, die sich zum Schneeball entwickelte. Sein Schuss in der Anfangsphase läutete die beste Phase der Borussia ein, mehr war nach vorne nicht von ihm zu sehen. Auch für ihn gilt: Erst die Schwächen der beiden Sechser bringen die Viererkette in so manche Bredouille. Und wenn die selbst nicht gefestigt ist, sieht das so aus wie am Samstag. Aus den ersten vier Bremer Chancen fielen drei Tore. Macht für Marx auch von mir eine 4,5.

Mo Idrissou (Kicker-Note 4,5): Dass Wiese-Ersatz Mielitz nicht nur zum Bremer Matchwinner, sondern zum besten Spieler des ganzes Bundesligaspieltags aufstieg (Note 1), hatte er besonders seinem Mentor Mo Idrissou zu verdanken. Der hatte den Anschlusstreffer einmal auf dem Fuß, einmal auf dem Kopf – und scheiterte jeweils am starken Werder-Keeper. Ansonsten war er gewohnt bemüht, aber wie so oft in den vergangenen Wochen glücklos und wenig effektiv. Kleine Steigerung auf eine 4.

Marco Reus (Kicker-Note 4): Die Form: weiter spurlos verschwunden. Immerhin leitete er mit seinem beherzten Antritt erneut einen Treffer ein, Mertesacker besorgte den Rest. Die feine Flanke auf den Kopf von Idrissou kam von ihm. Weitere Auffälligkeiten? Mangelware! Immerhin wirkte er in seinen Aktionen, die selten etwas einbrachten, wieder geradliniger. Mit einer 4 bleibt Reus aber wieder unter seinen Möglichkeiten.

Igor de Camargo (Kicker-Note 4,5): Nicht einmal jeder zweite Pass kam an, Ballkontakte hatten Seltenheitswert: So konnte der Neuzugang dem Borussenspiel noch keine Hilfe sein. Aber das wird sich ändern, mit Sicherheit. Geduld ist angesagt, de Camargo braucht noch Zeit. Ob er die in der Lage bekommt? Den Versuch dürfte es wert sein. Das Startelfdebüt brachte eine 4,5.

Raul Bobadilla (Kicker-Note 5): Lieferte meiner Meinung nach eine ordentliche Partie ab. Ackerte, presste, bereitete vor – so wie es seine Rolle fordert. Leider ging ihm wieder die Torgefahr ab. Weiteres Argument gegen Bobadilla in der Sturmspitze: Idrissou spielte dort besser als weiter hinten. Und die besten Argumente sind eben Tore. Da läuft bei Bobadilla weiter wenig zusammen. Trotzdem gehörte er noch zu den Besten, was der Kicker nicht so sieht – von mir aber eine 4.

Patrick Herrmann (67. eingew., keine Note): Als Wissing vor dem 1:4 Wesley nicht angriff, kam Herrmann zu spät, um die Flanke zu verhindern. Da war er wenige Minuten im Spiel und danach die Luft raus.

Kicker-Schnitt: 4,73
Mein Schnitt: 4,64

26. Oktober 2010 von Jannik Sorgatz
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