Die Liga der Anderen (VII): MacGyver Magath

In der “Liga der Anderen” kommen jeden Freitag Fans diverser Profiklubs zu Wort, die über ihr aktuelles Seelenleben erzählen. Mit dabei: Bremen, St. Pauli, Schalke, Stuttgart, Leverkusen, Dortmund, Duisburg und Bochum. Grenzen sind ihnen dabei keine gesetzt. Heute schreibt Tobias, warum trotz Platz 16 nach neun Spieltagen am Ende alles gut wird auf Schalke – und warum ihn der Trainer nicht an den Messias, sondern an einen Serienstar der 80er erinnert.

Von Tobias (Schalke)

„Schalke: 0 Siege in 4 Heimspielen“ – so steht es heute in meiner kleinen münsterländischen Heimatzeitung. „Kannste ja froh sein, dass du dieses Jahr noch kein Ligaspiel im Stadion gesehen hast“, meint mein Bruder halb hämisch, halb mitleidend, als er über die Schulter mitliest. Den Kommentar, dass er sich angesichts der Situation seines VfL Bochum wohl besser zurückhalten sollte, spare ich mir, wohl bewusst, dass er gerade bestimmt genau dasselbe denkt.

Auch, dass seine Bemerkung totaler Schwachsinn ist, weiß er natürlich. Darin sind sich Fußballfans aller Farben einig: Deine Mannschaft kann gar nicht so schlecht spielen, als dass du nicht in der tiefen Überzeugung „Ab heute wird alles besser und danach werden wir den deutschen Fußball auf Jahre hinaus beherrschen“ zum nächsten Heimspiel fährst – um diesen Gedanken nach dem Spiel dann wieder um zwei Wochen nach hinten zu vertagen.

Natürlich bin ich nicht froh, noch kein Spiel gesehen zu haben und das trotz halber Dauerkarte (man ist beim aktuellen Zuschauerboom in der Bundesliga ja schon froh, wenn man sich eine Karte teilen kann). Da die DFL der Ansicht ist, aus marketingtechnischen Gründen auch den deutschen Spieltag mehr und mehr zu zerstückeln, lässt sich das aktive Fußballerdasein halt nur schlecht mit dem als Fan kombinieren und man guckt wortwörtlich in die Röhre.

Bilanz eines Absteigers

So bleibt mir bis jetzt nur die Rolle des Beobachters aus der Ferne. Ob es daran liegt, dass ich trotz des katastrophalen Starts und Platz 16 so gelassen damit umgehe? Zur Erinnerung: Null Siege aus vier Heimspielen, nach neun Spieltagen überhaupt erst ein Sieg – das ist die Bilanz eines Absteigers. Und trotzdem scheint das außer mir auch sonst keinen in Königsblau zu beunruhigen. Auch das ist im Grunde, neben der sportlichen Situation, ein weiterer alarmierender Hinweis auf die gefährliche Lage.

Doch obwohl ich mir dessen bewusst bin, mache ich mir unerklärlicherweise keine Sorgen. Und das hat seine Gründe. Zum einen: die individuelle Klasse in der Offensive. Klar, Geld schießt keine Tore, entscheidend ist das Kollektiv, ein Spieler alleine kann kein Spiel gewinnen – fällt jemandem noch eine Plattitüde ein? Aber wer vorne Huntelaar, Raul, Jurado und Farfan herumrennen hat, hat damit zwar noch lange nicht die Garantie am Ende unter den ersten 5 zu landen, wird aber definitiv nicht absteigen. Punkt.

Grund Nummer Zwei: Felix Magath. Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich bin kein riesiger Magath-Fan und mag lieber Trainer-Typen wie Thomas Schaaf oder Holger Stanislawski. Aber für Schalke ist Magath der Richtige. Auch hier ein eigentlich wieder alarmierendes Signal: Die Bild-Zeitung schreibt heute von Zick-Zack-Magath und meint damit seinen sprunghaften Umgang mit Lob und Kritik angesichts der Ergebnisse und Vorfälle in dieser Woche. So verhält sich eigentlich ein Trainer, der der sportlichen Situation ratlos gegenübersteht. Bei Magath kommt (außer der Bild) keiner auf die Idee. Magath ratlos? Geht doch gar nicht. Mit Bayern das Double geholt, Wolfsburg (!!!) zur Meisterschaft geführt und dann mit dem untrainierbaren Schalke und den Bubis Schmitz, Matip, Moritz, Höwedes im ersten Jahr sofort um die Meisterschaft mitgespielt. Der Mann macht nichts falsch, der weiß immer was er tut.

Zumindest muss man diesen Eindruck nach den letzten Jahren haben. Der schafft es sogar eine Niederlage so zu verkaufen, dass sie für den Verein langfristig etwas Positives hat. Für mich ist er nicht „Messias Magath“, sondern „MacGyver Magath“. Egal was passiert, er hat eine Lösung. So blöd sich das anhört: Erfolg schafft Vertrauen. Komme ich nach einer Niederlage total gefrustet aus dem Stadion und höre dann das Interview mit MacGyver, sieht die Welt schon gar nicht mehr so düster aus. Dann kann mir auch mein Bruder nix anhaben, wenn er euphorisch den souveränen 1:0 Heimspielsieg des großen VfL gegen Ingolstadt feiert.

30. Oktober 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Innenrist | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Und immer noch nicht beunruhigt?
    Dann brauche ich es als Gladbach Fan ja auch nicht zu sein, denn anscheinend reicht es, nach 10 Spieltagen 6 Punkte zu haben, um immer noch ruhig zu schlafen.

    Im Gleichschritt mit Schalke,ein Sieg, drei Unentschieden und sechs Niederlagen, nur das Torverhältnis trennt uns.
    Wer hätte das zu Saisonbeginn gedacht?

  2. Na klar, kann mir doch keiner erzählen das einen der Tabellenstand des letztjahres Zweiten am Arsch vorbei geht und man total ruhig und gelassen ist. Eigentlich hätten meine Gladbacher Nachbarn schon öfter mal dei Verzweiflungschreie ein Schalkemitglieds hören müssen, aber warscheinlich war deren eigenes geheule so Laut, das ich nicht zuhören war.!!

    Es wird alles wieder gut! Sowohl in Gladbach als auch auf Schalke!

    PS. MacGyver – das triffts!!! Super!

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