Rückpass Kaiserslautern: Wieder nix

Mal wieder bewegt sich der Notenschnitt der Borussia im Rahmen einer glatten Fünf – sowohl beim Kicker als auch hier. Es hakt in allen Mannschaftsteilen.

Christofer Heimeroth (Kicker-Note 3,5): Auch in seinem zweiten Spiel als Bailly-Ersatz traf Heimeroth keine Schuld bei den Gegentoren. Tifferts Sonntagsschuss ist sicherlich schon von irgendeinem Torhüter auf diesem Planeten gehalten wurden. Heimeroth aber muss sich da keinerlei Vorwürfe gefallen lassen. Beim 0:2 und 0:3 war er ebenso machtlos, hatte in Hälfte eins zwei gute Paraden. Einmal unterschätzte er einen Freistoß von Tiffert, als Herrmann den Ball gegen die Latte lenkte, stimmte die Abstimmung nicht ganz – unterm Strich eine gerechtfertigte 3,5.

Tobias Levels (Kicker-Note 4,5): Seit Wochen mit der gesamten Viererkette im Sinkflug. Die Akzente, die er nach vorne setzt, werden immer rarer. Und Einsatz allein ist zwar eine gute Basis, lässt die Waage bei all den individuellen Fehlern aber eher zu Levels‘ Ungunsten ausschlagen. In dieser Verfassung geht es ihm die Bundesligatauglichkeit ab. Bei Bugeras Pass auch Nemec war Levels gar nicht in der Nähe, Anderson sah schließlich noch schlechter aus. Eine 5 ist da auch mal in Ordnung – weil der Gesamteindruck eben nicht stimmt.

Anderson (Kicker-Note 5,5): Der richtig schwachen Partie gegen Hoffenheim folgte einer seiner soliden Auftritte gegen Leverkusen. In Kaiserslautern war Anderson dann wieder häufig indisponiert. Ganz schlecht sah er vor dem 0:2 aus, als er die Orientierung verlor und Nemec in seinem Rücken entwischte. Somit häufen sich nun auch beim Brasilianer die krassen Fehler, die zu Gegentoren führen. Ihm fehlt die Souveränität in den Zweikämpfen, was wohl damit zu erklären ist, dass es um sein Selbstvertrauen nicht allzu gut bestellt sein dürfte. Das ist zwar verständlich, wird den Ansprüchen aber genauso wenig gerecht wie bei seinen Kollegen. Anderson braucht schleunigst einen stabilen Partner wie Dante – dann dürften Leistungen im Rahmen einer 5,5 auch der Vergangenheit angehören.

Filip Daems (Kicker-Note 5,5): Nach einem verblüffend souveränen Auftritt im Pokal glich die Leistung des Captains nun wieder eine Doppelfolge „Upps, die Pannenshow“. Krönung war sein kläglicher Klärversuch vor dem 0:3, als er den Kopf nahm, anstatt den Ball mit dem Fuß aus der Gefahrenzone zu befördern. So ist Daems ein ständiger Gefahrenherd und verunsichert seine Mitleute in dieser Verfassung eher, als dass er sie mit seiner Erfahrung besänftigen könnte. Die 5,5 geht da völlig in Ordnung.

Sebastian Schachten (Kicker-Note 4): Anders als Levels, seinem Pendant auf der anderen Seite, konnte man Schachten den Drang nach vorne in Lautern nicht absprechen. Dabei glückte ihm jedoch kaum etwas – was größtenteils an erheblichen technischen Defiziten lag. Insgesamt leistete er sich aber auffällige Patzer, was seine Note mit einer 4,5 um eine Nuance besser ausfallen lässt.

Thorben Marx (Kicker-Note 4,5): Als das Spiel längst verloren war, mimte Marx plötzlich den Aggressive Leader und holte sich seine fünfte gelbe Karte ab. Verständlich, dass er Hals angeschwollen ist in dieser Lage, mit seiner Erfahrung müsste er sich da aber etwas cleverer anstellen. Insgesamt unterliefen im weniger Fehler im Spielaufbau als Nebenmann Bradley – wobei das auch immer ein gefühlter Eindruck ist. Sein Schuss in der Anfangsphase gehörte noch zu den gefährlichsten Aktionen. Weil Lautern aber unnötigerweise immer wieder aus dem Rückraum zum Schuss kam, ist nicht mehr drin als eine 4,5.

Michael Bradley (Kicker-Note 5): Den ordentlichen Leistungen in den vorhergegangenen Spielen folgte jetzt wieder ein schwacher Auftritt. Laut Statistik unterlief ihm bei 19 Pässen zwar nur ein Fehlpass, was angesichts des Gesamteindrucks aber kaum hinhauen kann. Wie Marx wirkte Bradley ohne Bindung zu den anderen Mannschaftsteilen, was in dieser Saison immer wieder ein Indiz dafür ist, dass wenig zusammenläuft bei der Borussia. Die mangelhafte Leistung mit Note 5 rundete sein passives Verhalten vor dem 0:1 ab, als er Tiffert mehr begleitete als attackierte.

Marco Reus (Kicker-Note 4,5): Fing gut an – nur leider beschränkte sich die gute Anfangsphase auf rund fünf Minute. Tauchte danach wie so oft in den letzten Wochen ab. Nach der Pause leitete er die beste Chance des Spiel ein, als er frei auf Sippel zulief, aber ohne die letzte Konsequenz im Abschluss scheiterte. Lange galt er als sicherer Kandidat für eine Nationalelfnominierung in diesem Monat – die rückt mit solchen Leistungen, erneut nur eine 4,5, aber in weite Ferne.

Patrick Herrmann (Kicker-Note 5): Für Herrmann gilt das gleiche wie für Anderson: Neben völlig indisponierten und verunsicherten Kollegen fällt es ihm als unerfahrenem Spieler besonders schwer, Fuß zu fassen. Was von ihm in Erinnerung blieb: Sein Abfälscher an die Latte und ein Antritt, den Moravek mit einem Gelb-Foul beendete. Ansonsten spielte Herrmann so unauffällig, dass seine Auswechslung fast zwangsläufig war – eine 5.

Igor de Camargo (Kicker-Note 5): Gegen Wolfsburg begann alles so verheißungsvoll, danach hat der Belgier keinem Spiel seinen Stempel aufdrücken können. Die erhoffte Verstärkung ist er so noch nicht. Ebenso wenig ist erkennbar, welchen Spielertyp er verkörpert, was seine optimale Position sein soll. Nach der langen Verletzungspause ist (noch) besondere Rücksicht angesagt. Mehr als eine 5 ist selbst dann jedoch kaum drin.

Mo Idrissou (Kicker-Note 5,5): Sein unglaublicher Fehlschuss in der 51. Minute – am Samstag eigentlich nur die Spitze des Eisberges. Mindestens so sehr nerven seine ständigen Abseitsstellungen, die oft Angriffe einfach so zerstören. Zeitweise hat man das Gefühl, Idrissou habe die Abseitsregel nicht richtig verstanden. Während er trotz glückloser Leistung gegen Leverkusen die ganze Zeit Gefahr ausstrahlte und am Enden des wichtigen Ausgleich erzielte, ging ihm diesmal jegliche Torgefahr ab – einer seiner schwächsten Auftritte im Gladbach-Trikot, aber eine 5,5 ist zu hart, deshalb eine 5.

Elias Kachunga (76. eingew., keine Note): Die kurze Drangphase der Borussia ging an ihm vorbei, danach war das Spiel mal wieder entschieden. Es gibt aber auch dankbarere Phasen, um in der Bundesliga die ersten Schritte zu gehen. Andererseits: Wer im kalten Wasser gleich losschwimmt, ist schon mal abgehärtet.

Kicker-Schnitt: 4,77
Mein Schnitt: 4,82

02. November 2010 von Jannik Sorgatz
Kategorien: Fohlengeflüster | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Da ich auch auf selbstherrliche Weise lange Zeit Noten vergeben habe, würde mich interessieren, wie Du die Unterscheidung zwischen 5,5 und 6 triffst. Das ist beides sehr schlecht, wie schlecht aber muss einer spielen, um eine 6 zu verdienen? Und was hat er besser gemacht, wenn er mit einer 5,5 davon kommt?

  2. Tja, erwischt, gar nicht so einfach. 5,5 ist für mich die schlechteste Note, die es gibt. Die 6 kommt dann im Grunde nur bei so 0:7-Schlappen in Stuttgart. Da muss ich zugeben: Ich bin in solchen Situationen vielleicht auch ein bisschen Bild-Zeitung, weil es müßig erscheint, zu schauen, ob der Linksverteidiger nicht vielleicht doch eher 5,7 und damit näher an der 5,5 war. (Wobei Kollektiv-Noten für einzelne Mannschaftsteile noch längst keine für die ganze Mannschaft entschuldigen!)

    Ich denke, es fällt leichter, zwischen den anderen x,5ern und den vollen Noten zu differenzieren als zwischen 5,5 und 6 – weil die 6 nun einmal diesen “Durchgefallen, gar nicht erst zum Unterricht erschienen”-Charakter hat.

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