Die Liga der Anderen (VIII): Hoffen auf die Wende

In der “Liga der Anderen” kommen jede Woche Fans diverser Profiklubs zu Wort, die über ihr aktuelles Seelenleben erzählen. Mit dabei: Bremen, St. Pauli, Schalke, Stuttgart, Leverkusen, Dortmund, Duisburg und Bochum. Grenzen sind ihnen dabei keine gesetzt. Heute sagt Sebastian, warum sich beim VfB Stuttgart außer der Punkteausbeute kaum etwas geändert.

Von Sebastian (Stuttgart)

Seit meinem letzten Gastspiel auf diesem Blog am zweiten Spieltag hat sich vieles geändert beim VfB Stuttgart. Ein neuer Trainer sitzt auf der Bank, gewonnen hat die Mannschaft in der Liga auch schon zweimal, in der Europa League sind es sogar vier Siege. Doch einiges ist auch gleich geblieben: Nach wie vor steht der VfB auf einem Abstiegsplatz und wirklich überzeugen konnten die Spieler noch nicht.

Eigentlich sagt man Schwaben ja nach, ein bisschen konservativ zu sein, und nicht überhastet, sondern wohlüberlegt zu handeln. Ob da ein so früher Trainerwechsel ins Bild passt, kann man drüber streiten. Bisher haben die Verantwortlichen in Stuttgart zumindest bis Ende November mit der Entlassung gewartet – mit Erfolg. Markus Babbel (Amtsantritt 23. November 2008) und Christian Gross (6. Dezember 2009) haben die Mannschaft jeweils aus den Untiefen der Tabelle bis in den Europacup geführt. Den Zahlen nach scheint sich auch der jetzige Wechsel schon zu lohnen: In drei Bundesligaspielen hat Jens Keller vier Punkte gesammelt, einen mehr als Christian Gross in sieben Spielen. Dazu kommen noch Siege in der Europa League gegen Getafe und der Triumph im Pokal in Chemnitz. Macht nüchtern betrachtet vier Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage seit dem Trainerwechsel. Klingt doch ganz in Ordnung.

Doch leider (oder zum Glück) zeigen die Zahlen nicht, wie der VfB spielt: Gegen Schalke in der zweiten Halbzeit eigentlich unterlegen, gegen Getafe im Hinspiel zwar überlegen, aber torgefährlich wie meine Oma mit Rollator, gegen Chemnitz mehr mit Wollen als mit Können weiter gekommen. Auch Wolfsburg ist nicht gerade für seine überzeugende Abwehrarbeit bekannt, trotzdem trifft der VfB nicht. Die drei Tore am Donnerstag gegen Getafe waren auch eher den chaotischen Spaniern als einer genialen Offensive zu verdanken. Schön ist das Weiterkommen im Europapokal natürlich schon, aber es steht im krassen Gegensatz zu dem Tabellenplatz und den Ansprüchen in der Liga. Denn dazu sind Getafe, St. Pauli und der legendäre Chemnitzer FC nicht das, womit Stuttgart sich messen will und angesichts der Spieler auch messen muss.

Liegt’s nur am Trainer?

Die eine oder andere Maßnahme von Jens Keller scheint zu greifen, große Impulse blieben jedoch aus. Zugegeben, er hat auch nur den gleichen Kader wie sein Vorgänger zu Verfügung, und dazu noch verletzungsbedingte Ausfälle. Dennoch hat beispielsweise die Entscheidung, zumindest vorerst nicht an Camoranesi fest zuhalten, sich nicht negativ bemerkbar gemacht. “Nicht negativ bemerkbar” soll hier heißen: Die rechte Seite ist in der Defensive nicht mehr ganz so anfällig, aber nach vorne ist es immer noch nicht so, wie sich ein gutes Mittelfeld verhalten sollte. Also kein Lob wert.

Sonst hat sich im Kader wenig getan. Hier sollte man auch bewusst das Wort “Kader” wählen, denn eine Ansammlung von mehr oder weniger begabten Spielern macht noch keine Mannschaft. Noch begabtere Einzelspieler, die noch weniger eine Mannschaft sind, findet man derzeit nur in der Gelsenkirchener Turnhalle zu Schalke. Resultat: Tabellenplatz 15 und 17, sowie die Erkenntnis, dass nichts über eine motivierte und eingeschworene Gemeinschaft geht. Mainz und Dortmund machen es allen vor, wie man mit jungen, gierigen Spielern ganz oben in der Tabelle stehen kann.

Wenigstens eine meiner Prognosen aus dem September ist eingetroffen: Stuttgart steht nicht mehr hinter Gladbach. Nur das wir uns dabei beide auf Abstiegsplätzen befinden,  war so nicht geplant. Aber solange Gladbach immer brav ein oder zwei Punkte hinter uns bleibt, können sie dem VfB gerne bei der Aufholjagd in der Rückrunde folgen.

07. November 2010 von
Kategorien: Innenrist | Schlagwörter: , , , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Netter Beitrag, Sebastian!
    Ich bin Schalke Fan und weiß genau was du meinst. Nur gute Einzelspieler bilden halt kein Team und wenn sie dann auch noch nicht an sich gewöhnt sind (Laufwege etc.) wird alles nur noch komplizierter.
    Aber das Stuttgart und Schalke nicht in den Tabellenkeller gehören sondern eher in dem Kampf um Championsleague und Euro-League-Plätze ist wohl jedem klar. Ich denke auch, dass die Mannschaften sich fangen werden und in der Lage sind eine Aufholjagd zu starten. Wir werden sehen.

  2. Na mit der Aufholjagd haben sie ja heute eindrucksvoll begonnen.
    Hätte Cacau den Elfer verwandelt, wäre bei einem 0:7 nicht immer nur Gladbach genannt worden.
    Zwei Spiele, 13 Tore, nicht schlecht!

  3. Dann wollen wir die Einladung mal annehmen und Euch ab nächster Woche dann wirklich folgen.;)

  4. Pingback: Gladbach – Bayern: Hammer! at Entscheidend is auf’m Platz

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

*